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Fr, 30.01.2015
TV | Ein Tag in Middleton
Sexless Love4 Sterne
Endlich mal eine echt gute Romanze ohne Sex, dafür aber alle Emotionen voll auf der Überholspur. Eine echte Perle! Vater George (Andy Garcia) begleitet seinen Sohn Conrad (Spencer Lofranco) zum College. Dort trifft er Edith (Vera Farmiga), die mit ihrer Tochter Audrey (Taissa Farmiga da ist. George (Gehirnchirurg) und Edith (Möbelverkäuferin) kommen sich näher. Das bringen die beiden echt locker rüber. Es macht Spaß ihnen zuzuschauen, wenn sie den Teeny-Sprech verarbeiten und dazulernen was z.B. ‘sinnfrei‘ oder ‘krass negativ‘ bedeutet. Als sie ein knutschendes Pärchen in der Bibliothek beobachten sagt Edith ‘Der wird bald einlochen‘. Von sich selbst meint sie, sie habe ‘eine Blase von der Größe von einem Überraschungsei‘. Parallel zu den Alten läuft das Kennenlernspielchen der Kids. Getrennt voneinander toben alle vier durchs College. Natürlich ruht das Hauptaugenmerk auf George und Edith. Erst nimmt sie ihm die Höhenangst, dann spielen sie gemeinsam Klavier und geraten schließlich in eine Theaterprobe. Das absolute Highlight des Films. Garcia und Farmiga zeigen wie sie mittels ihres schauspielerischen Talents von jetzt auf gleich in der Improvisation ein Ehedrama auf die Bühne bringen können. Man ist gerührt. Es funkt und knistert zwischen beiden. Herrlich der entspannte Tanz unter der Wasserfontäne. Beim langen, ausgedehnten Abschied spürt man die Anziehungskraft zwischen ihnen. Ein Kuss wird nachgereicht, diverse eigene Eheprobleme vermieden. Wunderschön, entspannt und locker wie ein Baissier, ohne den sonst obligatorisch dazugehörenden Sexanstrich. Gefühlskino pur. Auch ohne Happy End wird es dem Romantiker bei diesem Film warm ums Herz.
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Do, 29.01.2015
TV | Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse
Nix Apokalypse1 Stern
Bei einer Fortsetzung fragt man sich, ist sie besser als der erste Teil, genauso gut oder schlechter. Hier trifft Letzteres zu. Eine völlig verquaste Handlung, in der die Kommissare Niémans (der altgediente Jean Reno) und der Jungspund Reda (Benoit Magimel) durch die Ermittlungen irrlichtern, dass man vor lauter kryptischem Firlefanz den Handlungsfaden nicht nur verliert, sondern nie so recht gefunden hat. Einzig ihre teilweise spaßigen Dialoge sind schon ein Highlight. Die Action gibt es um ihrer selbst willen. Die Kapuzenmänner als Schurken dienen eher zur Belustigung. Da hilft auch die Unterstützung durch Christopher Lee als Oberbösewicht nichts. Der schaut, wie er immer schaut. Furchterregend ist das nicht. Das finale Flutungsspektakel ist nichts als feucht, das vorhersehbare Ende fast schon peinlich. Als thematische Weiterentwicklung hat man zum Zuchtgedanken des Faschismus aus dem ersten Teil noch religiöse Wahnvorstellungen hinzugefügt. Ist auch nicht gerade neu. Und von den apokalyptischen Engeln, die eigentlich Reiter waren, hat man auch nichts gesehen. Eigentlich sollte man über so ein Machwerk den Mantel des Schweigens ausbreiten oder die vier großen Buchstaben verwenden: ein em, ein i, ein es und ein te.
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Mi, 28.01.2015
TV | Der Vorname
Adolf oder Adolphe oder was?4 Sterne
Eine gelungene Umsetzung eines Theaterstücks in einen Film. Fünf Freunde, darunter Zwei Ehepaare und ein Musiker treffen sich zum Abendessen. Ausgehend vom Namen des zu erwartenden Kindes von Anna (Judith El Zein) und Vincent (Patrick Bruel) entsteht eine heftige Diskussion darüber. ‘Wie kann man heute seinen Sohn bloß ‘Adolf‘ nennen.‘ Der Streit eskaliert bis zu geheimen Spitznamen und Vergehen aus Kindertagen, Vorhaltungen über Geiz und Egomanie. Man sagt sich alles, was man so bisher unter dem Verschluss der Freundschaft verborgen gehalten hatte. Witzige und geistreiche Dialoge schwirren pfeilschnell durch den Raum, wobei die Spannungsschraube bis an die Schmerzgrenze weiter angezogen wird. Jeder führt eine scharfe Klinge (Florett nicht Säbel!). Als die Namensgebung als Joke aufklärt wird, ist noch lange nicht Schluss. Dann geht es ans Eingemachte. Auch innereheliche ‘dicke Hälse‘ werden frei gekotzt. Der Gipfel scheint erklommen als der Musiker Claude (Guillaume De Tonquedec) zugibt ein Verhältnis mit der Mutter von Babou (Valérie Benguigui) und Vincent zu haben. (Kurzer Cameo der großen Dame des französischen Films Francoise Fabian). Es wird vorübergehend todernst, bevor es locker weitergeht. Eine nie stattgefundene Affäre zwischen Claude und Anna wird nur in verschiedenen Stellungen mit ekstatischen Sexschreien karikiert. Die Geburt von Annas Baby, das eigentlich nie Adolf /Adolph heißen sollte, hat noch zwei Überraschungen parat. Nach ernster Dusche fühlen sich Akteure und Zuschauer innerlich gereinigt und können die wieder gefestigte Freundschaft der Fünf genießen. Französisch leicht, mit Esprit und Charme.
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Mi, 28.01.2015
Kino | The Homesman
Die Heimkehr4 Sterne
Der Mann, der die Frauen wieder nach Hause begleitet; so die Titelfigur. Und die hat Raubein Tommy Lee Jones gleich selber übernommen. T.L.J. spielt das großartig. Zum Teil knallhart, aber auch sehr gefühlvoll. Die drei Frauen (Grace Gummer, Sonja Richter und Miranda Otto) sind ebenso ganz große Klasse. Sie verdeutlichen wie das erlittene Leid im Wahnsinn enden kann. Man kann das förmlich spüren. Das sind ausdrucksstarke Psycho-Rollen, zu denen Hilary Swank als Mary Bee Cuddy, eine sehr fromme Methodistin, hervorragend passt. Der von ihr erzwungene Beischlaf und ihr Ende sind zwei des sonst an Höhepunkten keineswegs armen Films. Diese vier Frauen tragen den Film und geben T.L.J. (alias George Briggs) Gelegenheit sein ganzes schauspielerisches Potential voll auszuspielen. Da wäre noch seine Racheaktion am Hotel ‘Lonsome‘ zu nennen. Hier kommt der Gerechtigkeitssinn voll auf seine Kosten. George Briggs verabschiedet sich von seiner anfänglichen Geldgier und übernimmt Verantwortung, er durchläuft eine Entwicklung vom Gauner zum Helden. Deshalb ist das Entscheidende an diesem Film, dass man sich von der Zuschauerperspektive, die wir kennen und die uns bisher so an den Western gefesselt hat, verabschieden müssen, denn eigentlich ist hier alles anders. Dazu gehört vor allem die Schilderung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Briggs und Cuddy. Wäre noch die hervorragende Kameraarbeit von Rodrigo Prieto zu nennen, dem es gelingt, die Weite der Landschaft mit ihrer feindseligen Trostlosigkeit, zum sechsten Hauptdarsteller zu machen. Eine Weiterentwicklung des Westerns, ein wahrer Gewinn.
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Di, 27.01.2015
TV | Korczak
Ein stiller Held4 Sterne
Andrzej Wajda hat einem polnischen Humanisten, den viele einen Heiligen und Märtyrer nennen, ein Denkmal gesetzt. Zur Zeit des Warschauer Ghettos im zweiten Weltkrieg versorgt er Waisenkinder und geht mit ihnen in letzter Konsequenz in die Gaskammern von Treblinka. Wajda dreht in s/w und findet einen Spagat zwischen Dokumentation und Emotion. Die Kulissen sind Originalaufnahmen nachempfunden, manche Szenen ähneln auffallend den Dokumentationen aus dem Ghetto. In der Titelrolle Wojciech Pszoniak, in dessen Gesicht sich Angst und menschliche Wärme spiegeln, Stärken und Schwächen. Besonders verdienstvoll ist die Tatsache, dass es keine einseitige Lobhudelei wurde. Manchmal war Korczak dem Druck einfach nicht mehr gewachsen und griff zur Flasche. Auch die gegensätzlichen Fraktionen innerhalb der jüdischen Gemeinde werden dargestellt: Geschäftemacher, Kriegsgewinnler und ‘Verräter‘. Sogar für eine zart angedeutete Liebesgeschichte ist Platz. Wajda weiß natürlich – und hat das in anderen Filmen gezeigt - dass Einzelschicksale besonders unter die Haut gehen. Das Theaterstück der Kinder im Ghetto ist besonders rührend, weil der Zuschauer den wahren Ernst der Lage kennt. Korczak sagt, es macht sie mit dem Tod vertraut. Der Auszug der Kinder mit Korczak an der Spitze gerät zu einer Anklage gegen das mörderische Nazi-System. Das fängt Wajda mit dem verklärenden Ende auf. Wie im Traum verlassen alle die Güterwagen und gehen ins Licht. Ein weißer, heller, verklärender Schluss für dieses dunkle Kapitel.
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So, 25.01.2015
TV | Fantomas gegen Interpol
Alles wie gehabt3 Sterne
Das gleiche Dreigestirn wie im ersten Teil: Louis de Funès ist der Kommissar, der hier ähnlich wie beim Roten Panther vorübergehend in der Psychiatrie landet, Jean Marais, unter anderem der verliebte Reporter Haudrauf und Mylène Demongeot ist seine Freundin. Ähnlich wie im vorausgehenden Film gibt es auch hier einen Hauch von 007 auf dem Niveau der 60er Jahre.(Schießende Zigarren, fliegende Autos oder die Unterwasser Location). Die Kulissen und die Stunts der Massenschlägerei wirken heute allerdings eher wie Spielzeuge aus dem Kinderland. So gesehen ist es eine echte Fortsetzung der Fantomas Trilogie. Nur etwas trashiger und mit mehr Klamauk. Man kann die Hauptfigur erahnen. Nichts Genaues weiß man aber nicht. Das könnte sich erst ändern, wenn Fantomas von Schottland aus ‘die Welt bedroht‘. Interpol im Titel ist leicht übertrieben. Davon sieht man so gut wie nichts. Da passt eher schon der Alternativtitel ‘Fantomas entfesselt sich‘. Im Großen und Ganzen ist es ein Louis de Funès Spezial mit Betonung auf Verkleidung, Verwechslung und Verwirrung. Das Kostümfest wirkt etwas abgegriffen und der Romtourismus feiert fröhliche Urstätt. Gegen Ende wird es sogar noch etwas spannend durch eine Neuauflage von die Schöne und das Biest der Blaukopf. Inhaltlich fährt der Zug eher in Richtung Louis de Fantomas, figürlich in Richtung Jean Fantomas Marais.
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Do, 22.01.2015
TV | Papadopoulos & Söhne
Rudimentärer Neuanfang2 Sterne
Ein Bankrott ist ein erstes Thema und so wird es auch hier abgehandelt, trotz überzuckertem Happy End. Es ist hier eher melo. Vater Papadopoulos läuft fast bis zum Schluss mit einem Zitronengesicht ohne Zucker herum. Bis die schöne Sophie (Cosima Shaw) ihn sich endlich krallt. Schon bald ist jedem klar, dass es am Ende ein glückliches sein wird. Leider gibt es unterwegs nicht viel zu lachen. Ein Finanzberater ist ein alberner Affe, Onkel Spiros (George Corraface, der einzige, der wie ein Grieche aussieht) soll wohl für gute Laune sorgen, ist nett aber fad (außerdem stirbt er auch noch!). Das Liebesverhältnis der Tochter Kathie (Georgia Groom) mit einem arabischen Nachbarn wäre ausbaufähig, bleibt aber in skizzenhaften Andeutungen stecken. Retro auf Papadopoulos Jugend und das Grab seiner Frau gehen in Richtung melo. Und die finale Erkenntnis vom ‘Erfolg, der das Glück ist, das man spürt‘, bleibt ähnlich vage wie der plötzliche Kuss für Sophie auf der Parkbank. Zuvor haben die beiden eine Szene, die aus dem üblichen Handlungsbrei herausragt: sie schildert den attraktiven Genuss der legendären Chips, ihm läuft das Wasser im Mund zusammen. Kann aber auch sein, dass der ältere Herr wegen Sophie säftelt. Nur diese Szene fand ich gut! Ansonsten verläuft die Handlung eine Stufe aufwärts, zwei abwärts. Trotz F.F.E. bleibt der Film am Ende fade und farblos. Selbst die Völkerverständigung kommt zu kurz.
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Mi, 21.01.2015
TV | Bunny and the Bull
Reise in Gedanken4 Sterne
Diese Komödie ist tief schwarz, fürchterlich skurril und unglaublich anders. Dabei ist sie in Wort und Situation stets wahnsinnig witzig. Die Vielfalt der Gags ist abwechslungsreich und zielt immer auf die zwölf, das Makabre der Scherze kann nahtlos an die Monty Pythons anknüpfen. Dabei sind die beiden Helden keine Dumpfbacken, nur ehrlich und wortgewandt. Und das Größte an der ganzen Sache ist, dass Bunny (Simon Farnaby) und sein Freund Steven (Edward Hogg) diese Reise durch Europa nur in Gedanken machen. Alle Figuren sind ein Produkt ihrer Einbildung. Das bieten sich Regisseur Paul King viele Möglichkeiten. Er kann die Erzählebenen wechseln: Trickfiguren in einer Schneekugel agieren lassen, Steven und Eloise auf einem riesigen Karussell aus Zahnrädchen fahren oder der Kuckuck kommt aus der Uhr raus und sagt ‘Hey Alter!‘. Stephen dreht sich im Bett rum, sein Laken ist eine Tür zu einer spanischen Fiesta oder nach einem Schnelldurchlauf taucht Steven ins Klo und kommt auf seinem Sofa wieder raus. Die Kulissen sind aus Pappe und gemalt, was einen eigenen Reiz bietet. Sogar unter Wasser geht was ab. Ihre Reisebegleiterin ist Eloisa (Veronika Echegui), bei der sich erst Bunny ‘die Eier leerpumpt’ ehe sich dann Steven in sie verliebt. Wenn sie sich verarscht fühlt fragt sie ganz unumwunden ‘Willst du mir ins Hirn ficken?‘ Der O-Ton enthält vielleicht noch krassere Jokes, aber z.B. ‘Pimmeltüte‘ für eine Kondom ist auch nicht schlecht. Ihr bisschen Bildung kratzen die zwei zusammen, wenn sie über die Schweiz und die Nazis philosophieren. Das ist so daneben, dass es schon wieder gut ist. Die abgefahrenste Komödie der letzten Jahre. Lange nicht mehr so gewiehert!
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Mi, 21.01.2015
TV | Jo Nesbø's Headhunters
Kopfjäger4 Sterne
An diesem unheimlich spannenden Thriller (Titel ist in der Mehrzahl) sind zwei Dinge bemerkenswert: erstens die ungewöhnliche Ausgangslage: ein Headhunter Roger Brown (großartig Aksel Hennie) muss als Kunstdieb dazuverdienen, um seiner Luxusschnecke Diana (S.M. Lund) den anspruchsvollen Lebensstil zu gewährleisten. Sein Gegenspieler Clas (Nikolaj Coster- Waldau) jagt ihn und wird so zum Headhunter Nr.2, nachdem er einen Zwischenstopp bei Rogers Frau gemacht hat. Zweitens das Ende: es gibt eine Aufklärung durch die Polizei, von der der Zuschauer weiß, dass sie voll daneben liegt. Aber so stimmt die Quote. Ist auch egal, denn das Wichtigste ist die Spannung zwischen den beiden Polen und die wird kontinuierlich gesteigert. Eine Aufklärung des Falles ist offenbar unwichtig. Da kann man sogar über den Absturz in den Abgrund, den Roger überlebt, hinwegsehen. Dient alles der Spannung. Ebenso wie die Auferstehung einer Leiche. Und Dianas Beitrag beim Showdown kann akzeptiert werden, auch wenn Patronentausch nicht gerade neu ist. Kam aber überraschend. Da zuckt man schon zusammen, wenn der Held erschossen wird. April, April! Tolle Steigerung der Spannung bis hin zu unglaublichen Situationen.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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