Do, 11.06.2015Kino | Ein Schotte macht noch keinen SommerOpa geht fortDieser Schotte schon! Billy Connolley, einer der größten und warmherzigsten Komiker der Britischen Inseln lässt es geschehen, dass nicht nur ein zerstrittenes Ehepaar: Abi (Rosamund Pike) und Doug (David Tennant) ihren Ehefrieden wiederfinden, ihre Kinder einen packenden Abenteuerurlaub am Meer verbringen sondern auch, dass das Publikum auf das beste unterhalten wird in diesem Sommerfilm. Nettes Wortspiel des deutschen Titels, wobei ein ‘Schotte‘ durch eine ‘Schwalbe‘ ersetzt wurde.
Besonders die drei Kinder der Familie bringen einen Großteil der Komik mit ihren teils altklugen, teils scharf sezierenden Fragen. Sie quengeln, nerven und demaskieren die Erwachsenen, indem sie sie beim Wort nehmen. Ein Familientreffen wie wir es alle kennen – nur lustiger. Ein überaus sympathischer Großvater (Connolley) lenkt alle Familienmitglieder, die sich zum Familienfest bei den McLeods einfinden, hat aber auch noch eigene Pläne mit den Kids, bevor er die Schwalbe macht. Selten war ein Weggang so freundlich undramatisch, so nett und wohltuend, eingepackt in die Mythologie der Wikinger. Eben Billy-Connolley-mäßig.
Die Figuren sind alle authentisch, besitzen viel natürlichen Charme und wirken spaßig, selbst wenn sie albern sind. Und das gilt für die Erwachsenen (hier besonders die verschrobenen McLeods) ebenso wie für die Kids. Und hier sind es vor allem die Kleinsten: Bobby Smalldridge und die kesse Harriet Turnbull.
Ein Feel-Good Movie, dass wenn schon nicht den Urlaub ersetzen kann, so doch eine ähnlich gute Stimmung verbreitet. Toll! | |
Di, 09.06.2015TV | Flucht durch die BergeElsa rettet die MännerWem endlose Ballereien gefallen, der wird diesen Film mögen und wem ewig lange, entbehrungsreiche Märsche durch Sandwüsten und schneebedeckte Berge in Afghanistan gefallen, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Das ist nämlich das einzige, was hier so passiert in 100 Minuten. Titel stimmt also wenigstens.
Dass der Feind die Taliban sind, ist klar, dass es um die Entführung und Befreiung einer Journalistin geht, verliert an Bedeutung.
Mit logischen Fragen sollte man Regisseur Rybojad auch nicht nerven. Etwa wie kann die Truppe fast zwei Wochen ohne Nahrung auskommen? Oder wie in einem Western werden sie am Ende gerettet. Nicht von der Kavallerie, sondern von einer Spezialtruppe per Hubschrauber, die von der Einzigen, die durchgekommen ist, Elsa (Diane Kruger), herbeigeholt wurde.
Zugegeben die Landschaft ist eindrucksvoll, die Leiden gigantisch und der Verbrauch an Platzpatronen ebenfalls.
Statt Charakterzeichnung Einzelner steht Kameradschaft als vage Überschrift, statt einer packenden Dramaturgie kumpelhafte Witzchen. (Immer nur ganz kurz zwischendurch!) . K.V. | |
Mo, 08.06.2015TV | Hommage an Brigitte BardotEin UnglücksfallSelten lagen zwei Titel so weit auseinander wie hier und benennen doch zwei unterschiedliche Aspekte einer Affäre. Im Original ist es ‘Ein Unglücksfall‘. Damit ist das Ende gemeint. Der deutsche Titel betont die Rolle des Flittchens Yvette zwischen zwei Männern. Und wenn die von der Sex Queen BB verkörpert wird, ist das nicht unbedingt frauenfreundlich. Dabei huscht sie nur einmal ganz kurz nackt durchs Bild. Für die prüden 50er Jahre war das dann Jugendverbot. Was sind denn die Waffen einer Frau? Po und Kurven, alles rein äußerlich.
Eigentlich läuft es darauf hinaus, dass man Liebe nicht kaufen kann. Der reiche, alte, verheiratete Anwalt Gobillot (Jean Gabin) kann Yvette zwar den Himmel auf Erden mit Schloss und einer Bediensteten (Nicole Berger) bieten, sie aber letztlich nicht halten.
In seinem Umfeld überzeugen vor allem seine Ehefrau Viviane (Hedwige Feuillière), die in ihrer ‘Griseldis-Rolle‘ stumm leidet und deren Toleranz heute fast an Dummheit zu grenzen scheint. Eindrucksvoll ihr Rosenwurf auf seinen Schreibtisch. Daneben seine altjüngferliche Sekretärin (Madeleine Barbulée). Ein Klischee, aber ein gut Gemachtes. Mit allen – auch mit ihrer großen Liebe dem Medizinstudenten Mazetti (Franco Interlenghi) treibt sie ihre Spielchen.
Und wenn man bedenkt, dass die Romanvorlage von Georges Simenon stammt, ahnt man vielleicht, dass Yvette nicht ungeschoren davon kommt.
Etwas sperrig, kein Kinohit. Gabin ist selten so zartfühlend, die Bardot überzeugt als das raffinierte Dummchen, das ihr Gehirn zwischen den Schenkeln trägt und verliert. | |
Sa, 06.06.2015TV | Haywire - Trau' keinemWonder WomanNeben der Eröffnungsprügelei gibt es noch zwei weitere, in denen Mallory (Gina Carano) ihre männlichen Kontrahenten krankenhausreif schlägt. Die Stunts sind so heftig, dass eigentlich schon ein Schlag von dieser Wucht genügen würde. Aber dann wäre ja der Film nach einer Viertelstunde zu Ende. So folgt Steven Soderbergh dem Erfolgsmuster und lässt den Zuschauer über die Hintergründe im Dunkeln tappen. Diese Unklarheiten bringen allerdings Spannung. Die Keilerei bietet Unterhaltung. Da johlt die Gemeinde, wenn Mallory besser als 007 und Rambo zusammen ganze Abteilungen außer Gefecht setzt. Fehlen noch zwei Standardzutaten: fürs Gefühl taucht ein Vater auf, zur Glorifizierung der Heldin ein Weichei an ihrer Seite und zum krönenden Abschluss haben noch eine Reihe Promis (Michael Douglas, Antonio Banderas, Michael Fassbender und Ewan McGregor) einen Kurzauftritt. Das ist zwar alles sehr durchschaubar, trotzdem fühlte ich mich gut unterhalten.
Aber irgendwie lässt mich der Gedanke an Banderas Schlusswort nicht los. Ist das etwa eine Wertung? Wenn man den Titel mit ‘Drunter und Drüber‘ übersetzt, macht das zum größten Teil Sinn. Bei ‘Drahtverhau‘ steh ich auf dem Schlauch.
Das Poster meint ‘Sie ließen ihr keine Wahl‘. Sie ihnen aber auch nicht. ‘Wie du mir, so ich dir‘ wäre auch ein passender Titel gewesen. | |
Fr, 05.06.2015TV | RenoirAndrée kommt und gehtEs ist kein Biopic im herkömmlichen Sinne, sondern nur ein sehr schönes Stimmungsbild aus dem Hause Renoir, wo Andrée (Christa Theret) vorübergehend dem Alten Modell saß. Es passiert auch nicht all zu viel. Dafür werden wir in einen Rausch von Farben und Formen getaucht und in eine Landhausatmo gepackt, wo uralte Bäume ständig von der Sonne beleuchtet werden und ein Vorgeschmack vom Paradies aufkommt.
Die junge Andrée laviert zwischen Vater (altersgerecht beeindruckend Michel Bouquet) und Sohn (Vincent Rottiers). Der alte Mann (1841-1919) ist fast bewegungsunfähig und kann ihr jetzt nur noch seine Schulter anbieten, an die sie sich liebevoll anlehnt. Mit dem Sohn wird sie die Zukunft gestalten. Er weist ihr den Weg zum Film. Soviel Realismus ist auch drin. Die Dialoge streifen den Krieg (1. Weltkrieg) und die Aktivitäten wie Baden im Meer, Spanziergänge im Park oder seine ewig vielen Stillleben reflektieren den Geist von Renoirs Bildern.
Auch wenn Renoir die Kurtisanen von Tizian als Vorlage für seine zahlreichen Badenden im Kopf hatte, malte er doch lieber von einem lebenden, knackigen Modell ab. Hier in unserer Phase ist es die junge, sinnliche Andrée, von der er sagt ‘Das Mädchen aus dem Nichts, geschickt von einer Toten‘ (seiner verstorbenen Frau). Sie fühlt sich als Künstlerin und wird Sohn und Vater als Muse beflügeln. Und genau hinschauen konnte er schon noch ‘Sie hat Titten zum Niederknien.‘
Ein stiller, farbenprächtiger Film, der nichts Neues zu Tage fördert, aber wie sagte schon Keats ‘A thing of beauty is a joy forever.‘ Schön! | |
Do, 04.06.2015TV | NextUnd jetzt...Der Titel ist ein Four-Letter-Word. Da fallen mir eine Menge Worte ein, die den Film besser beschreiben. Hier ist eine kryptische Schmonzette rausgekommen, die im Inhalt peinlich und in der Darstellung langweilig ist. Das Gesülze in den Dialogen – da werden auch schon mal echte Witze erzählt – wird durch den Austausch von Selbstverständlichkeiten unterbrochen.
FBI Agentin Ferris (Julianne Moore) spielt ihren Part lustlos runter (vielleicht ist ihr das Drehbuch auch ein Graus!?). Da sie reizlos durch die Gänge rennt, kommt noch völlig unmotiviert das Traumgirl Liz (Jessica Biel) ins Bild und verwirrt uns und ihren treuen Freund Chris (Nicholas Cage, der mit dem Dackelblick!) ohne zu überzeugen. Bei dem Durcheinander vergisst man glatt die Grundidee des Films: Chris kann in die Zukunft blicken. Nein! Unglaublich! Und er soll eine Atombombe finden, die in den Händen von Terroristen ist. Auch das ist ja eine völlig neue Variante, oder? Regisseur Tamhori hat versucht wenigstens etwas Format hineinzubringen und lässt Chris schon mal aus sich selbst heraustreten. Ist auch nicht mehr als ein optischer Gag. Ähnlich nichtssagend wie der Cameoauftritt von Peter Falk. Ein Tropfen in der Wüste. Da ist mancher Werbespot spannender, optisch besser gemacht und mit Köpfchen. So rutscht man von einer Enttäuschung in die nächste (‘Next‘), um beim offenen Ende mit einem frommen Spruch entlassen zu werden. Glatte Zeitverschwendung. Dafür gibt’s die ‘Goldene Gurke‘. | |
Di, 02.06.2015TV | The Book of Eli - Der letzte KämpferElis BuchWenn man vom religiösen Touch der Aussage des Films nicht abgeschreckt wird, kann man den unheimlich spannenden Endzeit Thriller durchaus genießen.
Die lange, erschreckend ruhige Anfangsphase zeigt eine düstere, menschenleere Welt voller Schrott und Leichen. Und diese Stimmung wird konsequent durchgehalten. Wir bewegen uns optisch auf einer fast untergegangenen Erde voller Schmutz, Verwesung und Müll. Da zaubert der Held Eli (Denzel Washington) dann wie aus dem Manga Lehrbuch Stunts aus dem Handgelenk, dass seinen Gegnern schon mal die Hände abfallen. Mit dem Bösewicht vom Dienst und Elis Gegenspieler, dem terroristischen Diktator Carnegie (Gary Oldman) gibt es einen erbitterten Kampf um das letzte titelgebende Exemplar der Bibel, dem Buch der Bücher!
In dieser Welt gibt es andere Werte. Bücher, Shampoo und Wasser sind die am meisten geschätzten Dinge. Und früher hört man war ohnehin alles besser.
Wenn Eli schon bald durch Gebet und vorübergehender Unverwundbarkeit auffällt, wird er langsam zu einer Mischung aus Messias und Rambo. Das stört aber nicht weiter, denn er vollbringt ständig viele gute Werke und mit Carnegie im Gefolge bleibt die Spannung hoch. Oftmals äußert sich Eli bibelkonform wie ‘Der Herr ist mein Hirte…‘ zitiert aber auch schon mal einen Unbekannten ‘Der Glaube ist die Blume des Lichts auf dem Feld der Finsternis‘ (Johnny Cash). Oder er zitiert frei ‘Man muss für andere mehr tun als für sich selbst.‘
Im intelligenten Finale nach Elis Ableben spielen die zwei Frauen noch eine wichtige Rolle. Mutter Claudia (Jennifer Beals) ist blind, Carnegie hält am Ende ein Exemplar in Brailleschrift in Händen und ihre Tochter Solara trägt Elis Buch, das Lombardi (Cameo für Malcolm McDowell) nach Diktat aufgeschrieben hatte, in die Welt. Die Bibel wird neu gedruckt und steht neben Tora und Koran. Nathan den Weisen wird’s freuen. Hohe Spannung auf erstaunlich hohem Niveau. | |
So, 31.05.2015TV | Cherie Bitter - So wie wir warenHubbell & KatieKomplizierte Liebesgeschichte ohne Happy End. Die beiden kennen sich seit der Uni. Hubbell Gardiner (Robert Redford) der aus gutem Hause stammende Frauenschwarm und die sozialistische Pazifistin Katie Morosky (Barbra Streisand). Anhand der gemeinsamen Lebensläufe schildert Sydney Pollack die Zeit um den 2. Weltkrieg in den USA. Da gibt es genügend Diskussionsstoff, der heute etwas antiquiert wirkt. Sollte man über den Pazifismus Witze reißen? Ist Politik überhaupt nur etwas Ernstes? Sie lieben sich und streiten sich, schlafen mit einander und trennen sich wieder. Vergleichbar mit den 68ern bei uns, findet das im Amerika zwanzig Jahre früher statt. Dabei spielt die politische Hexenjagd der McCarthy Ära eine nicht ganz unwichtige Rolle. Außer dem historischen Hintergrund ist aber auch die Darstellung der Beziehung zwischen Hubbell und Katie wichtig. Die beiden können Pausen füllen. Wenn zum Glen Miller Sound fast nichts im Bett passiert, weil er sturzbesoffen ist und sie sich doch näherkommen, ist das schon gekonnt gemacht, sehr intim. Keine akrobatische Turneinlage sondern gefühlte Emotionen. Unsichtbar aber spürbar. Da flirrt es zwischen ihnen. Und doch können sie nicht miteinander leben. Der Liebeskummer zerreißt Katie schier. Ihr Telefonat unter Tränen ist schauspielerische Supersahne.
Sie hat nicht den richtigen Stil, hat zu wenig Geduld. Ihre Wege trennen sich. Nach Jahren ein zufälliges Zusammentreffen. Zwei Fremde begegnen sich, die sich früher einmal sehr gut kannten. Da war alles viel unkomplizierter und schöner. Keiner hat sich verändert. Ein Zeitbild, in dem der Geist mit den Emotionen im Clinch liegt. | |
So, 31.05.2015TV | Beautiful PeopleSchöne BescherungEine der gelungensten Integrationskomödien der letzten Jahre mit einem Appell an die Menschlichkeit. Es gibt manch netten Witz aber auch genug Ernsthaftigkeit. Die lose Schnittfolge ermöglicht es, dass wenn es zu melodramatisch zu werden droht, eine humorvolle Situation oder ein Witz die Handlung rettet.(‘Du kannst hier nicht auf den Gleisen schlafen. – ‘Warum nicht?‘ – ‘Du könntest den Lokführer erschrecken.‘) Wenn man die Anfänge dieses Episodenfilms betrachtet, fällt einem zum Titel ‘Schöne Menschen‘ eher so etwas ein wie in der Bedeutung ‘Schöne Bescherung‘. Im Laufe des Films werden dann aber tatsächlich die guten Seiten der Akteure sichtbar, was sie dann auch irgendwie zu ‘Schönen Menschen‘ macht. Dabei werden die Vorurteile keineswegs unter den Teppich gekehrt, nur wohl dosiert entsorgt. Und selbst das Grauen des Krieges hat seinen Platz. Aber typisch für den Film ist z.B. die Amputation eines Beines und als Palliativ gibt’s Koks. Oder die hochnotpeinliche Befragung des zukünftigen Schwiegersohns durch die Upper Class Familie von Portia (Charlotte Coleman). Mutter meint herablassend ‘er ist sehr anders‘. Danach entpuppt er sich als Pianist.
Die gute Auswahl äußerst unterschiedlicher Geschichten wird durch eine intelligente Verknüpfung ganz natürlich zu einem durchaus überzeugenden Ganzen. Und nach der Salamitaktik werden immer mehr Details offenbart: so z.B. sich Prügelnde Bosnier, ein alleinerziehender Gynäkologe mit Tom und Tim, drei kiffende Nichtstuer, ein BBC Korrespondent und eine vergewaltigte Bosnierin, die ein Kind bekommt. So kann Integration gehen. Mit Verständnis, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Keineswegs moralinsauer. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.