So, 04.01.2015TV | QuartettDiven & HeldentenöreEin völlig unaufgeregter Film mit einer Reihe von Leinwandlegenden, die – inzwischen in die Jahre gekommen – nun sich selber spielen, allerdings hier mit der Variante aus dem Musikfach: sie sind Operndiven oder Heldentenoere, die eine erfolgreichre Karriere hinter sich haben. In einem Altenheim für pensionierte Musiker treffen sie sich wieder. Und wie so oft im Leben treffen sich einige zweimal. So ergeht es Maggie Smith und Tom Courteney, die eine Ehe und eine Scheidung hinter sich haben. Ihr Zusammentrefffen bringt die Leinwand zum Knistern oder macht den Griff zum Taschentuch unvermeidlich. Tom Courtney schaut so ernsthaft traurig, dass die Hölle zufrieren könnte. Grosse Emotionen in alt-ehrwürdigen Gefaessen. Das Anzuschauen altbekannter Filmgrößen ist der einzige Spass des Ganzen. Daneben sorgt der unverwüstliche Billy Connolly für allgemeine Erheiterung, wenn er den Schwerennöter gibt. Herrlich dazu passend das weibliche Pendant Pauline Collins, die hier bezeichnenderweise Cissy heisst. Eine grossartige Ensembleleistung, die zeigt, wie locker und bisweilen frech die Oldies sein können , aber auch wie verletzlich. Und das nicht nur in ihrem Drang nach Annerkennung als ehemalige Weltstar der Opernwelt. Regsisseur Dustin Hofmann beweist hier, dass er auch hinter der Kamera äußerst gefühlvoll und witzig sein kann. Bei aller Professionalität gelingt es ihm jedoch nicht mit seinen Superstars echte Tiefenforschung zu betreiben. Es bleibt alles hübsch nett im Wohlfühlkästchen an der Oberfläche. | |
Fr, 19.12.2014TV | Tunesischer FrühlingDrei FreundeDrei Musiker, drei Freunde in Tunesien vor der Revolution 2010/11. Drei Schicksale. Jedes anders und doch alle mit einander verbunden. Das autoritäre Regime von Ben Ali wird vorgeführt. Es ist gekennzeichnet durch Korruption und polizeiliche Willkür. Der regierende Clan herrscht wie zu Sultans Zeiten. Selbst die Ladies haben Macht. Walid (Bahram Aloui) der Giovanni vom Dienst nutzt das zwar etwas widerwillig aus, aber es lebt sich so angenehmer. Fathi (Bilel Briki) ist ein arbeitsloser Lehrer, der mit seiner Freundin Noura (Anissa Dahoud) in Tunesien in Freiheit leben möchte. Moha (Hichem Yacoubi) will nichts wie weg.
Raja Amari skizziert die Anfänge der Jasmin Revolution, die im Zeichen von Handy, Notebook und Internet stand. Sie zeigt wie der über lange Zeit aufgestaute Volkszorn sich plötzlich Luft macht. Das Regime kann noch kurz zurückschlagen ehe es unter den skandierten Slogans der Menge wie ‘Arbeit! Freiheit! Wir wollen unsere Würde!‘ untergeht.
Dokumentarisch ruhig wird der Verlauf geschildert. Noura kommt wieder frei, Fathi bezahlt mit seinem Leben. Hier ist die Wackelkamera durchaus angebracht. Sie verdeutlicht die Unsicherheit der Figuren, das Provisorische ihres Handelns. So wird die Unruhe an den Zuschauer weitergegeben. Ein historisches Dokument im Spielfilmformat. | |
Do, 18.12.2014Kino | SerenaLiebe, Hass und TodDiesmal hat Susanne Bier einen echten Abenteuerfilm gemacht und nicht mit Blut gespart. Sie hat hochwertige Ingredienzen verwendet. Lange Zeit sah es nach einem Liebesfilm aus, so heftig wurde geliebt. Dann entstand eine Machtfrage: ist die Titelheldin (Jennifer Lawrence) ihrem Ehemann George Pemberton (Bradley Cooper) gleichberechtigt oder sogar überlegen? Wird sie sich in der Wildnis von North Carolina unter den Holzfällern behaupten? Galloway (Rhys Ifans) bringt etwas transzendentale Metaphorik ins Spiel. Erst zeigt er George wo der Puma umherstreift, dann sieht er sich als Serenas Gehilfe. Ein Zwischenkapitel über Ökologie oder Gewinnstreben dient nur als Vorspiel für das Finale. Jetzt kommt Korruption hinzu und schließlich der erste Mord. Alles Peanuts bisher! Ein Fehltritt aus der Vergangenheit belastet George. Gerade die durch eine Fehlgeburt traumatisierte Serena steigert die Spannung weiterhin. Hier läuft Jennifer Lawrence zur Höchstform auf. Aus überbordender Liebe wird Hass und Todessehnsucht, eine Rachegöttin von shakespeareschem Ausmaß. Eine Prophezeiung beschert ihr sogar noch Galloway, einen Killer, während George ein fatales Treffen mit seinem Puma hat.
Die Natur steht stumm und dient als optischer Kommentar. Hier hat Susanne Bier etwas aufgerüstet, Anfangs in goldenen Farben des Indian Summer, später düster mit wolkenverhangenem Mond. Alles spielt sich in einem engen, dichtbewaldeten Tal ab. Eine eigene Welt, aus der weder George noch Serena entkommen können.
Gelegentlich stört das Pathos ein wenig und der deutsche Dialog wirkt bisweilen etwas abgegriffen. Aber sonst: genug Spannung, kein Happy End, dafür aber packend. | |
Do, 18.12.2014Kino | Deux jours, une nuit OmUDas NichtsEs ist durchaus ein lobenswertes Thema, das die Dardenne-Brüder hier aufgreifen: die Arbeitslosigkeit. Und auch die Psychostudie, die sie daraus gemacht haben, ist nicht schlecht. Es werden die geläufigsten Argumente ausgetauscht wie Lohnverzicht, Solidarität, die auf Kante genähten Budgets der Kollegen, menschliche Nähe im Vergleich zur realen Arbeitswelt und die psychische Belastung, die daraus entsteht. Es gilt der Grundsatz ‘Ohne Arbeit bist du ein Nichts‘. Sandra (Marion Cotillard) läuft am Rande des Nervenzusammenbruchs von einem Kollegen zum anderen, in der Hoffnung sie zu bewegen, gegen ihre Entlassung zu stimmen. Ein fieser Trick des Arbeitgebers.
Der kommt erst ganz am Ende zu Wort und überrascht mit einer Offenbarung, die alle zufrieden stellt. Das ist etwas unglaubwürdig. Wieso sollte das Kapital plötzlich zurückrudern? Die Belegschaft ist auseinander dividiert: fifty: fifty. Man weiß, wo die ‘Rebellen‘ sitzen. Es gibt keinen Grund von Seiten der Arbeitgeber verständnisvolle Rücksicht zu üben. Zumal klar gesagt wurde, dass der Job auch mit einer Stelle weniger gemacht werden kann.
Aktueller Ansatz mit unrealistischem Finale doch einer durchaus glaubwürdigen Marion Cotillard, die den Film trägt. Die Kamera sitzt ihr dabei so dicht und permanent im Nacken, dass keine andere Figur Konturen gewinnen kann. Weder der Ehemann (Fabrizio Rongione), noch eine Kollegin, in deren Ehe sie eigenartigerweise Klarheit schafft: die Kollegin verlässt ihren machohaften Ehemann.
Abgesehen vom Ende ganz gut. | |
Di, 16.12.2014TV | Endstation SehnsuchtKino für die EwigkeitBereits der deutsche Titel und der des Originals wetteifern um die beste Etikettierung dieses unglaublichen Films und treffen beide voll ins Schwarze. Elia Kazan schafft als Rahmen eine wirkliche Realität für die Straßenbahn mit dem seltsamen Namen. Ein Meilenstein der Literaturverfilmung (1951)! Das Drehbuch verwendet die Vorlage von Tennessee Williams fast wörtlich und der Regisseur verdichtet die Optik zu einer schwül beklemmenden Südstaatenatmosphäre. Dazu passt nur diese schwarz-weiß Fassung.
Vivien Leigh (Blanche) und Marlon Brando (Stanley) in unerreichbarer Bestform in diesem intensiven Kammerspiel, in dem die Charaktere voller verletzlicher Sensibilität sind, aber auch mit hemmungsloser Gewalt agieren. Sie spielen zeitlos grandios – einfach in einer anderen Liga. Da wird einer zum Tiger mit scharfen Krallen und kurz darauf zum verheißungsvollen Liebestempel. Dann wieder zur uneinnehmbaren Festung, die darauf wartet sturmreif geschossen zu werden. Die Psychoduelle sind ein Seelenstrip für die Ewigkeit. Dabei steuert die Handlung in Richtung menschliche Katastrophe, in der Vivien Leigh langsam die Bodenhaftung verliert und im Nirwana landet. Dabei sollte aber nicht die zartfühlende zum Scheitern verurteilte Nebenromanze vergessen werden, die sie mit Karl Malden (Mitch) beginnt. Hier werden noch altmodische Ideale und brav-biedere Einfalt zusätzlich abgehandelt, was sogar zu vorrübergehender Komik führt. Aber es ist vor allem und immer wieder Vivien Leigh, die hochgradig neurotisch und äußerst narzisstisch überspannt dramatische Akzente setzt. Sie ist das Zentrum, um das die anderen Figuren kreisen. Ein echt tragisches Zentrum, in dessen Mitte auch noch vier Oscars stehen. Sicher ein Platz im Filmolymp! Das Remake in die Hutablage. | |
Mo, 15.12.2014TV | Königreich des VerbrechensKönigreich der TiereDieser ungewöhnliche Gangsterthriller lebt von der Angst und kommt ohne Verfolgungsjagden und Riesenballereien aus. In einem Familienclan, zu dem der junge Josh (James Frecheville) notgedrungen dazugehören muss, bewegen sich seine unberechenbaren Onkels. Sie dealen, kiffen und drücken, schrecken notfalls auch nicht vor Mord zurück. Ihre Mutter; Joshs Oma (großartig Jacki Weaver), ist der Kopf der Bande. Der Off Kommentar von Josh begleitet distanziert die Handlung. Die Spannung kommt von den Aktivitäten innerhalb der Verwandtschaft. Da gehören Josh und seine Freundin Nicky eigentlich nicht dazu. Sie werden zum Spielball der Onkels. Oma Cody erwägt zum Wohle des ganzen Clans den jüngsten Enkel notfalls zu opfern. Sie lullt ihn ein, schmeichelt ihm, wiegt ihn in Sicherheit. Der Zuschauer ahnt ihr teuflisches Ränkespiel nach Absprache mit dem Gangsteranwalt.
Auch die Rolle des ermittelnden Polizisten Nathan Leckie (Guy Pearce) ist etwas anders als sonst üblich. Er versteht die familiären Zusammenhänge, kann jedoch einen tragischen Mord nicht verhindern. Sein ruhiges Verständnis für Joshs missliche Lage steht im krassen Gegensatz zur chaotischen Unberechenbarkeit der kriminellen Onkels. Ihr Verhalten sowohl untereinander als auch gegenüber Außenstehenden ähnelt mehr dem Originaltitel ‘Königreich der Tiere‘. Wir erleben hier eine ungewöhnliche Spannungsquelle mit überzeugenden Darstellern. Dazu gibt es noch gedankliche Exkursionen ins Reich Darwins. Milieugemäß endet der Film mit einem überraschenden
Schuss als Vergeltung. Einfach klasse! | |
So, 14.12.2014Kino | Magic in the MoonlightZauber einer MondnachtDieses Mal hat sich der Vielfilmer Woody Allen ein an sich interessantes Thema ausgesucht und die beiden Hauptrollen wirklich passend besetzt. Der Illusionist Stanley Crawford (Colin Firth), der auf der Bühne Elefanten verschwinden lässt, gibt anfänglich den Gegenpol zum Medium Sophie (Emma Stone) ab, die angeblich Kontakt mit dem Jenseits herstellen kann. Und das funktioniert mit den bekannten Klopfzeichen: einmal für ‘Ja!‘, zweimal für ‘Nein‘.
Beide umkreisen sich, er will sie der Scharlatanerie überführen. Das Drehbuch findet eine Fülle von Bezeichnungen für Sophies Tätigkeit. Alles läuft auch so ganz nett und glatt. Klar, dass Stanley dem Medium auf die Schliche kommt und sich die beiden in einander verlieben. Woody Allen ist hier weniger scharf und pointiert als sonst. Auch die Dialoge wirken etwas poliert. Der kleine Hauch von britischem Understatement reicht nicht aus, um Vergnügen aufkommen zu lassen. Der Nebenbuhler von Stanley ist klischeehaft dämlich und unsympathisch. Emma Stone, die Kindfrau, bezaubert durch ihre großen Augen mit dem verlorenen Blick. Colin Firth hat die nötige Distanz zum Geschehen, braucht sich aber schauspielerisch nicht besonders aus dem Fenster zu lehnen. Das Thema wird in einem Observatorium abgearbeitet. Aufgabe erfüllt, sonst nichts.
Lediglich der vorhersehbare Schluss kommt dann doch noch ganz nett daher: der abgewiesene Stanley fragt sich ‘Mein Gott, liebt sie mich denn nicht?‘ Es klopft einmal!…
Nicht überragend, aber auch nicht ärgerlich. Nur der Soundtrack swingt und dixied unverdrossen gut und bringt das Feeling der 30er Jahre. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.