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Sa, 22.11.2014
TV | R.E.D. - Älter. Härter. Besser.
Ä.h.b.3 Sterne
Die Oldies haben’s halt noch drauf. Unsere mit uns in die Jahre gekommenen Leinwandhelden überzeugen immer noch. Und besonders – wie hier – wenn sie sich selbst auf den Arm nehmen. Das tut allen voran Bruce Willis. Was er da ermittelt, spielt eigentlich keine Rolle. Er tut, was er am besten kann: er prügelt sich, ballert rum, springt durch Fensterscheiben und kriegt am Ende Mary-Louise Parker von der Pensionsstelle, mit der alles angefangen hatte. Seine Mitstreiter sind eine Klasse für sich. Auch wenn sie nur eine kleine Rolle wie Ernest Borgnine haben oder wie Brian Cox einen feuchtfröhlichen Russen darstellen. John Malkowich spielt sich selber (leicht durchgeknallt) und der freundliche Morgan Freeman ist der Vertreter der Altenheimfraktion und bleibt als einziger auf der Strecke. Helen Mirren gelingt hier sowohl eine Grande Dame im weißen langen Abendkleid zu sein als auch eine ganz ausgekochte Killerin mit Herz. Die meisten Jokes speisen sich aus der Diskrepanz zwischen früheren Filmrollen als alle noch voll im Saft standen und ihrer derzeitigen Verfassung, die zwar immer noch erstaunlich gut ist, aber die Physis ist doch etwas in die Jahre gekommen. Sie tun jetzt manches, das sie so früher nicht getan hätten oder versuchen es halt noch mal. Spitzengags wie die scharfgemachte Handgranate, die zum Baseball wird, sind ebenso gelungen wie der latente Hinweis auf Dick Cheney aus der Bush-Regierung, der Connections zum Waffenkonzern Halliburton hatte. Richard Dreyfuss spielt ihn unverfroren dreist. Diese ernste Anspielung konnte sich Tatort-Regisseur Schwentke wohl nicht verkneifen. Ansonsten ist diese Thriller-Comedy ein Heidenspaß.
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Fr, 21.11.2014
TV | Matrix
Neo der Auserwählte3 Sterne
Der Film ist schnell, recht innovativ und sogar etwas anspruchsvoll. Die Wachowskis weisen den Weg. Gegen wen oder was hier Keanu Reeves, Laurence Fishburne und Carrie-Anne Moss kämpfen, ist eigentlich egal. Es geht nur um das Wie, die Effekte und die Kampfkunst. Trotz einer Fülle von übersteigerten optischen Reizen nutzen die sich jedoch nach einiger Zeit ab. Vielleicht wird das Auge des Zuschauers auch einfach müde? Das Problem ist die Bi-Lokalität. Die Matrix ist zwar überall, aber wo sind wir genau in diesem oder jenem Augenblick? Es ist eine Gummiwelt, in der die Figuren hin- und herdotzen wie Tennisbälle und nach schier unsäglichen Verletzungen wieder den Phoenix machen. Nur die Ballerei erinnert an die guten alten Reste des Genres. Neu ist, dass man hier mit den Patronen mitfliegen kann. Und die Sonnenbrillen und die Lederkluft sind totschick. Am Ende kommt ein Sieg heraus, von dem keiner so genau weiß, wie er zustande kam. Aber das ist ja auch nicht wichtig. Hauptsache der Held wird von der Prinzessin wachgeküsst nach diesem Marathon an Action, währenddessen die Bösen ratzfatz besiegt worden sind. Die Charakterzeichnung wird durch das atemberaubende Tempo wettgemacht. Das Ende ruft nach einer Fortsetzung, die dann auch noch etwas philosophischen Gehalt mitbringen wird. Eigentlich nur etwas für Fans.
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Do, 20.11.2014
TV | Venezianische Freundschaft
Der Kreis und das Quadrat4 Sterne
Eine traurige Ballade von Bepi (Rade Vor-dem-Regen Serbedzija) einem alten Fischer, den allen den Poeten nennen und Li (Zhao Tao) einer chinesischen Arbeiterin, die von der chinesischen Mafia gesteuert wird. Darauf kann man so reagieren wie das soziale Umfeld der beiden. Hier stellt sich sogleich die Frage ‘Hat er sie schon oder nicht?‘ Die Mafia will so etwas nicht. Man tuschelt darüber. Sie haben Li, die auf die Summe spart, um ihren kleinen Sohn nachkommen zulassen, finanziell in der Hand. Und diese Herren nehmen oder geben, gewähren oder verbieten: Job oder Sohn, Umgang mit Einheimischen nicht erwünscht. Was sich da zwischen Bepi und Li vor der alpinen Kulisse von Venedig ganz leise entwickelt, ist eine Beziehung, die sich nur aus menschlicher Wärme speist. Selbstlose Freundschaft ohne Forderungen: ein Streicheln, eine stille Umarmung. Und Li sagt ihm ganz ehrlich, dass sie ihn nicht heiraten will. All das können sich die meisten einfach nicht vorstellen. Das macht aber gerade den Reiz und den Charme des Films aus. Dabei müsste jedem klar sein, dass sie überhaupt nicht zu einander passen. Sie sind nur beide einsam. Vom Alter und dem kulturellen und familiären Hintergrund her gesehen sind sie wie der Kreis und das Quadrat. Die Mafia und einige von Bepis Bekannten setzten ihm zu. Es wird dramatisch. Den Endpunkt setzt Li, indem sie quasi wie eine Feuerbestattung Bepis Stelzenhütte in der Lagune verbrennt. Schön traurig, sanft ergreifend, macht der Film nicht depressiv.
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Mi, 19.11.2014
Kino | Trainspotting
Rein - raus - rein4 Sterne
Inzwischen hat der Film Kultstatus erreicht. Die drastische Darstellung ist desillusionierend ehrlich. Der Film zeigt nicht nur eine Einbahnstraße in den Drogenkonsum – wie meistens üblich – sondern auch den Gegenverkehr. Es geht rein in die Sucht, wieder raus (clean) und wieder rein. Dabei schockt Danny Boyle nicht nur mit umherfliegenden Exkrementen am Frühstückstisch, sondern das Tauchen in Schottlands versifftester Toilette (das Wasser ist allerdings auffallend klar) nach einem geschluckten Kokainzäpfchen ist ebenso eindrucksvoll, wie das grabmäßige Versinken im Boden nach einem Schuss. Manche Passagen aus Irvine Welshs Roman, der selbst eine kleine Rolle übernommen hat, verdeutlichen anschaulich die Sprache der Szene. Nach dem Setzen eines Schusses ‘Das ist besser als eine Spermaspritze‘ oder ‘Nimm den besten Orgasmus, den du je hattest, multipliziere ihn mit tausend und du bist noch nicht mal nah dran.‘ Alle sind voll krass und saucool drauf. Und wenn der Stoff fehlt sind sie interessenlos, antriebsgehemmt und depressiv. Das bringt der junge Ewan McGregor eindrucksvoll rüber. Robert Carlyle mimt den gefährlichen Kleinganoven. Der Lokalpatriotismus der stolzen Schotten kommt in der deutschen Fassung etwas zu kurz. Auch der Dialekt geht natürlich flöten. Aber die Message an sich kommt schon rüber. Und wenn es um gehaltvolle Gespräche geht, lässt Boyle die Jungs über Filme reden. Sie sind keine fünf Freunde in dieser Loser-Clique. Sie beklauen sich gegenseitig und ziehen sich immer wieder in den Drogensumpf. Nur das Ziel ist allen gemeinsam: Geld für den nächsten Schuss. Und da ist sich jeder selbst der Nächste. Für Nicht-Roman-Kenner: Der Titel ist ein Kinderspiel. Die Jungs haben die Nummern der vorbeifahrenden Züge notiert. Das war harmloser als der Film.
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Di, 18.11.2014
TV | Töte mich
Der Gangster und das Mädchen3 Sterne
Solange es Filme wie diesen von Emily Atef gibt, sieht man, dass der europäische Film nicht verloren ist und wir uns gegen die Überflutung aus Hollywood erfolgreich wehren können. Hier hat sie eine Außenseiterballade gedreht. Und wie schon in ‘Molly’s Way‘ ist ihr Kennzeichen die äußerst behutsame Annäherung an ihre ‘Antihelden‘ mit der Offenlegung von Leid. Ein seltsamer Deal steht am Anfang: Adele (Maria Dragus) hilft ihm, Timo (Roeland Wiesnekker) soll sie dafür in den Tod schubsen. Er ist auf der Flucht und sie will nur von zu Hause weg und aus diesem freudlosen Leben scheiden. Eine Symbiose, die schief gehen, aber auch gelingen kann. Die harte Schale, die beide Charaktere umgibt, muss erst aufgeweicht werden. Es dauert bis die erste Träne rollt. Und dann wird es nach kurzer Überraschung (Ist Timo weg oder doch wieder da?!) nochmal spannend. Ein Einschub aus der Gangsterwelt, der aber das vorhersehbare Ende andeutet. Inzwischen ist aber jedem klar, dass Adele eigentlich nicht mehr so sehr den Suizid anpeilt. Das macht aber nichts, denn da ist kein Honigtopf, kein amouröses Spielchen mit einem Zuckereffekt. Timo bleibt kantig, wortkarg und unheimlich. Adele schaut und schweigt und lässt Hoffnung aufkeimen. In jeder Ruppigkeit der beiden kann eine Annäherung stecken. Es ist bald keine Frage mehr des Ob, sondern nur des Wann denn nun? Im Gegensatz zum vorher Gesehenen ist die letzte Einstellung bewusst weich und harmonisch. Also doch ein wenig Puderzucker. Aber nur kurz. Im Hinblick auf den Titel hieß es im ‘Kleinen Prinzen‘ noch ‘zähme mich!‘ Kann das Gleiche sein… Solche Filme brauchen wir einfach – mit allen Unzulänglichkeiten. Sie zeigen einfach etwas ganz anderes als das amerikanische Kino.
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Mo, 17.11.2014
TV | Angélique - Teil 2
Die ewige Angelique2 Sterne
Mitte der 60er Jahre waren die 5 bedeutsamen ‘Angélique-Filme‘ ein Kassenhit. Der Stoff war äußerst publikumskompatibel von Regisseur Bernard Borderie aufbereitet worden. Die abwechslungsreiche Handlung aus der Mantel-und-Degen Abteilung bildet die Grundlage für den finanziellen Erfolg. Unter der Überschrift einer ganz großen Liebe (à la: die Schöne und das Biest (Robert Hossein)) kämpft Angélique (Michèle Mercier) als Frau und Mutter, gegebenenfalls auch als Geliebte gegen eine ungerechte, verdorbene Welt. Und natürlich kämpft sie auch für ihre Unschuld (obwohl zweifache Mutter). Eine Reihe von Promis steht ihr immer zur Seite. In der ersten Folge ist es der Anwalt Jean Rochefort und ihr Jugendfreund Giuliano Gemma. Später kommen Jean-Louis Trintignant, Samy Frey, Michel Galabru u.v.a. zum Einsatz. Aber natürlich macht Michèle Mercier in de Titelrolle allein schon die halbe Miete aus. Sie ist stets mit breit aufgefächertem, tiefem Dekolleté unterwegs und wenn die Männer immer nur das Eine wollen, verbergen sich ihre Reize für das Publikum unterhalb des unteren Bildrandes. Das weckte in der Fantasie der Zuschauer Begehrlichkeiten. Die Mercier kam einfach aus der Abteilung ‘…und ewig lockt das Weib‘. Meilenweit von einem Softporno entfernt sparte sie nicht mit dem Vorzeigen der Reize. Und diese Diskrepanz zwischen der brav verheirateten Frau und Mutter und dem Rasseweib, an dem alles dran war, machte den Kinoerfolg aus. Und die Filme waren immer so angelegt, dass sich am Ende eine Fortsetzung anbot. Geschickt gemacht. Das Kalkül ging auf.
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Mo, 17.11.2014
Kino | Monsieur Claude und seine Töchter
Was haben wir dem lieben Gott getan?5 Sterne
Der witzigste und geistreichste Film, den ich seit langem gesehen habe. Und dabei behandelt er ein ernstes Thema: Rassismus. Schon lange nicht mehr so oft und so herzhaft gelacht. Der Film beweist, dass man diesem Thema durchaus mit Esprit begegnen kann. Das Geniale am Drehbuch ist die Diskussion unter den Schwiegersöhnen von Monsieur Claude und seinen wunderhübschen Töchtern. Da gibt es nämlich einen Juden, einen Muslim, einen Chinesen und einen Ivorer. Die hauen sich die Argumente nur so um die Ohren bis hin zu Handgreiflichkeiten. Aber im Grunde mögen sie sich ja alle, in dieser großen Familie. Und es sind eigentlich auch nette Typen. Dazu kommen äußerst witzige Situationen: z.B. eine Beschneidung und die Entsorgung des abgeschnittenen Hautzipfels. Oder der Pfarrer, der während der Beichte seinen I-Pod befragt. Der Zuschauer kann sich wegschmeißen vor lachen. Es ist aber nie verletzend, weil jeder ‘rassistische‘ Hieb von der Gegenseite mit einem Gegenhieb beantwortet wird. Auf diese Weise reagieren die Vorurteile wie ein Minus zu einem andern Minus. Und der Sprecher fügt oft entschuldigend hinzu ‘Ein Scherz!‘ Liebevolle Details bieten Komik vom Feinsten. (z.B. Bilder an der Wand). Auftakt zu einem glücklichen Ende ist der Kleidertausch der Schwiegerväter (Christian Clavier und Pascal N’Zonzi) nach einem Angelerfolg und einem Besäufnis. Da heiligt mal der Zweck die Mittel, ganz zwanglos und locker und nie bösartig. Und wenn die Wellen der Verzweiflung alles unter sich zu begraben scheinen, ist die Frage von Madame (Chantal Lauby) schon gerechtfertigt: ‘Was haben wir bloß dem lieben Gott getan?‘ (Originaltitel). Spitze der Extraklasse. Ein Feel-Good Movie obendrein.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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