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Do, 18.09.2014
TV | Villa Amalia
Die Flucht der Pianistin3 Sterne
Die Pianistin Ann (Isabelle Huppert) ertappt ihren Mann beim Knutschen und trifft ihren Jugendfreund Georges (Jean-Hughes Anglade). Sie bricht alle Kontakte ab, verkauft alles und verschwindet. Auf Ischia kauft sie das titelgebende Häuschen von der alten Veri (Viviana Aliberti), die ihr bei ihrer Sinnsuche auch noch die richtigen Weisheiten mitgibt: ‘Die Beine sind für den Körper, die Erinnerungen für die Seele.‘ Es wirkt manchmal wie eine Anleitung zur Flucht aus dieser Welt. Ann trennt sich radikal und konsequent von wirklich allem, was sie mit dem Jetzt verbindet: Fotos, Noten, Handy, ihrer Mutter und ihren langen Haare. Mehrmals betont sie ‘Es gibt kein Warum.‘ Auf der Insel ist sie einsam und vielleicht sogar glücklich. Vielleicht! Vor dem Ertrinken gerettet nächtigt sie fortan neben Giula (Maya Sansa). Eine ihr Leben erweiternde Erfahrung. Wie immer reißt Jacquot vieles nur an, so z.B. das Gespräch mit dem Vater oder die Ankunft von Freund Georges und überrascht den Zuschauer mit einem unerwarteten dahingleitenden Schluss. Er kann mit seiner Mosiakmethode viele kleine Steinchen einfügen: Mutters Tod, die Retter Giula und Carlo, ein Dorffest etc. Er macht aus einem Sandkorn vorübergehend eine Düne. Nach einer luftigen Fahrt landet es im Wasser und bleibt wieder ein Sandkorn. Und das geht nur, weil Isabelle Huppert unnahbar und mysteriös ist, ein geheimnisvoller Eisberg, unberechenbar und stark ruht sie in sich selbst. Sie lässt sich durch das Meer des Lebens treiben. Exzeptionell.
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Do, 18.09.2014
TV | Nur kein Skandal!
Mutters 70. Geburtstag2 Sterne
Der Film hätte auch heißen können ‘Nur keine Story‘. Wir sehen ein komplexes soziales Geflecht, das sich auf viele Andeutungen stützt, aber ohne Inhalt ist, ein leeres Gefäß also. Die Figuren haben Probleme (aber bloß kleine!), sie haben Beziehungen (verwandtschaftliche oder versuchte), und sie haben Hoffnungen und Wünsche, wie man vagen Andeutungen entnehmen kann. Es fallen keine bösen Worte, es passiert fast nichts. Ohne Höhepunkte, ohne Esprit, ohne Überraschungen. Man trifft sich zu Mutters 70. Geburtstag – ein laues Fest. Eigentlich ganz unüblich für Franzosen. Man erfährt so dies und das, von Ex-Knackis, sieht erkaltete Ehen und einen anfangs etwas verwirrten Grégoire (Fabrice Luchini). Der steht irgendwie neben sich und anfangs zwischen seiner Frau Agnès (Isabelle Huppert) und seinem Bruder Louis (Vincent Lindon). Und diese drei tapferen Franzosen versuchen vor einer langen Riege von weniger Prominenten zu glänzen. Das ist nicht leicht bei so wenig Stoff. Immerhin ist es keine Wüste an Langeweile. Dazu ist Jacquot zu gut. Auch des Fehlen eines Plotts muss gekonnt übertüncht werden. Der handlungsähnliche Verlauf ist wie ein Schienenstrang, der sich in der Bedeutungslosigkeit verliert, ohne Anfang, ohne Ende. Ein Satz von Grégoire bezüglich seiner Haftstrafe ragt aus der Ebenerdigkeit heraus ‘Ich bin schuldig, aber nicht verantwortlich‘. Könnte auch auf den Regisseur zutreffen. K.V.
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Mi, 17.09.2014
TV | Porträt in der Dämmerung
Der Bulle und die Hure3 Sterne
Wenn es das Ziel von Regisseurin Nikonowa war zu schockieren, dann ist ihr das voll und ganz gelungen. Eine recht wohlhabende, unbefriedigte Sozialarbeiterin zieht zu ihrem Vergewaltiger, einem Polizisten (Sergei Borisov), der sie wie eine Hure hält. Nach jedem knallharten Paarungsritual sagt Marina (Olga Dihovichnaya) zu ihm ‘Ich liebe dich‘ und bezieht daraufhin regelmäßig Prügel. Er nennt sie ‘Schlampe‘. Wir sind in der heutigen Putin-Gesellschaft. Die Menschen sind barsch und abweisend, es gibt keine Hilfsbereitschaft aber kleine Tauschgeschäfte auf der Straße. Die Polizei ist zudringlich und korrupt, die Bedienung im Lokal stammt verhaltensmäßig noch aus dem Sozialismus und Väter vergehen sich an ihren Töchtern. Marina hat alles: Freunde, einen Beruf, einen Ehemann sogar eine Datscha. Trotzdem ist sie frustriert und folgt ihrem sonderbaren Freiheitsdrang. Will sie Schmerz empfinden, um zu spüren, dass sie lebt? Will sie sich bestrafen? Es geht ihr ja nicht besser. Also kann es auch keine Suche nach dem Glück sein. Zu den vielen Fragen kommt noch der offene Schluss. Jeder der drei ist allein, bleibt allein?! Und der Titel? Wenn es die ‘Dämmerung‘ ist, die hier portraitiert wird, dann kann es danach einen Sonnenaufgang oder einen Sonnenuntergang geben. Hier wohl eher letzteres. Abwärts in die Finsternis. Oder ist etwa das ‘Zwielicht‘ gemeint? Diese diffuse Phase der Beleuchtung, in der man nichts Genaues erkennen kann und in der zwielichtige Gestalten ihr Unwesen treiben? Man kann drüber diskutieren und sich dann für Ratlosigkeit oder Frust entscheiden.
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Mi, 17.09.2014
TV | The Help
Die Hausmädchen4 Sterne
Von diesen Filmen über Rassismus kann es nie genug geben, denn der Schoß ist immer noch fruchtbar. Tate Taylor hat hier die Betonung auf die Frauen gelegt und die Handlung in den 60er Jahren angesiedelt. Man hört vom Klu Klux Klan und Kennedys Ermordung. Der Rassismus wird bei den farbigen Hausgehilfen, die bei den Weißen arbeiten am ehesten deutlich (siehe Toilettenbenutzung). Als Rahmenhandlung schreibt Skeeter (beachtlich Emma Stone) die Aussagen der Betroffenen auf und veröffentlicht ein Buch (s. Titel). Die resolute Mini (Octavia Spencer) und die herzensgute Aibileen (Viola Davis) stehen in vorderster Front gegen den Bridge Club der weißen Ladies. Hilly (Bryce Dallas Howard) führt das Fähnlein der ‘Aufrechten‘ an. Muss dafür aber auch bitter büßen: Minis Kuchen aus Exkrementen gebacken bleibt ihr buchstäblich im Halse stecken. Celia (Jessica Chastain). hingegen wird umgekrempelt. Mini macht aus ihr eine Superhausfrau. Insgesamt sind die weißen Ladies von der ‘Oh-My-God-Fraktion‘. Sie sind fast ihre eigenen Karikaturen: dämlich, arrogant und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit brechen sie in ein ‘Oh-My-God!‘ aus. Man hört von den damals üblichen Rassentrennungen in Krankenhaus und Schule oder beim Friseur. Aber es fällt auch schon mal ein humorvoller Blick auf das ernste Problem. Hier glänzt Sissy Spacek als leicht demente aber gerade deshalb wahrheitsliebend alte Dame. Taylor betont weibliche Aspekte: mütterliche Gefühle und innere Zerrissenheit z.B. wenn Aibileen gefeuert wird. Der Schluss ist eine Versöhnungs- und Verständnisorgie mit viel Tränen und einem Appel für Zivilcourage. Emotional packend, unterhaltsam und für manche sogar informativ.
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Di, 16.09.2014
TV | Essential Killing
Das Wesentliche4 Sterne
Das Fast-Zweipersonenstück beeindruckt durch seine Fast-Wortlosigkeit, die den Film über weite Strecken bestimmt und seine gnadenlose Realität. Und überrascht dann noch mit einem überlegenswerten Schluss. Ein gefangener Afghane (Vincent Gallo) wird wie allgemein üblich nach Osteuropa geflogen und dort mit den üblichen Foltermethoden wie Water E Boarding behandelt. Ihm gelingt aber die Flucht. Dabei geht alles meistens relativ glatt, mit kleinen Fragezeichen zum Handlungsverlauf. Da ist der Sprung ins eiskalte Wasser und die Bärenfalle noch das Harmloseste, die stillende Mutter als Nahrungsquelle erinnert an Steinbecks ‘Früchte des Zorns‘, dient aber durchaus der Dramatik. Das wird noch durch die stumme Frau, Emmanuelle Seigner, verstärkt. Skolimowski geht es nicht darum eine Geschichte zu erzählen. Der Titel weist darauf hin, dass das Töten das Wesentliche ist, was im Krieg ja wohl auch zutrifft. Es ist nicht nur wegen der Kürze ein Feature über Gewalt und Flucht, Opfer und Täter. Dabei wird nicht die Frage gestellt, ob Gewalt gerechtfertigt ist. Sie wird nur gezeigt. Brutal und demütigend. Und um Schuld geht es auch nicht. Nur ums Töten. Und das ist das Wesentliche. Karg aber eindrucksvoll. Einfach knallhart. Nicht schlecht.
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Di, 16.09.2014
TV | Die Klinik des Dr. Blanche
Hoffnungslos2 Sterne
Ein Streit um die Behandlungsmethoden von psychisch Kranken (‘Idiotismus‘) um 1900 ist das Thema des Films. Sarah Lévy nähert sich zwar den Problemen sehr einfühlsam, aber der Stoff gerät doch recht trocken und spannungsfrei. Genauso aseptisch agieren auch die Darsteller. Zwischen Protagonist Blanche (Stanley Weber) und seinem Vater (Philippe Laudenbach) bestehen fachliche Diskrepanzen. Der Sohn geht neue Wege, der Vater eher konservative. Zugleich ist es ein Vater-Sohn Konflikt. Und selbst die eingefädelte Liebesgeschichte zwischen Dr. Blanche und Félicie (Julie Duclos) passt ins übrige Bild: total astral. Kleine fachliche Einsichten werden ihr zwar zugestanden, doch im Grunde bleibt sie wie alle anderen Figuren etwas holzschnittartig. Im Gegensatz zu manchen andern Steifen des Genres gibt es hier keinen Lourdes-Effekt. Ein Betroffener sagt: ‘Ein Verrückter heilt einen anderen Verrückten‘ und erhängt sich dann. ‘Das ist das Ende der Psychiatrie‘. Deprimierend. Aber das war ja um die Jahrhundertwende. Heute ist man weiter. Heute werden psychisch Kranke oft mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Ein Stoff, der staubtrocken aber ungeschönt dargestellt wird ohne Herzblut und wenig Raum für Hoffnung lässt.
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Mo, 15.09.2014
TV | Zorn der Titanen
Perseus rettet die Welt3 Sterne
Kenner der griechischen Mythologie mögen etwas verwundert dreinschauen, aber die visuellen Effekte in 3D lassen sie ihre Kenntnisse vergessen. Hier sind auch die Götter nicht mehr unsterblich. Sie zerfallen bisweilen zu Staub. Und zwei Halbgötter können schon mal einen Ganzen ergeben. Zeus (Liam Neeson) ist nicht mehr der große, allmächtige Göttervater. Er ist gefangen und gefesselt. Er und Bruder Hades (Ralph Fiennes) kämpfen gegen Kronos, eine Art Gozilla-Verschnitt und quasi als Luftwaffe kommt Perseus auf Pegasus den beiden zur Hilfe. Kurzum die Zeit der Götter gerät erst etwas durcheinander, dann ist sie vorbei. In dieser Promi-Besetzung gibt es mehrere inhaltliche Anleihen an andere Klassiker (etwa die Zyklopen oder die kleine Eule) und eine halbherzige Liebesgeschichte, die nur durch einen überraschend verschämten Kuss abgeschlossen wird: Perseus (Sam Avatar Worthington) darf ihn Andromeda (Rosamund Pike) ganz ohne Stolz und Vorurteil aufdrücken. Doch es bleibt recht unterhaltsam. Es steht die bombastische Animation im Mittelpunkt des Interesses. Die Akteure werden durch unsichtbare Kräfte hin und her geschleudert und scheinen unverwundbar. Die Promis sind die Unsterblichen. Sie verschwinden hinter der alles erschlagenden virtuellen Welt. Ein ‘Walt Disney-Effekt. Wer’s mag?!
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So, 14.09.2014
TV | Im Auftrag des Teufels
Lieber in der Hölle regieren als...4 Sterne
Ein Mystery-Thriller ohne Tod aber mit viel Teufel. Er spielt sich in einem Dreiecksverhältnis ab: John Milton (Al Pacino) ist, - wie wir erst nach und nach erfahren - der Satan, für ihn arbeitet (s. Titel) Kevin Lomax (Keanu Reeves), der mit Mary Ann (Charlize Theron) verheiratet ist. Reeves ist teuflisch gut, Pacino ist noch besser, furchterregend souverän und die Theron ist einfach überirdisch. Sie wandelt sich von der schicken Partymaus zu einer kaputten, kranken Frau. Für bibelfeste und literaturkompatible Zuschauer ist der Genuss doppelt so groß. Man kann aber auch einfach nur die eskalierenden Hinweise bis zum bombastischen Finale goutieren, bis sich der Teufel outet. Zuvor gab es mal eine Monsterfratze, einen züngelnden Al oder einen Schnellschnitt: Baby, Blut, Traum, Charlize hüllenlos in der Kirche. Hat sie der Teufel besessen? Hat Reeves es mit seiner ‘Schwester‘ (Connie Nielsen) getrieben? Ein Mysterium! Die Auflösung ist optisch raffiniert, dramatisch hochspannend und inhaltlich überraschend. Und das geschieht auf hohem sprachlichem Niveau. Hier war die Romanvorlage sicherlich hilfreich. Sie liefert auch die Dialoge. (‘Gott ist ein Spießer, ein Sadist. Ich bin vielleicht der letzte Humanist ‘oder ‘die Tugend des Teufels ist in seinen Lenden‘.) Man muss nicht unbedingt John Milton mit dem ‘Verlorenen Paradies‘ ins Feld führen. Lomax hat seine Seele dem Teufel verkauft und sein Paradies verloren. Er nahm quasi Blutgeld, wir haben zwei Selbstmorde zu verkraften und erwachen aus einem bösen Albtraum. Und können beim letzten Bild, das die Perpetualität des Bösen dokumentiert, wieder schmunzeln.
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Sa, 13.09.2014
Kino | Madame Mallory und der Duft von Curry
Der Koch der ' Sterne'4 Sterne
Köstliche Speisen sind ebenso eine Augenweide wie die wunderschöne Landschaft und dazu noch ein Koch Hassan (Manish Dayal), der die ‘Sterne‘ vom Himmel kocht. Es beginnt wie viele der üblichen Einwanderungsgeschichten – hier ist es eine Familie aus Mumbai – aber in der zweiten Hälfte gewinnt der Plot deutlich an Qualität. Nicht nur wegen des Hoyerswerda-Symptoms, dem Madame Mallory (Helen Mirren) plötzlich die Rote Karte zeigt, sondern jetzt geht es im Krieg der Töpfe auch emotional ergreifend weiter. Der Film gerät nie zur Schmonzette – er kommt ganz ohne Sex aus – weil eine Doppelfreundschaft/Liebesbeziehung immer wieder gebremst wird durch die Kunst des Kochens und ein vorübergehendes Aufeinander zugehen. Es geht hier wirklich hauptsächlich um die Gabe, Speisen kunstvoll zuzubereiten. Die Rivalität der Alten: Madame und Hassans Vater (Om Puri) ist leichter zu beseitigen. Sie kümmern sich um den geschäftlichen Teil. Doch der Spagat zwischen Liebe und Erfolg im Beruf zwischen Hassan und Marguerite (erfrischend neu Charlotte Le Bon) vermeidet den Schmalztopf, ohne Gefühle zu unterdrücken. Sie werden nur hinausgezögert, als verlängertes Vorspiel sozusagen. Helen Mirren gibt eine gehörige Portion französischer Arroganz dazu, leitet aber auch gleichzeitig mit ihrer Aktion die Wende zu einem tollen, gehaltvollen Film ein. Ausländerfeindlichkeit wird der Kampf angesagt und Vorurteile werden revidiert. Vielleicht schätzt der Autor die Situation in Frankreich etwas zu optimistisch ein, dann ist es eben ein hoffnungsvoller Wegweiser. Die Vorhersehbarkeit tut dem Ganzen keinen Abbruch, weil man es ja nichts anderes erwartet. Aber wie es herbeigeführt wird, ist große Klasse. Wunderschön, anrührend und mit einer Message.

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