Mo, 19.01.2015TV | Burke & Hare - Wir finden immer eine LeicheWilly & WillyWieder einmal hat sich John Landis ‘Kopfüber in die Nacht‘ gestürzt. Diesmal in die von Edinburgh Anfang des 19. Jahrhunderts. Und wieder hat er völlig respektlos eine Fülle von amüsanten und durchaus unterhaltsamen Fakten zusammengetragen, die kunterbunt durcheinander gewirbelt werden. Die beiden Titelhelden (Simon Pegg und Andy Serkis) mutieren von Grabräubern zu Beerdigungsfachleuten, Burke wird zum Mentor einer weiblichen Schauspieltruppe unter Ginny Hawkins (Isla Fisher), Dr. Knox (Tom Wilkinson) bringt der medizinischen Fakultät der Stadt großes Ansehen und entwickelt so ganz nebenbei die Heliographie, die er später Fotographie nennt.
Die Gags sind nicht immer gelungen. Manche erinnern an die blutigen Szenen der Monty Pythons. Zu oft irrlichtern die beiden Galgenvögel zu albern durch die Gegend. Wenn Burke eine Alte erstickt prägt er den Ausdruck ‘burken‘ dafür. Bekannte Namen wie die der Romantiker Wordsworth und Coleridge werden als Eintrittskarte verwertet und auch Darwin schwirrt schon mal durch den Raum. Christopher Lee hat ein Cameo. Die Schutzgeldzahlungen der Unterwelt sind etwas sonderbar ebenso wie die öffentliche Hinrichtung von Burke, der bei Dr. Knox auf dem Seziertisch landet. So schließt sich der Kreis wieder.
Tempo und Turbulenz der Handlung vernebeln der Blick für die kritische Distanz. Selbst der GV wird zum Komik-Event. So treibt John Landis die Zuschauer vor sich her. Bei aller Unzulänglichkeit sind Burke und Hare allemal liebenswert. Die düstere Atmosphäre ist durchgängig, die Schock und Ekeleffekte haben eine erheiternde Wirkung. Und der Abschlusssong ‘500 Miles‘ von den Proclaimers lässt einen wegen des stampfend eingängigen Rhythmuses den Abspann bis zum letzten Ton genießen. | |
Do, 15.01.2015TV | LiebeskämpfeQualvolle TorturEs sind strapaziöse hundert Minuten. Und zwar sowohl für die Darsteller als auch für die Zuschauer. Sara Forestier und James Thiérée liefern sich erst einen verbalen Schlagabtausch, der zu ersten Handgreiflichkeiten führt. Aus den Dialogen spürt man, dass es um Sex geht, um Zurückweisung und Anziehung. Doch sie tun es nicht. Sex als physische Attacke ohne Chance auf Erfüllung. Es wird gerungen, Schmerz zugefügt und erlitten. Eine Prügelei oder ein Ringkampf im griechisch-römischen Stil. Und da die Erfüllung ausbleibt, geht es immer so weiter. Unerschöpflich scheint die Gier auf der Jagd nach dem Unerreichbaren. Erst in einer Suhle kommt es zu der ersten Vereinigung. Aber die Sexkämpfe gehen weiter. Qualvoll, ziellos winden sie die Körper im Vereinigungskampf, den jeder der Kombattanten verliert. Begleitet von stöhnenden Verneinungen wie ‘Ich liebe dich‘, sie lacht ‘Nein, nein‘.
Dabei waren sich beide sicher, dass es im Kopf beginnt. Doch der scheint hier ausgeschaltet. Das Animalische im homo erectus ist der allein bestimmende Faktor. Sein Geist ist abwesend. Das ist kein Sex. Es ist eine Tortur, eine Foltertour der Körper.
Freiwillig tut sich das wohl niemand an. Es sei denn man ist obsessiv oder auf Droge, und im narkotisierenden Rausch nichts spürt. | |
Do, 15.01.2015TV | MamaroshMuttersöhnchenDas mit dem Muttersöhnchen Pera (Bogdan Diklic), das mit über 40 noch bei Muttern (Mira Banjac) wohnt und sein Geld mit dem Vorführen von Filmen verdient, ist ja noch ganz lustig. Umbruch in Exjugoslawien. Mutter Mara eine echte Altkommunistin von altem Schrot und Korn redet ständig von Gott. ‘Gott ist für den Krieg, Marx für den Frieden‘. Die Bewohner des damals blockfreien Landes sind zwischen Ost und West hin und hergerissen. Das ist alles noch recht nett anzuschauen. Sogar eine angedeutete Liebesgeschichte wird eingebunden. Es wird ernster. Antiamerikanischen Demos, Graffiti Sprayer und Vandalismus.
Aber mit dem Ausreiseversuch aus dem von der Nato bombardierten Serbien geht ins Groteske. Der ernste Hintergrund wird verflacht, verlangsamt und veralbert. Die Handlung wird zusehends flacher. Der Charme der Anfangsphase verfliegt, Langeweile macht sich breit.
Man wundert sich, wie das alles so glatt geht. Ist ja wohl auch egal. Plötzlich ist Mama TV Köchin in Amerika. Der Krieg in Serbien ist beendet. Alle freuen sich. Nur die Zuschauer nicht. Als finale Wendung zieht Pera mit einem Wanderkino übers Land. Loriot hätte dazu nur ‘Ach was!?‘ gesagt. Hätte recht amüsant werden können. Chance vertan. | |
Mi, 14.01.2015TV | Und trotzdem ist es meine FamilieEine Hochzeit und ein TodesfallDer Originaltitel besagt nur, dass die Hochzeit, auf die hier das Familientreffen hinausläuft ‘noch ein glücklicher Tag‘ sein wird. Der deutsche ist die Fortsetzung des Satzes ‘Du kannst gegen meine Familie sagen was du willst…‘ Zweitens betont dieser Halbsatz die Bedeutung von Familie. Und das trifft hier den Nagel punktgenau auf den Kopf. Sam Levinson hat ein sehr facettenreichen Mosaik einer Großfamilie gemacht. Witzig, voller Ironie, aber durchaus realistisch. Mit vielen, kleinen genau beobachteten Details. Da wird bisweilen kein Blatt vor den Mund genommen, es wird schon mal geschwindelt oder das Gegenüber mit entwaffnender Offenherzigkeit attackiert. So kommen manche Leichen aus dem Familienkeller ans Tageslicht und der Blick unter den Familienteppich offenbart manches, was bisher tabu war.
In diesem turbulenten Mix fliegen die Fetzen und fließen die Tränen. Und alles wirkt so natürlich und wenig klischeehaft, dass man mit dem leidet, dem die Meinung gegeigt wird und andererseits über manche Macken schmunzeln kann. Aus der großartigen Ensembleleistung ragen vor allem drei Figuren heraus: die geschiedene Mutter Lynn (Ellen Barkin), die im Mittelpunkt steht ohne Lack und Heiligenschein, Patty (Demi Moore) ihre Nachfolgerin bringt manches kurz und bündig auf den Punkt und Oma Doris (Ellen Burstyn) die dritte Ancorwoman. Sie ist die Gastgeberin und bietet unter anderem einen eindrucksvollen Monolog. Ganz anders ihr Mann Opa Joe (George Kennedy). Er ist dement und sorgt für eine Beerdigung.
Sehr differenziert, großartig gespielt, eine Scheibe Realismus. | |
Di, 13.01.2015TV | Brief einer UnbekanntenEine tragische LiebeDer große Max Ophüls hat Stefan Zweig verfilmt. Herausgekommen ist ein menschliches Drama, dessen Tragik heute fast unerträglich erscheint und das es auch so heute nicht mehr geben könnte. Es liegt also etwas Staub auf der Handlung um eine unerfüllte große Liebe: Trennung nach einem One-Night-Stand, Schwangerschaft und Begegnung nach vielen Jahren. Der einst gefeierte Pianist und ehemaliger Womanizer Stefan Brand (Louis Jourdan) erkennt seine große Liebe Lisa (Joan Fontaine) nicht wieder. Sie kann und will die Unklarheiten nicht beseitigen und verlässt das improvisierte Souper. Erzählt wird in Briefen (Titel!) einer Verstorbenen mittels Retro. Das Wort Typhus schwingt im Raum. Doch es war wohl eher Lisas gebrochenes Herz. Und um die Schmerzgrenze zu überschreiten liest Stefan diese Briefe am Vorabend zu einem Duell (Wir sind um die Jahrhundertwende unterwegs.). Man kann den Duellanten erahnen, sieht ihn nur im Vorbeifahren. Thematisch fliegen die Motten aus der Kiste, filmtechnisch ist es nicht schlecht, bedenkt man, dass 1948 gedreht wurde. Man wird daran erinnert zu welchen Emotionen der Mensch fähig ist/war.
Und die beiden Protagonisten sind in Höchstform. Joan-Rebecca-Fontaine liegt Frauenschwarm Jourdan, dem Unwiderstehlichen, zu Füssen. Nur wenige können die Verletzlichkeit und Unsicherheit mit bedingungsloser Unerbittlichkeit spielen. Selbst das junge Mädchen nimmt man ihr ab und kann sogar wie sie ins Schwärmen geraten oder am Schmerz zerbrechen. Romantische Nostalgiker können sich daran laben. | |
Mo, 12.01.2015TV | BrothersBrüderDas ist bisher der schwächste Jim-Sheridan-Film trotz Starbesetzung. Ein symmetrisch aufgebautes Drehbuch verliert zusehends an Spannung. Tommy (Jake Gyllenhaal), der missratene Tunichtgut wird zum Stellvertreter/Nachfolger des Helden Sam (Tobey McGuire), der in Afghanistan abgeschossen/gefangen wurde. Seine an sich treue Ehefrau Grace (Natalie Portman) treibt es zwar nicht mit Tommy, doch Sam ist nach seiner wundersamen Rückkehr misstrauisch. Ganz abgesehen von Sams Fehlbesetzung (dem Dreikäsehoch kann man seine Heldentaten kaum glauben) versinkt der Film gegen Ende in einem schwülstigen Gefühlspool der übelsten Sorte. Der Zuschauer ist genervt von Sams Verschlossenheit und erst nach dessen längst fälligen Geständnis erleichtert. Da ist die eigene Bestrafung als Erklärung zu dürftig und die tränenerstickte Entschuldigung bei der Witwe des Kameraden etwas knapp geraten. Tommys Entwicklung vom Saulus zum Paulus wird stark vereinfacht auf Kindergeburtstag-Niveau geschildert (Hausrenovierung und Ersatzvater). Von den Personen aus dem Umfeld schaut Sams Vater (Sam Shepard) hilflos in die Familienrunde und Sams altkluge Töchter wirken unglaubwürdig mit Erkenntnissen zu denen die Erwachsenen offenbar nicht fähig sind. Allein Natalie Portman rettet das schauspielerische Niveau aus dem Keller der Vergessenheit. Immer wenn die Emotionen anfangen zu brodeln, ist meistens Schluss. Da reicht das bisschen Afghanistan-Lager nicht.
Eine durchsichtige Verbeugung vor Amerikas Kriegshelden und deren im Grunde stets treuen Ehefrauen. Spannungsarm, vorhersehbar, schlicht. Kein Vergleich mit dem Film von Susanna Bier. | |
Mo, 12.01.2015TV | Flammender SternZwischen den FrontenDer einzige Western, in dem Elvis mitgespielt hat und gemessen an den übrigen sinnfreien Musikfilmen des King, hat Don Siegel schauspielerisch das menschenmögliche aus ihm herausgeholt. Auch ein minimaler musikalischer Beitrag war unumgänglich. Fällt aber nicht sonderlich ins Gewicht. Außer dem lyrischen Titel (ein Euphemismus für den nahenden Tod) steht die Rassenfrage im Vordergrund. Sie wird für 1960 relativ progressiv abgehandelt. Reine schwarz-weiß Malerei wird vermieden. Elvis ist ein Mischling und sitzt bei Auseinandersetzungen zwischen allen Stühlen. Er gehört nirgendwo richtig hin. Er fühlt sich zu seinen Roten Brüdern hingezogen, wuchs aber bei den Weißen auf, in einer Mischehe. Erstaunlich die Ausgewogenheit der Situationen: die Indianer sind zwar furchteinflößend aber nicht per se die Bösen. Auch bei den Siedlern gibt es Hitzköpfe. Elvis verliert beide Eltern. Die Weißen bringen seine Mutter um, die Indianer seinen Vater. Die Ausgewogenheit wird konsequent bis zuletzt durchgehalten, es gibt Übergriffe auf beiden Seiten. Die entscheidenden Auseinandersetzungen finden in der Dämmerung statt, wo man nicht alles genau erkennen kann. Es wird auch keine Lösung angeboten. Der schwer verwundete Elvis reitet in die Ewigen Jagdgründe. Er hat den Flammenden Stern gesehen. Für Elvis-Fans ein Must, für den Rest der Welt mittelmäßige Unterhaltung. Wie in den 60er Jahren üblich begleitet schrille Blechmusik die Handlung, wenn es besonders spannend werden soll und mancher Altstar glänzt hier in einer kleinen Rolle wie z.B. die bezaubernde Barbara-Jeannie- Eden. | |
Sa, 10.01.2015Kino | St. VincentDer gute NachbarEin brummeliger, saufender, Frührentner, der sein bisschen Geld auf der Rennbahn verbrennt, wird zu einem liebenswerten Mitbürger und am Ende sogar noch ein ‘Heiliger des Alltags‘. Bill Murray spielt diese Figur überaus überzeugend mit etwas entwaffnendem Mutterwitz, wobei Ehrlichkeit von ihm durchaus als Verletzung des Gegenübers in Kauf genommen wird. So entstehen wohl dosierte Lacher aus normalen Alltagssituationen. Herrlich die beiden Frauen in seinem Umfeld: Mutter Maggie (Melissa McCarthy), die ihre überzähligen Funde stolz zur Schau trägt und die tanzende Nutte Daka (Noami Watts). Sie schafft mit ihrem russischen Akzent und dem rollenden ‘R‘ zusätzliche Wortkomik (‘Ich nicht mehr machen, ficken jetzt, zahlen später‘). Alle drei ‘betreuen‘ Maggies Sohn Oliver (Jaeden Lieberher). Und alle drei haben einen tragischen Aspekt in ihrer Biographie. Die alleinerziehende Maggie lebt in Scheidung und Daka ist schwanger. Vincent war im Vietnamkrieg und betreut liebevoll seine demente Frau im Pflegeheim.
Die Ordensverleihung am Ende an Vincent mag manchem gewöhnungsbedürftig erscheinen, ist aber wohl ein bekanntes amerikanisches Motiv. Man darf das einfach nicht so eng sehen.
Das alles zusammen macht die Qualität des Films aus. Diese ernsten Seiten berühren besonders wegen des Gegengewichts zur übrigen, rotzfrechen Komik, die sie umgibt. Daneben erleben wir aber auch jede Menge Unsinn und Spaß an der Freud‘ bis hin zum sinnfreien Abspann, in dem Bill einfach nur Bill ist. Er und der Gartenschlauch!
Ein Spaß, der mit seiner Offenheit berührt und mit seiner Lebensweisheit überzeugt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.