Do, 19.02.2015TV | Sag, dass du mich liebstErzählen sie mir was von sichDer deutsche Titel und der des französischen Originals verdeutlichen zwei unterschiedliche Ansätze zum Verständnis des Films. Wir betonen den Wunsch der Tochter Mélina (eindrucksvoll Karin Viard), den Titelsatz von ihrer wiedergefundenen Mutter (Nadine Barentin†) zu hören. Regisseur Pineau verweist auf Mélinas Rolle als Kummerkastentante in einer Radioshow. (ein weiblicher Domian)
Es entwickelt sich ein emotionales Spiel in zwei Welten um Anonymität und vertrauter Verwandtschaft. Mélina taucht als Unbekannte bei der Familie ihrer Mutter auf und nach und nach erkennen alle wer Mélina wirklich ist. Damit ist ihre Rolle beim Radio dahin und die Mutter ist nicht gerade außer sich vor Freude, ob der aufgetauchten Tochter.
Karin Viard spielt diese Mélina, die hart am Autismus anzusiedeln ist mit klaustrophobischer Intensität. Selbst in ihrer eigenen Wohnung flüchtet sie sich in die Besenkammer als sicheren Ort. Ihre Unfähigkeit Beziehungen aufzubauen steigert sich immer mehr und es gibt anscheinend keine Möglichkeit davon wegzukommen. Als ihre Mutter den Titelsatz nicht sagen will, droht sie ihr, die medizinischen Geräte abzuschalten. Die Zuneigung von Lucas (Nicolas Duvauchelle), eines Mitglieds der Familie, macht sie kopflos. Aber sie ist lernfähig. Als ihr eine Anruferin von ihrer Heimerfahrung erzählt (eigentlich ist es die eigene von Mélina), rät sie ihr das Gleiche, was ihr ihre Putzfrau geraten hat ‘Du musst auf die Leute zugehen.‘ Etwas, das sie selbst nie schafft. Es gibt keine Lösung, nur die Erkenntnis, dass etwas geändert werden muss. Nichts für Ratsuchende. | |
Di, 17.02.2015Kino | The Imitation Game - Ein streng geheimes LebenGenie und HomoNatürlich drängt sich der Vergleich zum Vorläufer ENIGMA von Michael Apted auf, der lediglich einen Spionageabwehrfilm des 2. Weltkrieges gemacht hatte. Auch recht spannend, aber doch eher etwas eindimensional. Da steht eine Liebesgeschichte im Vordergrund. Es ist kein echtes Biopic. Strenggenommen ist es Tyldums Film auch nicht. Er kreist um drei Themenkomplexe. Neben der Enigma-Story thematisiert er nicht nur die Homosexualität des Genies (außerordentlich Benedict Cumberbatch), sondern vertieft die Problematik, indem er das komplizierte Verhältnis zu Joan Clarke (Keira Knightley) seiner Verlobten, herausarbeitet. Beide verstehen sich in ihrer gemeinsamen Genialität. Ihr Besuch bei ihm am Ende des Films ist einer der tragischen Höhepunkte. Turing wurde einer Hormontherapie unterzogen, bevor er sich das Leben nahm. Im Abspann kommt der Hinweis, dass Homosexualität damals strafbar war.
Zuvor gab es noch eine zweite entscheidende Erkenntnis und zwar die, dass er die Dechiffriermaschine nicht gleich einsetzen wollte, weil dann ja die Deutschen wüssten, dass England Enigma hat und ihre Nachrichten anders formulieren würden. So scheint es zunächst, dass die Arbeit der letzten Jahre anscheinend umsonst gewesen war. Das geht dann in Richtung lancierte Falschmeldungen. Zwischen vielen falschen Meldungen versteckt sich die richtige.
Als drittes Phänomen kommt die gottähnliche Stellung der Wissenschaftler in Bletchley Park zur Sprache. Da kommen Bitten und Wünsche auf, weil der eine oder andere Verwandte bei der kämpfenden Truppe hat und dessen Einheit durch Vorwarnung gerettet werden könnte. Und bei aller Tragik sind die Dialoge so geschliffen und teilweise so überdurchschnittlich witzig, dass sie wie ein Palliativ wirken und einen großartigen Film gekonnt abrunden. | |
Mo, 16.02.2015TV | Auf Liebe und TodEin Hoch auf den Sonntag!Truffauts letzter Film in s/w. Hier beweist er, dass er auch Krimis kann, obwohl es nicht sein eigentliches Genre ist. Aber was zählt, ist die meisterliche Handhabe des Themas. Der deutsche Titel sollte die beiden Substantive vertauschen, denn erst kommt der Tod und ganz am Schluss die Liebe. Der des Originals klingt wie ein Trinkspruch: ‘Auf den Sonntag!‘ Und das ist die Hochzeit von Julien Vercel (Trintignant) und Barbara Becker (Fanny Ardant).Sie sagt einmal ganz lapidar ‘Ich wünschte, es wäre Sonntag.‘ Zuvor gab es allerdings drei Morde, die man nicht genau sieht. Nur beim ersten lässt uns Truffaut glauben, dass wir es gesehen haben. Die Polizei verfolgt Vercel und es entwickelt sich ein spannender Krimi mit vielen überraschenden Wendungen bis hin zu einem fingierten Telefonat der Ehefrau des Kommissars. Dabei treiben Figuren, die die Haupthandlung von außen begleiten, die Spannung hoch: ein Kunde, der später Pfarrer und Bruder eines Getöteten ist oder eine geheimnisvolle Anruferin. Manche Dialoge werden aus der Ferne betrachtet und man soll sie nicht so genau verstehen. Doch das alles genügt dem Regisseur nicht. Es kommen komödiantische Szenen hinzu. Die Theaterproben mit oder ohne Barbara oder die geplatzte Wasserleitung im Kommissariat. Vercel nennt Barbara schon mal eine ‘Gurke‘. Als Barbara Under Cover im Nuttenmilieu arbeitet, fragt sie ein Kunde ‘Wie viel?‘ Antwort ‘Fünf nach halb acht‘.
Die Spannung steigt fast ohne Gewaltanwendung, ganz unaufdringlich begleitet von stiller Komik (Wer hat schon am Ende bemerkt, dass Barbara bei der Trauung schwanger ist? Meisterlich. Ein Hoch auf Truffaut! | |
So, 15.02.2015TV | Glück auf UmwegenDer geballte Charme FrankreichsDiese französische Komödie kommt locker und flockig daher und obwohl man das Ende kennt, wird der vorausdenkende Zuschauer mit so viel Charme und Esprit, mit so großer französischer Leichtigkeit eingedeckt, dass man dieses Wissen vernachlässigen muss. Das liegt an den Darstellern und an vielen innovativen Einfällen. Gleich von Anfang an, sorgt der Off-Kommentar für gute Laune. Das setzt sich fort mit der Flucht des Eheberaters Julien (Francois-Xavier Demaison) in ein Kloster. Man erlebt, dass er seinen Freundinnen nur Unglück gebracht hat. So springt der Funke gleich über. Es dauert allerdings bis Johanna (Virginie Efira) erkennt, dass das nicht so ist und sich der Originaltitel bewahrheitet. Julien wird zum Glücksbringer für sie. Das lustige dabei ist, dass alles dagegen spricht und Johanna um die Ecke denken muss, bis ihr die Erkenntnis kommt. Dazu braucht es einen Kusstest, einen Brusttest, einen Gummiballtest für einen Spaniel und zwei vertauschte Aktentaschen: die eine enthält Pläne für ein neues Auto, die andere einen Dildo. Recht pfiffig wird beides in die Planung mit einbezogen. Man kann sich von der Handlung so verzaubern lassen, dass einen auch der vorhersehbare Schluss wie im Märchen nicht stört. Daran haben Virginie Efira und das Drehbuch einen nicht unerheblichen Anteil. Die Fehlschläge werden zu Volltreffern für das Zwerchfell und keine Dokumentation von Murphys Gesetz. Toll! | |
Sa, 14.02.2015TV | Blue VelvetBlauer SamtDer Titelsong von Bobby Vinton kommt mehrmals vor. Hier wird eine Unbekannte besungen, ‘die blauen Samt trug, die Nacht war allerdings noch blauer, das Licht sanfter als Seide, blauer als Samt ihre Augen, ihre Seufzer wärmer als der May‘. Der Song bleibt ähnlich wie die Handlung des Films unpräzise. Folglich wurde viel hineingeheimnisst und die verklausulierte Symbolik malträtiert. Fakt ist, wir sehen eine bunte, bürgerlich brave Kleinstadt Lumberton als Kontrast zu einer Unterwelt, in der kaputte Typen und Psychopaten ihr Unwesen treiben. Durch zufällige Nachforschungen gerät Jeffrey (Kyle MacLachlan), der aus geordneten Verhältnissen stammt, an die Sängerin Dorothy (Isabella Rossellini), die einen gewalttätigen Freund Frank (Dennis Hopper) hat. Die ungewöhnliche Erzählweise, die mit Schockern nicht spart, sprengt das bekannte Genre des Gangsterfilms. Überraschende Wendungen bringen etwas Spannung, unvorhergesehene Dramen entwickeln sich. Die Kamera kreiert eine Atmosphäre, die den Gemälden von Edward Hopper ähnelt.
Vier Personen geben der Handlung eine Struktur: die laszive Dorothy, planlos zwischen sexueller Hörigkeit und weiblicher Eigenständigkeit, Jeffrey fasziniert und erschreckt von so geballter weiblicher Potenz bei gleichzeitiger Schwäche. Frank das Ungeheuer, unberechenbar und ständig das F-Wort im Munde führend. Und Sandy (Laura Dern), ein Ableger von Doris Day: blond, brav und schüchtern. Sie ist natürlich die Tochter des Sherriffs. Den Männern passiert etwas äußerst Unangenehmes, die beiden Frauen können ihre Situation nur verschlimmbessern. Der superweiche Schmalzsound des Titelsongs klingt dazu wie blanker Hohn. Bleibt ein Mysterium übrig, das der Massenware vom Band springt. | |
Fr, 13.02.2015Kino | Harry BrownHarry sieht RotHinter dem unauffälligen Titel verbirgt sich einer der bittersten Krimis von der Insel mit einem großartigen Hauptdarsteller Michael Caine. Viele Filme thematisieren das Problem Selbstjustiz oder Zusammenarbeit mit der Polizei. Hier geht beides. An der Schnittstelle steht Detective Inspector Frampton (Emily Mortimer in einer selten dramatischen, fast tödlichen Rolle). Sie spürt was im Rentner Harry vor sich geht oder gegangen sein muss und bleibt am Ball bis sie in die finale Ballerei mit hineingezogen wird. Klar, dass erst einmal die Basis gelegt werden muss, bis Harry Rot sieht. Dabei besteht nie die Gefahr, dass es ihm wie Charles Bronson ergehen könnte. Aus Frust und Hilflosigkeit wird Wut und Aggression. Man versteht Harrys Zorn. Auch der verwandtschaftliche Hintergrund der mörderischen Kids wird beleuchtet. Onkel Liam Cunningham steht diesmal auf der falschen Seite und muss bezahlen. Es ist durchaus realistisch, dass der Aufmarsch der Polizei eine Massendemonstration provozieren kann und sich das Viertel in einem Kriegszustand befindet. Und dass der Vergleich mit Nordirland nicht passt besagt einiges. Eigentlich waren am Ende ja alle tot. Aber nachdem der Polizeichef sich und seine Einsatztruppe über den grünen Klee gelobt hatte, diverse Orden verliehen wurden und er den Erfolg der Aktion betonte, die eigentlich ein Schuss in den Ofen war, konnte uns Regisseur Barber nicht entlassen, ohne Michael Caine nochmals über den Ort der Handlung schreiten zu lassen, der aus dieser Gegend stammt. Diese Schlussphase war actionreich genug und äußerst spannend. Letzten Endes kennzeichnet den Film bitterer Realismus und ein hohes Maß an Authentizität. Es ist alles andere als die üblichen amerikanischen Seifencop-Opern, die unseren Markt überschwemmen und unsere Fernsehkanäle verstopfen. | |
Do, 12.02.2015TV | Die ParadeDie Gay Pride ParadeAllein schon die Geldquellen für diesen Film sind symptomatisch: eine serbisch-kroatisch-slowenisch-mazedonisch-montenegrinische Koproduktion und ein Serbe führt Regie. Ausgangspunkt für diese Völkerverständigung ist eine Fahrt des schwulen Tierarztes Radmilo (Milos Samolov) und des Machos Limun (Nikola Kojo) zu den Kumpels, um eine Schutztruppe für die Gay-Parade zusammenzustellen. Hier können beide Seiten die ganze Palette der Klischees abarbeiten. Dabei kommt es zu urkomischen Situationen aber auch zu unerwarteten Verbrüderungen unter ehemaligen Gegnern von Tschetniks und Ustascha. Man umarmt sich schulterklopfend ‘Scheißserbe!‘ und ‘Albanerschwein!‘ Eines ist latent vorhanden: eine freundliche Geste kann jederzeit zu einer Brutalität führen. Dafür steht Limun. Es geht ans Eingemachte, wenn er sich mit seiner stürmischen Zweitfrau herumschlägt oder sich von seinem erwachsenen Sohn eine blutige Nase holt. Der Tierarzt wird von Limun zum ‘normalen Menschen‘ umerzogen. Die ganze Truppe geht zur Gay-Parade und wird prompt vermöbelt. Im Abspann erfahren wir von ähnlichen Ausschreitungen gegen Homosexuelle und das ist nicht mehr lustig sondern leider im ganzen Ostblock traurige Realität. Stellvertretend eine Massenprügelei im Hinterhof (‘Schwuchtelschweine ihr seid tot!‘)
Somit zeigt der preisgekrönte Film die aktuellen Schwierigkeiten aber auch dem Mut sich durchzusetzen. Man lacht hier nicht über die Schwulen, man lacht mit ihnen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.