Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Do, 08.01.2015
Kino | Die Vermessung der Welt
Zwei Genies4 Sterne
Das ist bisher der beste Film von Detlev Buck. Es hat den Bestseller von Daniel Kehlmann sehr gut umgesetzt. Und der hatte ja wohl die geniale Idee, das Leben von zwei Genies parallel zueinander laufen zu lassen: den Mathematiker Gauß (Florian David Fitz) und den Entdecker Humboldt (Albrecht Abraham Schuch). So erscheint der Titel sowohl ein mathematisches als auch ein geographisches Phänomen zu umfassen. Was hierbei besonders gelungen ist, ist den Gegensatz der beiden Menschen zu zeigen, die Abwechslung ihrer Lebensinhalte und letztlich das, was sie als Genie verbunden hat, das Gemeinsame. An der Seite von Gauß beeindruckt vor allem seine Frau Johanna (Vicky Krieps) blitzgescheit und sexy! Am Ende treffen sich zwei alte, schrullige Käuze, die ihren Genius mit der gebrechlichen Realität überdecken. So ganz kann Buck die humoristische Ecke nicht verlassen. Der Film lebt von den grotesken Situationen und dem skurrilen Humor. Manche Szenen wie die beim Zahnarzt oder das Schröpfköpfen sind grenzwertig. Dazu gibt es noch Animationen und sogar eine Prise Sex. Auch Tiermotive tauchen immer wieder auf. Da Kehlmann am Drehbuch mitgearbeitet hat hören wir erbauliche Sätze wie ‘Man kann nur verstanden werden durch die wahre Liebe oder die reine Vernunft‘ oder ‘Forschung ist Bewegung, die nie zu einem Ende kommt‘. Am Ende heißt es lapidar ‘Humboldt wurde der berühmteste Forscher des Planeten, Gauß wurde alt‘. Der Epilog mit dem Abenteuer des Gaußsohnes Eugen (David Kross) verwässert die Story etwas, auch wenn Detlev Buck ein Cameo hat. Beinahe ein ganz großer Film von internationalem Format.
Trennstrich
Mi, 07.01.2015
TV | Lady Henderson präsentiert
Theater im Krieg3 Sterne
Wenig beachteter Film von Stephen Frears. Er hat eine lustige Komödie gemacht, die neben allerlei Komik und zwei großartigen Hauptdarstellern auch eine traurige Seite beleuchtet. Die Titelfigur (Judi Dench) ist eine steinreiche Witwe, die im Londoner West End das Windmill Theatre eröffnet. Den Mann vom Fach für die Leitung findet sie in Van Damm (Bob Hoskins). Moulin Rouge soll das Vorbild sein. Im prüden England zwischen den Weltkriegen geht der Weg nur über ‘Lebende Bilder‘. Wenn sich kein Nackedei bewegt, ist es wie im Museum. Das ist recht munter, wie sich die beiden nicht miteinander verheirateten fetzen, wie Hund und Katze. Die tragische Facette wird durch einen langanhaltenden stummen Augenblick beeindruckend unterstrichen: die Bombenangriffe auf London. Obwohl das Windmill im Keller liegt, muss eine Schöne (Kelly Reilly) mit ihrem Leben bezahlen. Hier wurde eine mögliche Variante erfunden, um die Emotionen zu bedienen. Lady Henderson. hatte sie mit einem Soldaten verkuppelt, die dazu noch schwanger war. Der Hinweis, dass Van Damm holländischer Jude ist, dient nur zur Abrundung des Bildes vom Theatermacher. Dramaturgisch hat es keinerlei Bedeutung. Ebenso wie seine Ehefrau. Dieses Drama wird mit einem versöhnlichen Schluss der beiden Protagonisten mit einem Tanz auf dem Dach abgeschlossen. Der Krieg ist hier eigentlich Nebensache. Das Theater dient als Mutmacher und Unterstützung fürs Durchhalten. ‘Die Show muss weitergehen, aber die Kleider müssen weg.‘ Nicht Frears bester, aber immerhin kein Fehlschlag dank der beiden Hauptdarsteller.
Trennstrich
Di, 06.01.2015
TV | Winter's Bone
Die große Schwester4 Sterne
Ein düsterer Frauenfilm. Von Debra Granik gemacht und mit einer grandiosen Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence als Ree. Die Machowelt der Männer trägt harte, schroff abweisende Konturen. Auf der Suche nach ihrem Dad wollen die Männer der 17 jährigen nicht helfen, ihre Ehefrauen trauen sich nicht. Die Nachbarn sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Hier verprügeln Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen. (Man sieht es nicht direkt, sondern nur die Folgen.) Harte, starre Gesichter, denen jedwede menschliche Reaktion abgeht. Man kann nur Misstrauen und Feindseligkeit erkennen. Manches wird nur angedeutet (Warum alle den Vater suchen? oder die Rückgabe der Restkaution) erhöhen die Spannung. Onkel Teardrop (John Hawkes) weiß es, verrät es uns aber nicht. Und immer wieder dieses junge, grimmige Gesicht von Ree. Sie ist überfordert, gibt aber nicht auf. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten stehen außer Zweifel. Eine feindliche, dicht bewaldete Umgebung, in der es keine Weitblicke gibt, schafft zusätzliche Beklemmung. Am Ende soll wohl ein Funken Hoffnung kommen mit der Übergabe von ein paar Küken an Ree als Neuanfang und der Aufbewahrung des Banjos für angenehmere Stunden. Harte, unbequeme Kost, eindrucksvoll ausdrucksstark vom Rande der Welt, wo sich jeder selbst der Nächste ist. Eigentlich kaum zu glauben. Ein Fragezeichen bleibt der Titel.
Trennstrich
Mo, 05.01.2015
Kino | Wiedersehen in Howards End
Howards End ein Anfang4 Sterne
Der Titel dieses Films ist eine Aufforderung. Man kann ihn sich immer wieder mal anschauen und dann ist es wie bei einem Wiedersehen mit alten Freunden. James Ivory hat den Roman von E.M. Forster genial umgesetzt. Er hat ihn in unvergessliche Bilder gefasst, dabei eine Reihe von Leinwandlegenden vor die Kamera geholt und hier den Zauber der Romane von Jane Austin, George Eliot oder den Brontës zum Leuchten gebracht. Er versteht es sogar dem Tod den Stachel zu nehmen. Hier finden wir die großen Themen, die die Menschheit bewegen wie Freundschaft, Erbschaft und Eigentumsrecht oder Verzeihen und Standesdünkel. Es entsteht ein Gesellschaftsbild von einer Zeit, als es noch echte Eklats gab und standesgemäße Ehen geschlossen oder verleugnet wurden. Beherrscht wird die Szene vom Multimillionär Henry Wilcox (Anthony Hopkins). Seine Ehefrau Margaret (Emma Thompson) ist die couragierte Vermittlerin zwischen ihrem Mann und ihrer Schwester Helen (Helena Bonham Carter), die die Speerspitze des sozialen Ausgleichs ist und die in ihrer Hilfsbereitschaft so weit geht, dass sie nach neun Monaten selber Hilfe braucht. Das Ehepaar Wilcox liefert sich geschliffene, aber auch warmherzige Dialoge. Sogar ein Totschlag in der Familie kann nicht verhindert werden. Nicht nur für Fans des Genres ist es ein echter Genuss zu verfolgen, wie nach zahlreichen Irrungen und Wirrungen das titelgebende Haus langfristig doch an den rechten Erben fällt. So wie es seiner Zeit von der totkranken ersten Mrs. Wilcox (Vanessa Redgrave) bestimmt worden war. Ein Klassiker, bei dem die Zeit still zu stehen scheint.
Trennstrich
Mo, 05.01.2015
TV | Willkommen bei den Korsen
Korsische Untersuchung3 Sterne
Mit Jean Reno als Ange Leoni und Christian Clavier als Jack Palmer (dessen vier Töchter wir bereits kennen und lieben gelernt haben) stehen zwei großartige Darsteller an der Spitze des Ensembles. Der erste garantiert Komik mit knallharter Haudrauf-Dynamik, der zweite feinfühlige Ironie und französischen Charme. Und weil das Auge ja bekanntlich ‘mitisst‘ sorgt Exbond-Girl Caterina Murino für optische Anreize auch wenn die Lovestory nicht gerade zwingend ist. Das Ergebnis ist ein sehr unterhaltsamer Sommerfilm mit allerdings nur kaum vorhandenem korsischem Einschlag. Dagegen betont die Inszenierung die Rolle von Ange Leoni. Es gibt jede Menge Geheimdienste auf der Insel, die sich zum Affen machen und für Komik sorgen und Freiheitskämpfer, die ab und zu an die Front zur Befreiung Palästinas im Leben des Bryan heranreichen. Die Handlung selbst ist von geringer Bedeutung. Manch überraschende Wendung hält den Zuschauer bei Laune, und die Dialoge sind mitunter auch recht munter. (‘Darf man über die Korsen lachen?‘ – ‘Ja klar – aber lieber nicht!‘). Einfache Kost zum Entspannen ohne zu Verblöden. Einziger Anspruch ist die Unterhaltung. Und die wird ausreichend geliefert.
Trennstrich
Mo, 05.01.2015
Kino | Drive
Fahr los!4 Sterne
Der Film fällt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen und verliert aber keineswegs an Spannung, wie sie sonst im Genre üblich ist. Die unangekündigten Gewaltausbrüche verbrauchen viel rote Farbe und sind auch in der Art und Weise ihrer Ausführung anders als die üblichen Erschießungen. Der Rachefeldzug des wortkargen Drivers (großartig Ryan Gosling) verläuft parallel zu den Aktivitäten der Mafia. Sein Motiv ist einerseits eine unerfüllte Liebe zur Nachbarin Irene (Kindfrau Carey Mulligan), möglicherweise die Suche nach familiärer Geborgenheit (er geht mit Irenes kleinem Sohn sehr einfühlsam und liebevoll um) und andererseits eine unbekannte Seite seiner Persönlichkeit, die sich in urplötzlicher, blutiger Gewalttätigkeit bahn bricht. Kurz eingeblendet kann man sehen, dass auch Irene davon erschreckt ist. Diese beiden Aspekte laufen in einer Szene im Fahrstuhl zusammen: ein Kuss und ein Totschlag. Und dann natürlich das Ende. Das darf nicht happy enden! Die Hauptfigur ist im wahrsten Sinne des Wortes ‘angestochen‘, doch der Driver tut das, was er immer macht, er fährt in die Nacht. Irene erfährt davon nichts. Ein echt cooler Held eben. Interessant die Wiederholung des Motivs der glatzköpfigen Stuntmaske. Hier kann auch nochmal Ron Perlman etwas Furcht verbreiten. Die Handlung dieser gefährlichen Anti-Romanze wird von langen wortlosen Passagen begleitet, die von einer Art Sphärenmusik unterstützt wird. Nicht nur wegen der ausgiebigen Autofahrten und Verfolgungsjagden, die den Titel unterstreichen, hat der Film einen gewissen Drive, man kann ihn aber auch als Befehl für Ryan Gosling sehen: ‘Fahr‘ los!‘ d.h. ‘Mach dich vom Acker!‘ Gelungen anders.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.