Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Sa, 09.05.2015
TV | An einem Tag wie jeder andere
Stunden der Verzweifelung3 Sterne
Ein etwas angestaubter Klassiker, dessen Spannungsaufbau immer noch verfängt. Drei entlaufene Sträflinge nehmen eine Familie als Geiseln. Besonders die Ausgewogenheit zwischen der Dramatik innerhalb des Hauses und die Verbindungen nach außen schaffen ein spannungsgeladenes Netz mit vielen Fäden. Sowohl hier als auch da ergeben ich immer wieder neue Konstellationen. Die Front der Gangster bröckelt und dezimiert sich und die Familie bringt immer wieder neue kleine Heldentaten. Ganz nebenbei ergibt sich im Vater-Sohn Verhältnis, was Mut und Männlichkeit bedeuten. Vater Dan (Frederic March) steht im Zentrum des familiären Widerstanden. Sein Gegenüber ist Glenn (Humphrey Bogart), der Kopf der Bande. Auch die sind keine homogene Gruppe. Glenn entgleitet immer mehr die Macht über seine Kumpels und Dan organisiert den Zusammenhalt seiner Familie immer besser. Die Handlung kommt ohne größere Gewaltanwendung aus. Die Szenerie wird von Angst und Drohungen bestimmt, von Rücksichtnahme auf andere Betroffene. Ein spannendes Finale hat selbst noch Überraschungen in petto. Letztlich bleibt es ein Loblied auf den familiären Zusammenhalt, der über kriminelle Machenschaften triumphiert. Humphrey wird immer mehr zum ‘armen Würstchen‘ und Frederic March zum Helden. Auch das sieht man so nicht oft. Zeitlose Spannung bietet gute Unterhaltung.
Trennstrich
Sa, 09.05.2015
TV | Mademoiselle Populaire
Rosen für Rose4 Sterne
Ein Zeitbild der 50er Jahre, als alles noch quietschebunt war, die Töchter gehorsam, der Fernseher in s/w und die Röcke ausgestellt glockig. Bereits der Aufmacher weist den Weg. Es wird der Ist-Zustand des Schreibmaschinenschreibens beleuchtet und der mögliche Progress angedeutet. Und als Liebesfilm geht es gleich in die Vollen. Von der ersten Szene an verzaubert uns Rose (Déborah Francois) mit ihrem Charme. Nicht ihre Tränen sondern ihr betrübt unglücklicher Blick nimmt einen gefangen. Eine junge Frau zwischen Hingabe und Eigenständigkeit und ihr Chef Louis (Romain Duris) – neben Rose eigentlich eine Fehlbesetzung – entwickelt sich notgedrungen vom Ekel zum Liebhaber. Neben der physischen Körperertüchtigung wird, Klavierspielen (von Bérénice Bejo als Lehrerin) und Blindschreiben trainiert. Es geht vom Zweifingersuchsystem zum Zehnfinger Turbotippen. Und es herrscht eine echte Wettkampfatmosphäre bei den Meisterschaften. Hier kämpfen Löwinnen. Und ständig schwelt eine mögliche amouröse Beziehung zwischen Rose und Louis. (Sie: ‘Ich liebe dich‘, Er ‘Ich dich aber nicht‘.) Der Vorhersehbarkeit tut das überhaupt keinen Abbruch. Als es dann endlich klappt, wird optisch ein Höhepunkt gesetzt: wechselndes Licht, man sieht nur den langen Kuss und den Striptease, wobei die Kamera so nah dran ist, dass die Fantasie gefragt ist. Es gibt auch witzige Szenen, wenn zum Beispiel mit der Prüderie der 50er Jahre kokettiert wird oder sie, die früher mal die ‘Seiten umblätterte‘ seine Hand verbindet. Beide Familien bilden einen amüsanten Rahmen, in dem Miou Miou ein Cameo hat. Und Liebeskummer gehört natürlich auch dazu wie die Pomade ins Haar der Jungs von damals. Und selbst wenn sich Rose und Louis fetzen, findet der Streit in einer Wolke aus Puderzucker statt. Wohfühlkino total ! Leicht bekömmlich und süß.
Trennstrich
Fr, 08.05.2015
TV | Die Brücke am Ibar
Liebe in Zeiten des Krieges4 Sterne
Dieser kleine Film zeigt den Krieg im Kosovo in den 90er Jahren und zwar unmittelbar vor der Haustür. Es betrifft Frauen und Kinder. Dabei wird auf eine damals schlimme Sache hingewiesen. Die NATO hatte im Kampf gegen die Serben Bomben mit angereichertem Uran verwendet. Auf den ausgebrannten Panzern spielten die Kinder. So auch hier und wir sehen Verätzungen an ihren Händen, die davon herrührten. Doch Regisseurin Kezele macht daraus kein Drama. Es ist für die Betroffenen eine Alltagssituation. Ihr Hauptaugenmerk gilt größtenteils der Kriegerwitwe Danica (Zrinka Cvitesic). Die Serbin findet in ihrem Haus den schwerverletzten Albaner Razim (Misel Maticevic). Eine Liebesgeschichte entwickelt sich, die es nicht geben darf. Neben Danicas Verhaltensweise wird auch noch die ihrer beiden Söhne geschildert. Das macht durchaus Eindruck auch bei vorhersehbarem Ende. Die Kamera beobachtet stumm und lässt Emotionen durchschimmern. Da knistert es schon mal zwischen der Serbin und dem Albaner. Die beiden überzeugen als Darsteller und verdeutlichen die Unmöglichkeit ihrer Situation. Somit überrascht das Ende auch nicht, obwohl es in der knappen Konsequenz nicht ohne Wirkung bleibt. Es verdeutlicht aber die Sinnlosigkeit des Krieges und die Hoffnungslosigkeit einer Liebe, die ethnische Grenzen überschreitet. Es bleibt für die Liebenden nur Tod und / oder Emigration. Keine Perspektive, keine gemeinsame Zukunft. Und das, obwohl wir in einem ‘schönen Land‘ sind. (Originaltitel!) Ruhig und unspektakulär werden zwei Themen behandelt: ein immerwährendes (die Liebe) und ein kriegsspezifisches (schmutzige Bomben). Nicht schlecht.
Trennstrich
Do, 07.05.2015
Kino | Leviathan
Sieg der Aparatschiks4 Sterne
Was der Leviathan für ein Fabelwesen ist, kann man googeln. Wie Regisseur Andrei Swjaginzew seinen Stoff unterfüttert, legt er zwar deutlich dar, ist aber nicht gleich für jeden nachvollziehbar. Um ihn voll und ganz zu verstehen sollte man allerdings das Buch Hiob, sowie die titelgebende Schrift von John Hobbes (um1600) kennen und mit Michael Kohlhaas vertraut sein. Aber auch ohne davon belastet zu sein, beeindruckt der Film ungemein. Eine Landschaft, die durch ihre weite Unendlichkeit, die Korruptionsaffäre in der Nähe des Polarkreises fast vergessen lässt. Nikolai (Alexej Serebrjakow) verliert alles, was er hat und am Ende auch seine Freiheit. Daran ist er nicht ganz unschuldig. Es liegt an seinem Jähzorn und am Wodka, vielleicht auch an seiner Dickköpfigkeit. Und weil es in der Sowjetunion spielt, haben alle Westler sofort mit dem Finger darauf hingedeutet, dass das ja da so üblich sei: der korrupte Bürgermeister Wadim (Roman Madjanow) macht den kleinen Nikolai und seinen Freund und Anwalt Dmitri (Wladimir Wdowitschenkow) mit seinen ‘Kettenhunden‘ durch Einschüchterung und brachiale Gewalt. einfach platt. Die Idee zum Film kam Andrei Swjaginzew allerdings bei Dreharbeiten in den USA, wo sich eine ähnliche Geschichte ereignet hatte. Wohlgemerkt in Amerika! Tatsächlich weitet sich der Machtkampf zu einem Familiendrama aus, das so auch unabhängig vom herrschenden politischen System überall geschehen kann. Und dieses zweite Standbein des Films ist ebenso stark wie das erste. Hier überzeugt am meisten Ehefrau Lilia (Jelena Ljadowa), die beide Problemkreise in ihrer Person verbindet. Eine großartige Dramaturgie, die eine gewisse Anlaufzeit braucht, vor eindrucksvoller Kulisse verdienen einen Oscar. Bemerkenswert ist, welche wichtigen Teile der Handlung nicht ins Bild kommen, lange offen bleiben und so Spannung erzeugen. Erschreckend die Reaktion von Kultusminister Wladimir Medinski, der den Film als russlandfeindliches Machwerk abtat und verbieten lassen will.
Trennstrich
Di, 05.05.2015
TV | Layer Cake
Ein Stück vom Kuchen2 Sterne
Die Optik ist Hochglanz, die Jungs sind supercool, aber superwitzig – wie es das Plakat verspricht –ist hier rein gar nichts. Die Drogendealer jagen sich wie immer den Stoff ab und bringen sich dabei gegenseitig um. Daniel Craig alias James Bond (leider kein bisschen 007-Effekt) schreitet gesetzten Schrittes durch die Verhandlungen, spricht mit oben: Eddie (Michael Gambon) der passt ins Bild oder unten: Gene (Colm Meaney) der passt schon weniger (hat halt zu viele gute Komödien gemacht). Zwei Mädels sorgen für optische Aufheller. Tammy (Sienna Miller) wird auf die Matratze reduziert. Das macht sie mit gebremstem Schaum so wie eine in Luftpolster verpackte Rasierklinge. Und Sally Hawkins als Puppe des Gangsters weiß so gar nicht, was sie hier so soll und schreit nur unkontrolliert rum. Da springt nichts über, denn man sieht die allseits bekannten Akteure wie in ihren früheren Rollen. Und da waren sie allesamt besser. Hierbei hat natürlich Craig/Bond am meisten zu verlieren. Dem gelingt ja hier gar nichts. Und dann tut ihm Ben Whishaw, das halbe Hähnchen auch noch etwas an. Selbst das Ambiente kommt einem vertraut vor. Ebenso wie die plötzlichen Schrecksekunden für Craig mit Blick vom Dach in die Tiefe. Bekanntes erzeugt nur Gähnen, die kryptische Handlung Verwirrung. Das ist ein Kuchen, von dem man nichts abbekommen möchte, von keiner einzelnen Schicht. Den sollte man nur zur Tortenschlacht verwenden. Vaughn soll lieber als Produzent arbeiten, denn als Regisseur ist er Shoeshine. K.V.
Trennstrich
Mo, 04.05.2015
Kino | Rock the Casbah
Intifada 19893 Sterne
Der Film ist wie eine Dienstanweisung für eine Patrouille im Gaza-Streifen und beschreibt fast dokumentarisch die Situation, in die ein Trupp israelischer Soldaten gerät. Ähnlich wie in der Komödie ‘Das Schwein von Gazah‘ sitzen sie hier als Wachposten auf dem Dach einer Palästinenserfamilie. Nur ist es hier tödlicher Ernst. Die Israelis werden von den Kids verspottet, provoziert und von den Älteren attackiert. Einer ihrer Kameraden wird von einer Waschmaschine erschlagen. Es entsteht eine bedrohliche Atmosphäre, in der nur Platz ist für Misstrauen, Hass und dem Wunsch nach Rache. Auch innerhalb der Truppe gibt es Reibereien und handfeste Auseinandersetzungen. Die Situation verändert die Akteure. Für Außenstehende kaum nachvollziehbar, ist dass bei dieser asymmetrischen Kriegführung jederzeit der tödliche Funke von jetzt auf gleich überspringen kann. Da stellt sich die Frage nach Gerechtigkeit erst gar nicht. Es ist ein Dschungel und es geht dabei ums nackte Überleben. Freundlichkeiten gegenüber der einheimischen Zivilbevölkerung könnten als Schwäche ausgelegt werden, selbst wenn es ein Fünf-Jähriger Dreikäsehoch ist. Bleibt nur die Frage nach dem ‘Warum?‘, wie sie der Vater des gefallenen Ilya (Henry David) in den Raum stellt. Und ganz unverhofft kommen zwei Sonnenstrahlen in das bedrohliche Dunkel des Grauens: Boney M schmettert die ‘Rivers of Babylon‘ im Radio of Peace und Tomer (Yon Tumarkin), der einzige Intellektuelle im Team, liest aus seinen Wunschvorstellungen und Hoffnungen vor für die Zukunft mit Frau und Kindern. Wie Regen in der Wüste. Unerwartet, fremd. Der Regisseur hat die Lage in diesem unlösbaren Konflikt selbst miterlebt und bringt es auch authentisch rüber. Doch er erschreckt uns eher als dass er uns berührt.
Trennstrich
Mo, 04.05.2015
Kino | The Purple Rose of Cairo
Die Purpurrose4 Sterne
Der Film ist einer der ganz großen Geniestreiche von Woody Allen. Zunächst nimmt er eine Legende aus der Pharaonenzeit als titelgebendes Element (Filmvorlage in s/w) und dann verfolgt er konsequent, wie sich für Cecilia, einen echten Kinofan (Mia Farrow), die Erfüllung all ihrer Träume ergibt: der Held steigt von der Leinwand herab ins wirkliche Leben. Es ist interessant zu sehen, wie sich Woody Allen durch die konkreten Situationen hindurchmogelt ohne ganz auf Logik zu verzichten, wenn z.B. der Darsteller Gil Shepherd und die Filmfigur Tom Baxter zusammentreffen. Beide von Jeff Daniels verkörpert. Der Darsteller bezahlt mit Spielgeld und blutet nicht, wenn er sich einen Kinnhaken einfängt. Aber auch der echte Schauspieler ist keine wirkliche Option, obwohl es vorübergehend mal so aussieht. Beide lieben Cecilia. Die Darsteller auf der Leinwand diskutieren mit dem Publikum. Dabei gibt es zwei Ausbrüche. Tom Baxter holt Cecilia in die Filmszene, damit die Handlung weitergehen kann und andererseits folgt er ihr ins wirkliche Leben. Mit dem Ausflug der beiden ins Bordell legt Woody Allen noch etwas intellektuell nach. Tom diskutiert passend zum Thema mit den Nutten über das Wunder der Geburt. Der Schauspieler hat doch hier eine Filmfigur in die Welt gesetzt. Die tragfähige Basis für dieses ganze gewagte Unternehmen ist musikalisch der Dixi, zeitlich die Depression der 30er Jahre und die kaputte Ehe von Cecilia mit Monk (Danny Aiello). Mit dem großartigen, offenen Ende mit Fred Astaire und Ginger Rogers unterstreicht der Film Allens Klasse. Es ist einer seiner gelungensten Filme, in sich geschlossen und gedanklich nicht uninteressant. Ein Meisterwerk.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.