Do, 12.02.2015TV | Moonlight MileNur eine Mondlight Meile entferntDas wunderbare an diesem Film ist, dass er in äußerst überzeugender Art und Weise letztlich gängige Filmtopoi außer Acht lässt. Frei nach dem Spruch ‘Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt‘. Ein Amokläufer erschießt Joes (Jake Gyllenhaal) Verlobte. Ihre Eltern, Ehepaar Floss, (Dustin Hoffman und Susan Sarandon) nehmen ihn bei sich auf, er steigt in Schwiegervaters Geschäft ein und alle erwarten den Prozess.
Doch dann nimmt die Handlung ständig unerwartete Wendungen. Für humorvolle Szenen ist Mutter Jojo zuständig, für die Pedanterie der Vater Ben. Die Atmosphäre einer amerikanischen Kleinstadt mit den Hinterwäldlerischen Kleinkrämern, die sich für große Geschäftsleute halten, wird karikierend geschildert. Mit unerhörter Sensibilität umkreist Regisseur Silberling die Familienmitglieder, verdeutlicht ihr inneres Ringen, mit der neuen Situation klar zu kommen. So entwickeln sich sehr komplexe Psycho-Einsichten, die immer schmerzlicher werden. Als sich Joe in Berthie (Ellen Pompeo) verliebt, und zugeben muss, dass er sich von seiner getöteten Verlobten längst getrennt hatte, spitzt sich das Familiendrama weiter zu. Das Verhalten der Familie im Prozess ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch höchst ‘unamerikanisch‘. Die Erkenntnis mit der Wahrheit in Zukunft besser leben zu können überzeugt die ganze Familie Floss und alle spüren es. Das Ende des alten Trotts ist angesagt, im Ehealltag wie im täglichen Leben. Es ist ein Abschied von der alten ‘Zahn-um-Zahn‘-Ideologie. Und das tut richtig gut. So kann Joe mit Berthie in den Sonnenuntergang zu neuen Ufern fahren. Inhaltlich ist der Film selten wie Salz am Südpol, aber lebensnotwendig gegen den Inneren Schweinehund. | |
Do, 12.02.2015Kino | My Old LadyDie alte DameMan merkt dem Film an, dass da ein Theaterstück als Vorlage gedient hat. Was auf der Leinwand höchst selten vorkommt, ist, wenn eine lange, komödiantische Einleitung dann in einen Mittelteil übergeht, der die tiefen, psychologischen Verletzungen der Akteure zeigt und in einer Romanze endet. Das durchlebt das Dreigestirn Kevin Klein (Matthias), Kristin Scott Thomas (Chloé) und la Grande Dame Maggie Smith in einem wunderschönen morbiden Ambiente. Eine gemeinsame Vergangenheit verbindet diese gestrandeten Seelen in Paris wegen einer Erbschaft. Die juristischen Aspekte sind zwar nicht ganz unwichtig (wir lernen den französischen Rechtsbegriff viager), aber das Hauptaugenmerk liegt doch wohl auf Vergangenheit der drei. Da haben Matthias und Chloé allen Grund depressiv zu werden, doch mit ein wenig Taschenpsychologie können sie sich an einander aufrichten und wie erwartet lieben. Es liegt nur an ihrer schauspielerischen Leistung und den geschliffenen Dialogen, dass man schmunzelnd dranbleibt. Das urplötzliche Umschwenken von Situationskomik in tragische Dramatik und zurück ins Witzige verdeutlicht zum Beispiel wenn Matthias nach einer menschlich bewegenden Szene, eine Patrone ins Jagdgewehr einlegt, Cut, Szenenwechsel, ein Schuss, alles rennt und schreit…Matthias hat nicht sich, sondern den Wildschweinkopf an der Wand angeschossen.
So sitzt man am Ende zwischen allen Stühlen. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Eine humorvolle Komödie mit einem Einblick in menschliche Verletzlichkeiten deren Folgen bis in die Gegenwart reichen. Ist auch nicht besonders originär. Dank des Dreigestirns ist es kein verlorener Abend. Leider kennen wir die drei aus besseren Weltklassefilmen. Dieser ist keiner, nur ein ganz netter. | |
Mi, 11.02.2015TV | Melinda und MelindaDie doppelte MelindaDie Grundidee ist eigentlich recht interessant: von einer gemeinsamen Situation ausgehend kann daraus eine Komödie oder eine Tragödie werden. Das lässt sich amüsant an und dank Woody Allens flotter Dialoge und einem ebenso agierenden Ensemble kann man das Ganze mit Interesse verfolgen. Man darf nur nicht vergessen, was Woody Allen eigentlich vorhatte. Denn es wird weder eine Komödie noch eine echte Tragödie, sondern ein üblicher Woody-Allen-Film. Manche der männlichen Darsteller ähneln im Habitus und Gesprächshaltung auffallend dem Meister. (z.B. Will Farrell stolpert stotternd durch manche Situation), anderes ist an den Haaren herbeigezogen oder stammt aus der Klischee-Kiste (die dicke, unverheiratete Freundin als Ratgeber in Ehefragen). Was Woody bis zur Peinlichkeit beherrscht sind verquatschte, eigentlich überflüssige Stellen in den Dialogen (z. B: ‘Er will es wissen. Andererseits will er es nicht wissen‘.) So entwickelt sich ein reges Bäumchen-Wechsel-Dich Spielchen. Nicht allzu lustig und keineswegs dramatisch. Die beiden Ehen sind eine Katastrophe. Wer hätte das gedacht?! Und die beiden Suizidversuche sind eine schwache Lachnummer. Einzig die Swing Musik überragt alles neben der Titelheldin Radha Mitchell. Der Film wirkt wie mit heißer Nadel gestrickt. Flott ohne Tiefgang, seicht an der Oberfläche dahinplätschernd. | |
Di, 10.02.2015TV | Mütter und TöchterMutter & KindBereits das Poster zum Film ist genial und weist in der zerschnittenen, überlappenden Bebilderung auf die Doppelfunktion der Darsteller(Innen) hin. Watts, Bening und Washington sind sowohl Töchter als auch Mütter. Der Originaltitel verwendet den Singular ‘Mutter und Kind‘. Das ist im Englischen umgangssprachlich gebräuchlicher (z.B. Song von Simon und Garfunkel), verweist aber auch auf die Jungfrau Maria. Die direkte Übersetzung des Titels bezeichnet eine abstrakte Idee und die kommt hier sehr gut rüber.
Intelligent werden drei Frauenschicksale geschildert, die – und das macht neben der hohen Schauspielkunst der Akteure(Innen) die Qualität des Films aus – am Ende überraschenderweise irgendwie zusammenhängen. Zentrales Thema des Mädelsfilms ist Schwangerschaft und Geburt, gewollt oder nicht, Abtreibung und Adoption, ja oder nein. Bemerkenswert ist hier, dass die Vertreter des männlichen Geschlechts (Samuel L. Jackson und Jimmy Smits) nicht als hirnlose Rammler oder Machos daherkommen, sondern eher aus der Ecke gefühlvolle Frauenversteher, wobei viel Realismus im Spiel ist, wenn man sieht, der eine hat damit Erfolg, der andere nicht. Ungewöhnlich fürs amerikanische Kino: es gibt ausgiebigen Sex. (Watts zu Jackson, sie oben er unten: ‘Nicht bewegen, alter Mann‘.) Was die Watts von der nymphomanischen Seite her bringt, gelingt der Bening von der depressiven. Kerry Washington kommt ins Grübeln beim Adoptionsinterview mit einer Schwangeren. Alle drei durchleben eine Wende in ihrem Leben und wachsen an den Herausforderungen. Manchmal ist es allerdings dafür auch zu spät, weil der Tod vorbeischaut und Rassenschranken überwunden werden.
Realistisch vielseitig, sensibler Spannungsaufbau, der einen packt und den verschämten Griff zum Taschentuch nicht verhindern kann. | |
Mi, 04.02.2015Kino | 1001 GrammMarie eicht allesDas ist Bent Hamers langweiligster Film. Zugegeben, er hat uns bisher auch ganz schön verwöhnt. Hier ist er seinem eigenen Manierismus erlegen. Was in den ‘Kitchen Stories‘ noch lustige Gags waren – wie die skurrilen Autokolonnen - provoziert hier nur Gähnen. Dabei hat er inhaltlich viel reingepfropft: eine Vater-Tochter Beziehung, eine Wissenschaftsdoku über die schwierige Aufbewahrung des offiziellen norwegischen Kilogramms und eine Love Story. Die ständigen Aufmarschparaden und Autofahrten nerven. Man könnte auch ganz versteckt subtilen Humor dahinter vermuten. Das ist mir nicht gelungen. Ich bin eingeschlafen. Den halben Film spaziert die blonde Marie (Ane Dahl Trop) mit einem Köfferchen durchs Bild. Es hagelt Wiederholungen, unterbrochen durch pseudowissenschaftliche und philosophische Dialoge. Die kühle Welt der Wissenschaftler wird als Betthupferl auch noch durch den Bereich Hobby-Ornithologie ergänzt. Der kranke Vater bringt auch kein Leben in die Bude. Er stirbt. Und die Love Story mit dem Wissenschaftler Pi (Laurent Stocker) kommt mit gebremstem Schaum daher. Erschwerend kommt hinzu, dass die langen Dialoge konzentrierte Aufmerksamkeit erfordern, sonst wirken manche Szenen unverständlich (Mann mit Bild in Maries Wohnung oder der frei hängende Anstreicher des Eifelturms). Vor dem Abspann gibt es tatsächlich noch einen Witz. Einen! Pi und Marie sitzen endlich in der Badewanne und hauen sich Maßeinheiten um die Ohren. Und sie lernt auch noch Französisch dabei, durch haptischen Anleitungen (‘eine Handvoll Brust‘). Und nach ‘Klafter, Elle und Fuß‘ merkt Marie, dass sie auf Pi sitzt. Marie:’15 cm!‘, Pi kontert :’18,6!‘. Von vielem etwas, reicht es zu nichts. Wie lauwarmer Kaffee. Bleibt nur ein schaler Geschmack zurück. | |
Mo, 02.02.2015TV | Hafen im NebelMord am QuaiEin Klassiker von Marcel Carné, in dem er ein soziales Geflecht entwirft, in dem sich die Wege von mehreren Personen kreuzen, die alle etwas mit einander zu tun haben. Meistens begegnen sie sich feindselig, agieren aus Rache, verletzter Eitelkeit oder verschmähter Liebe. Im Mittelpunkt, um den sie alle kreisen stehen Nelly (Michèle Morgan), Jean (Jean Gabin) und ein Hund. Das ist eine reale Situation im Hafen von Le Havre. Sie wird durch eine fatale Entwicklung einen tragischen Ausgang für das Liebespaar finden. Jean wird gesucht und muss fliehen. Nelly kann ihn nicht halten, kann aber auch nicht mit ihm auf das rettende Schiff. Da setzt Carné noch einen drauf: der böse Gangster Lucien (Pierre Brasseur) trachtet Jean nach dem Leben und bringt so noch eine dritte Lösung ins Spiel. Das ist harter Realismus, der das Leben ungeschminkt und erbarmungslos ja sogar tödlich zeigt. Das alles wird durch gehaltvolle, bisweilen poetische Dialoge vorgestellt. Da wird schon mal gefragt ‘Lieben sie das Leben? Und das Leben, liebt es sie auch?‘ Ein Geschenk oder ein Manschettenknopf verraten Geheimnisse und wenn der Schiffsarzt Jean zu einem Gläschen einlädt, bevor er an Bord geht, sagt er ‘Große Entscheidungen muss man vor kleinen Flaschen treffen‘. Der ganze Film hat von Anfang bis Ende eine düstere, nebelverhangene Atmosphäre, die den deutschen Titel voll rechtfertigt. Der Hafen im Nebel ist wie eine Reise ohne Wiederkehr und eine Liebe ohne Zukunft. Kein Hoffnungsschimmer. Kalt und nass, aber sehr sehr gut. | |
So, 01.02.2015TV | Harold und MaudeH & MKein Wunder, dass der Film im puritanischen Amerika durchgefallen ist. Behandelt er doch – obwohl humorvoll – zwei ernste Themen: den selbstbestimmten Tod im Alter und die Liebe zwischen Oma und Enkel. Beides gelingt wegen der beiden unglaublich großartigen Hauptdarsteller (Ruth Gordon und Bud Cord) die für den Film wie gemacht sind oder umgekehrt und einem Drehbuch, das voller unkonventioneller, zeitloser Gags ist, die immer noch zünden. Hier ist vor allem Maudes Umgang mit der Polizei zu nennen. Ihre entwaffnende Unbekümmertheit sprüht nur so von frechem Witz und aufgewecktem Charme: Frage des Polizisten nach ihrem Führerschein, Antwort: ‘Ich habe keinen. Ich halte nichts davon.‘ Dabei hat er ihr vollstes Mitgefühl ‘Ja, ja, das ist der Fluch eines öffentlichen Amtes‘. Sprachlosigkeit beim Gesetzeshüter!
Die ersten geschauspielerten Selbstmordversuche von Harold erschrecken anfangs etwas, aber bald werden sie zu Schenkelklopfern. Hierher gehören auch die Verkupplungsversuche von Harolds Mutter (Vivian Pickles). Da kann sich Harold bisweilen nur durch ein ‘Hari Kari‘ retten. Und spätestens bei der fiktiven Predigt des Pfarrers merkt man, dass man in der Groteske angekommen ist.
In der gängigen Version tanzen H &M Wiener Walzer und wachen gemeinsam auf. Das ist gut so. Diese Andeutung reicht. Dagegen sind die Annäherungsversuche der beiden echt rührend, egal ob auf einem Schrottplatz oder vor einem Sonnenuntergang.
Thematisch und musikalisch sind die Songs von Cat Stevens ein echter Gewinn (‘I wanna be free‘). Hier zeigt sich welche Tiefenwirkung der schwarze Humor entwickeln kann. Ganz nebenbei sehen wir Soldatenfriedhöfe. Und wem ist es nicht entgangen, dass Maude eine tätowierte Zahl am Unterarm trägt? Dieser Film ist Kult! | |
So, 01.02.2015TV | Die Augen der Laura MarsDie Beine der Laura MarsDie in diesem Film aufgebaute Spannung scheitert an der Glaubwürdigkeit der Story. Eine Starfotographin (Faye Dunaway zeigt viel Bein) mit seherischen Fähigkeiten verliebt sich in den ermittelnden Polizisten (Tommy Lee Jones). Das ist nicht gerade originär. Wieso er dann der Todesengel ist, erschließt sich aus John Carpenters Drehbuch nicht so recht. Die Entwicklung der Handlung erscheint auch im Nachhinein etwas altbacken und konstruiert. Sie mimt die Diva, er kann sich über den Durchbruch in seiner Karriere freuen. Irvin Kershners Film versucht Telepathie mit Cop Thriller zu verbinden. Wenn dann am Ende der schizophrene Mörder, der bis dato recht cool und normal agiert hatte, aus dem Hut gezaubert wird und nur seine schlimme Kindheit als kurze Erklärung herhalten muss, fühlt man sich leicht verschaukelt. Der Titel wird mehrfach optisch betont, dient aber nur dem allgemeinen Klamauk um den weiblichen Star. Ihre Beine sieht man öfters. Sie machen allerdings nicht so viel her. Die reichlich rote Farbe bringt weder Spannung noch Schocker und die Lovestory ist nur lauwarm. Lauras Ex (Raul Julia) soll wohl nur eine falsche Fährte legen, auf die aber niemand reinfällt.
Faye hatte vielleicht nur zwischen ‘Bonny & Clyde‘ und ‘Barfly‘ (zwei wirklich großartige Filme) mal etwas ganz anderes machen wollen. Das hier ging allerdings in die Hose. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.