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Fr, 10.07.2015
Kino | The Railway Man
Der Eisenbahn Fan3 Sterne
Was da der deutsche Verleiher mit dem Originaltitel gemacht hat (von ‘Der Eisenbahnfan‘ (So nennt sich Lomax selber) zu ‘Die Liebe seines Lebens‘) ist ebenso verwerflich, wie dem Film sogleich das Etikett ‘Schmonzette‘ anzuheften. Klar, dass sich inhaltlich die ‘Brücke am Quai‘ aufdrängt, obwohl auch der Vergleich hinkt. Im Film von 1957 ging es viel distanzierter, distinguierter, einfach viel Englischer zu. Damals genügte es bereits Alec Guinness der gnadenlosen Sonne bei Entzug von Nahrung auszusetzen. Hier kommt die Folter direkter, akustisch unterstützt, dass es das Publikum aus den Sitzen brettert. In beiden Filmen ging es um Ehre, Menschlichkeit und Mut, um Verrat und Vorteilsnahme. Hier gibt es aber noch zwei weitere Ebenen: eine Liebesgeschichte und eine Psychostudie. Erstere mit zwei großartigen Darstellern: Nicole Kidman und Colin Firth liefern eine schauspielerisch reife Leistung ab. Mimisch minimalistisch, glühen sie innerlich. Und dazu noch die Message ‘Durch die Liebe kann man von einer posttraumatischen Störung geheilt werden‘. Den Gegenpol verdeutlicht Stellan Skarsgard. Die ausbleibende Rache wird durch menschliche Größe ersetzt. Täter und Opfer verschmelzen in ihrem Schmerz, der sie verbindet. Das ist meilenweit entfernt von der üblichen Westernmoral. Es bleibt ein beeindruckender Film, der sich auf die Memoiren von Eric Lomax stützt und der den Zuschauer mit einem flauen Gefühl im Magen entlässt. Wir fragten uns ‘Warum wohl?‘ Dabei hat der Film doch alles, was einen erfolgreichen Film ausmacht: Action, Liebe, Psycho-Kram.
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Do, 09.07.2015
TV | Die verborgene Stadt
Der weiße Elefant3 Sterne
Die beiden Priester Julian und Nicolas (der argentinische Superstar Ricardo Darin und Jéremie Reinier) sind hier ebenso authentisch wie die Sozialarbeiterin Luciana (Martina Gusman). Sie versuchen in den Slums zu helfen und sitzen zwischen allen Stühlen. Eine riesige Bauruine, die eigentlich ein Krankenhaus werden soll (Originaltitel!), überragt wie ein Ungeheuer die Wellblechhütten der Armen. Es ist der Alltag in dieser Gegend: Schießereien, Rauchbomben, Wasserwerfer, Barrikaden und brennende Autoreifen. Es kommt zu einer Revolte, in der die Einheimischen den Bau selbst in die Hand nehmen wollen. Der Knaller hier ist, dass wir nebenbei ein Tabu sehen, das es gar nicht geben darf: Pater Nicolas schläft mit Luciana. Danach hat Regisseur Pablo Trapero wohl der Mut verlassen. Nach einer ausgiebigen Schießerei, in der Julian umkommt, besucht Luciana Nicolas in einem Kloster? Umarmung. Er sitzt wieder allein an einem Tisch. Das alles geht ohne Worte dahin. Zwischendurch liebliche Musik und grüne Wiesen. Es hätte ein Portrait eines Priesters der Armen werden können. Der ist hier aber Julian, nicht Nicolas. Der hedonistische Pater ist wohl eher der ‘Weiße Elefant‘ bzw. das schwarze Schaf. Einer unter vielen, der sich auf Silikon bettet. Vielleicht war es ja so, denn dem Ganzen liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde. Nur hätte Nicolas erklären müssen, wie er sich seine Zukunft vorstellt. Seine Gefühle beschreibt er mal als Wut, Verbitterung und Angst. Der deutsche Titel ist kryptisch. Der des Originals ist nur für Insider verständlich, die sich in der Gegend auskennen. Im Ansatz bemüht, gegen Ende etwas unklar. Nur die Atmosphäre stimmt.
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Do, 09.07.2015
Kino | Safe Haven - Wie ein Licht in der Nacht
Ein sicherer Hafen2 Sterne
Das große Plus der Filme von Lasse Hallström sind die stimmungsvollen Bilder mit einem sanften Soundtrack unterlegt, die immer eine Atmosphäre schaffen, in der man sich sicher und geborgen fühlt (Titel!). Egal ob ‘Chocolat‘, ‘Schiffsmeldungen‘ oder ‘Mme Mallory‘ (alles Lieblingsfilme von mir!), es sind Feel-Good-Movies der obersten Kategorie. Doch hier mit der Verfilmung eines Romans von Nicholas Sparks deutet der Titel schon an, was uns erwartet. Und es ist schlimmer als alle Befürchtungen. Die eindimensionale Handlung einer Liebesgeschichte zwischen Alex (Josh Duhamel) und Katie (Julianne Hough), die eigentlich Erin heißt und auf der Flucht ist, kann kaum noch überboten werden von der hanebüchenen Handlung. Da werden tote Ehefrauen zu Nachbarn und schreiben vorausschauende Briefe. Und dann werden sie auch noch zu Katies bester Freundin. Direkte Anlehnung an den Roman sind dann solche Lebensweisheiten wie ‘Das Leben ist voll von zweiten Chancen.‘ Alex macht Katie ein Geschenkt ‘Is ja bloß ein Fahrrad, keine Niere‘. Platter geht’s nimmer. Und wenn der Fortgang der Handlung etwas klemmt, gibt’s einen Unfall, der natürlich glimpflich ausgeht. So eindimensional wie die Handlung sind auch die Dialoge und die Darsteller. Und alles wird übertüncht von weit verbreiteter Vorhersehbarkeit, die sich selbst im finalen Showdown einnistet. Es ist ein sonderbares Endspiel. Bei so vielen Ungereimtheiten fühlt man sich schon irgendwie verschaukelt. Da sind selbst Märchen realistischer. K.V.
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Mo, 06.07.2015
TV | Zeit zu leben
Ganz normale Leute3 Sterne
Beide Titel zerschießen nicht gerade die Birnen im Lampenladen, sollten aber nicht mit einem ähnlich klingenden deutschen Film von Douglas Sirk verwechselt werden. Hier ist nur Zeit zu leben, keine Zeit um zu sterben. Im Film von Alex Kurtzman werden lauter folgenschwere Zufälle zum Gestaltungsprinzip erhoben. Sam (Chris Pine) verliebt sich in die alleinerziehende Mutter Fankie (Elizabeth Banks) und muss feststellen, dass sie seine Stiefschwester ist. Sie hatten einen gemeinsamen Vater, der verstorben ist. Ja gut, da streicht schon mal etwas Schmonzettenhaftes durchs Drehbuch. Aber die drei guten Darsteller verhindern es, dass die Handlung in einer süßen Melodei einer Herz-Schmerz-Polka daherkommt. Besonders die kleine Rolle der großen Michelle Pfeiffer als Mutter von Sam ist beeindruckend. Ihre Krankheit und der Krankenhausaufenthalt werden nur kurz behandelt, damit die Stimmung nicht absinkt, aber auch kein Schmonzes aufkommt. Chris Pine, der Sonnyboy des 21. Jahrhunderts, und Elizabeth Banks die Beauty-Queen bringen tatsächlich echte Emotionen zum Klingen: da ist Wut und Enttäuschung drin, Verletzlichkeit und Möbelrücken. Wenn Blondinen lächeln, scheint halt immer die Sonne. Der Plot enthält so manches abgedroschene Klischee, wie z.B. wenn beide etwas sagen wollen und gleichzeitig loslegen oder etwas wird verneint und ausgeschlossen – Schnitt – und ist dann doch passiert. Immerhin für ein Debüt gar nicht mal so schlecht.
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Sa, 04.07.2015
TV | Stratos
Das Böse an sich4 Sterne
Der Titelheld dieses Thrillers ist cooler als die Typen bei Kaurismäki und gnadenloser als die Revolverhelden bei Sergio Leone. Der Film ist schwärzer als die ‘Noirs‘ (die schönen Landschaftsaufnahmen sind hier nur ironische Tupfer, die die unangenehme Handlung konterkarieren). Vor allem ist die Situation hoffnungsloser und voller fataler Zufälle bis der tödliche Bumerang den Werfer selbst trifft. Gerade Freunde oder auch Freundinnen, z.B. Vicky (Vicky Papadopoulou) leben gefährlich, man kann sich nie sicher sein, ob Stratos (Vangelis Mourikis), der Killer mit dem traurigen Gesichtsausdruck nicht doch unvermittelt zuschlägt. Man kann nichts im Voraus erkennen, denn er verzieht keine Miene. Verunsicherung macht sich breit. Unmöglich sich irgendwo gedanklich festzuhalten oder irgendwie sicher fühlen, wie bei anderen Krimis. Es gibt nicht die Guten und die Bösen. Sie sind alle böse. Aber auch die außerordentliche Erzählweise trägt zur Spannung bei. Vage Dialoge, enthalten Andeutungen und Bruchstücke aus der Vergangenheit, auf die man sich teils selbst einen Reim machen muss. Die Handlung verläuft nicht linear. Sie enthält bewusst Lücken, die nach und nach zum Teil gefüllt werden. Viele Sätze sind mit Schimpfwörtern gespickt, die öfters wiederholt werden. Alles was negativ gesehen wird, erhält das F- Wörtchen. Viele Szenen wirken auf diese Weise wie frei improvisiert, verdeutlichen aber auch den aufgestauten Mitteilungsdrang, wenn da irgendwo ein Ventil geöffnet wird. Ein außergewöhnlicher Krimi, hart, kalt schockierend, tödlich von der ersten bis zur letzten Minute.
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Sa, 04.07.2015
TV | Der 200 Jahre Mann
Ewig leben?3 Sterne
Ein nettes Science Fiction Märchen, das recht amüsant beginnt und am Ende nach Diskussionen über Sterbehilfe und Ewiges Leben in Tränen ertrinkt. Der Android Andrew (Robin Williams) liefert sich anfangs mit seinem Herrn und Besitzer Richard Martin (Sam Neil) spaßige Wortduelle. Er ist es, der den Roboter auch auf die menschliche Schiene bringt und seine Einzigartigkeit erkennt. (Andrew kann künstlerisch Gestalten.) Mit seiner Selbstständigkeit und dem Drang nach Freiheit wird die Handlung dann allerdings etwas langatmig. Bei den Frauenfiguren wie Mrs. Martin (Wendy Crewson), Tochter Amanda oder Portia (beide Embeth Davidtz) verliert man schon mal den Überblick. Die Androiden-Frau Galatea ist als Ergänzung zu Andrew gedacht, aber auch um sein Verhältnis zur Enkelin Portia spannender zu machen. Die Menschwerdung von Andrew ist wiederum ganz nett gestaltet. Sein Konstrukteur Oliver Platt lässt ihn Essen, Küssen, Weinen und Pupsen. Er landet im Bett mit Portia. Da bleibt nur ein Problem für die Verliebten: er ist unsterblich, sie nicht. Er altert nicht, sie schon. Die Lösung, die Regisseur Chris Columbus anbietet ist nachvollziehbar. ‘Es ist besser, als Mensch sterblich zu sein, denn als Roboter ewig zu leben.‘ So geht denn auch der älteste Mensch nach 200 Jahren den Weg alles Irdischen. Ganz unterhaltsam. Die Androidenmasken sind toll.
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Mo, 29.06.2015
TV | Gambit - Der Masterplan
Kunstfälscher2 Sterne
Drehbuch von den Coen-Brüdern an der Kamera steht Ballhaus Junior. Es dauert etwas, bis die Komödie in Gang kommt. Anfangs quälen sich Kunstfälscher Major (Tom Courtenay) und Harry Deane (Colin Firth) mit der prolligen Texanerin PJ Puznowski (Cameron Dias) arg durch die etwas dröge Handlung. Man will schon wegzappen, da liefern sich Harry und PJ eine emotionale Redeschlacht, die aufhorchen lässt. Und plötzlich ist es vorübergehend eine ganz nette Komödie. Zwar ohne Tiefgang aber so spaßig sieht man Colin Firth selten. Er kämpft mit festgeschraubten Stühlen und versucht sich als Fassadenkletterer mit einer Ming-Vase unterm Arm. Auch die Jungs an der Rezeption oder der chinesische Dolmetscher sind keineswegs schlechte Komiker. Es sind hübsche Einzelleistungen. Kurzes Aufflackern von Situationskomik wegen der höchst seltenen Sicherheitsanlage in der Villa vom reichen Bösewicht Alan Rickman, der den etwas durchgeknallten auch ganz überzeugend spielt. Aber nach Madams Flatulenzen (sie wähnt sich unbeobachtet außer Hörweite) wird es wieder flach und flacher. Selbst die Fälschung wird zur Nebensache. Es scheint, als ob am Ende keiner so genau weiß, wo der echte Monet ist. Egal die Handlung mit der entsprechenden Komik ähnelt, wollte man sie graphisch darstellen, einer Zeichnung von Saint-Exupéry: ‘Schlange hat Elefanten verschluckt‘: vorne und hinten flach und in der Mitte ein Hügel. Alles in allem geht es so. Colin Firth sei Dank. Aber wer oder was ist Gambit?

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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