Mi, 15.10.2014Kino | A Most Wanted Man OVDer MeistgesuchteWer John Le Caré kennt, weiß, dass er nicht so der Vertreter von fulminanter Action ist. Er setzt mehr auf Charakterzeichnung und intelligente Spionage. Von daher ist ihm Anton Corbijn vollauf gerecht geworden. John le Carrés Metier ist das der Geheimdienste, die z.T. gegen einander arbeiten z.T. miteinander. Man berät sich täuscht an und schlägt dann doch anders zu und alle Absprachen in den Wind. Und selbst im eigenen Land gibt es mehrere Organisationen, die für die Sicherheit zuständig sind und von einander unabhängig agieren. Da kennt sich John le Carré besser aus, als jeder andere. Schließlich war er ja mal bei so einem Verein. Thematisch ist er in letzter Zeit immer aktuell gewesen. Nach Nine Eleven nimmt er die Dschihardisten ins Visier.
Unter Mitwirkung von vielen deutschen Darstellern (Nina Hoss, Daniel Brühl, Herbert Grönemeyer (auch Musik) u.a.) leitet hier Günther Bachmann (Philip Seymour-Hoffman) die nachrichtendienstliche Abwehr. Er bewegt sich dabei zwischen dem CIA unter Martha Sullivan (Robin Wright), einem offiziell untadeligen ‘religiösen‘ Geschäftsmann Abdullah (Homayoun Ershadi), einem Bankier (Willem Dafoe) – denn es geht um viel Geld - einer Nachwuchsjuristin (Rachel McAdams) und dem Tschetschenen Issa Karpov (Grigoriy Dobrygin). Am Ende wird es dann nochmal richtig spannend und es gibt eine faustdicke Überraschung. In drei Minuten wird die bislang fehlende Action nachgeholt, wenn alle Geheimdienste am gleichen Ort zur gleichen Zeit aktiv werden. Sie wollen Karpov und Abdullah und natürlich die Geldquelle. Der Film vermeidet eine plakative schwarz-weiß Kategorisierung. Ein dreifaches ‘Fuck!‘ von Bachmann sagt alles. Erfolg oder Misserfolg ist eine Frage der Perspektive. | |
Di, 14.10.2014TV | Requiem for a DreamTotenmesse für die TräumeEin großartiger Film, der sich thematisch mit dem Drogenkonsum beschäftigt und außerdem ein Mutter-Sohn Verhältnis schildert. Dabei geht Darren Aronofsky bis an die Grenze des Erträglichen. Mit gekonnter Schneidetechnik und unter Einbeziehung von Zeitraffern (Zegg-Boom-Grrk) wird die Wirkung von Drogen eindrucksvoll dargestellt und durch Wiederholungen dem Zuschauer ins Hirn gehämmert.
Sara Goldfarb (unglaublich Ellen Burstyn) wirft für einen Fernsehauftritt Appetitzügler mit Amphetaminen ein. Ihr Sohn Harry (Jared Leto), ein Junkie träumt davon durch Drogendeals reich zu werden und mit seiner Freundin Marion (Jennifer Connelly) ein Modegeschäft zu eröffnen. Der Titel weist den Weg.
Wir sehen die Abwärtsspirale der Drogies. Mutter und Sohn werden parallel geschaltet. Jeder für sich und doch irgendwie gemeinsam verlieren sie nach und nach die Bodenhaftung: Saras Möbel bewegen sich, Harry spritzt sich in die inzwischen offene Wunde am Arm und Marion muss sich prostituieren. Es treten Wahrnehmungsschwierigkeiten auf, alle drei halluzinieren. Die Zwangsläufigkeit ist erschreckend, vor allem weil von der Normalität ausgegangen wird. In letzter Konsequenz wähnt Sara den TV Moderator in ihrer Wohnung und sich selbst natürlich im Fernsehen. Einweisung und Elektroschocks können die Träumereien nicht beseitigen. Alle drei enden in der Embryostellung, während Mutter und Sohn ein letztes Mal in ihrem jeweiligen Traum entschweben. Sie gedenken noch einmal ihrer Träume, die in Wirklichkeit gestorben sind. Drum der Titel. Wahnsinn! | |
Di, 14.10.2014TV | London NightsUngemachte BettenEin typischer Indi-Film, ohne viel Handlung aber dafür viel Atmosphäre und Feeling. Gemacht von und für die Twens. Es ist auch kein Erzählkino oder eines, in dem die Figuren eine Entwicklung durchmachen. Es beginnt und endet. Hauptbeschäftigung der Kids ist saufen und bumsen, zu zweit oder im Rudel. Dazu gibt es ausgiebige Musikeinlagen. Die vom Verleiher angekündigte Romantik ist schwer zu entdecken, ebenso wie das sich Verlieren und Wiederfinden in ungemachten Betten. Es erscheint immer noch wie eine Protesthaltung, ziellos um die Häuser zu ziehen, unterwegs andere Suchende zu treffen, in der Hoffnung sich ohne die Erwachsenen aneinander aufrichten zu können und dabei doch der Hamster auf der Rolle zu bleiben. Der einfachste Weg ist immer der nächste. Frustvermeidung ist hier angesagt.
Nur Tausendschönchen Vera (Déborah Francois) kann in diesem ganzen Chaos etwas überzeugen. Die angedeutete Vater/Makler Episode bringt etwas Butter bei die Fische. Doch sie ist im Grunde so realitätsfern (mittelloser Student ohne festen Wohnsitz sucht Apartment) - auch wenn Axl (Fernando Tielve) andeutungsweise seinen Vater zu treffen versucht – stößt das eher ab, als das es anzieht. Vielleicht ist es für die Zielgruppe interessant als Dokumentation ihres Lebensgefühls. Tagträumer müssen aber auch mal aufwachen. | |
Mo, 13.10.2014TV | Die Prinzessin von MontpensierArten der LiebeTavernier hat ein historisches Drama aus der Zeit der Hugenottenkriege geschaffen. Hier thematisiert er die damals übliche Heiratspolitik. Die Zwangsehe, die sich nur an materiellen Werten orientierte, soll ja auch heute noch vorkommen. Im Mittelpunkt steht Marie (Mélanie Thierry). Sie wird mit Philippe (Grégoire Leprince-Ringuet) verheiratet, den sie nicht liebt. Ihr Herz gehört seinem Cousin Henry (Gaspard Ulliel), den Amors Pfeil mit einem Schuss Eros getroffen hat. Philippes Freund Francois de Chabannes (Lambert Wilson) wird Maries Hauslehrer und verliebt sich in sie im Sinne der klassischen Agape. Er ist Pazifist.
Tavernier zeigt blutiges Schlachtengetümmel und lange Gespräche über die Liebe und die Religion. (‘Ist es bereits eine Sünde an die Sünde zu denken?‘) und es gibt auch fortschrittliche Töne wie ‘Frauen werden gehandelt wie Pferde.‘. Ob das allerdings so in der historischen Vorlage von Madame de La Fayette Ende des 17. Jahrhunderts so stand, ist fraglich. Im Verlauf des Krieges erkaltet die Leidenschaft von Henry, der eigensinnige Ehemann ergeht sich in Eifersüchteleien und nur die reine tiefe Freundschaft (bzw. Liebe auf Distanz) von Francois bleibt bestehen, der dafür mit seinem Leben bezahlt. Da ist Tavernier ganz Anti-Mainstream: der bekannteste unter den Darstellern und einzige Gutmensch kommt um. Marie stillt ihre Leidenschaft mit einer einzigen Nacht und sagt dann der Welt Lebewohl. Eine wunderschöne Schlussszene beschließt das Drama (fast im Stile von ‘Barry Lyndon‘).
Genug Action, aber auch gehaltvolle Dialoge und historische Einblicke machen diesen Film wertvoll. | |
Mi, 08.10.2014Kino | Jimmy's HallJimmys TanzsaalNachdem der Wind die Gerste geschüttelt hat, Eric gesucht und gefunden wurde und die Engel ihren Anteil bekommen haben, stellt Ken Loach nun einen Tanzsaal auf dem Lande ins Zentrum seiner Auseinandersetzung mit der irischen Geschichte. Die verzwickte Geschichte des Landes bemüht er nur am Rande. Vielmehr nutzt er die unerfüllte Liebesgeschichte von Jimmy (Barry Ward) und Oonagh (Simone Kirby) und den Wiederaufbau eines Schuppens dazu, um gegen die Kirche und die Großgrundbesitzer zu Felde zu ziehen. In dieser wahren Geschichte wird das Weltbild, das lange Zeit das Denken der Menschen bestimmt hat (bei manchen vielleicht immer noch bestimmt), klar in Gut und Böse unterteilt. Die Bösen sind die Kommunisten und die Gottlosen, die Reichen paktieren mit den Faschisten und (sic!) mit der Kirche. Das differenzierte Drehbuch von seinem Freund Paul Laverty zeigt, dass der Tanzschuppen so etwas wie eine VHS und Turnhalle war. Beides lehnen Kirche und Reiche für das ‘gemeine Volk‘ ab. Die sollen ja auch nicht Yeats lesen oder sich beim Boxen körperlich ertüchtigen. Überraschend der Gesinnungswandel von Pfarrer Sheridan (Jim Norton), den Jimmy im Beichtstuhl aufsucht.
Um seine Botschaft rüber zu bringen, hat Ken Loach wieder einmal gehaltvolle Diskussionen und harte Action (hier das Durchgreifen der englischen ‘ Besatzer‘) gut gemischt. Zum Ausgleich dürfen sie sich aber auch zum Affen machen, wenn ihnen Jimmy entwischt. Ken ist einfach klasse! | |
Mi, 08.10.2014TV | ShopgirlIst so das Leben?Steve Martin hat mit Anand Tucker seinen eigenen Roman verfilmt – sonst hätte es wohl auch niemand getan - und auch gleich die Hauptrolle als Ray Porter übernommen. Schauspielerisch ist er von den drei Protagonisten der schwächste. Er kann halt Komödien besser als abgebrochene Romanzen. Sein Konkurrent Jeremy (Jason Schwartzman) mausert sich immerhin von einem jugendlichen, durchgeknallten Arschloch zu einem adretten Youngster. Mirabelle (Claire Danes) probiert beide aus: den jungen mittellosen Sonderling Jeremy, der sich bei fehlendem Kondom mit einem Gefrierbeutel behelfen würde und dem reichen, älteren, charmanten Ray, der als Mid-50er Mirabelle mit Geschenken überhäuft, sich aber nicht festlegen will und nur eine Wärmflasche sucht. Beide überragt Claire Danes, die in einem Kaufhaus Handschuhe verkauft (Titel!), turmhoch. Sie kann echte Gefühle rüberbringen: Liebeskummer, Unsicherheit sogar eine tablettenabhängige Depression. So wird eine abgedroschene Allerweltsstory es doch wert angeschaut zu werden. Die Dialoge sind auch nicht gerade neu. Von Jeremy bekommt Mirabelle ‘Aufrichtigkeit und Zärtlichkeit‘. Bei ihrem Abschied sagt Ray ‘Ich habe dich geliebt. Es tut mir leid‘. Darauf hätte Loriot geantwortet ‘Ach was!‘ Ist so das Leben, wie uns der letzte Satz weißmachen will? Die Vorhersehbarkeit kann man mit einem Gefesselten vergleichen, der in einem finsteren Tunnel liegt und den Ausgang erspäht. Aber wie der Verleiher schon anmerkte ‘Beziehungen passen oft nicht wie ein Handschuh‘, vielleicht eher wie ein klischeehafter Boxhandschuh, dem symbolisch ein langer Bart anhaftet. Passt auch nicht! | |
Di, 07.10.2014TV | FaustEin anderer FaustEine sehr freie, weit weg von Goethe anzusiedelnde Faustinterpretation. Kenner der Materie werden sich am Wiedererkennungswert mit dem deutschen Klassiker erfreuen. Aber auch optisch ist der Film interessant gemacht. Eine düstere fast an einem s/w Format orientierte Fassung. Und hin und wieder Goethezitate oder auch welche von anderen historischen Figuren wie Luther. Ungewöhnliche Highlights sind die sprudelnden Geysire und die Vereinigung von Faust (Johannes Zeiler) und Gretchen (Isolda Dychalk) symbolisiert ein gemeinsamer Fall ins Wasser. Den bösen Verführer Mephisto (Anton Adassinski), der hier ein Pfandleiher und Wucherer ist, wird Faust auch los: er begräbt ihn unter einem Steinhaufen. Seine Frau (Hanna Schygulla) irrlichtert etwas planlos durchs Bild. Sie hat eigentlich keine Funktion.
Manche Szenen sind skurril und grotesk bis an den Rand der Unverständlichkeit. Ein Festivalpublikum würde daran herumrätseln. Außergewöhnlich aber etwas anstrengend. | |
Mo, 06.10.2014Kino | Sieben verdammt lange TageDie HinterbliebenenVon den hundert gefühlten Beerdigungskomödien ist das eine der klügsten. Auf angeblichen Wunsch des verstorbenen Vaters hält die Familie Altmann die 7 tägige Totenwache (Schiv’a). Zu diesem Zweck versammeln sich alle im Elternhaus. Es werden sieben verdammt lange Tage oder wie es der Originaltitel dem Verstorbenen in den Mund legt ‘Und hier verlasse ich euch jetzt‘.
Mutter Hillary (Jane Fonda) beherrscht die Szenerie ohne aufdringlich zu sein. Sie verblüfft als Alt-Hippy Braut ihre erwachsenen Kinder durch ihre freizügige und aufgeklärte Art.(Versteckt keineswegs ihre ‘boobs‘ hoops!).
Von den Kindern macht Judd (Jason Bateman) gerade eine schlimme Phase durch. Er ist für Ausbrüche, Gefühle und Prügeleien zuständig. Kann aber auch mit Penny (Rose Byrne) auf ein neues Happy End hoffen.
Die Frauen sind überhaupt die pfiffigeren in diesem Sammelsurium von Traurigen und Unglücklichen. Schwester Wendy (Tina Fey) bringt es auf den Punkt, wenn sie zu ihren Brüdern sagt ‘Ihr seid Idioten, aber ihr seid meine Idioten‘.
Die geistreichen Dialoge brauchen keine Schenkelklopfer, obwohl sie so ganz ohne auch nicht auskommen. Es findet ein permanenter erfrischender Schlagabtausch statt, in dessen Verlauf alle Leichen aus dem Keller und von unter dem Teppich hervorgekramt werden. Es kann bisweilen melodramatisch werden. Und da sind auch Emotionen im Spiel. Aber nur soviel davon, dass sie sich mit den Supergags die Waage halten: z.B. Kiffen in der Synagoge löst die Sprinkleranlage aus.
So hart die Auseinandersetzungen auch sind, der Familiensinn obsiegt immer. Er hinterlässt humorvolle, pfeffrige und traurige Spuren, allzu menschliche, verschrobene und warmherzige. Ein echtes Erlebnis. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.