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Fr, 24.04.2015
Kino | Big Eyes OmU
Spaß und Rührung4 Sterne
Die Preise für dieses Biopic sind voll gerechtfertigt. Tim Burton hat nicht nur über ein hervorragendes Drehbuch verfügen können, sondern er hatte auch noch zwei grandiose Darsteller vor der Kamera. Die Lebenswege des Malerehepaares Walter (Christoph Waltz) und Margaret Keane (Amy Adams) werden äußerst sensibel dargestellt. Wie sie durch Betrug und Selbstbetrug reich werden. Dabei geht es Walter nur ums Geld (und da ist er ein echtes Verkaufsgenie) und Margaret neben der Selbstverleugnung als Künstlerin auch um ihre neue Rolle als emanzipierte Frau. Wir sind in den 50er Jahren, als Ehefrauen ohne die Zustimmung ihres Mannes nicht voll geschäftsfähig waren. Amy Adams zeigt eine Frau zwischen Angst und Unsicherheit, zwischen dem damals herkömmlichen Rollenverständnis der Frau mit allem damit verbundenem Unterordnungszwang und der Notwendigkeit ihre künstlerische Neigung zu verleugnen. Dabei liebt sie diesen Walter doch… Der Kampf tobt in ihr und sie kommt allmählich dazu auch gegen Walter zu kämpfen. Der überrollt sie lange Zeit mit seiner Eloquenz und Machtposition. Obwohl man weiß, dass er die Bilder nicht gemalt hat, bleibt es weiterhin spannend. Der kommerzielle Erfolg treibt immer weitere Blüten (Poster, Postkarten) und auch die Kritiker rühren sich. Ein wahres Actionhighlight ist die Auseinandersetzung zwischen Walter und dem gaaanz coolen John Canaday (Terence Stamp), der eine Gabel als Angriffswaffe zwei Zentimeter vor seinem Auge stoppt. Christoph Waltz gibt Walters Weg in den Wahnsinn (Schizophrenie) grandios wieder - und bleibt bis zum Schluss doch ein Charmeur. Dabei gerät es fast außer Acht, dass die Kinderbilder mit den übergroßen Augen manchem den ästhetischen Magen umdrehen. Die Gerichtsszenen sind der absolute Höhepunkt des Films. Und die Lösung, mit der öffentlich dokumentiert wird, dass Margaret die Bilder gemalt hat, ist wahrlich genial. Beste Unterhaltung die bewegt und beide Arten von Tränen provoziert.
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Do, 23.04.2015
TV | Die Lincoln Verschwörung
Rache oder Gerechtigkeit?4 Sterne
Robert Redford ist ein bemerkenswerter Film gelungen. Bereits der Ansatz, das ganze Verfahren aus der Perspektive des jungen Verteidigers Aiken (James McAvoy) zu zeigen, macht das ganze Unternehmen interessant. So ist es auch unwichtig den Mord und den Transport des Präsidenten zu zeigen. Im Mittelpunkt steht der Prozess gegen die bald gefassten Attentäter. Da das auch nicht viel Neues bietet, konzentriert sich die Handlung auf die Verteidigung von Mrs. Mary Surratt (Robin Wright), die sie beherbergt hat. Eigentlich ist aber ihr Sohn John (Johnny Simons) einer der Verschwörer. Ein kleiner Schlenker als Vergleich zum Mord am Kennedy Mörder konnte sich Redford hier in der Parallelität nicht verkneifen. Und als Konzession an den Publikumsgeschmack hat Verteidiger Aiken noch eine Freundin. Somit wird der Erfolg des Prozesses auch ein Erfolg in der Liebe. Entscheidend an diesem durchaus packenden Gerichtsthriller sind aber die Fragen, die aufgeworfen werden: Geht es hier um Gerechtigkeit oder um Rache? Soll die Bestrafung als Sippenhaftung verstanden werden und Mrs Surratt ebenfalls treffen? Darf ein Militärgericht überhaupt einen Zivilprozess führen? (‘Unter den Waffen schweigen die Gesetze‘) Offiziell befand man sich ja noch im Krieg. Dieser Grundsatz wurde später geändert. Das Komitee bestand nur aus Nordstaatlern. Und eigentlich stand das Urteil ja schon vor seiner Verkündung fest. Man kennt das mancherorts heute noch. Mit der erschütternden Hinrichtung von Mary Surratt, wobei man dramaturgisch geschickt an der Spannungsschraube gedreht hat, ist Redford noch eine flammende Anklage gegen die Todesstrafe ganz allgemein gelungen. Ganz großes Kino!
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Do, 23.04.2015
TV | Die Flüchtigen
Der etwas andere Kriegsfilm3 Sterne
Der Film von André Téchiné ist kein Kriegsfilm im üblichen Sinne. Er hat einen anderen Ansatz. Es geht primär nicht um Bomben und Ballerei (obwohl die auch mal vorkommen) sondern um eine Ausnamesituation, der sich die involvierten Personen stellen müssen und Entscheidungen treffen. Die junge Witwe Odile (Emmanuelle Béart) befindet sich mit ihren zwei Kindern Philippe (13) und Cathy (7) in einem Flüchtlingstreck, der in den Süden Frankreichs zieht. Für uns Deutsche ein gewohnter Anblick. Wie aus dem Nichts taucht der 17 jährige Ivan (Gaspard Ulliel) auf und übernimmt die Führung der Gruppe. Sie finden eine verlassene Villa und Ivan sorgt für die Ernährung. Odile hat immer noch nichts begriffen. Sie will die Polizei rufen. Ivan verhindert das. Er hat seine Gründe, die wir nach und nach erfahren werden. Es entwickelt sich etwas zwischen Odile und Ivan trotz ihres Altersunterschiedes. Sie, die Lehrerin, bringt ihm Lesen und Schreiben bei und putzt das Haus, badet häufig und lange. Es scheint wie Urlaub auf dem Lande zu sein. Als zwei desertierte französische Soldaten auftauchen, spitzt sich die Lage zu. Zunächst mögen Ivan die beiden Kinder, später auch Odile. Ivan wird von der Polizei aufgegriffen, Odile verhört. Für Odile geht das Leben weiter, für Ivan nicht. Jeder trifft freiwillig eine Entscheidung: kann hedonistisch sein wie bei Odile oder ultimativ wie bei Ivan. Und es kann auch jenseits der bürgerlichen Moral liegen. Krieg als Entscheidung. Unterhaltsam mit philosophischem Unterton und plötzlich wieder sogar aktuell.
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Mi, 22.04.2015
TV | Tango Libre
Langweilig & unwahrscheinlich1 Stern
Beruflich liegen Welten zwischen ihnen: dem Gefängniswärter (Francois-Belier-Damiens) und der Frau eines Insassen Alice (Anne Paulicevich). Sie haben aber eines gemeinsam: die Liebe zum Tango und zum Tanzen. Soweit kann man ja das Ganze noch nachvollziehen. Aber was Regisseur Fonteyne dann mit dem Verlauf der Handlung macht, ist bestenfalls gewöhnungsbedürftig, schlimmstenfalls unbefriedigender Unfug. Man stößt sich immer wieder an Unwahrscheinlichkeiten. Die Knackis wiegen sich ohne Not wie Elfchen zu einer Musik, die ist auch nicht immer Tango-Kompatibel (z.B. Mo-Town). Eruptive Gefühlsausbrüche gefolgt von Prügeleien, bewirken Kopfschütteln, sowie das unentschlossen rumzicken von Frau Paulicevich, gefolgt von einem Suizidversuch ihres Mannes aus dem Bereich der Lächerlichkeit. So etwas verhindert das Aufkommen von Emotionen. Lange Zeit bleibt der Zuschauer im ungewissen wie die zwei Männer zu Alice stehen. Drum kommt Freude auf, als die beiden mit ihr, ihrem Sohn und dem Gefängniswärter davonfahren. Ein gemütlicher Ausflug in die Freiheit zur Bestätigung des Titels. Die Unberechenbarkeit der Figuren hält sie auf Distanz, die fehlende Sympathie für die Figuren verhindert, dass der Funken nicht überspringt. Mit so einem Machwerk kann der Indi-Film auch keine Lorbeeren ernten. Fad und leer.
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Di, 21.04.2015
TV | Das alte Gewehr
Rache für Clara4 Sterne
Robert Enrico hat eine wahre Begebenheit aus dem von Deutschen besetzten Frankreich als Grundlage für diesen Film genommen. Das Massaker passierte in Oradour sur Glane. Im Film wird Clara (Romy Schneider) und ihre kleine Tochter von den Nazis bestialisch umgebracht. Und der Chirurg und Ehemann Julien (Philippe Noiret) wird zum gnadenlosen Rächer. Ein selten gezeigter Kriegsfilm mit zwei Hauptdarstellern in ungewöhnlichen Rollen. Selten versprüht Romy Schneider ihren Filmcharme so strahlend wie hier. Selten wird dem durch einen Flammenwerfer ein so grausames Ende gesetzt. Und Filmpartner Philippe Noiret ist auch nicht häufig als tötender Kriegsheld zu sehen. Und wenn er schon mal an einem Krieg teilnimmt, dann doch wohl als Offizier. Den Retrospektiven kommt hier eine besondere Bedeutung zu, da sie viel erzählen aus einer freundlicheren Vergangenheit und so als deutlicher Kontrast das Geschehen in der Jetzt-Zeit noch schlimmer erscheinen lassen. Der Kampf von Julien gegen eine Nazi-Gruppe innerhalb einer Burg eines Freundes ist spannend und von einem nachvollziehbaren Rachegedanken geprägt. Und der findet durch einen Spiegel seine Erfüllung, der zuvor noch mit seiner unterschiedlichen Durchschaubarkeit recht nett eingeführt worden ist. Der Leittragende ist der SS Offizier Joachim Hansen, den der ‘Stern von Afrika‘ bekannt gemacht hatte. Ein liebevolles Familienleben wird in einem gnadenlosen Krieg brutal zerstört. Heftig!
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Mo, 20.04.2015
Kino | We want Sex
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit5 Sterne
Dagenham steht für Ford, wie Wolfsburg für VW. Der deutsche Titel ist der Rest des Transparents ‘We Want Sex Equaility‘, auf dem das letzte Wort fehlt. Nigel Cole hat ein Talent dafür, ernste Themen als gute Unterhaltung zu verkaufen. Witzig, schlagfertig und immer voll in der authentischen Arbeiteratmosphäre. Hier geht es um ‘Equal Pay‘ (Gleiche Bezahlung). Hinzu kommt der typische Cole-Touch: Betonung der Individualität an ausgewählten Einzelbeispielen und vielen kleinen menschlichen Details. Mit dem Selbstmord des Ehemannes von Connie (Geraldine James) hat es Cole wohl etwas übertrieben. Er litt an den Folgen des 2. Weltkriegs, trägt aber zur Emotionalisierung mit bei. Sally Hawkins (jetzt ist sie das Happy-Go-Lucky Image wohl endgültig los) führt die Arbeiterinnen an. Rita hat selbst zu Hause Probleme. Am Beispiel ihres Ehemannes Eddie (Daniel Mays) wird das Zögern der Männerwelt gezeigt, den Frauen zu folgen. Wir erleben aber auch Ritas Unsicherheit und ihre Bedenken. Sie wird unterstützt vom Gewerkschaftsführer Albert (Bob Hoskins) und völlig unerwartet auch von der Frau des Ford Chefs Lisa (Rosamund Pike). Durch sie erfährt das Thema eine Erweiterung: die Emanzipation ganz allgemein. Wir sind ja erst im London der 60er Jahre. Später regelte sogar ein Gesetz die Ungleichheit. Und auch die damals noch übliche Prügelstrafe (‘Caning‘) wurde ebenfalls abgeschafft. Historische Figuren wie Premier Harold Wilson oder Barbara Castle (Miranda Richardson) werden geschickt in die Handlung mit eingebunden. Der Soundtrack der ‘Swinging Sixties‘ rundet die Atmosphäre ab. Der Aufmacher läuft mit Desmond Dekkers ‘Iraelites‘. Da wurde genug hineininterpretiert. Am Ende radeln die Frauen in die Fabrik zu ‘ You can get it if you really want‘. Sie haben’s bekommen. Sehr unterhaltsam und nicht ganz unwichtig für beide Geschlechter.
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So, 19.04.2015
TV | Der letzte Gentleman
Das Letzte1 Stern
Nicht der ‘letzte Gentleman‘ sollte der Film heißen, er ist ‘das Letzte‘. Der schlechteste Film der letzten Jahre. Hinzukommt, dass der deutsche Titel voll daneben geht. Wer ist denn hier der besagte Gentleman? Der exzentrische Gigolo Henry (Kevin Kline), der von sich sagt, er sei ‘noch rechter als der Papst‘ (einziger Witz auf weiter Flur!) oder sein verklemmter Untermieter Louis (Paul Dano), der Frauenkleider liebt. Dass er Schriftsteller werden will, kommt gar nicht vor. Die Handlung zieht sich zäh wie Hartgummi. Die meisten Gag Versuche sind albern (pinkeln unter dem Mantel am Straßenrand oder der Seniorentisch für Tapsige) und das langatmige Drehbuch verhindert, dass Kevin Kline eine echte Show abzieht. Die meiste Zeit rede er und Louis an einander vorbei. Sie reden weder mit noch gegen einander. Man wartet eigentlich auf einen Gag, aber der kommt nicht. So ist man nach einer halben Stunde echt genervt. Auch das Auftreten von John C. Reilly als voll Zugewachsener und mit Piep Stimme überdauert nur die ersten drei Minuten. Katie Holmes ist auch weder Fisch noch Fleisch. Sie wundert sich nur. Das kann man verstehen. Die Versuche witzig zu sein, enden im Unfassbaren. Man kann sich einfach kaum vorstellen, dass das, was man da auf der Leinwand sieht, Comedy oder Entertainment sein soll. Selbst die Figuren im Umfeld wie Meredith (Celia Weston) bleiben blass und ohne jegliche Konturen. Auch sie können nicht einmal ein Schmunzeln provozieren. Das ist doch auch keine Romantik! Man ist einfach nur genervt von so viel Mist. Goldene Gurke!
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So, 19.04.2015
TV | B. Monkey
Schwerer Ausstieg3 Sterne
Was für ein Abstieg nach ‘Il postino‘. Vielleicht wollte Michael Radford hier mal ganz was anderes machen. Der brave Lehrer Alan (Jared Harris) verliebt sich in die Titelheldin Beatrice (Asia Argento), eine Juwelendiebin. Es beginnt eine Großstadtromanze. Alan ist so verklemmt, dass er erst mal nicht kann. Das turnt Beatrice aber weiterhin an. Sie will aus dem Gangstertrio mit Bruno (Jonathan Rhys Meyers) und Paul (Rupert Everett) aussteigen. Man merkt bald, dass beide in recht unterschiedlichen Welten beheimatet sind. . Die intellektuellen Unterschiede zwischen den Liebenden werden durch Sex überbrückt. Es geht aber nicht ganz ohne Streit weiter. Alan macht bei einem Autoklau auf den weißen Klippen von Dover notgedrungen mit. Dafür regelt sie mit Bruno nach dem Gesetz der Straße einen Disziplinarfall für ihn. Alan lässt sich in die Einsamkeit der Waliser Berge versetzen. Es gilt Sippenhaftung. Weil Paul seine Schulden nicht bezahlt, tauchen Geldeintreiber bei Alan und Beatrice auf. Kurz aber eindrucksvoll Ian Hart und Eddie Marsan. Der Film zeigt, wie schwer es ist, aus dem Milieu auszusteigen. Gegen Ende wird es ein echter Krimi mit abwechslungsreichen Schießereien. Bruno hat hier einen eindrucksvollen Auftritt. Selbst in Beatrice verliebt (sie liebt ihn nur wie einen Bruder) überlegt er, sie zu erschießen…Hier kommt Spannung auf, bevor sich alles wieder etabliert. Beatrice und Alan sind auf dem Cricket Platz und sie wundert sich über ihr Happy End ‘hier am Arsch der Welt‘. Mittelprächtige Unterhaltung. Der Titel weist irgendwie auf ein B-Movie hin. Stimmt.

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Krimi mal anders5 Sterne

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