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Kirschblüten und rote Bohnen

Fr, 18.05.2018, 14:05 Uhr - 15:50 Uhr | ARTE

Kirschblüten und rote Bohnen3 Sterne bei 1 Bewertung
Drama, Deutschland, Frankreich 2015 | BreitHDTVStereoVT150
Kirschblüten und rote Bohnen

Sentaro betreibt lustlos einen kleinen Imbiss für Dorayaki - mit einer süßen Bohnenpaste gefüllte Pfannkuchen -, der mehr schlecht als recht läuft. Doch alles ändert sich, als Tokue sich bei ihm bewirbt. Sentaro will der alten, gebrechlichen Frau mit den verkrüppelten Händen eigentlich absagen, doch als er ihre selbstbereitete süße Bohnenpaste - die titelgebende "An" - kostet, lässt er sich umstimmen. Tokue führt Sentaro in die Kunst der "An"-Zubereitung ein, die vor allem aus Sorgfalt, Liebe zu den Produkten und Wertschätzung der Arbeit besteht. Für Sentaro eine neue Welt, denn er betreibt den Kiosk nur, um eine alte Schuld abzutragen: Als Wiedergutmachung für ein von ihm begangenes Verbrechen arbeitet er nun für die Familie, die sein Schmerzensgeld bezahlt hat, um so seine Schulden zurückzahlen zu können. Durch Tokues köstliche "An"-Paste beginnt der Imbiss zu laufen. Das bekommt auch das Schulmädchen Wakana zu spüren, das am Imbiss herumhängt und sich Reste holt. Sentaro und Tokue werden für sie, deren alleinerziehende Mutter rastlos auf der Suche nach einer neuen Liebe ist, mehr und mehr zum Familienersatz. Als ruchbar wird, dass Tokues verkrüppelte Hände von einer auskurierten Lepraerkrankung herrühren, bleiben die Kunden aus und die Imbiss-Besitzerin zwingt Sentaro dazu, seine Angestellte zu entlassen. Als Sentaro und Wakana Tokue in ihrem Zuhause, einem Quarantäne-Heim für die letzten japanischen Leprakranken, besuchen, finden sie sie voller Dankbarkeit vor. Denn durch die Arbeit sei ihr der Wunsch erfüllt worden, sich in der und für die Gesellschaft nützlich zu machen. Wie in den Filmen der japanischen Altmeister Ozu und Mizoguchi geht es um den Verlust der traditionellen japanischen Werte in einer von entfremdeter Arbeit geprägten Moderne. Die Regisseurin Naomi Kawase hat es geschafft, universelle Themen wie Schuld, den Wert des Einzelnen in der Gesellschaft und den Konflikt zwischen Tradition und Moderne in der Traditionslinie der alten Melodramen, aber gleichwohl mit Humor zu erzählen. Ein emotional tiefer, anrührender und zugleich heiterer Film.

DarstellerKirin Kiki (Tokue), Masatoshi Nagase (Sentaro), Kyara Uchida (Wakana), Taiga (Yohei), Wakato Kanematsu (Wakato), Etsuko Ichihara (Yoshiko)
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RegieNaomi Kawase
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BuchNaomi Kawase
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MusikDavid Hadjadj
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WiederholungWiederholung vom 14.05.

Bewertungen

Mi, 16.05.2018 von 8martin
Die Einsamkeit der Pfannkuchen3 Sterne
Ein bewegendes Melodram um drei Außenseiter der Gesellschaft, die gut verteilt das japanische Soziogramm repräsentieren. Da ist zunächst Sentaro (Masatoshi Nagase), ein Mann in den besten Jahren, der Pfannkuchen (Dorayaki) verkauft, die er mit An (Originaltitel!), einer süßen Bohnenpaste füllt. Die alte Tokue (Kirin Kiki) kennt ein altes Familienrezept und schafft es, dass Sentaro sie einstellt und dann wäre da noch Wakana (Kyara Uchida), eine Schülerin, die eine häufige Kundin bei Sentaro ist. Alle drei sind Außenseiter der Gesellschaft und leben mehr oder weniger allein. Sentaro war im Gefängnis, Wakana Schatzi ist ein Kanarienvogel und Tokue hat Lepra. Diese Leute wurden bis vor kurzem in Japan noch zwangsweise interniert. Wie diese drei zusammenfinden und Freundschaft über den Tod hinaus schließen erzählt Regisseurin Naomi Kawase in lyrischen Bildern und mit starkem Druck auf die Tränendrüse. Dabei geht es im Grunde doch um ein ganz banales Thema: das Geheimnis der Pfannkuchen. Im Zauber der Natur mit Kirschblüte und grünen Wäldern wird die Einsamkeit des Menschen erträglicher, die in leisen Tönen rüberkommt. Schön traurig und kontemplativ bei viel Handlungsarmut.War diese Bewertung hilfreich?
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