Mi, 26.11.2014TV | Vom Fliegen und anderen TräumenEine FlugtheorieEine Tragikomödie mit einem Hang zum Märchenhaften. Unbestritten großartig sind die beiden Hauptdarsteller: Richard (Kenneth Branagh) und Jane (Helena Bonham Carter). Er spielt sich selber, sie bietet eine darstellerische Extraklasse: im Rollstuhl mit ALS im Endstadium, spastisch verkrampft mit Sprachproblemen. Aber auch die beiden Nebenrollen sind beeindruckend besetzt. Anne (Gemma Jones) spielt die aufopferungsvolle Mutterrolle recht gefühlvoll und Richards Freundin Julie (Holly-Wakingthedead-Aird) die undankbare Rolle seiner verschmähten Freundin.
Jane hat trotz ihrer Behinderung ganz normale Bedürfnisse einer jungen Frau und sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie erklärt Richard die Welt: ‘Sex ist wichtiger als das Geld. Geld ist nur Mittel zum Zweck und Sex ist der Zweck.‘
Die Parallelschaltung von dem Versuch ihre Unschuld durch einen Callboy zu verlieren mit seinem Banküberfall lässt sogar noch etwas Spannung aufkommen. Der Ausgang beider Unternehmen ist allerdings vorhersehbar Richards Tränen ebenso wenig wie das Denkmal, das er aus dem schrottreifen Flieger auf dem Hügel für Jane errichtet. Die Doppelbedeutung des Wortes ‘Fliegen‘ erfüllt sich am Ende. Und zwar in jeder der beiden Richtungen: erst das eine, dann das andere. Das kann man nur ertragen, wenn man von den beiden Hauptdarstellern begeistert ist. So nimmt man ihnen auch den schmonzettenhaften Schluss ab. Vielleicht die einzige Lösung. Richard und Jane finden sie. Jeder für sich allein und beide gemeinsam. Na ja!? | |
Mi, 26.11.2014Kino | Mr. May und das Flüstern der EwigkeitStilllebenEin ganz leiser Film voller unspektakulärer Nebensächlichkeiten, aber mit einem omnipräsenten Eddie Marsan in der Titelrolle. Man kennt sein Gesicht aus endlos vielen Filmen, aber hier ist es die Basis: still, freundlich, unattraktiv. Und genau das passt hier auf den Funeral Officer. John May sucht nach Angehörigen von einsam Verstorbenen und wird entlassen. Detektivisch genau und menschlich übermäßig penibel macht er seinen Job. Bei seiner Suche trifft er auf skurrile Typen. Die meisten wollen mit dem/der Verstorbenen nichts zu tun haben. Es gibt ja auch nichts zu erben. John überredet sie trotzdem, zur Beerdigung zu kommen.
Nachdem man John bei seinem Job, der nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, respektvoll schätzen gelernt hat, begegnet ihm bei seinem letzten Fall die Tochter (Joanne Froggatt) eines Verstorbenen. Sie ist jung und hübsch, John Mays Gesicht hellt sich merklich auf. Weit entfernt von einer nullachtfünfzehn Lovestory beginnt jetzt die Größe dieses kleinen Films. Zunächst kriegt der Zuschauer einen unerwarteten Schocker verpasst. Und dann sprechen nur noch Bilder. Jeder kann sich selbst die Bedeutung des Finales ausmalen und vom Sehen zum Fühlen gelangen. Und das sind Emotionen pur mit Musik von Rachel Portman unterlegt.
Nur so viel sei verraten: es geht um Einsamkeit, sichtbares Gedenken und Ehrerbietung, Letztlich menschliche Größe, die John May (Frühlingsname) offenbar hatte. Da gefällt mir der deutsche Untertitel, denn die letzten Bilder kann nur die ‘Ewigkeit flüstern‘. Klar, dass der Film auf diversen Festivals Preise abgeräumt hat. Ich würde ihm auch einen verleihen – einen kleinen, leisen. | |
Mo, 24.11.2014TV | Das Schwein von GazaDie arme SauDie Grundsituation ist eine gute Ausgangslage für eine pralle Komödie. Jafaar (Sasson Gabay von ‘Der Band von nebenan‘) ein armer palästinensischer Fischer hat eines Tages ein Schwein im Netz. Sein ‘Big‘, wie er es nennt, weil er fließend Englisch spricht, will er notgedrungen an die Israelis verkaufen. Er macht Geschäfte mit der israelischen Siedlerin Yelena (Myriam Tekaia) durch den Maschendrahtzaun, der er das Sperma des Ebers verkauft. Wenn keins zur Hand, geht es auch mit dem eigenen. Da ist jede Menge Situationskomik drin. Und oberflächlich betrachtet ist das auch alles saukomisch. Aber je mehr man vom Alltag in bewachten Gazastreifen mitbekommt, desto skurriler wird die Lage. Der israelische Militärposten auf Jafaars Dach z.B. oder der Soldat , der zwecks Potenzsteigerung das Zeug trinkt.
Wenn Jafaar zum Selbstmordattentäter mutiert, wird es wieder realistisch. Auch wenn der Anschlag misslingt wird er zum Märtyrer. Bei der Suche nach dem Schwein (inzwischen zur Tarnung in ein Schafsfell gehüllt) gehen Israelis und Palästinenser gemeinsam eine Grenzlinie entlang. Beide Seiten verabscheuen das unreine Tier. Das Ende ist wieder visionär: Jafaar, seine Frau und Yelena machen eine Bootsfahrt in ein fernes Land und gehen doch wieder in Gaza an Land. Ein gemeinsamer Tanz mit Kriegskrüppeln und einem hoffungsvollen Gedicht bilden den Schluss: ‘Die Zukunft ähnelt dieser Nacht. Gemeinsam brechen wir einen neuen Himmel auf‘.‘ Das ist leider ganz weit weg von der Realität. Leider. Eindrucksvolle Einsichten in den Alltag in Gaza mit Grenzsituationen, die Jafaar in der Manier des braven Soldaten Schwejk meistert.
Trotz oder wegen der Komik so informativ und wichtig! | |
Mo, 24.11.2014Kino | A Long Way DownDie Vier vom DachEs ist der witzigste und zugleich charmanteste Film über einen kollektiven Suizid vom Dach eines Londoner Hochhauses. Da treffen sich am Silvesterabend Martin (Pierce Brosnan) ein gescheiterter Fernsehmoderator, Maureen (Toni Collette) eine Hausfrau mit einem schwerstbehinderten Sohn, Jess (Imogen Poots) die Tochter eines Politikers (Sam Neill), die über den Tod ihrer Schwester nicht hinwegkommt und J.J. (Aaron Paul), der sich und anderen ständig etwas vormacht. Alle haben einen Grund zu springen. Im Grunde ist jeder von ihnen aber nur total vereinsamt. Also drehen alle erst einmal richtig auf als Ersatz für den aufgeschobenen Selbstmord.
Aus den Vieren werden echte Freunde. Und das wird so erzählt, dass man herzhaft lachen kann, denn viele ganz normale Bemerkungen bekommen einen schwarzhumorigen Beigeschmack, wenn man sich die ursprüngliche Absicht der Kandidaten vor Augen führt. Doch es bleibt nicht beim Schenkelklopfen, weil mehrmals der Schalter umgelegt und der ganz persönliche Hintergrund beleuchtet wird. Da sind dann urplötzlich echte Emotionen im Spiel. Und hier steht keiner des Ensembles dem anderen nach. Überraschend wandlungsfähig zeigt sich hier Pierce-007-Brosnan, dem der Spagat vom Promi zum Normalo glänzend gelingt. Ebenso wie Toni Collette, die sich als lebensfremdes Hühnchen mit Selbstvorwürfen zerfleischt. Imogen Poots ist herrlich durchgeknallt und Aaron Pauls One-Night-Stand gibt einen kräftigen Seitenhieb auf die Boulevardpresse ab. Beim finalen skypen bieten Jess und J.J. noch ein kleines Überraschungszuckerl. Regisseur Pascal Chaumeil hat seinen Nick Hornby voll verstanden. Großartig! | |
So, 23.11.2014TV | Tropfen auf heiße SteineFlotter ViererFrancois Ozon hat ein Vier Personenstück von Fassbinder hier verfilmt, in dem der Urheber seine innersten Wünsche und Neigungen – inklusive der Todesssehnsucht – am deutlichsten formuliert hat. Es gibt homo- und heteroerotischen Sex, am Ende gar einen flotter Vierer. In den ersten Akten tummeln sich zwei Homos: Leopold (Bernard Giraudeau), der Ältere wird stets das Heft des Handelns fest im Griff behalten und den jüngeren Franz (Malik Zidi) für seine Zwecke benutzen. Den will aber Anna seine Freundin (Ludivine-SwimmingPool-Sagnier) heiraten. Sie ist der Hingucker des Films! Ihre langanhaltende Pose eignet sich zum Aktzeichnen. Dagegen ist Leos Freundin (Anna-Sue-Thomson) nach einer Geschlechtsumwandlung nicht gerade glücklich. Soweit dreht Fassbinder das Rad der Sexualität. Für 1964 eine Ungeheuerlichkeit. In den ersten beiden Akten leben Leopold und Franz wie ein älteres Ehepaar, wobei Franz die Rolle des Hausmütterchens übernimmt. Das bietet Anlass zu unfreiwilliger Komik. Als Anna auftaucht, erkennt Franz seine Bisexualität, für die er am Ende bezahlen wird. Heute wirkt das Abschiedstelefonat mit seiner Mutter eher belustigend in seiner ganzen Emotionslosigkeit. Auch der Showdance der Vier ist für die Dramatik kontraproduktiv. Die Themen sind immer noch brisant, aber an der Dramatik hapert‘s.
Was bleibt ist das unerschütterliche physikalische Gesetz: Was passiert wenn Wassertropfen auf heiße Steine fallen? Sie verdampfen! Sehr speziell. | |
Sa, 22.11.2014TV | Somewhere - Verloren in HollywoodNirgendwoNatürlich vergleicht man den Film sofort mit der ‘Verlorenen Übersetzung‘. Sofia Coppola hat wohl hier einen Teil ihrer Jugend weiter verarbeitet. Das Leben in Hotels, aus dem Koffer und immer hinter Papa her. Hier wird sie als Cleo von Elle Fanning gespielt, die das auch ganz gut macht. Ihr Vater Johnny von Stephen Dorff. Ebenso cool. Fast ein dokumentarischer Bericht. Hohle Langeweile, obwohl ständig etwas los ist, von Termin zu Termin geschubst, von Hollywood nach Italien und wieder zurück. Der Vater lässt es sich so ganz nebenbei echt gut gehen. Bettschwalben in jedem Flur, Geld spielt keine Rolle, obwohl man ständig damit beschäftigt ist, es auszugeben. Man hat es halt einfach. Ganz versteckt huscht schon mal etwas Ironie über den Bildschirm, aber nur ganz kurz. Ansonsten ist Gähnen angesagt. Und das liegt nicht nur an den überlangen Einstellungen ohne Worte.
Man reibt sich die Augen, wenn erst die Tochter, später auch der Vater plötzlich ein paar Tränen vergießen. Soll sich da etwa die innere Leere Bahn brechen? Da wenig gesagt wird, kann viel hineininterpretiert werden. Wir sehen ein Leben, in dem man alles machen kann, was man will. Der Vater bemüht sich um den Teenager, aber letztlich weiß auch er nicht weiter. Orientierungslos lässt er seine Luxuskarosse am Straßenrand stehen und geht in die Wüste. Kann eine Flucht sein oder ein Start zu einem Selbsterkennungstrip? Oder will er einfach nur mal den Kopf frei kriegen? Beneidenswert ist das Leben dieses Stars keineswegs, im Gegenteil. Wenn das Sofias Absicht war, hat sie ihr Ziel voll erreicht. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.