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Sa, 18.04.2015
TV | Liebe 1962
Sonnenfinsternis mit Fragezeichen0 Sterne
Das ist Arthouse hoch drei. Der deutsche Titel ist in Bezug auf den Inhalt des Films ebenso nichtssagend wie der des Originals. Folgt man erstaunt der angedeuteten Handlung, ist man auch nicht schlauer. Piero (Alain Delon) und Vittoria (Monica Vitti) begegnen sich, verfolgen sich, küssen sich endlich, schlafen vielleicht miteinander. Aus! Es ist die brillante Sinnlosigkeit des Lebens. Obwohl es die Börse gibt, lebt man an ihr vorbei. Wozu gibt es sie eigentlich hier? Eine Erkenntnis ist, dass Alain Delon Italienisch kann, Monica Vitti schaut gekonnt ins Leere und zickt etwas rum. Wenn man sie etwas fragt, sagt sie ‘Ich weiß nicht‘. Bindungsunfähigkeit, Bindungsunwilligkeit, innere Leere, die Menschen sind wandelnde Eisklötze. Mütter verzocken sich. Die Welt ist ein Chaos, in dem sich die Sonne verfinstert. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen ohne auf einen Sinn zu treffen. War so die Liebe 1962? Dann wären wir wohl ausgestorben. Ich kann hier dem großen Antonioni nicht ganz folgen. Gut, das glatte Ambiente fällt auf. Mancher erkennt einen verklausulierten Existenzialismus. Dann passt wieder die Sinnsuche nicht. Das Leben bewegt sich reglos und ziellos im Kreise. Das ist ein Bilderbogen der Ratlosigkeit, die Inkarnation eines Fragezeichens.
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Sa, 18.04.2015
Kino | Nur eine Stunde Ruhe OV
Der Jazzfan5 Sterne
Patrice Leconte hat die Fähigkeit, aus einer kleinen Belanglosigkeit einen abendfüllenden Film zu machen: Der Zahnarzt Michel Leproux findet auf einem Flohmarkt eine seltene Jazz LP und will sie sich anhören. Dazu braucht er wie im Titel angekündigt etwa eine Stunde. Der Film erzählt, was ihm alles dazwischen kommt und ihn daran hindert. Mit einem großartigen Christian Clavier, der seinen ‘Monsieur Claude‘ noch nicht ganz ablegen konnte, gelingt eine schwungvolle Komödie, die teilweise haarscharf an der Klamotte vorbeischrammt. Durch eine Entwicklung, die einmal in Gang geraten eine gewisse Eigendynamik entwickelt, ergeben sich immer neue Wendungen, die sich am Ende zu handfesten Überraschungen (z.B. bezüglich der Vaterschaft) mausern. Und die Anzahl der beteiligten Figuren weitet sich immer mehr aus und hält so das Interesse hoch: vom exzentrischen Dienstmädchen Maria (Rossy de Palma) über Elsa (Valérie Bonneton) die Geliebte von Leproux und seine leicht depressive Ehefrau Nathalie (Carole Bouquet). Beide Mädels steigern sich in eine wahre Coming-Out Geständnisorgie. Das ist blanke Komik pur. Hingegen Nachbar Pavel (Stephane de Groodt) ist sowohl ‘strange‘ als auch ein Vertreter vom Typ ‘Arme Sau‘. Die Immigranten, die zu beherbergen sind, passen nicht so ganz ins Bild. Stören aber auch nicht weiter. Der Knaller sind die polnisch/portugiesischen Installateure, die die Wohnung fluten. Klar, dass wir und Michel Leproux am Ende die LP hören. (Klassischer New Orleans Dixi). Und der Zuschauer verlässt swingend, wippend oder mit den Fingern schnippend das Kino. Rundum ein Feel-Good Movie.
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Fr, 17.04.2015
TV | Liebe lieber italienisch
Schattentänzer1 Stern
Optisch voller Klischees der Toskana: Sommer, Sonne, Landschaft. Da ist alles drin inklusive Folklore. Inhaltlich ist der Film in der Nähe von Rosamunde Pilcher anzusiedeln. Es gibt nur einige wenige Szenen in denen Harvey Keitel etwas Format einbringt. Der Schriftsteller Weldon Parish (hatte mal Erfolg mit den ‘Schattentänzern‘) hat gerade eine Schreibblockade und wird von einem Lektor Jeremy (Joshua Jackson) wieder zum Schreiben gebracht. Und zwar mit einer unterirdischen Argumentation. So wie sich das Klein-Fritzchen vorstellt. Er hat Angst vor dem Versagen und braucht dies nur zu überwinden. Dann geht es schon. Wer hätte das gedacht. Klar dass Harvey am Ende wieder schreibt, das ganze Haus schaut zu und alle freuen sich. Daneben läuft noch eine Lovestory zwischen Jeremy und Harveys Tochter Isabella (Claire Forlani). Die wird ganz klar als Augenweide eingesetzt – mit Erfolg – für die säftelnden älteren Herren. Lediglich eine Traumsequenz ist ganz nett geraten in diesem leichten Sommerfilmchen: Jeremy sieht drei alte Frauen am Rande sitzen, die werden plötzlich jung und legen ein Ballett hin. Kameraschwenk zurück zu Isabella, während Elvis singt ‘It’s Now or Never‘. Die schriftstellerischen Fachsimpeleien zwischen Harvey und Jeremy sind so dünn wie Eisblumen, manche Szenen schwanken zwischen Klamauk und Klamotte. Kuhklau, Prügeleien oder Karaoke bestimmen das Niveau. Doch das vorhersehbare verschnulzte Ende ist kaum noch zu überbieten. Erst hatte ich Isabella versteckt im Zug vermutet, doch dann reitet sie nebenher mit einem zweiten Pferd. Wow! Wie hat Regisseur Mirman nur Harvey Keitel überredet hier mitzumachen? Den deutschen Untertitel ‘Schau nicht zurück‘ könnte man sinngemäß ergänzen ‘Schau nicht hin‘.K.V.
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Do, 16.04.2015
TV | Das Feld
McCabes Ende5 Sterne
Der große Jim Sheridan hat hier wieder einmal ganz großes Kino gemacht. Es ist sein düsterstes Werk – nicht nur wegen der Dunkelheit und dem Dauerregen – es ist voller Dramatik, die einer klassischen griechischen Tragödie nahekommt. Ein Stück Land ruiniert seinen Pächter. Das ist Bull McCabe (Richard Harris in seiner ausdrucksstärksten Rollen). Damit dieses Feld nicht von einem Amerikaner (Tom Berenger) gekauft wird, bringt er ihn um. Doch so einfach ist es nicht. Da liegen hasserfüllte Vorwürfe im Raum gegen diejenigen, die Irland während der Hungersnot verlassen hatten und jetzt zurückkommen, um Land zu kaufen. Da gibt es ein Vater-Sohn Drama (Sean Bean), der das Land eigentlich gar nicht will und der ungewollt zum Verräter und Lügner wird, weil er sich mit der Tinkerin Katie (Jenny Conroy) einlässt. Dieses fahrende Volk nennt man bei uns Kesselflicker, als Tinker leben sie u.a. in irischen Folksongs weiter. Altersstarrsinn und stocksteifer Patriotismus verhindern, dass Bull die Realität erkennt. Er gibt allen anderen die Schuld und verliert Hab und Gut, am Ende sogar seinen Verstand und sein Leben. Für ihn gilt das Gesetz der Erde nicht das des Rechts. Dabei zeigt er sich tief religiös und beichtet dem gerade Erschlagenen ins Ohr in der Hoffnung auf ein Wunder und um Vergebung. Als Gegenpol auf der Seite der Wohlhabenden (sic!) steht Pfarrer Doran (Sean McGinley). Er vertritt die Kategorisierung des Hungers: den nach Brot, nach Liebe, den des Fleisches (ganz schlecht) und den nach Land. Das Feld ist ein ‘Blutacker‘. Ein hochdramatisches Ende, erschütternd grausam und mit einem Titan in der Hauptrolle: es scheint, als ob Bull den Kopf in den Regenwolken habe und mit seinen ausgebreiteten Armen das ganze Firmament allein tragen würde. Neben ihm glänzt vor allem das Faktotum ‘Bird‘(John Hurt). Ein Klassiker!
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Mi, 15.04.2015
TV | Hasta la vista
Carpe Diem4 Sterne
Das Plakat verrät die Richtung: drei schwerbehinderte Jungs Philip, Jozef und Lars wollen in ein spanisches Bordell. Ohne Gefühlsduselei aber nicht ohne Gefühl wird von ihrer Reise erzählt, mit allen Schwierigkeiten aber auch komischen Situationen, die sich ergeben. (Duschen, Pinkeln etc.) Natürlich brauchen sie einen Fahrer und einen Kleinbus. Als Glücksgriff des Drehbuchs erweist sich der Umstand, dass es eine Fahrerin ist und zwar Claude (Isabelle de Hertogh). Fragt der fast blinde Joszef ‘Ist sie hübsch?‘ Antwort ‘Eine Mischung als Seekuh und Gorilla. Sei froh, dass du nicht sehen kannst‘. Wie sie sich im Laufe der Reise zur echten Mutter der Kompanie mausert, wird sehr gefühlvoll aber auch witzig erzählt. Es entsteht eine tiefe Freundschaft. Claude kann beherzt zupacken z.B. in brenzligen Situationen (mit angetrunkenen Holländern) ebenso wie als Mutter Theresa mit Sexappeal agieren. Sie nimmt sich besonders Jozef (Tom Audenaert) an. Und sie ist eine Frau mit Vergangenheit. Ihr Ex war ihre Behinderung. Die Jungs merken, dass sie sich auf Grund ihrer Lage nicht jede Äußerung erlauben dürfen und werden erwachsen. Jozef findet in Claude einen Mutterersatz. Und der Höhepunkt des Films das Ziel der Reise wird voyeurfrei geschildert. Stattdessen gibt es eine Traumsequenz in der alle laufen und sehen können. Dass Lars (Gilles De Schrijver) auf der Strecke bleibt, ist eigentlich ebenso überflüssig wie seine Beisetzung in der sich alle nochmal umarmen. So werden aber auch die Eltern keineswegs vergessen. Ein ernstes Thema witzig und mit viel Wärme erzählt. Die vier Laiendarsteller sind absolut authentisch. Besser als echt behinderte Menschen.
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Mo, 13.04.2015
TV | Away we go - Auf nach Irgendwo
Auf geht's!2 Sterne
In diesem Roadmovie mit märchenhaftem Ende reist ein Pärchen durch die USA und sucht einen Sinn in der Tatsache zu finden, dass sie bald Eltern sein werden. Verona (Maya Rudolph) ist im 7. Monat und Vater Burt (John Krasinski) unterstützt sie dabei, wo er kann. Sie besuchen ihre Eltern, Freunde und Verwandten. Diejenigen die sie treffen haben alle eins gemeinsam: sie sind mehr oder weniger durchgeknallt Sei es, dass sie auf dem Esoterik-Trip sind oder von der ganz harten Proll-Sorte, reine Gebärmaschinen oder sie stecken bis zum Hals im selbstverschuldeten Schlamassel. Alle haben jede Menge Kinder. Eigentlich müsste Burt und Verona nach den Erfahrungen die Lust am Kinderkriegen vergehen. Sie beschäftigen sich immerhin mit nichts anderem als dem Embryo in Veronas Bauch. Das ist aber auch das einzige, was sie überhaupt zustande gebracht haben. Sonst kriegen sie eigentlich so gut wie nichts gebacken. Beide wirken etwas einfältig, Burt mehr noch als Verona. Das macht in gewisser Hinsicht aber auch einen Teil ihres Charmes aus. Es war wohl ein Fingerzeig für Sam Mendes damalige Ehefrau Kate Winslet, eine Anleitung wie man es nicht machen sollte. Kinder sind an sich schon eine gute Sache, aber bei der Erziehung, wie wir sie hier sehen, kommen sie unter die Räder des Lebens. Manche Figuren sind etwas überzeichnet und wirken unnatürlich. Der Schluss ist mehr als zuckersüß: Sonnenuntergang mit Terrasse am See. Etwas unrealistisch und theatralisch. Alles nur kein Probleme, denn die haben wir ja schon alle gesehen. Da dängt sich einem dann doch der berühmte Schlusssatz auf ‘Und wenn sie nicht gestorben sind…‘ Kommt da etwa Komödie von komisch? Dann ist es eine. Na ja!?
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Mo, 13.04.2015
TV | Nikita
Weibliche Killermaschine4 Sterne
Die Mutter aller Nikita-Versionen, die mit ihrem offenen Schluss sowohl zur Nachahmung als auch zur Fortsetzung auffordert. Ein spannender Klassiker, in dem eine Kriminelle (unglaublich überzeugend Anne Parillaud) von einer Kriminellen zur Killermaschine für den Staat umgepolt wird. Ebenso grandios – obwohl völlig anders, weil unterkühlt gefühllos Bob (Tchéky Karyo). Wir sehen ihre Ausbildung und das Ergebnis. Als nette Zugabe agiert Jeanne Moreau als Weiblichkeitstrainerin Amande. Die Königin der Sinnlichkeit bringt Nikita Charme und Eleganz bei .Bob verfolgt den Plan von Peitsche und Zuckerbrot. Der Zuschauer weiß immer nur so viel wie Nikita. Als sie sich verliebt, wird es noch einmal spannender. Marco von der Kasse am Supermarkt (Jean-Hugues Anglade) ist am Anfang so völlig harmlos und nett und bietet so als Gegenpol eine zusätzliche Steigerung der Spannung. Und als Victor (Jean Reno) auftaucht, hält man es kaum noch aus. Dazu noch der Dobermann?!. Luc Besson hat ein Drehbuch geschrieben, das von den Gegensätzen lebt. Es ist eine Studie von Macht und Ohnmacht, von Versuchung und Belohnung und von Vorteilsnahmen und Kalkül. Und es ist ein Psychoduell zwischen den beiden Protagonisten, das am Ende zwei Sieger hat. So bekommt Bobs letzter Satz, als er mit Marco verhandelt neben der realen noch eine symbolische Bedeutung ‘ Sie wird uns fehlen‘. Die Frage nach der Verantwortung der Morde, die Nikita hier ausführt, stellt sich hier gar nicht. Würde sie aber entlasten. Es wäre vielleicht nur ein weiterer Aspekt im ständigen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Der Film ist wie atmen: einatmen, Luft anhalten bis es wehtut und ausatmen.
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Sa, 11.04.2015
TV | Scarface - Tony, das Narbengesicht
Narbengesicht4 Sterne
Brian de Palma hat mit diesem Remake eine Hommage an Howard Hawks gemacht. Das merkt man besonders im bombastischen Ende des Films. Tonio das Narbengesicht geht in seiner Luxusvilla unter und mit ihm verschwindet das zerstörte Haus. Da geht eine ganze Welt unter (Vor der Plastik mit der Aufschrift THE WOLRD IS YOURS). Al Pacino ist in der Rolle ganz groß. Vom uneingeschränkten Optimismus des kubanischen Einwanderers zum koksenden armen Hund, der mutterseelen allein auf der Welt ist. Anfang und Ende einer Gangsterkarriere, wobei Ähnlichkeiten mit der Realität durchaus gewollt sind. Er sitzt zum Schluss hinter einem riesengroßen Berg Kokain (seine Geschäftsgrundlage) und zieht sich rein was die Nase fassen kann. Neben allen kriminellen Machenschaften wird hier aber auch noch die menschliche Seite der Gangster beleuchtet. Tonys fast inzestuöses Verhältnis z.B. zu seiner Schwester Gina (M.E. Mastrantonio), das ihn zum Mord an seinem einzigen Freund Manny (Steven Bauer) zwingt oder die permanente Ablehnung seiner Mutter. Parallel zu seinen geschäftlichen Erfolgen greift Tonio sich auch Elvira (Michelle Pfeiffer), die Geliebte seines Chefs Frank (Robert Loggia). Treu seinem Motto: ‘erst Geld, das bringt Macht, dann kommen auch die Frauen‘. Sie wird bei Tonio nicht glücklich, kokst und trinkt und merkt eher als er ‘Wir sind Loser, Tonio!‘ Der Tunnelblick des Ganoven wird deutlich, wenn Tonio in die Enge getrieben wird. In seiner Hybris erkennt er nur einen Ausweg mittels Knarre. (‘Ich sag‘ immer die Wahrheit, sogar wenn ich lüge!‘) Er lebt in einer Welt, in der er die Gesetze macht. Und da pflastern Leichen seinen Weg. Sehr gut, superspannend, mit Miami-Feeling. Man wird gepackt. Wuchtiges Kino. Drehbuch von Oliver Stone. Aber Hallo!

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