Fr, 12.09.2014Kino | Stadt der FrauenDie Frau im ZugFellinis Klassiker kann man in fünf Kapitel unterteilen, wobei die erste und die letzte Einstellung eine Zugfahrt in einen Tunnel ist. Dieser Rahmen ist dramaturgisch genial gewählt und kann zudem symbolisch richtungsweisend verstanden werden.
1. Ein Lesbenkongress: Marcello Mastroianni wird spielerisch von einer Frau im Zug (Bernice Stegers) angelockt. Hier werden neben Yoga viele der bekannten Schlagworte des Feminismus (1980) artikuliert. Es gibt aber auch Aktionen wie die Übung ‘Tritt-in-die-Eier‘.
2. In der Festung eines Machos (Ettore Manni): mit Darbietungen von Sexualmagie aus dem Varieté und der legendären Videowand, einer Galerie des Stöhnens. Hier taucht auch Elena (Anna Prucnal) Marcellos Frau auf. Ein erster Hinweis auf die Auflösung am Ende.
3. Im Gästezimmer mit vielen willigen Angeboten / am Ende seine Frau, die er nicht befriedigen kann. Die Mädels singen ‘Fünfzig ist der gute Mann, doch es ist noch alles dran.‘
4. Mit der Rutsche in die Kindheit. Der Bub war immer schon am anderen Geschlecht interessiert, egal ob Hausmädchen oder Fischverkäuferin. Und am Kino: Stummfilme in s/w neben Massenmasturbationen und einem Vorläufer der Chippendales.
5. Eine Gerichtssitzung: hier werden dem Mann vielerlei Vorhaltungen gemacht wie:
Er pinkelt im Stehen. Er kann nicht kochen. Er geht mit Socken ins Bett. Er ist unfähig monogam zu sein oder er hat die Illusion, die Idealfrau zu finden. Dann entschwebt er mit einem Ballon, der die Form einer Frau hat. Eine Maschinengewehrsalve holt ihn runter und er erwacht im Zug (siehe Anfang) nur anders…
Eine herrliche Groteske, die den Mann in seiner ganzen hilflosen Verführbarkeit zeigt zwischen
Demütigung und Verehrung. Und das in amüsanter Form mit einem grandiosen Marcello Mastroianni. | |
Do, 11.09.2014TV | Liebe und blaue FleckeBlaue Flecken vom SexEs ist nicht Lou Yes bester Film, aber ernst nehmen muss man ihn schon. Keine Mystik und doppelter Boden, hier ist es eine Liebesgeschichte zwischen Hua einer chinesischen Studentin und Mathieu einem arabischen (?)Gerüstbauer. Intellektuell trennen sie Welten. Das sieht man, wenn sie mit Freunden essen gehen. Aber der Sex treibt sie dazu, es immer wieder mit einander zu treiben. Und sie tun es so wie es der Titel verspricht. Wobei man die Liebe vergessen kann. Sie tun es eher wie die Hasen oder andere Wildtiere, ohne Gefühl, aber immer wieder. Da kriegt man schon blaue Flecken. Die Beziehung schwankt von seiner Seite her zwischen Eifersucht und Geilheit, totalem Besitzanspruch und Unterwerfung. Sie erkennt bald, dass es nicht klappt mit den beiden. Aber sie ist auf der Suche. Zurück nach Peking zum Freund, dann wieder zu Mathieu, Abschlussfick. Sie taucht in die Hektik von Paris, allein in der Menge.
Zwei Dinge als kurze Episode eingeblendet passen nicht so recht zur Story: eine Scheinheirat von Mathieu mit einer Farbigen zwecks Einbürgerung und ein Job für Hua als Dolmetscherin. Man spricht über die Opposition in China.
Also sollte es nicht heißen ‘Liebe und blaue Flecke‘, sondern blaue Flecken vom Sex. Nichts Erhellendes, viel Verwackeltes und nichts Sehenswertes. | |
Mi, 10.09.2014TV | Sleeping BeautyKein DornröschenAlte, reiche, geile aber impotente Männer dürfen das androgyne Kindmädchen Lucy (Emily Browning) begrapschen und begaffen, aber nicht penetrieren.
Obwohl optisch streng stilvoll durchgehalten, bleibt der Film eine leere Hülle. Es ist die distanzierte Emotionslosigkeit, die das Geschehen hinter einem Schleier von Langeweile vernebelt. Die wenigen verbalen Ausrutscher sollen in ihrer Ansatzlosigkeit schockieren oder wenigstens überraschen, wirken aber inhaltlich und dramaturgisch deplatziert. (‘Willst du mich heiraten?‘ Oder zu einem Fremden ‘Ich würde gern deinen Schwanz lutschen.‘). Es ist ein Sexfilmchen ohne Sex, bisweilen ein peinlicher sinnfreier Ringkampf. Der Schluss ist charakteristisch für den ganzen Film: ein Schrei! Aus! Da nickt der Zuschauer zustimmend. Er würde gern das gleiche tun. Manche Szenen verpuffen sinnlos: aufwachen, aufstehen und Höschen anziehen, wieder hinlegen und weiterschlaft…?!
Die ‘schlafende Schönheit‘ kann man im weitesten Sinne – wenn man so will - verbal mit Dornröschen assoziieren, inhaltlich eher nicht. Im Märchen lag die schlafende Königstochter nicht als Ausstellungsstück auf der Paradecouch, sie wartete vielmehr umgeben von einer dornigen Rosenhecke auf ihren Prinzen, der sie wachküsste. Von alledem ist hier nichts zu finden. Alte geile Böcke spielen die Schweinerolle. Wen interessiert das noch? Und selbst Lucys Wunsch mit versteckter Kamera aufzuzeichnen, was da in ihrer schlafenden Bewusstlosigkeit mit ihr passiert, bleibt ihr Geheimnis. Da lob‘ ich mir doch einen Softporno à la David Hamilton. Den Film hier braucht keiner. K.V. | |
Di, 09.09.2014TV | Gewalt und LeidenschaftInterne FamilienangelegenheitenDa hat Visconti ganz schön viel hineingepackt und das geht auf Kosten der Spannung. Ein Familienclan unter Mutter Bianca Brumonti (Silvana Mangano) arbeitet sich an einander ab und mietet sich bei einem alleinlebenden Professor (Burt Lancaster) ein. Hierbei sorgt vor allem ihr Lover Konrad (Helmut Berger, damals noch bildschön) für Irritationen, wohingegen Tochter Lietta (Claudia Marsani) den alten Herrn anhimmelt. Der Professor lässt ansatzweise durchblicken, dass ihm Konrad nicht ganz gleichgültig ist. Gespräche über Kunst bringen sie einander näher.
Ein buntes Kaleidoskop menschlicher Kontakte wird entfaltet: Einsamkeit und das Gegenteil davon, homo- und heteroerotische Beziehungen werden angedeutet, das Alter und die Jugend, Bildung und Vorlieben. Dabei ist der Titel die Abstraktion der Ereignisse. Eine wechselseitige Beziehung von beiden Phänomenen kristallisiert sich um Konrad herum (gewaltige Leidenschaft (Selbstmord) oder leidenschaftliche Gewalt). Aber die Wirkung leidet unter den endlos langen Dialogen. Dazwischen gibt es zwei überraschende Cameos von Claudia Cardinale als Frau des Professors und Dominique Sanda als seine Mutter. Sogar ein Hauch von Faschismus weht durch die Familienidylle. Niveauvolle Dialoge halten das Interesse der Zuschauer wach. Etwa wenn der Professor die Situation so beschreibt: ‘Raben fliegen in Schwärmen, der Adler fliegt allein.‘ Das interessiert die Kids nicht. Tochter Lietta meint ‘Im Grab gibt es keinen Sex.‘ Obwohl der Professor die Brumontis ‘oberflächlich, dumm und hohl‘ findet, haben sie ihn aber auch ‘aus dem Schlaf geweckt‘. Das ist widersprüchlich und macht den tränenreichen Schluss am Bett des Professors (Sterbebett?) etwas kryptisch.
Schwer verdauliche Kost, wenn auch auf hohem Niveau. | |
Do, 04.09.2014TV | Fair Game - Nichts ist gefährlicher als die WahrheitJoe gegen das Weiße HausDie Bedeutung des Titels geht wohl in Richtung ‘ Freiwild‘, denn genau das sind hier die Eheleute Wilson: Joe (Sean Penn) und Valery (Noami Watts). Sie finden heraus, dass die Bush-Regierung gelogen hatte, als sie behauptete Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen (MVW). Der Skandal ist, dass es damals fast alle einflussreichen Leute wussten, aber keiner etwas unternahm. Es wurde unter den Teppich gekehrt, weil es der Regierung nicht passte. Es wird klar – und das entspricht den Tatsachen - Bush wollte den Krieg und die MVW waren lediglich der Vorwand.
Die Spannung steigt, als das Kesseltreiben gegen Joe und Val beginnt: Telefonterror, Morddrohungen, Diffamierungen und Enttarnung von Val als CIA-Agentin. Schlimmer noch, die CIA hat Wissenschaftlern vor Ort versprochen, sie aus dem Irak zu holen, tat es aber nicht. Viele von ihnen kamen daraufhin um.
Das Bewegendste ist der persönliche Aspekt: die Ehe von Joe und Val steht auf dem Spiel. Sie sind nicht einer Meinung, doch sie schlagen zurück. Sie gehen an die Öffentlichkeit: er ins Fernsehen, sie vor einen Untersuchungsausschuss. Als sie sich nach einiger Zeit gegenüber stehen, knistert es und die Emotionen kochen ganz still hoch, ohne Soundtrack. Eindrucksvoll!
Es gibt Live-Aufnahmen von damals Beteiligten wie Dick Cheney und Condoleezza Rice und vom damals weitgehend unbekannten Präsidentenberater Karl Rove und von Bomben auf Bagdad. Sam Shepard hat ein Cameo als Vals Vater. Es ist ein Verdienst des Films zu zeigen, dass es nicht um die Wahrheit ging, sondern nur um die Macht. So ist auch Joes Rede am Ende zu verstehen: Nutzen wir unsere demokratischen Rechte und schauen wir nicht schweigend zu. | |
Mi, 03.09.2014TV | Agnosia - Das dunkle Geheimnis1 4 2 8 7 7 9Ein Thriller der Werksspionage mit menschlicher Tragik verbindet und um 1900 in Spanien spielt. Ein Unternehmer kann ein außergewöhnliches Zielfernrohr herstellen. Die Konkurrenz (hier mal Martina Gedeck als böse Muhme Lucille) macht sich an dessen Tochter Joana (Barbara Goenaga) ran, die als einzige die Formel (1 4 2 8 7 7 9) kennt. Aber sie leidet an einer Sehschwäche (besagter Agnosia). Dass sich ihr Zukünftiger, Carles, (Eduardo Noriega) und der Bedienstete Vincent (Felix Gomez) auffallend ähnlich sehen nutzt Lucille zu einer teuflischen Intrige. Vincent macht den Carles. Aber nach einer heißen Nacht erkennt (erspürt, erfühlt) Joana wenig später den Unterschied der beiden Männer, auch wenn sie ihn nicht sehen kann. Vincent ist ihr ‘treuer Knappe‘.
In einem grandiosen Finale vor der Kirche wird die Entfremdung der Eheleute Joana und Carles verdeutlicht. Zweimal wird im Gedränge ihr Name gerufen. Es fallen Schüsse, Joana stürzt und erkennt ihren ‘treuen Knappen‘. Diese Erkenntnis und die Verletzung sind zu viel für sie. Sie hinterlässt zwei trauernde Männer.
Ohne Kitsch, aber mit großen Gefühlen, eindrucksvoll in Szene gesetzt. Eine perfekte Schnitttechnik steigert die Spannung vom anfänglichen Kostümschinken zum bombastischen menschlichen Drama. Das wird unterstützt durch manche bewusst recht kurz gehaltene Szene und die Unschärfe bedingt durch Joanas Krankheit. Oft blickt die Kamera durch ihre Augen. Toll! Spannend und bewegend. | |
Mo, 01.09.2014TV | ThorDer HammerWenn das die Zukunft des Kinos sein soll, dann ist Kenneth Branaghs Film wohl richtungsweisend. Die Szene wird von einem virtuellen monumentalen Actionspektakel beherrscht, das man nur stumm staunend verfolgen kann. Der Film besitzt die Spannung eines Feuerwerkes. Hin und wieder gibt es ein ‘Aaaah‘ oder ein ‘Ooooh‘. Inhaltlich bieten sich da Fantasy und Mythologie thematisch an.
In diesem Spektakel agieren nur Helden – meistens sind es Männer: ein Übervater Wodan (Anthony Hopkins) und seine beiden Söhne Thor (blond und blauäugig Chris Hemsworth) und Loki (Tom Hiddleston, der Böse mit dem schwarzen Schopf). Und da gibt es neben der Rangelei um die Nachfolge nur noch Vaters Stolz auf seine Söhne. Und die bösen Orks sind hier die Frostriesen.
So pendelt die Handlung zwischen dem Königreich Asgard und der heutigen Zeit hin und her. Jahrtausende spielen da keine Rolle. Die Hin- und Rückfahrt geht wie in ‘Lifeforce‘. Und Jane (Nathalie Portman) vervollständigt die Darstellerriege als weibliches Pendant, klinisch rein. Ihr Kollege Stellan Skarsgard wirkt eher blass. Er fühlt sich anscheinend permanent unwohl.
Und so kommen die Personen meistens etwas hölzern daher, mit schwülstigen Dialogen voller Weltraumpathos. Die Geschichte mit dem Hammer erinnert an Excalibur, Rene Russo und Samuel Jackson haben Cameos und wenn sie nicht gestorben sind…
Was kann man schon gegen ein Feuerwerk haben, in dem es nur Helden und keine Menschen gibt? Etwas blutleer aber hoch explosiv. | |
So, 31.08.2014TV | ArabeskeDie GeheimschriftDas ist eine der besten Krimi-Komödien aus der Glanzzeit Hollywoods (mitte der 60er Jahre). Das Geniale daran ist, dass der Film fest auf beiden Beinen steht: ein spannender Krimi mit vielen optischen und handlungsmäßigen Anleihen an 007 (z.B. u.a. Vorspann und Abspann) und einer Komik, die wegen den Situationen und wegen der Dialoge zeitlose klasse besitzt. Dazu zwei Hauptdarsteller aus der ersten Reihe. Sophia Loren und Gregory Peck jagen wie bei einer Schnitzeljagd durch ein Labyrinth von Hinweisen und Fallstricken durch London, wobei Freunden und Feinde ständig die Fronten wechseln. Es geht um die Entzifferung hethitischer Hieroglyphen und einen Staatsstreich in einem arabischen Land. (Titel!) Und es gibt Tote. Auf der Flucht begegnen sie Abrissbirnen, Mähdreschern und wasserlosen Fischen. Einen Helikopter holt Gregory mit einer Leiter vom Himmel. Der Inhalt der Geheimschrift bleibt aber geheim. Ist wohl unwichtig.
Sophias Duschszene hat ebenso Kultstatus wie Gregorys mutmaßlicher Stierkampf auf der Autobahn oder seine Fahrradtour unter Drogen. Ihr erster Auftritt ist Konfekt vom Feinsten oder wenn sie versucht den britischen Wachposten zum Lächeln zu bewegen (Was viele Touris auch schon vergeblich versucht haben.)
Die Atmosphäre zwischen den beiden schwankt zwischen echter Zuneigung und ironischer Distanz, zwischen Misstrauen und Hilfeleistung. Gregory: ‘Warst du nicht bei den Wandervögeln?‘ Sophia: ‘Beim Wandern hab ich immer versagt.‘ Und dieser Film kommt ganz ohne Sex aus. Ein Superspaß voller spannender Unterhaltung. | |
So, 31.08.2014TV | BlutrotEin Mann und sein Hund RedEin Mann will Gerechtigkeit. Das ist ein uraltes Filmthema. Hier haben Rowdies aus Jux und Tollerei dem alten Avery (großartig Brian Cox) seinen treuesten Freund erschossen, seinen Hund Red. Die Eltern verteidigen die Kids, die alles abstreiten. Es gibt keine Zeugen und so muss Avery selbst aktiv werden. Er muss gegen falsche Familienehre ankämpfen, aber er sieht nicht rot und provoziert auch nicht. Lediglich die Bildeinstellung verschwimmt am Ende einer Szene mehrmals in ein tiefes Rot. Av beobachtet nur. Vor allem Danny (Noel Fisher) einer aus der Gruppe mit reichem Daddy Michael McCormack (Tom Sizemore) zeigt sich jähzornig und gewaltbereit. Ein weiterer Handlungsstrang kommt durch Carrie (Kim Dickens) hinzu. Doch selbst die PR im Fernsehen bringt nichts. Geschickt wird die Spannung hochgeschraubt. Erst ein Stein durchs Fenster, dann brennt Avs Laden. Bei einem nächtlichen Schusswechsel sterben beide Söhne der McCormacks. Die amerikanische Justiz bleibt wie so oft außen vor.
Av erzählt Carrie die furchtbare Geschichte von seinen Söhnen und seiner Frau. Ein Sohn war wie Danny und hatte Mutter und Bruder auf dem Gewissen. Fast ein Gewaltspiegelbild zu den McCormacks Kids.
Verständlich, dass Av nur eines will: eine Entschuldigung. Er will die Wahrheit und die Gerechtigkeit ans Licht bringen und muss selbstkritisch am Ende doch feststellen, dass zwei Jungs sterben mussten, weil er ohne Rücksicht auf seinem Recht beharrt hatte. Eine bittere Erkenntnis, die nicht nur aber vor allem Amerikanern schwer fällt. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.