Mo, 06.10.2014TV | Jack ReacherMischen akomplischtEiner dieser Fließbandfilme aus Hollywood, in denen am Anfang alles gegen den Verdächtigen spricht (hier der Amokschütze Barr: Joseph Sikora) und am Ende sich das Blatt wendet und die Ordnung wieder hergestellt ist, will sagen die Bösen bestraft oder getötet sind.
Hier übernehmen Tom Cruise (Titel!) und Rosamund Pike (Helen Rodin) die Ermittlungen. Sie durchleuchtet die Opfer, er das Umfeld des Täters. Da ist die kleine Rolle von Robert Duval noch ein echter Genuss.
Erst in der zweiten Hälfte kommt etwas Spannung auf. Vor allem als Werner Herzog, der sonst hinter der Kamera steht, einen hundsgemeinen Auftritt hat. Die Einäugigkeit verleiht ihm einen diabolischen Ausdruck.
Die Kameraführung kommt oft etwas pathetisch (längere Zeit kreisen oder von schräg unten) daher und dient nur der Überhöhung des Titelhelden. Das nervt aber auf die Dauer. Die kämpferischen Stunts von Tom Cruise beseitigen zwar ratz-fatz die Gegner, bringen aber auch keine Hochspannung. Lee Child, von dem die Romanvorlage stammt, fand Tom zu kleinwüchsig. Stimmt.
Der finale Showdown ist wildes Geballere. Und wenn sich Tom mit dem Raubein Charly (Jai Courtney) einen Schaukampf liefert, nachdem sie ihre Waffen abgelegt haben, soll das wohl nur beweisen, wer der größte Hahn auf dem Mist ist.
Gottseidank gibt es keine Lovestory zwischen den Ermittlern. Rosamund Pike wirkt neben Tom etwas blass. Lediglich mit der kurz eingestreuten Verdächtigung ihres Vaters, Staatsanwalt Rodin (Richard Jenkins), kann sie im Bereich Emotionen etwas punkten. Letztendlich fährt Tom alleine in die Nacht. Das hat er doch ganz toll gemacht. Weil er kein Pferd hat und die Sonne schon untergegangen ist, nimmt er den Greyhound, denn er hat ja die ‘Mischen akomplischt‘. K.V. | |
So, 05.10.2014TV | Glengarry Glen RossVerkaufe oder gehDas ist die Verfilmung eines Theaterstücks und das merkt man dem Film auch an. Aber die sieben Superstars bringen die Message gut rüber. Ort der Handlung ist ein Maklerbüro für Immobilien. Hier findet der verschärfte Konkurrenzkampf unter den Kollegen statt. Da geht es knallhart bis unmenschlich zu, entwürdigende Demütigungen und Beleidigungen fliegen durch den Raum, denn es zählt nur der wirtschaftliche Erfolg: Verkaufen! Wir erfahren wie gerissen und unermüdlich die potentiellen Kunden bearbeitet werden. Manche von ihnen sind auch dement. Es geht bis in die Illegalität: Einbruch zwecks Datenklau.
Drei Pärchen bilden sich heraus. Jack Lemmon ist Old School, macht auf Mitgefühl und ist sogar vorübergehend erfolgreich. Kevin Spacey ist der eiskalte Vorgesetzte, der nur die Anweisungen von oben (Alec Baldwin) ausführt und ohne Rücksicht auf Verluste über Leichen geht ohne eine Miene zu verziehen. Ed Harris und Alan Arkin können sich nur mit kriminellen Aktionen über Wasser halten. Al Pacino quatscht die Kunden schwindelig und Jonathan Pryce ist einer von ihnen, der in Als Wortschwall und gerissener Gesprächsführung untergeht.
Trotz der durchweg guten Darsteller, die in den Dialogen auch gelegentlich Spannung aufbauen, wird es auf die Dauer etwas langweilig. Es passiert ja fast nichts. Man stöhnt über die besch… Situation, schwadroniert über Ängste und das Leben im Allgemeinen und beklagt sich über die missliche Lage, in die man schuldlos geraten ist. Jeder rotzt als Einzelkämpfer seinen Frust raus. Insider kennen das, Outsider fürchten es, denn es ist durchaus realistisch. Das kann heute jedem passieren. Traurig aber wahr: Kapitalismus pur! | |
Sa, 04.10.2014Kino | PhoenixNelly kommt und gehtNelly, eine KZ-Überlebende (unglaublich eindrucksvoll Nina Hoss) muss mit einem neuen Gesicht die Überlebenden ihrer jüdischen Familie treffen. Ihre Freundin Lene von der Jewish Agency (gnadenlos konsequent Nina Kunzendorf) hilft ihr dabei. Nelly will nur zu ihrem Ehemann Johnny (Ronald Zehrfeld), der sie nicht wiedererkennt. Er hatte sie damals an die Nazis verraten und will jetzt an ihr Geld. Nelly besitzt eine offizielle Scheidungsurkunde. Es beginnt ein Versteckspiel, das Nelly um ihrer Liebe willen mitmacht und aus dem auch Johnny nicht aussteigen will. Man fragt sich ‘Erkennt er seine Frau wirklich nicht?‘ Keine der beiden kommt aus der Deckung, obwohl man es immer wieder erwartet. Als es Lene nicht gelingt, Nelly zur Übersiedlung nach Israel zu überreden, beschließt sie ihren eigenen Umzug (Sie hat genau wie Nelly einen Revolver!).
Beim Familientreffen fällt auf, dass keiner nach dem Aufenthalt im KZ fragt. Am Ende gibt es dann ganz großes Kino: Nelly war Sängerin, Johnny Pianist. Sie treten für die Verwandten noch einmal auf. Johnny erkennt Nelly endlich nicht nur am Gesang, sondern in ihrer eintätowierten KZ-Nummer. Danach verlässt Nelly wortlos den Raum, geht symbolisch ins gleißende Sonnenlicht. Man erwartet einen Schuss. Es fällt aber keiner. Man glaubt ihn zu hören.
Christian Petzold taucht das zerstörte Berlin in Farbschattierungen mit besonders viel Rot, was eine dichte Atmosphäre vermittelt, zugleich aber auch eine künstliche Umgebung schafft. Hier wird titelgemäß Nelly wieder neugeboren, Johnny traf sie in der Phoenix Bar.
Eine Identitätssuche aus der Zeit nach 1945 mit einem Ausgang, den jeder Zuschauer für sich selber finden muss. | |
Sa, 04.10.2014Kino | Anleitung zum UnglücklichseinTiffanys GlückEin wunderbares Märchen, das von einer großartigen Johanna Wokalek getragen wird. Sie heißt Tiffany Blechschmid, hat ein Restaurant und kommt ein wenig wie Amelie daher. Der Titel ist etwas irreführend, denn Tiff will ja eigentlich glücklich sein. Doch gleich zu Beginn weist der Off Kommentar die Zuschauer in die richtige Richtung. Es gibt jede Menge Sinnsprüche in Bezug auf Glück wie ‘Wenn ich auf mein Unglück trete, stehe ich höher‘ oder ‘Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist‘. Dafür ist Zulieferer und Küchengehilfe Benno (David Kross kreiert hier einen echten Typen) und Nachbar Paul (Michael Gwisdek) zuständig. Aus dem Promi-Ensemble ragt besonders Iris Berben als Tiffanys Mutter heraus. Eigentlich ist sie ja schon gestorben, liegt aber bisweilen im Bett neben ihrer Tochter, wenn diese gerade versucht Liebe zu machen. Beim zweiten Anlauf klappt es ja dann endlich mit dem Fotografen Thomas (Itay Tiran). Er hat einen Hund (Basset) und sie einen Vogel (Tukan). Richy Müller als Mutters Lover mit Suizidneigung bringt etwas Melodramatik ins Spiel.
Die eigenartige Komik kommt vom distanziert ironischen Kommentar, der wohl dem Original von Watzlawick nachempfunden ist und den märchenhaften Träumereien der Heldin. Indem das Unglücklichsein konterkariert wird, wird Tiffany am Ende notgedrungen glücklich. Dem Zuschauer ergeht es ebenso. Es wird ein leicht schwereloser Zustand erreicht, in dem es eigentlich keine fortlaufende Handlung gibt, nur einen Anleitung und eine Suche nach dem Glück, in das man dann ohne es zu wollen wie Tiffany hineinstolpert. | |
Fr, 03.10.2014Kino | Gone Girl - Das perfekte OpferAmys RacheplanDavid Fincher spielt mit den Erwartungen der Zuschauer und obendrein schockt er sie noch. Zunächst wird die Bilderbuchehe von Nick (Ben Affleck) und Amy (Rosamund Pike) entzaubert. Dann wird Amys Racheplan parallel zu Nicks Unterstützung der polizeilichen Ermittlungen geschildert. Man erwartet Fehler der Verschwundenen oder dass sie wenigstens gefunden wird. Aber dann setzt Fincher erst zum Schocker und zum medialen Höhenflug an. Ob Nick seine Frau umgebracht hat oder nicht entscheiden die Medien bzw. die Stimmung in der Öffentlichkeit. (Talkshows!). Amy läuft in eine Falle und befreit sich daraus mit einem Teppichmesser. Blutüberströmt fällt sie vor den Augen der Nachrichtensender Nick um den Hals. Alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Beifallsstürme. Jetzt geht Fincher über die Romanvorlage hinaus: im Rampenlicht wird geküsst und geherzt, wenn sie unter sich sind wird Tacheles geredet.
Nick schläft zwar allein, sollte aber seine Schlafzimmertür verriegeln. Er weiß, wozu Amy fähig ist. Ein Engel, der ein Teufel ist. Amys getürkte Schwangerschaft kommt hinzu. Als verantwortungsbewusster Vater bleibt Nick und schweigt. Die harmoniesüchtige öffentliche Meinung zwingt beide dazu, ihre Bilderbuchehe fortzusetzen, obwohl es die Hölle ist. Und das wissen nur Nick und Amy. Somit wandelt sich Amys Plan zu einem lebenslangen Martyrium. Zwischen ihnen gibt es nur noch Misstrauen, Lieblosigkeit und es bleibt latent gefährlich.
Hochspannung von Anfang bis Ende, mit raffinierten Wendungen und Schockern und einer grandios spielenden Rosamund Pike, die den Spagat zwischen blonder intellektueller Luxusschnecke und brünettem proletenhaftem Kältepol bravourös meistert. | |
Do, 02.10.2014Kino | Ein Sommer in der ProvenceEin Film wie UrlaubEin Feel-Good Movie für die ganze Familie, das wie ein Urlaub wirkt. Und für jeden ist etwas dabei, was ihm oder ihr unter die Haut geht. Im Mittelpunkt steht Opa Paul (ganz groß Jean Reno) ein grimmiger Alter, dessen Herz aufgeweicht und eingefangen wird. Und zwar von seinen Enkeln: allen voran der kleine Théo (Lukas Pelissier). Er ist stumm, aber auf Opas Herz von einem Eisblock wirkt er wie purer Sonnenschein. Dann die Teeny Geschwister Léa (Chloé Jouannet) und Adrien (Hugo Dessioux). Sie bieten Unterhaltung in der Sparte Erste Liebe, Frust und Neugier. Und mit dem Auftauchen von Pauls alten Freunden aus der Hippie-Flower-Power Zeit der 60er Jahre werden bei der älteren Generation herzerwärmende Erinnerungen geweckt, die schon mal nostalgische Freudentränen erzeugen können, wenn die Oldies auf Woodstock machen. Da kann sich niemand dem Soundtrack entziehen. Oma Irène (Anna Galiena) vermittelt an allen Fronten und verhindert das Schlimmste.
Das Ganze hat aber auch noch einen ernsten Hintergrund: der Konflikt zwischen Paul und Tochter Emilie (Raphaëlle Agogué). Er ist der eigentliche Auslöser für dieses Sommerabenteuer in der Provence und schwingt durch Andeutungen latent durch den ganzen Film mit. Am Ende wird er großartig gelöst. Opa Paul steht seiner Tochter Emilie am Bahnhof lange gegenüber. Man hört nicht, was sie sagen, aber Mimik und Gesten verraten ein deutliches Aufeinander zugehen. Eine geniale Lösung ohne Worte. Der Zuschauer kehrt beschwingt in den Alltag zurück – wie aus dem Urlaub. Toll! | |
Mi, 01.10.2014TV | Saint Jacques - Pilgern auf FranzösischIch pilgere also bin ichEiner der vielen Filme über das Pilgern auf dem Jakobsweg. Hier sind es drei Erben: der Alkoholiker Claude (Jean-Pierre Darroussin), der Geschäftsmann Pierre (Artus de Penguern), der eine suizidgefährdete Alkoholikerin zu Hause hat und die ‘ausgebrannte‘ Lehrerin Clara (Muriel Robin). Hinzu kommen noch etwa fünf weitere Pilger und ein Führer.
Wir sehen die üblichen Probleme einer Wallfahrt begleitet von bisweilen etwas bissigen Dialogen. Neben der wunderschönen Landschaft (auch die hat man erwartet) sind noch einige Traumsequenzen sehenswert. Beim Laufen und Reden entwickeln sich neue Beziehungen, ein schlichter Araber, der sich auf einer Pilgerfahrt nach Mekka wähnt (Originaltitel), lernt sogar lesen. Er spricht immer von ‘Santiago de Mekka‘. Natürlich stöhnt jeder unter der Last des Rucksacks
Wie eine Wanderroute kommt der Film gleichbleibend angenehm nett rüber. Dazu ist die finale Pärchenbildung eigentlich überflüssig. Dass sich die zerstrittenen Geschwister am Ende alle wieder lieb haben, konnte man auch erwarten. Es wird etwas zäh. Der eigentliche Grund für den Trip geht fast verloren. Und wenn man am Ende nicht ganz genau aufpasst, wird man einen blitzartigen Hinweis nicht mitbekommen. Für Jakobspilger vielleicht eine Erinnerung an eigene Erfahrungen, für andere vielleicht ein interessantes Abenteuer in freier Wildbahn mit körperlicher Ertüchtigung. Mit Religion hat das Ganze auf alle Fälle nichts zu tun. Vielleicht pilgert man ja so auf Französisch?! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.