Mi, 03.12.2014Kino | Poliezei OmUHeftiger AlltagWie schön, dass dieser Film die ausgelatschten Trampelpfade des Genres verlässt, in denen die Polizei die Gangster jagt, meist auch kriegt oder erschießt.
Poliezei ist ein authentischer, realistischer, witziger und rührender Polizeifilm, prall gefüllt mit leidvollen Einzelschicksalen. Die Crew, die für den Jugendschutz arbeitet ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Man arbeitet und man feiert zusammen. Man kennt sich auch privat, weiß von allen Eheproblemen, Schwangerschaften und Trennungsgerüchten. Zwischen manchen stimmt die Chemie, zwischen anderen überhaupt nicht. Manchmal funkt es auch innerhalb der Abteilung. Es gibt Situationen, da verliert einer die Nerven, Kollegen gehen sich an den Kragen oder sie können sich das Lachen nicht verkneifen. Fast immer fangen sie sich wieder oder werden von Kollegen aufgefangen und beruhigt. Jede Situation ist glaubwürdig und von daher auch spannend. Teils geht einem die Eile an die Nieren, mit der hier gnadenlos aber verständnisvoll verhört wird. dann heult einen wiederum das menschliche Elend in seiner bittersten Form an. Dieser ständige Wechsel Macht den Film so interessant, weil hier beide Seiten des Vernehmungstisches zu Worte kommen. Die verhörenden Polizisten haben auch menschliche Probleme. Deswegen fahren sich manchmal aus der Haut. Es ist schier übermenschlich, was die so am Tage verarbeiten müssen. Für eine ist das alles zu viel. Sie macht das Fenster auf und kommt nicht wieder. Ein tragischer Schlusspunkt nach dem Ende der Ferien, als alle Eltern ihre Kinder wieder zur Schule bringen.
Ein großartiges Ensemble agiert geschlossen fulminant, bietet Raum für echte Tragik, handgreifliche Auseinandersetzungen, ausgelassene Feiern, seelischen Beistand, Trotz und Wut, Aggression und innere Wärme. Und dann noch der nette Gag mit der Schreibweise des Titels. Was für ein grandioser Film von Maiwennn! | |
Di, 02.12.2014Kino | Nanuk der Eskimo - Nanook of the North OVNanuk der BärEin Klassiker unter den Dokumentarfilmen vom Vater dieses Genres Robert J. Flaherty. Er hat hier alles selbst gemacht: neben Regie und Drehbuch hat er auch die Kamera bedient, den Film geschnitten und ihn produziert.
Natürlich hat dieser Stummfilm keine Dramatik, sondern nur einen hohen archivarischen Wert. Bereits 1922 wurde hier der Alltag einer Inuit Familie dokumentiert. Es erstaunt gleich zu Beginn, was aus einem Kanu so alles rauskrabbelt. Und es gibt ersten Kontakt mit der modernen Technik: ein Grammophon und Schelllackplatten. Trotz der äußeren harten Lebensbedingungen sehen wir fröhliche Eskimos: Vater baut geschickt ein Iglu während die Kids rodeln. Sogar ein Fenster aus glasklarem, gefrorenem Wasser baut er ein. Natürlich nimmt die Jagd breiten Raum ein. Dem gefangenen Fisch wird der Kopf abgebissen und die erlegte Robbe, den ‘Tiger des Nordens‘ gibt es als Rohkost. Ohne Kommentar begibt sich die Familie in ein üppiges Felllager zur Nachtruhe. Doch selbst im Iglu erfahren wir aus den Zwischentexten herrschen immer noch Minustemperaturen. So brauchte Nanuk zwei Wärmflaschen mit Ohren: Nyla und Cunayou. An jeder Seite eine.
Ruhige Bilder einer untergegangenen Welt. | |
Di, 02.12.2014TV | Die Logan VerschwörungEine Firma verschwindetEine Vater-Tochter Beziehung auf dem Prüfstand, weil auf der Flucht. Der ehemalige CIA Agent Ben Logan (Aaron Eckhart) und seine Tochter Amy (Liana Liberato) werden vom Großkonzern Halgate (Waffenschmuggel) gejagt. Die schrittweise Annäherung der beiden ist gar nicht mal schlecht, denn sie basiert auf entwaffnenden Dialogen. Aber die Haupthandlung selbst setzt sich aus Altbekanntem zusammen. Wobei das markige Gesicht des Hauptdarstellers und seine mit Stunts vollgepackten Aktionen auch eine zeitlang unterhalten. Auch die gegen Ende häufiger vorkommenden Toten reißen nichts mehr. Hierher gehört auch das Ausscheiden von Doppelagentin? und Ex-Bond Girl! Anna (Olga Kurylenko).
Die anfangs noch erzeugte Spannung kam daher, dass der Zuschauer im Unklaren gelassen wurde, warum Bens Firma über Nacht verschwunden war oder wer ihn warum verfolgte. Nach dem Durchhänger im Mittelteil kommt eine Phase, in der Unklarheiten und wirre Versatzstücke die Spannung wieder aufbauen sollen. Doch das gelingt nicht, weil jetzt auch noch Ungereimtheiten dazukommen: Bens Tochter kann plötzlich Autofahren und internationale Wirtschaftsverbindungen aufklären (‘Gut gemacht Sherlock Holmes‘, meint der Papa.) der sich immer mehr zum Killer entwickelt. Wieso Regisseur Stölzl, der eigentlich eher Opernspezialist ist, hier den Namen des untoten Chefs der ehemaligen DDR Spionageabwehr bemüht, bleibt wohl sein Geheimnis. Die Ausführlichkeit mit der Vater und Tochter auf der Flucht sind, erreicht das Format von Richard Kimble.
Der deutsche Titel greift nicht. Es ist eher eine Halgate Verschwörung. Das Original heißt ‘Ausgebürgert‘ oder ‘Ausradiert‘. Schon besser. Der Film als solcher nicht. | |
Mo, 01.12.2014TV | In ihrem HausEin neues ZuhauseDas ist Ozons bis dato (2012) anspruchsvollster Film. Er geht von einer Situation aus dem Schulalltag aus und vermischt im Laufe der Handlung Fantasie und Wirklichkeit immer mehr, sodass wir am Ende nicht mehr ganz genau wissen, ob diese oder jene Szene bloß erdacht oder Wirklichkeit geworden ist.
Anfangs ermutigt der Lehrer Germain (Fabrice Luchini) seinen Schüler Claude (Ernst Umhauer) Aufsätze zu schreiben. Aus Liebe zu Claude wird er sogar kriminell. Claude, selbst Halbwaise, beschreibt sein Eindringen in die geordnete Mittelstandsfamilie Rapha. Es entstehen Beziehungen zwischen ihm und dem Sohn und ihm und dessen Mutter Esther Rapha (Emmanuelle Seigner), in die er sich schreibenderweise verliebt. Das verdeutlicht er mit einem Gedicht (‘Selbst mit bloßen Füßen würde der Regen nicht tanzen‘.) Dazu kontrastiert die Situation des Ehepaars Germain, das kinder- und lieblos Claudes Aktivitäten anhand seiner Aufsätze verfolgt. Und der lebt und erlebt, was er schreibt bzw. er schreibt, was er erlebt. Oder? Mehrere Optionen ergeben sich dabei für einen Schluss. Manche sieht man, andere werden nur diskutiert. Zum Beispiel Germains Ehefrau Jeanne (Kristin Scott Thomas): Hat sie nun mit Claude oder nicht? Am Ende ist sie weg, die Raphas auch. Es bleiben nur Germain und Claude übrig, sitzend vor einer Wand mit vielen Wohnungen, in denen viel passiert. Da sieht man auch nicht alles, aber einiges. Hier ist Fantasie gefragt, mit der man das Gesehene einordnen muss. Viel Scholastik. Alles wäre möglich. | |
So, 30.11.2014TV | Im Auftrag des DrachenTod in der WandHier macht Clint Eastwood mal einen Ausflug in die Berge (Eiger Nordwand) und zwar vor und hinter der Kamera. Warum er als Kunstprofessor Dr. Hemlock noch einen Auftragsmord ausführen muss, ist eigentlich Nebensache. In seiner Seilschaft befindet sich der Bösewicht; einer von drei Bergsteigern. Gemäß den Klischees der 70er Jahre genießt Hemlock aber erst einmal die Mädels im Stil von 007. Erst die angebliche Stewardess Jemima (Vonetta McGee), dann seine indianische Trainerin George (Brenda Venus). Die mit der Morphium Spritze.
Man sollte sich den Film nicht wegen der vielen coolen Sprüche anschauen, sondern wegen der beeindruckenden Landschaft im felsigen Colorado und später am Eiger. Und wegen der Spannung. Der kleine Kreis der möglichen Gegner bei einem gemeinsamen Unternehmen schraubt sie langsam aber sicher in die Höhe. Und beim Auf- bzw. Abstieg gibt es spektakuläre Abstürze. Auch die Wetterbilder passen gut dazu. Der Himmel verdunkelt sich, Wolken, Wind und Schnee. Unwetter dräut. All das kann man von der Terrasse des berühmten Hotels mit dem Fernglas verfolgen. Das ergibt eine weitere Drehung an der Spannungsschraube. Auch den Bösewicht kann man bald klar ausmachen und wer in der Wand umkommt. Das spielt keine große Rolle. Für Eastwood-Fans ist nur wichtig, dass eine echte Männerfreundschaft wie die mit Ben (George Kennedy) nicht nur ein Leben lang hält, sondern einen auch davon abhält, einen Mord zu begehen. Und Clint ist noch ein netter Gag am Schluss eingefallen. Da fragt ihn Jemima, seine Herzdame ‘Das war doch kein Zufall, dass die drei umgekommen sind? Oder ?‘ Keine Antwort. Abspann. Die Fans werden’s mögen. | |
Sa, 29.11.2014TV | Ausgerechnet SibirienIm Osten nichts NeuesEin humorvolles Aussteigermärchen mit einem typischen Joachim Król als Matthias Bleuel. Nur, dass er hier über die Stufe seiner Rolle im Rossini hinausgewachsen ist. Doch bevor er zur schönen Schamanentochter Sajana (Yuliya Men) vom Stamme der Schoren in die Taiga zurückkehrt, werden noch viele Klischees über das russische Wirtschaftssystem abgelassen. Er der Wessi aus Leverkusen verzweifelt an der lockeren Verkaufsstrategie der Einheimischen. Heiratsangebote gegen Reisepass oder ein übersichtliches Frühstück bekommt Mathias gerade noch auf die Reihe. Mit dem Busenwunder Galina (Soja Burjak) fällt ihm das schon schwerer. Hier läuft gar nichts ohne einen kräftigen Schluck aus der Wodkapulle. Die prall gefüllte Handlung wird zum Roadmovie in wunderschöner Landschaft, wenn Matthias seine Sajana sucht. Und nebenbei gibt es von den Einheimischen jede Menge Lebensweisheiten wie z.B. ‘ Die Eier sollen das Huhn nicht belehren.‘ oder ‘Eine fette Gans wird selten alt.‘
Die Symbolik der Libelle ist in ihrer Ambivalenz noch ganz nett, beim Sonnenuntergang auf der Bank unterm Apfelbaum und der Schamanin am Lagerfeuer wird es grenzwertig. Ist aber wohl Absicht. Die Cameos von Katja Riemann und Armin Rohde sorgen ebenso für zusätzliche Abwechslung wie der Kurzauftritt des ewigen Brunetti-Chefs Michael Degen. Nicht schlecht diese lockere Unterhaltung. Ein Ethnospaß, der keinen verletzt. | |
Fr, 28.11.2014Kino | Mr. Turner - Meister des LichtsNur Licht, kein SchattenMike Leigh hat eine Biopic gemacht, die irgendwie aus dem Rahmen fällt. Es geht ihm dabei weniger um den Maler William Turner, es geht ihm mehr um den Menschen. Dazu hat er wieder einige seiner Lieblingsschauspieler in kleineren Rollen eingesetzt. Neben Lesley Manville kommt Ruth Sheen als keifende Ex des Meisters zum Einsatz. Alle überragt aber der großartige Timothy Spall, der Turner nicht nur auffallend ähnlich sieht, sondern auch in Mimik und Habitus dessen innerstes Wesen sichtbar macht. Er ist einfach Mr Turner! Und auf Augenhöhe neben ihm steht Dorothy Atkinson, seine alte Haushälterin, die ihn still verehrt und auch seine sexuellen Übergriffe lautlos erträgt. Ihr gehört mit Recht die letzte Einstellung: ein kleiner Buckel, leicht hinkend und von der Krätze gezeichnet. Wenn uns Mr Turner beeindruckt, die Atkinson berührt uns, ähnlich wie Marion Bailey als Turners zweite Frau. Ihr fällt vergleichsweise der Part von Heines Schuhverkäuferin zu. Sie pflegt und ummuttert ihn bis zu seinem Tode, wobei sei nur versteht, dass er ein großer Maler sein muss und ihm mit der ganzen Wärme einer reifen Frau begegnet. Mike Leigh hat die zweite Lebenshälfte Turners in kaleidoskopähnliche Szenen hintereinander gesetzt. Da sind manche im Zusammenhang nicht gleich verständlich, andere haben Längen, wie die Fachsimpelei unter Kollegen, wieder andere werden abgebrochen, wie die Bootsfahrt zu einem Dampfer in der Abendsonne. Hier muss man die hervorragende Kameraarbeit von Dick Pope erwähnen, der reihenweise Landschaften, fahrende Dampfloks, Meeresstrände etc. so eingefangen hat, dass sie übergangslos in ein Turnerbild passen. Der Film ist ein Erlebnis. | |
Do, 27.11.2014TV | Verwundete ErdeHeimat als MagnetRealistische Darstellung der Lebensverhältnisse in Tschernobyl 1986 und heute. Der Unfall im Reaktor traf die Menschen mitten in ihrem Alltag. Hier eine Hochzeit. Anya (Olga Kurylenko) wird ihren Mann nicht wiedersehen. Zehn Jahre später ist sie Fremdenführerin vor Ort in der ‘Zone‘. Eine makabre Kulisse. Touristen in Schutzanzügen, schwarzer Regen, zurückkehrende Siedler, sogenannte Kolonialisten, eine Geisterstadt. Das sind eindrucksvolle Bilder. Für die dort Lebenden wie Anya stellt sich die Frage ‘Kommt man von der Heimat los?‘ Sie lernt einen Franzosen kennen, erwägt Hochzeit in Odessa, Leben in Paris.
Daneben gibt es noch andere kleinere Handlungsstränge mit Schülermobbing über Verstrahlte, wirr umherstreifende Entwurzelte und ein Gedenkmarsch für die Helden von Tschernobyl. Die Menschen versuchen zu verdrängen und zu überleben. Anya gehen die Haare aus, sie trägt eine weiße Perücke.
Doch so in dieser tristen Umgebung will uns Regisseurin Michale Boganim nicht allein lassen. Getreu einer Maxime des russischen Kinos hüllt sie den grauslichen Inhalt in ein lyrisches Päckchen als Rahmen mit blühendem Apfelbäumchen und Sonnenschein. So wird das ganze etwas aufgehübscht. Tut gut, hilft aber nicht. Und der Titel meint doch wohl eher die Bewohner der Ukraine und nicht nur den Erdboden. Denn diese Menschen sind an Leib und Seele ‘verwundet‘. Auch wenn den Touristen weißgemacht wird ‘die Strahlung ist unbedeutend, man fühlt sie nicht und man sieht sie ja auch nicht‘. Die Kritik hätte deutlicher ausfallen können. So bleibt nur der optische Eindruck an der Oberfläche hängen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.