So, 14.12.2014Kino | Magic in the Moonlight OmUZauber einer MondnachtDieses Mal hat sich der Vielfilmer Woody Allen ein an sich interessantes Thema ausgesucht und die beiden Hauptrollen wirklich passend besetzt. Der Illusionist Stanley Crawford (Colin Firth), der auf der Bühne Elefanten verschwinden lässt, gibt anfänglich den Gegenpol zum Medium Sophie (Emma Stone) ab, die angeblich Kontakt mit dem Jenseits herstellen kann. Und das funktioniert mit den bekannten Klopfzeichen: einmal für ‘Ja!‘, zweimal für ‘Nein‘.
Beide umkreisen sich, er will sie der Scharlatanerie überführen. Das Drehbuch findet eine Fülle von Bezeichnungen für Sophies Tätigkeit. Alles läuft auch so ganz nett und glatt. Klar, dass Stanley dem Medium auf die Schliche kommt und sich die beiden in einander verlieben. Woody Allen ist hier weniger scharf und pointiert als sonst. Auch die Dialoge wirken etwas poliert. Der kleine Hauch von britischem Understatement reicht nicht aus, um Vergnügen aufkommen zu lassen. Der Nebenbuhler von Stanley ist klischeehaft dämlich und unsympathisch. Emma Stone, die Kindfrau, bezaubert durch ihre großen Augen mit dem verlorenen Blick. Colin Firth hat die nötige Distanz zum Geschehen, braucht sich aber schauspielerisch nicht besonders aus dem Fenster zu lehnen. Das Thema wird in einem Observatorium abgearbeitet. Aufgabe erfüllt, sonst nichts.
Lediglich der vorhersehbare Schluss kommt dann doch noch ganz nett daher: der abgewiesene Stanley fragt sich ‘Mein Gott, liebt sie mich denn nicht?‘ Es klopft einmal!…
Nicht überragend, aber auch nicht ärgerlich. Nur der Soundtrack swingt und dixied unverdrossen gut und bringt das Feeling der 30er Jahre. | |
So, 14.12.2014TV | Süt - MilchMilchmann oder PoetEin Mutter-Sohn Drama in einer sich verändernden Welt. Den Lebensunterhalt verdienen sie mit dem Verkauf von Milch. Yusuf (Melih Selcuk) versucht sich als Nachwuchslyriker, Mutter Zehra (Basak Köklükaya) sucht einen Mann und da gibt es nur einen, der bei der Bahn arbeitet. Hier hat Semih Kaplanoglu seinen Minimalismus etwas übertrieben. An die überlangen wortlosen Einstellungen muss man sich gewöhnen. Das eigentliche Geschehen bleibt für den Zuschauer verborgen. Man kann es nur erahnen und am Ende geteilter Meinung sein.
Vordergründig passiert schon ein wenig, das ist aber nur schmückendes Beiwerk, wie Yussufs Musterung. Zu sehen bekommen wir Unverständliches: ein Mädchen hängt kopfüber an einem Baum, die Männer ziehen eine Schlange aus ihrem Mund. Yusuf überschlägt sich mit dem Motorrad bei einem epileptischen Anfall. Weder er noch das Motorrad bekommen einen Kratzer ab.
Wir sehen nur die Auswirkungen von geplanten Vorhaben: Mutter Zehra macht sich fein, zwei Tassen auf dem Tisch, sie strahlt. Yusuf folgt dem Auto des Bahnhofsvorstehers ins Schilf: widererwarten trifft er einen Jäger und findet einen Fisch.
Ein typischer Festivalfilm: da fegt der Wind immer wieder durch die Blätter der Büsche. Geräusche statt Action, Blicke statt Worte. Zwei Menschen suchen ihren Weg. Offen bleibt, ob sie erfolgreich oder glücklich werden. Nichts Genaues weiß man nicht. Na ja!? | |
Mi, 10.12.2014TV | AgentenpokerHüpfspiel für OldiesIn den 80er Jahren, als manche Agententhriller noch ohne blutige Nasen und Kinnhaken auskamen, es aber auch nicht so bierernst meinten, entstanden Filme wie dieser.
Es ist gediegene Unterhaltung ohne spektakuläre Actionszenen, einfach ein Heidenspaß, der vom schauspielerischen Talent der Darsteller lebt. Und wenn schon geballert wird, dann geschieht das aus Versehen wie z.B. das ehemalige Haus des Chefs, das fast zerlegt wird oder ein Hubschrauber explodiert ohne die Gejagten.
Das Plakat weist zwar auf 007 hin, doch der gebogene Lauf von Walter Matthaus Kanone weist nach unten und die linke Hand zeigt die gekreuzten Finger (heißt Daumendrücken). Glenda Jacksons tiefes Dekolleté ist auch etwas überzeichnet. Alles eben ein Gag. Da wir im Kalten Krieg sind, kommen die Bösen aus dem Osten (KGB). Herbert Lom mimte sonst den altgedienten Chef vom ‘Rosaroten Panther‘. Seine Untergebenen treiben ihn hier allerdings nicht in den Wahnsinn. FBI steht für fickrige behämmerte Idioten. Und damit treffen sie den Nagel auf dem Kopf. Sam Waterston hat wenigstens noch so etwas wie einen Plan, sein Chef hingegen (Ned Beatty) kommt ohne so etwas aus. Der Titel stammt von Walter Matthaus Buch, um das es hier geht. Darin rechnet er mit seiner alten Dienststelle ab. Der des Originals meint mit ‘Hopscotch‘ das alte Hüpfspiel ‘Himmel oder Hölle‘ das man früher auf Gehwegen aufgemalt sah, weil es die Kids dort gespielt hatten.
Auch der finale Gag rundet die Agentenparodie herrlich locker ab. Das ist fast schon wieder ‘In‘. Lacher und Schmunzler ersetzen das Nägelkauen. | |
Di, 09.12.2014TV | Auf dem Weg nach Oregon0+0=0Die ‘Meisterin der Handlungsarmut‘ Kelly Reichardt hat sich hier noch zwei Titel dazuverdient: das Fehlen von Licht und die fast tragende Rolle der Sprachlosigkeit. Man sieht fast nichts in diesen schwarzen Nächten. Die Figuren bewegen sich ohne Gesichter im Halbdunkel der Landschaft. Es ist schon eigenartig, wie sehr man doch vom Gesicht eines Menschen abhängig ist. Figuren werden hier zu stummen Schatten. Ab und zu trifft man auf ein bekanntes Gesicht, das von Michelle Williams. Fast neunzig lange Minuten zieht der Treck von drei Planwagen durch die Prärie. Da ist das Nachladen eines Vorderladers schon ein Ereignis. Und das Ausfindigmachen eines Indianers ist das Actionhighlight des ganzen Films, wenn man mal vom kleinen Showdown am Ende absieht, das allerdings wie das Hornberger Schießen ausgeht: alles wie gehabt. Der Indianer geht in die Savanne, die Siedler schauen ihm nach.
Spätestens seit der ‘Karawane der Frauen‘ in den 50er Jahren weiß man, dass bei der Besiedelung des Wilden Westens auch Frauen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Das wird hier fast wortlos und ohne Musik nochmals betont.
Eintönigkeit kann ermüden und zu Tiefschlaf führen. Hier muss man ganz schön kauen, um dran zu bleiben. Auch die Landschaft gibt nichts her. Sie ist der fehlenden Handlung angepasst und wirkt als Sedativum. Ich vermag den Sog nicht zu verspüren, in den man hier geraten könnte. Die Bedrohung der Existenz wird durch Weitermarschieren wettgemacht. Es geht den Akteuren wie den Zuschauern: sie finden nichts. Der Abspann ist eine wahre Erlösung. Unglaublich! | |
Sa, 06.12.2014TV | Black ButterfliesTote SchmetterlingeEin eindrucksvolles Biopic als Psychostudie von der Endphase der südafrikanischen Lyrikerin Ingrid Jonkers (Carice van Houten). Die Tragik im Leben dieser hier weithin unbekannten Dichterin liegt in ihrer eignen Psyche. Bis zu ihrem Tod hat sie um die Anerkennung durch ihren erzkonservativen Vater (Rutger Hauer) gebuhlt, den Chef der nationalen Zensurbehörde. Ihre Texte waren gegen die im Lande herrschende Apartheid. Er ließ seine Tochter gewähren, um keinen Eklat zu provozieren. Man kann seine Position nachvollziehen, denn der Film bietet eine reiche Auswahl aus ihrem Werk. Aber auch Ingrids Beziehung zum anderen Geschlecht ist problematisch. Hier versucht sie Qualität durch Quantität zu ersetzen. Selbst der ihr sehr zugetane Freund Jack (Liam Cunningham), mit dem sie zeitweise zusammenlebt, hält ihre überbordende Egozentrik nie lange aus und flüchtet immer wieder, damit er auch zum Schreiben kommt. Sie hatte ein demandistisches Naturell und kompensierte ihre Frustrationen mit Alkohol. Endstation Psychiatrie.
Carice van Houten bringt uns dieses seltsame Wesen, das an sich selbst zerbrochen ist, überzeugend nahe. Dabei hat es ihr an öffentlicher Wertschätzung nicht gefehlt. Doch sie war letztlich wohl einsam. Nur ihr Schreibzwang blieb ungebrochen, bis sie sich verabschiedete und ins Meer ging. Die ‘Schwarzen Schmetterlinge‘ sind aus einem ihrer Gedichte. Da sagt sie auch…‘jeder Tod bestätigt aufs Neue die Lebenslüge. Vergesst die Gerechtigkeit sie existiert nicht, die Brüderlichkeit ist ein Betrug und die Liebe hat keine Berechtigung.‘ Das ist depressiver Intellektualismus pur. Der Film ist Klasse. | |
Fr, 05.12.2014TV | Huhn mit PflaumenKein NationalgerichtEin wunderschönes Märchen über die Liebe. Der weltberühmte Geiger Nasser-Ali (Mathieu Amalric) will nicht mehr leben, als seine Frau Faringuisse (Maria de Medeiros) seine Geige zertrümmert hat. Es war eine jener Zwangsehen von denen man sagt ‘Erst kommt die Heirat, später die Liebe‘. Der Kommentar bemerkt dazu lakonisch: ‘Erst kam die Heirat, die Liebe kam nie‘. Sein Leben lang hat er eigentlich nur Irane (Golshifteh Farahani) geliebt. ‘Diese unerfüllte Liebe ist etwas kostbares‘, meint der Kommentar ‘sie hält ewig.‘
Regisseurin Satrapi ist es gelungen durch Animation den märchenhaften Charakter des Films zu betonen. Zwischendurch erleben wir Ironisches mit Traurigkeit unterlegt (Nasser-Alis Suizidversuche sind echte Watzlawicks). Die vielen Rückblenden kreisen um Nasser-Ali und erweitern in kurzweiliger Form sein Künstlerdasein. Manche Szenen erinnern an Fellini ohne ihn zu kopieren. Und selbst die Einstellungen fürs Gefühl mit vielen Farben leicht verfremdet bekommen nie einen schmalzigen Überzug durch den plötzlichen Szenenwechsel. Die Eheszenen sind zu ernst und die Entwicklung von Nasser-Alis Kindern zu deprimierend.
Weil seine große Liebe ein Leben lang andauert, altern die vom Frust gebeugten Liebenden sichtlich. Das lässt sich eindrucksvoll an, weil man ja weiß nur ihre Liebe brennt weiterhin ungebrochen. Selbst als sich Nasser-Ali und Irane nach vielen Jahren begegnen, bewahrt sie Haltung und darf ihn nicht erkennen. Dieser Schiwago-Effekt drückt besonders stark auf die Emotionen. Das ist bitter süße Schokolade mit viel positiver Romantik. Märchenhaft schön! | |
Do, 04.12.2014TV | Powder Blue - Am Ende bleibt LiebeBlauer SchneeZwei Kriterien gelten für Episodenfilme: a) wie gut ist die einzelne Episode für sich allein genommen und b) wie werden die einzelnen Geschichten miteinander verbunden. Beides ist dem Newcomer, Regisseur Linh Bui, schon recht gut gelungen. Die vier Einzelschicksale bilden ein breitgefächertes Spektrum: ein Exknacki (Ray Liotta), ein Selbstmörder (Forest Whitaker), eine koksende Stripperin (Jessica Biehl) mit einem komatösen kleinen Sohn und ein junger Beerdigungsunternehmer (Eddie Redmayne). In diesen Geschichten wird unterschiedlich tief gegraben und so kommt die ganze Wahrheit scheibchenweise ans Licht. Und im Fall von Forest Whitaker ist sein Dog Collar am Ende schon eine faustdicke Überraschung.
Allen Akteuren ist gemeinsam die Suche nach Zuwendung und zwar sie zu finden, zu geben oder gegeben zu haben. Die Zusammenführung der Handlungsstränge, die sich teilweise schon vorher bereits ergibt, wird am Ende noch durch einen Schritt in Richtung Metaebene erweitert. Ray und Jessicas Sohn treffen sich im Jenseits. Da werden auch noch letzte verwandtschaftliche Beziehungen geklärt und der deutsche Untertitel trifft voll ins Schwarze. Das Leben vergeht, die Liebe bleibt. Ist recht romantisch, wird hier aber nicht überstrapaziert. Es gibt ausgeglichene Gefühlswelten. Was Forest und Ray fürs Gemüt sind, ist Jessica für die Lust. Ihre Darbietung an der Stange ist schon echt professionell. Da kann man auch über den blauen Pulverschnee hinwegsehen (Titel!), über das Cameo von Kris Kristofferson und den kaum zu erkennenden Patrick Swayze nicht. Eine gut gemachte, schmalzfreie romantische Angelegenheit. | |
Do, 04.12.2014TV | Der Tag wird kommenKein großer AbendDie beiden Brüder Jean-Pierre (Albert Dupontel) und Benoit (Benoit Poelvoorde) haben sich TOD und NOT auf die Stirn tätowiert. Und wie es scheint begeben sie sich bei ihrem Kampf gegen den Kapitalismus auf ein Roadmovie der abstrusen Art.
Manche Szenen sind totaler Schwachsinn, andere absonderlich skurril und wieder andere penetrant albern. Doch wenn man mal schmunzelt, mal seinen Augen nicht traut, so bleibt man doch dabei, denn der Film ist auf alle Fälle eins: ungewöhnlich einfallsreich. So bekommt manches wohl symbolische Bedeutung, wie das Schattenboxen mit einem Bäumchen, das in einem griechisch-römischen Ringkampf endet. Gespräch mit einem Selbstmörder, eine handgreifliche Hochzeitsfeier, ein wildes Punkkonzert etc. Doch mit der öffentlichen Verbrennung ist allerdings der Rubikon überschritten. Das ist nicht mehr lustig und hilft auch nicht bei der Sinnsuche. Denn eins ist klar: dass die zwei Anarcho-Chaoten keinen Job bekommen. So nicht. Die nehmen sich ja selbst nicht ernst. Wieso sollte ich das tun?
Ein von vorneherein zweckloses Unterfangen muss nicht nur scheitern, sondern es will auch gar nicht reüssieren. Dann ist der Klamauk Selbstzweck. Das ist mir aber bei aller abartigen Ideenfülle doch etwas dünn. Verdutzt staunt man über die beiden blassen Cameos von Gérard Depardieu und Yolande Moreau. Welcher Tag wird denn wohl kommen, wie es der deutsche Titel verspricht? Etwa der mit den Vollpfosten an die Macht? Das Original verheißt einen großen Abend. Kann ich auch nicht erkennen. K.V. | |
Mi, 03.12.2014Kino | PoliezeiHeftiger AlltagWie schön, dass dieser Film die ausgelatschten Trampelpfade des Genres verlässt, in denen die Polizei die Gangster jagt, meist auch kriegt oder erschießt.
Poliezei ist ein authentischer, realistischer, witziger und rührender Polizeifilm, prall gefüllt mit leidvollen Einzelschicksalen. Die Crew, die für den Jugendschutz arbeitet ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Man arbeitet und man feiert zusammen. Man kennt sich auch privat, weiß von allen Eheproblemen, Schwangerschaften und Trennungsgerüchten. Zwischen manchen stimmt die Chemie, zwischen anderen überhaupt nicht. Manchmal funkt es auch innerhalb der Abteilung. Es gibt Situationen, da verliert einer die Nerven, Kollegen gehen sich an den Kragen oder sie können sich das Lachen nicht verkneifen. Fast immer fangen sie sich wieder oder werden von Kollegen aufgefangen und beruhigt. Jede Situation ist glaubwürdig und von daher auch spannend. Teils geht einem die Eile an die Nieren, mit der hier gnadenlos aber verständnisvoll verhört wird. dann heult einen wiederum das menschliche Elend in seiner bittersten Form an. Dieser ständige Wechsel Macht den Film so interessant, weil hier beide Seiten des Vernehmungstisches zu Worte kommen. Die verhörenden Polizisten haben auch menschliche Probleme. Deswegen fahren sich manchmal aus der Haut. Es ist schier übermenschlich, was die so am Tage verarbeiten müssen. Für eine ist das alles zu viel. Sie macht das Fenster auf und kommt nicht wieder. Ein tragischer Schlusspunkt nach dem Ende der Ferien, als alle Eltern ihre Kinder wieder zur Schule bringen.
Ein großartiges Ensemble agiert geschlossen fulminant, bietet Raum für echte Tragik, handgreifliche Auseinandersetzungen, ausgelassene Feiern, seelischen Beistand, Trotz und Wut, Aggression und innere Wärme. Und dann noch der nette Gag mit der Schreibweise des Titels. Was für ein grandioser Film von Maiwennn! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.