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Di, 19.05.2015
Kino | Die Gärtnerin von Versailles
Das kleine Chaos3 Sterne
Alan Rickman hat einen sehr hollywoodesken Film auf die Leinwand gebracht, mit viel Licht und auch ein bisschen Schatten. Zunächst überzeugt die äußerst pompöse Ausstattung. Da wird nicht gekleckert. Dann steht natürlich neben der Gartengestaltung (Thema) eine vorhersehbare Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Die beiden Darsteller Kate Winslet als Sabine de Bara und Matthias Schoenearts als André le Notre bringen das auch ganz passabel rüber. Kate macht auf emanzipierte Frau mit Hochachtung vor dem Adel und Matthias kommt als eine Opfer der Verhältnisse daher, ungebunden verheiratet und von Kate entzückt, genau wie Ludwig XIV. (Alan Rickman). Das Zusammentreffen von König und Gärtnerin ist ein darstellerischer Leckerbissen. Die Retro mit Kates Verlust von Ehemann und Tochter ist etwas ungeschickt eingebaut und ihre Aktion beim Schließen der Schleuse eigentlich eher etwas für Stallone oder Kurt Russell. Das fällt auch etwas aus dem Rahmen dieses im Grunde ruhigen Films. Die Handlung ist frei erfunden und da drängen sich dann schon bisweilen Zweifel an der historischen Korrektheit im Detail auf (z.B. Blenheim Palace lässt grüßen!), so sehr sich auch Drehbuch und Regisseur darum bemühen. Bis zum letzten Bild. Egal, man fühlt sich gut unterhalten. Das macht die Suggestivkraft der Bilder. Wenig Überraschenden, vieles angenehm Wohltuendes in diesem kleinen Chaos.
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Di, 19.05.2015
TV | Tod in Venedig
Todesmelodie3 Sterne
Dieser Klassiker von Visconti verlangt dem Zuschauer einiges ab. Zu einen weil in den 130 Minuten fast nichts passiert. Ein alter, kranker Komponist Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde in der Rolle seines Lebens) himmelt einen schönen Jüngling Tadzio (Björn Andrésen) an, und verzehrt sich schmachtend noch ihm, ohne je ein Wort an ihn gerichtet zu haben. Da laufen nur Blicknümmerchen. Und Venedig um 1900 ist der bilderbuchmäßige Hintergrund des Dramas. Selten wurde die Lagunenstadt in so morbide Bilder gefasst. Retrospektiven bringen etwas Abwechslung in den Schmachtfetzen. Wir sehen Aschenbachs Frau und Tochter und müssen feststellen, er war wohl ähnlich wie sein geistiger Vater Thomas Mann latent bisexuell. Und als illustre Rose am Wegesrand der Handlung glänzt Silvana Mangano als Tadzios Mutter rein optisch durch ihre Präsenz. Neben dieser sexuellen Interpretation kann man natürlich auch noch den latenten Gegensatz zwischen Alter und Jugend ins Feld führen, vor allem wenn man das titelgebende Ende bedenkt und Aschenbachs Versuch sich vom Barbier aufhübschen zu lassen. Eine dritte Komponente kommt noch hinzu und das ist die Musik von Gustav Mahler (3. Und 5. Symphonie). Sie unterstützt als Soundtrack fast unentwegt die wortkarge Handlung. Ein Gesamtkunstwerk, das man entweder mag oder nicht. Über dessen filmischen Wert es allerdings keine zwei Meinungen gibt.
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Mo, 18.05.2015
Kino | Das blaue Zimmer - La chambre bleue
Whodunit?3 Sterne
Die Geschichte wird anregend erzählt, wobei sie vor allem in der ersten Hälft scharf gewürzt ist. Dann ahnen wir, dass wohl ein Mord geschehen sein muss, später vermuten wir sogar zwei. Wir kennen auch die Angeklagten: ein Liebespaar (Mathieu Amalric und Stéphanie Cléau), beide verheiratet, heimliche Treffen in einem Hotel. Nichts Genaues weiß man nicht. Und das bleibt so bis zum Schluss. Dabei drängt sich die Frage auf wie in jedem Krimi ‘Whodunit‘, Wer war’s? So wird die Spannung eine zeitlang hochgehalten, die Schärfe verfliegt, die Verhöre ziehen sich in die Länge. Die Meisten bleiben bis zum Ende und danach im Unklaren wer’s war. Ein Hinweis auf die Lösung wird in zehn Sekunden geboten. Wer das verpasst - und das haben wohl die meisten meiner Nachbarn – geht raus im Bewusstsein: juristisches Fehlurteil. Die Liebenden waren es auf jeden Fall nicht. Vielleicht lacht sich Regisseur Amalric ins Fäustchen und erwähnt die vielen Hinweise, die er uns geliefert hat: die Pflaumenmarmelade, im Paket verpackt, Schwiegermutter und Apothekerin nahm es in Empfang, trägt Gummihandschuhe und hantiert mit einer Einwegspritze, Amalrics Ehefrau Léa Drucker isst ständig Marmelade. Und ein vermuteter Mord war wohl gar keiner? Wenn es der Sinn dieses Krimis war, eine Diskussion über den oder die Mörder anzustiften, dann hat er seinen Zweck voll erfüllt.
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So, 17.05.2015
TV | Post Tenebras Lux
Dunkles Licht1 Stern
Der Titel ist nur für diejenigen verständlich, die des Lateinischen mächtig sind, der Film selber verweigert bewusst fast jeglichen Zugang. Was auch immer das Licht nach der Dunkelheit erhellt, neben den Afrikanern bei Nacht im Tunnel, ist man versucht, in der losen Szenenfolge einen Zusammenhang zu erkennen. Das gelingt beim Wiedererkennen mancher Figuren. Dazwischen schrecken Schocker den etwas verunsicherten Zuschauer auf. Manche Bilder sind unscharf, die Kamera ist fest montiert. Anfangs gibt es sogar einen echten Hingucker: die Silhouette einer knallroten Animationsfigur zeigt den bocksbeinigen Gehörnten in einem Haus. Doch dann wird es verworren. So reichen die Urteile und Reaktionen von lauten Buhrufen in Cannes bis zu verzücktem Jubel mancher Rezensenten. Zugegeben ist es kein Schwachsinn was Reygadas da so zeigt, aber mein Ansatz Filme zu schauen ist ein anderer. Wenn man das Unterhaltungsmoment betont, vielleicht sogar Denkanstöße erwartet, in Spannung versetzt wird oder zu Tränen gerührt wird, ist man hier fehl am Platze. Dabei ist es wahrlich mehr als das Fenster einer drehenden Waschmaschine. Trotzdem halte ich es für Zeitverschwendung.
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So, 17.05.2015
TV | Zeit der Zärtlichkeit
Zuneigungsbedingungen2 Sterne
Ob dieses Dramolett wirklich 5 Oscars verdient hat, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass die vier Superstars die alltägliche Melodramatik, auf die der Film am Ende hinausläuft, (inklusive Sterben im Krankenhaus) überdecken. Anfangs ein Mutter – Tochter Drama (Shirley Mac Laine (Aurora) – Debra Winger (Emma)). Beide werden erwachsen, will sagen gehen fremd. Die verwitwete Mutter treibt’s mit dem alten Womanizer Garrett (Jack Nicholson), die verheiratete Tochter mit Sam (John Lithgow).Schön und gut, reißt keinen vom Hocker. Die Handlung weist trotz Kontinuität große Lücken auf (z.B. Kinder kriegen, Trennung etc.) und verliert an Spannung und Unterhaltungswert, weil die Vorhersehbarkeit alles andere platt macht. Die wirklichen Eheprobleme werden unter den Teppich gekehrt, individuelle Ängste höchstens mal kurz angesprochen, aber dann gleich wieder Deckel drauf (F.F.E.). In den 80er Jahren konnte der schlaksige Stenz Garrett seine Nachbarin Aurora wohl noch durch rotzfreche, offenherzige Bemerkungen schockieren, heute hat das an Sprungkraft verloren. Damals lag es wohl in Amerika voll in Trend. Abschied und Tod reizen die Tränendrüsen so wie Bilder von jungen Haustieren immer wieder ein ‘Ach wie süß!‘ provozieren. Und Shirley MacLaines Kleider stammen von Gardinenhersteller ‘Goldkante‘. Debra Winger ist schlecht gecastet. Ihr nimmt man die drei Kinder nur in der Abteilung ‘Kinder kriegen Kinder‘ ab. Und was ihr konturenloser Ehemann Flap (Jeff Daniels) eigentlich will, bleibt unklar. Emmas Krebserkrankung und eine eventuelle OP bzw. Chemotherapie wabern andeutungsweise durch die Handlung. Zu diesen Ungereimtheiten kommt noch der kryptische Titel ‘Zuneigungsbedingungen‘, mit dem man ja schon gar nichts anfangen kann. K.V.
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Fr, 15.05.2015
TV | Die Herzen der Männer
4 X 4 Geturtel4 Sterne
Ein erstaunliches Regiedebüt von Mark Esposito, das vier enge Freunde in der Midlife Crisis zeigt. Jeder ein Typ, der in seinem Bereich durchaus überzeugt. Manu (Jean-Pierre Darroussin) der Feinkosthändler mit einer engen Beziehung zu seiner Mutter. Er wird sich frisch verlieben in die etwas durchgeknallte Juliette (Florence Tomassin). Antoine (Bernard Campan) verlässt vorübergehend seine Frau wegen ihres Seitensprungs, Alex (Marc Lavoine) ist zwar verheiratet, hat aber nebenbei einige Freundinnen und Jeff der alte Silberrücken (Gérard Darmon) ist mit einer jungen Frau glücklich, die seine Tochter sein könnte. Diese vier sind fast ständig zusammen und unterstützen sich gegenseitig nach dem Wahlspruch ‘einer für alle…‘ Aber sie streiten sich natürlich auch. Handlung und Dialoge sind recht pfiffig, aber nicht allzu lustig, ernst aber nicht allzu traurig. Doch der allgemeine Tenor bleibt ‘sonnig‘. Wenn die Geschiedenen und die Getrennten und die die nichts bemerkt haben sich am Ende alle umarmen (‘Vier mal vier Geturtel‘) ist das keineswegs kitschig sondern wie ein Freischwimmer nach stürmischer See. Eine gute Überleitung gibt es auch schon mal: Alex streitet sich z.B. mit seiner Frau Nanou (Catherine Wilkening), die ihm nicht so ganz über den Weg traut: ‘Na gut, setzen wir uns in die Küche, hören Latraviata und stellen das Gas an‘. Schnitt: eine Szene aus der Oper, Kamera schwenkt zu Manu mit Mutter auf der Empore. Und als vier reife Damen an ihnen vorbeigehen meint er freundlich winkend ‘Sind auch nicht mehr ganz taufrisch, die Spice Girls‘. Gute Unterhaltung aus dem realen Leben mit kurzen Gefühlsduschen. Die Männer sind doch wohl solche ‘Herzchen‘ - zumindest in dieser Dramödie.
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Do, 14.05.2015
Kino | Haben und Nichthaben
Steve und seine Puppe3 Sterne
Die Leute, die hinter diesem Klassiker stehen sind schon erste Sahne. Nicht nur die beiden Hauptdarsteller (Ehepaar Bogart/Bacall), sondern auch die Regielegende Howard Hawks und die Romanvorlage von Hemingway, sowie der Mitarbeiter am Drehbuch William Falkner. Der Film entstand kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, der hier allerdings ebenso fern ist wie der genaue historische Hintergrund. Wir sind auf der französischen Insel Martinique. Hier agiert die Geheimpolizei der Vichy-Regierung. Und Bogey hilft natürlich den Nazi-Gegnern und bekommt die damalige Neuentdeckung Lauren Bacall. Dabei ist es eine herbe Love Story, in der es statt der üblichen genüsslichen Erfüllung nur einen Kuss gibt. Ihr erster Satz aus dem Nichts wurde zur Legende 'Anybody got a match?' Ist aber für den Kettenraucher Bogart durchaus symptomatisch. Und Bogey schaut der Kleinen dann auch ganz tief in die Augen. Überhaupt sind die Parallelen zu 'Casablanca' kaum zu übersehen. Dabei geht der optische Eindruck fast unter, den die schöne Frau des verwundeten Widerstandskämpfers Mme Hellene de Bursac (Dolores Moran) macht. Sie ist der eigentliche Vamp neben dem die Bacall wie eine trockene Wüstenrose wirkt. Der fast offene Schluss, der allerdings keine Befürchtungen aufkommen lässt, ist fast so kryptisch wie der Titel. Da darf spekulativ interpretiert werden: bezieht sich der Titel auf das Anglerglück eines Gastes auf Steves Boot, auf seinen gewährten und wieder einkassierten Krediten oder auf Steves ominösen Schulden? Sicher ist nur eins Walter Brennan spielt den sympathischsten Säufer der Filmgeschichte. Geht so. Nicht jeder Klassiker ist auch supergut.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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