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Mi, 11.03.2015
TV | Triage
Aussortiert4 Sterne
Der Titel meint das fragwürdige Aussortieren von Verwundeten unter dem Gesichtspunkt von Heilungschancen. Unheilbar Verwundete werden vom Arzt Dr. Talzani (Branko Duric) erschossen. Allein diese Dokumentation rechtfertigt den Film. Zwei befreundete Kriegsfotografen, Mark (Colin Farrell) und David (Jamie Sives) sind in einem Rebellencamp in Kurdistan. Einer kehrt verwundet heim, der andere kommt ums Leben. Aber das erfahren wir erst am Ende des Films. Zwei Ehefrauen warten zu Hause. Davids Frau Diane (Kelly Reilly) ist schwanger, Mark traumatisiert. Der Großvater (Christopher Lee) seiner Frau Elena (Paz Vega) könnte ihm helfen. Ist aber als Faschist verschrien, der im spanischen Bürgerkrieg Franco unterstützt hatte. Danis Tanovic arbeitet mit Minimalismen. Dennoch gelingt ihm in 99 Minuten eine eindrucksvolle Charakterzeichnung der Figuren: der traumatisierte Mark, dessen Erinnerung voller furchtbarer Bilder ist und der darüber nicht reden kann. Elena fühlt ganz als Frau und weiß nur, dass er Hilfe braucht. Großvater Joaquin erläutert, dass Hilfeleistung unabhängig von Ideologie und Nationalität geleistet werden muss. Und Diane bringt eine gesunde Tochter zur Welt. (Prinzip Hoffnung!) Auch Doktor Talzani hat mit der Triage so seine Probleme. Ein kleiner Film erzählt kurz und bündig von einem wenig beachteten Aspekt des Krieges, am Ende naturgemäß mit vielen Tränen. Da bleibt keine Zeit über das Plato Zitat nachzudenken ‘Nur die Toten haben je das Ende des Krieges gesehen‘. So habe ich das noch nie gesehen.
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Di, 10.03.2015
Kino | Verstehen Sie die Béliers?
Paula pubertiert1 Stern
Der deutsche Titel soll ja wohl der Auftakt zu einer Diskussion sein. Ich für meinen Teil muss die verneinen. Ich verstehe die Béliers nicht. Der Originaltitel greift auch zu kurz, denn es geht nicht um die ‘Familie Bélier‘, sondern nur um ihre pubertierende Tochter Paula (Louane Emera), inklusive erste Mensis und erster Liebeskummer. Das Ganze läuft ohne den sonst bei französischen Filmen üblichen Witz und Charme. Die taubstummen Eltern hampeln wie Hamster auf Speed vor der Kamera rum. So geht die Zeichensprache nicht. Wirklich taubstumme Menschen müssen sich da verkackeiert vorkommen. Und das Gespräch verzögert sich durch langatmige Wiederholungen. Das hat Caroline Link genial gelöst. Da war sogar noch Platz für den Joke ‘Der nuschelt so‘, sagt ein Gehörloser in der Gebärdensprache zum anderen. Vor allem Bauersfrau Gigi (Karin Viard, sonst eine großartige Schauspielerin) gestikuliert in High Heels im Kuhstall, dass es einem schwindelig wird. So hat sie sich noch nie zum Affen gemacht. Das Ergebnis des kommunalen Wahlkampfes des Vaters geht verloren, bzw. es genügt, wenn der Kandidat die Dorfbewohner beschimpft. Warum kandidiert er dann? Man ist genervt vom endlosen Teenie-Gequatsche, ohne dass viel ausgesagt wird und vergisst dabei: eigentlich sollte/wollte Paula ja singen. Und als das Kind bereits in den buchstäblichen Brunnen gefallen war, zieht Regisseur Lartigau die Ohrwürmer von Michel Sardou aus dem Hut. Und die tragen sich selber (z.B. ‘La maladie d’amour‘). Da kann man über Paulas Naturstimme hinweghören. Einzig der Schlusssong ‘Je vole (Ich fliege)‘ kann punkten, denn er passt in die Handlung. Paula kann sogar etwas auf die Tränendrüse drücken. Fast schon ärgerlich! K.V.
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Mo, 09.03.2015
TV | Musik für Hochzeiten und Begräbnisse
Guggenmusik zum Trost2 Sterne
Ein Frauenfilm, in dem auch Männer eine Rolle spielen. Anfangs interessant, später neugierig und am Ende skurril, wie der Titel. Wenn eine geschiedene Schriftstellerin Sara (Lena Endre) nach dem Suizid ihres Ex Peter (Bjorn Floberg), der auf Besuch in eigenen Haus war, diverse sexuelle Erfahrungen sucht, nennt man das Selbstfindungstrip. Im Haus war auch ihr kleiner Sohn Kristian zu Tode gekommen. Sara trifft auf ihrer ‘Reise‘ Peters zweite Frau (Patronella Barker, wieder schwanger!), seine demente Mutter und eine Geliebte (Rebecka Hemse). Den Keller vermietet sie an einen serbischen Musiker Bogdan (Goran Bregovic), der hier mit seiner Band probt und säuft. Und ohne Bauchtanz geht schon mal gar nichts. Ein One- Night-Stand mit einem Hotel Boy macht Sara locker, ehe Bogdan Peters Nachfolge antritt. Dem Ex werden auch noch nachträglich Minuspunkte ans Revers geheftet: in seiner Gier war er auch noch bi-sexuell. Ein atemberaubender, durchgestylter Architektentraum als Behausung, anfangs noch gehaltvolle Dialoge, die unterwegs allerdings an Zugkraft verlieren; so rettet sich Regisseurin Unni Straume wie mit einem Gong am Boxring mit einem skurrilen Begräbnis am Ende. Bogdans Heiratsantrag und Kinderwunsch verliert sich da allerdings eher in Richtung Schmonzette. Besagte Musik ist gewöhnungsbedürftig, weder zum Trauern noch zum Feiern - wie der Film. Der Zuschauer schwankt zwischen Schock und Empathie, zwischen Verständnis und Ablehnung. Unbestritten Lena Endres darstellerische Leistung.
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So, 08.03.2015
TV | Der Falke und der Schneemann
Der Tierfreund & der Junkie2 Sterne
Eine wahre Begebenheit aus der Zeit des Kalten Krieges, die jetzt wieder aktuell zu werden scheint. Zwei Jugendfreunde, Christopher (Timothy Hutton) und Lee (Sean Penn) verkaufen Informationen an die Sowjets. Christopher besitzt einen Falken, er ist ein Jäger, sein Freund ein Junkie. Soviel zum Titel. Der familiäre Hintergrund der beiden wird kurz beleuchtet, ohne auf schwere Kindheit oder Vater-Sohn Probleme hinzuweisen, die nie existierten. Nur so viel: ja beide hatten Eltern! Zuhause geht es eher sachlich distanziert zu. Beide scheinen ihrer Rolle schauspielerisch nicht ganz gewachsen zu sein. Auch wenn Lee auf Großkotz mimt und Christopher per Zufall Informationen in die Hände fallen. So ganz kann man beiden das nicht abnehmen. Der Film verschleiert die Zusammenhänge und vermeidet bis kurz vor Schluss jegliche Spannung. Und damit Amerika wieder ruhig schlafen kann, werden beide irgendwie am Ende gefasst und verurteilt. Ratz-Fatz. Einer der schwächsten Filme von John Schlesinger. Hiermit hat er sich wohl der damaligen Reagan Regierung (1985) angebiedert. Er bleibt bewusst undeutlich, Genaues weiß man nicht, soll man auch nicht wissen. Nur dass es böse ist, wenn man so etwas tut. Ohne Pfiff passt der Film ins Weltbild des damaligen Präsidenten, der nur zwischen Gut und Böse unterscheiden konnte und Gorbatschow noch nicht kannte.
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So, 08.03.2015
TV | Airport
Endstation Liebesleid2 Sterne
Das war in den 70er Jahren ganz großes Kino. Die Superstars reihten sich aneinander wie Edelsteine auf eine Perlenkette. Es geht vornehmlich um Alltagsprobleme auf einem Flughafen: schneefreie Landebahnen oder eine Demo gegen eine neue Startbahn. Mr. Guerrero (Van Heflin), ein Mann mit einer Bombe im Handgepäck ist nur eins von vielen Problemen, mit denen sich Flughafenchef Bakersfield (Burt Lancaster) rumschlagen muss. Der Attentäter kommt eher wie ein geprügelter Hund daher und eliminiert sich am Ende selber. Sein Muttchen (großartig Maureen Stapleton) bringt echte Tragik ins Geschehen. Dafür wird das Hauptaugenmerk auf die menschlichen Probleme der Personen gelegt. Und davon gibt es mehr als genug. Da hat Regisseur und Drehbuchautor Seaton fast den ganzen menschlichen Möglichkeitsbereich aus der Abteilung ‘Liebesleid‘ abgegrast. Bakersfields Ehe steht vor dem Aus, seine Assistentin Livingston (Jean-Betonfrisur!-Seberg) steht schon in den Startlöchern. Schwager und Flugkapitän Vernon (Dean Martin), der alte Schwerenöter, hat Stewardess Gwen (Jacqueline Bisset) geschwängert und Cheftechniker Joe (George Kennedy) muss auf ein Schäferstündchen mit seiner Frau verzichten. Da fällt es kaum auf, dass die Spannung abhandengekommen ist. Immerhin gibt es schon Split Screen. Ersatzweise sorgt eine alte Dame (Helen Hayes) als Blinde Passagierin für kurzweilige Späßchen. Klar, dass am Ende alles wieder F.F.E. ist, der finale Lacher kommt wie in den Serien heute immer noch. Wirkt ziemlich angestaubt, umständlich, wie aus einer anderen Zeit. Als man im Flieger noch rauchen durfte. Nostalgietrip fürs Plüschsofa.
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Sa, 07.03.2015
TV | Sleepers
Pater Bobbys Alibi4 Sterne
Barry Levinson hat mit einer Starbesetzung eine schreiende Anklage gegen Missbrauch von Kindern gemacht. In einer Jugendstrafanstalt sind die vier Buben den sadistischen Quälereien des Wachpersonals hilflos ausgeliefert. Ihr Anführer ist Sean Nokes (Kevin Bacon). Er und seine Kollegen zerbrechen die vier Jungs, die ihr ganzes Leben nur noch einen Wunsch haben: einmal eine Nacht durchzuschlafen ohne Licht. Obwohl die Gewaltszenen sich hier in Grenzen halten, reicht es aus, zusammenzuzucken. Verständlich, wenn da Rachegefühle aufkommen. Nokes wird ermordet. Einer der Clique Michael (Brad Pitt) ist inzwischen Staatsanwalt und entwickelt eine geniale Verteidigungsstrategie, bei der ein gedungener Anwalt (Dustin Hoffman) eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Einziger Zeuge und alter Freund aus Kindertagen ist Pater Bobby (Robert de Niro). Er vollbringt das Unmögliche und gibt den Mördern ein Alibi. Sie werden freigesprochen. Für Priester ist das der Worst Case. Aber auch die vier Opfer bleiben zeitlebens gezeichnet. Ihr Verhältnis zum anderen Geschlecht, hier stellvertretend von Jugendfreundin Minnie Driver dargestellt, beleibt problematisch mit all der damit zusammenhängenden Bindungsunfähgikeit. Kevin Bacon spielt den pädophilen Aufseher mit diabolischem Zynismus. Robert de Niro bleibt ruhig und besonnen, wie ein echter Kumpel der Jungen. Man spürt was in ihm tobt. Eindrucksvolle Retros beleuchten mit technischer Raffinesse das Milieu in ‘Hell’s Kitchen‘. Dazu Musik von den Beach Boys und Donovan. Schwer beeindruckend.
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Fr, 06.03.2015
TV | Back in the Game
Mickey & Gus2 Sterne
Wären da nicht die beiden großartigen Hauptdarsteller Clint Eastwood (Gus) und Amy Adams (Mickey), so wäre es eine blank-biedere Schmonzette. In wenigen Szenen schaffen es die zwei einen Anklang an ein Vater-Tochter Drama zu gestalten, dass man überall versteht. Dennoch strotzt der Film im Ganzen vor Klischees, vor allem amerikanischen Klischees. Man versteht das Fachchinesisch über Baseball kaum und schaut verwundert drein, wenn Worte fallen wie ‘innings‘ oder ‘curve‘. Uns ist diese Sportart so nahe wie der Südpol. So kann man auch manche Auseinandersetzung nur schwerlich nachvollziehen, sei es im Management oder im Privaten. Dass Mickey eine supererfolgreiche Anwältin ist, lassen wir mal so unkommentiert stehen. Der deutsche Titel greift kaum, denn Gus war nie raus aus dem Spiel. Und das mit der Kurve verstehe wer will: Der in die Jahre gekommene Spieler-Scout Gus stammt natürlich aus der Vor-Computerzeit (Was seinen Job gefährdet), besonders tragisch der Verlust seiner Sehkraft. Als Freund und Fachkollege vermittelt John-Flintstone-Goodman in der Idealbesetzung für diese Rolle zwischen den Fronten. Dann taucht auch noch Jugendschwarm Johnny (Justin Timberlake) auf und baggert Mickey an. Da ist das Ende bereits klar vorhersehbar. Erst schleimt er sich an den Alten ran, dann kommt der Frontalangriff. Der geht natürlich zunächst einmal in die Hose, alle drei gehen getrennte Wege. Aber nicht lange! Da spottet Mickey ein Naturtalent. Und schon gibt’s den finalen Versöhnungskuss. Als Gus das sieht meint er nur lakonisch ‘Ja, dann nehm‘ ich mal wieder den Bus‘. Na ja, geht so dank Gus und Mickey.
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Fr, 06.03.2015
TV | Miss Pettigrews großer Tag
Das Starlet und das Dienstmädchen4 Sterne
Eine charmante Komödie nicht ganz ohne Witz, etwas überdreht bis kurz vor dem Anschlag. Nach dem bekannten Muster ‘Der Prinz und die Tänzerin‘ hier die weibliche Variante: ‘Das Starlet Delysia (Amy Adams) und das Dienstmädchen (Frances McDormand, die Titelheldin Guinevere). Delysia, das Glamourgirl versucht sich nach oben zu schlafen, steht aber meistens neben der Spur. Da kommt Guinevere als sogenannte ‘Privatsekretärin‘ gerade recht. Ihr gesunder Menschenverstand rettet die süße Blondine aus manch vertrackter Situation. Die gegensätzlichen Charaktere und das sehr unterschiedliche Aussehen der beiden Ladys machen den Charme des Films aus. Die etwas trampelige Zofe in ihrer herben Schönheit hat genügend gesunden Menschenverstand für zwei ‘Eine Frau muss standhaft, zuversichtlich und stark sein‘. Und das Starlet geht mir ihr schoppen, um sie aufzuhübschen. Was kann sie sonst auch schon machen? Zickenkrieg! Das durchgängige Jugendstil-Dekor schafft die Vorkriegsatmosphäre, in die die deutschen Luftangriffe passen wie Strandgut zum Strand. Es gibt nur einen dramaturgischen Grund für die hier harmlosen Luftangriffe: alle Verliebten suchen nach einander und finden sich am Morgen. Nicht ganz unbemerkt schleicht sich der Modezar Joe Blomfield (Ciaran Hinds) an Guinevere ran. Es dauert bis Delysia ihren Michael (Lee Pace) bekommt und Joe seine Miss Pettigrew. Das ist vorhersehbar, aber warmherzig. Gelungen ist der ansatzlose Übergang von der überdrehten High Society der Modewelt zu echten, tiefen menschlichen Gefühlen. Dabei hilft der Witz. Joe Blomfield wird in Zukunft Herrenstrümpfe herstellen und nicht wie bisher BHs und Reizwäsche. Lockere Unterhaltung, amüsant mit Relax-Effekt. Da fällt der Stress von einem ab wie in einer warmen Badewanne.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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