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Sa, 30.08.2014
TV | Der Schakal
Richard Gere vs. Bruce Willis2 Sterne
Der Film von Michael Caton-Jones ist eigentlich keine echte Neuverfilmung des Zinnemann-Klassikers. Dieser hier ist viel globaler und komplexer geraten (z. B. Problematik des Kalten Krieges). Kann aber dadurch nicht mehr Spannung aufbauen. Dabei fängt es doch so brutal an. Der TV Star David Hayman ergreift schon mal beim Geschäftsdinner im Freundeskreis die Axt. Und für eine gewisse Zeit kann Bruce Willis in der Titelrolle die Zuschauer durch unangekündigte urplötzliche Morde erschrecken und durch abwechslungsreiche Visagen und Autofarben erfreuen. Aber der Effekt ist rasch verbraucht. Bruce stirbt einfach nur langsamer. Im Mittelteil verliert der Film an Fahrt. Die Rettung ist die Szene in der es etwas menschelt: Richard Gere trifft seine frühere Frau Mathilda May. Diese sehr persönliche Episode rettet den Film vorerst. Dass Mathilda am Ende den Racheengel spielt, ist eine der Ungereimtheiten des Films. Wo kam sie her, wo geht sie hin? Vor allem das Ende mag zwar die Gemüter beruhigen, aber es ist schon sonderbar, wie der Schakal seine Kanone so völlig unbeobachtet in Stellung bringen kann. Und das Gerät ist aber auch eine Wucht. Das baut man so mal nebenbei in der Garage von jetzt auf gleich. Und dann auch noch die Verkleidung als Polizist. Wie originell. Auch die eingeschobene Geiselnahme ist aus der amerikanischen Standardkiste. Man kann dem Treiben nur so zuschauen wie der ehrenwerte FBI-Mann Sydney Portier. Man kennt das Ende und sieht ihm gelassen entgegen. Hier findet dann noch eine wahre Dankesorgie statt. Fließband-Massenware! Zinnemann war gradliniger, und spannender.
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Di, 26.08.2014
TV | Portrait of a Lady
Portrait einer Gesellschaft2 Sterne
Mit seiner großen Dialoglastigkeit ist der Film ein echter Henry James. Isabell Archer (Nicole Kidman) ist von Männern umschwirrt wie eine Lichtquelle von Motten. Neben Richard E. Grant, Viggo Mortensen und Cousin Martin Donovan umwirbt sie auch noch John Malkovich, der als ungeliebter Gatte das Rennen macht. Es entsteht ein Gesellschaftsbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem die geschliffene Rede die Kommunikation bestimmt hat. Wenn dann noch Lücken in der Handlung dazukommen, vermisst man einiges. So z.B. Isabells Hochzeit oder Barbara Hersheys Fehltritt. Und so bleibt nur die Begeisterung für die Darsteller. Ich glaube Jane Campion ist hier bewusst nebulös geblieben. Und wenn dann noch ein sonderbarer Schluss angehängt wird, hat man das Gefühl, sich umsonst bemüht zu haben. Es bleibt unglaubwürdig, dass Isabell am Ende mit Cousin Ralph im Bett liegt. Einziger Lichtblick ist der junge Christian Bale, der im Gegensatz zu den anderen pomadigen Zeitgenossen als frisch Verliebter Heißsporn daherkommt. Die anderen müssen ja verklemmt sein, auch wenn mit Barbara Hersheys Enthüllung hier eine sexuelle Bombe platzt. Da haben viele schon gedanklich abgeschaltet, weil sie inzwischen im höchst artifiziellen Wortdschungel ertrunken sind. Bleibt die pompöse Ausstattung und eine tränenreiche Isabel. Das Ganze ist zu dicht an Henry James, zu komplex im Detail und daher zu unverständlich. Die wenigen s/w Retros sind eine unbedeutende optische Spielerei. Ein Anspruch, der abschreckt.
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So, 24.08.2014
TV | Ludwig van B.
Beethoven und die Frauen2 Sterne
Basierend auf zwei Fakten entwirft Bernard Rose ein an sich bekanntes Porträt des großen Komponisten: die Tatsache, dass er taub war, was ihn zu einem grimmigen, verbitterten alten Mann werden ließ und ein Brief an eine Unbekannte (Seine ‘unsterbliche Geliebte‘). Dieser letzten Spur geht sein Sekretär Schindler (Jeroen Krabbé) nach. Er findet auch drei Frauen, an die er adressiert sein könnte: Giulietta (Valeria Golino), Anna Maria (Isabelle Rossellini) und last but not least Johanna (Johanna ter Steege). Ihr gesteht dieser Film die größten Chancen zu, obwohl die Fachwelt dies stark bezweifelt. Leider sieht Gary Oldman dem Genie keineswegs ähnlich. Dafür enthält der Soundtrack alle bekannten Salonstücke Beethovens: von der Mondscheinsonate über die Eroica bis hin zur 9. Symphonie. (‘Musik erweckt die Seele‘). Optisch ist diese klug erdachte Biopic recht ansprechend gemacht. Die Kanonade von Wien ist hier ein Höhepunkt in der Mitte des Films. Etwas störend wirkt dabei allerdings die marginal angedeutete Vergewaltigung Giuliettas. Andere Zeitbezüge passen besser, wie die zu Napoleon und Metternich. Der prügelnde Vater war wohl ein Klischee der Zeit. Beethovens Taubheit wird akustisch gut umgesetzt, sein astrales Eintauchen in die Milchstraße dagegen etwas sonderbar. In der zweiten Hälfte verflacht der Film etwas durch unnötige Längen. Das hätte man mit etwas Fantasie überbrücken können. Nichts Besonderes, viel Bekanntes wird hier als allgemein-kompatible Erfindung dargeboten.
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So, 24.08.2014
TV | Und wenn wir alle zusammenziehen?
Die 68er-WG4 Sterne
Der Titel ist Inhalt. In den letzten Jahren hat ja das Thema Alten-WG Konjunktur. Die kann z.B. auch schon mal nach Indien ausgelagert werden. In diesem Film bietet ein grandioses Promiensemble amüsante Unterhaltung. Die sind so bekannt, dass sie gar keinen Filmnamen brauchen. Sie sind bockig, schrullig, verwirrt. Gastgeber ist das Ehepaar Bedos/Chaplin, die sich wegen der Enkel streiten. Claude ist der alte Womanizer, der Viagra bracht. Das Ehepaar Fonda/Richard ist das intellektuelle und emotionale Zentrum des Ganzen. Besonders Pierre Richard ist mit seiner Demenz eine leicht tragi-komische Gestalt. Er spielt das äußerst anrührend. Am Ende hat er sogar noch einen positiven Folgeschaden, als er vergisst, wo seine Frau abgeblieben ist. Die muss vorher noch Fehltritte, die 40 Jahre zurückliegen, zugeben und flirtet mit Daniel Brühl, der sich zum Altenpfleger mausert und nebenbei noch eine Doktorarbeit in Gerontologie verfasst. Sex ist darin kein Tabu: Claude geht zu den Nutten, Bedos verträgt sich so mit seiner Frau wieder und Daniel darf am Ende die neue Hausschönheit Shemss Audat mal kurz beglücken. So ist ganz schön viel los. Auch der Tod schaut mal vorbei. Es ergibt sich aber kein Drama. Die Alt-68er feiern ein fröhliches Begräbnis mit Champagner. Am Ende laufen alle laut nach Jane rufend durch den Park. Leicht idealisierend und verklärend. Aber so könnte Altwerden Spaß machen: in angenehmer häuslicher Umgebung (Haus mit großem Garten), noch relativ fit und unter guten Freunden. So ist man rundum versorgt und der Zuschauer bestens unterhalten.
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Do, 21.08.2014
TV | 11 Blumen
Das Hemd von Wang Han2 Sterne
Der Titel weist auf das Alter des kleinen Wang Han (Liu Wenqing) hin. Und der erlebte die Auswirkungen der Kulturrevolution in China. Als unbeteiligter Junge läuft das alles nur so wie in einem Schaukasten an ihm vorbei. Von den großen Zusammenhängen im Land wird nur marginal berichtet. Gesprächsfetzen von Erwachsenen und angedeutete, etwas blutleere Straßenkämpfe sind vereinzelte Hinweise. Man setzt offenbar voraus, dass das Publikum informiert ist. So genügen lediglich: Bruchstücke wie ‘Konterrevolutionär‘, ‘Intellektuelle‘ aufs Land versetzt‘ oder der Bericht von der Hinrichtung eines Mörders als Anhaltspunkte. Im Vordergrund steht eigentlich das neue Hemd für Wang Han, das er als ‘Gymnastikleiter‘ als Schuluniform braucht. Mutter (Yan Ni) näht es über Nacht und der böse Mörder/Konterrevolutionär klaut es, um seine Schussverletzung zu stillen. Der künstlerisch veranlagte Vater erläutert Wang die Impressionisten, gibt ihm Malanleitungen und versucht Mutters erzieherische Strenge etwas abzufedern. Ein Einblick also in Innenleben des Reichs der Mitte in den 70er Jahren; nicht gerade spannend, etwas informativ und distanziert in düsteren Farben gehalten bleibt der Film letztendlich flach.
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Mi, 20.08.2014
TV | Nowhere Boy - Als John Lennon ein Junge war
Nirgendwo daheim4 Sterne
Diese Familienproduktion (Regie und Hauptdarsteller) ist inhaltlich akkurat, emotional differenziert und auch für nicht Beatles-Fans sehr aufschlussreich. Man bekommt einen Einblick in die Musikszene der 50er Jahre als Buddy Holly, Bill Haley und Elvis sie beherrschten. Ausgehend vom vorherrschenden Rock, den jede Band auch die ‘Quarrymen‘ spielten, kann man verfolgen, wie erste neue Tonfolgen und ungewöhnliche Harmonien aufkamen. Insider wissen, dass die Beatles die ersten waren, die mühelos und völlig unverkrampft in einem Song von einer Kreuz- in eine B-Tonart wechselten oder mehrere Kreuztonarten nach einander in ihren Songs verarbeiteten, die bis dato so nie zusammen passten. Dazwischen gab es dann auch mal eine Passage ohne Vorzeichen in C-Dur: G-D-F-G-C. Da war der Rock ‘n Roll musikalisch eher schlicht. Da kam man mit den 4 Grundharmonien immer hin. Hier in der Anfangsphase kann man nur ahnen, wohin die Reise gehen wird. Perfektioniert haben das John und Paul ja erst später auf dem weißen Album. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der hier eindrucksvoll dargestellt wird, ist wie der junge John zwischen Mutter Julia (Anne-Marie Duff) und Tante Mimi (Kristin Scott-Thomas) hin und hergerissen ist. Er liebt beide und wird von beiden abwechselnd weggestoßen und angezogen. Die Lösung fand er in der Musik. Julias tragisches Ende verarbeitet er im Song ‘Julia‘. Da heißt es, nachdem er sie ‘oceanchild‘ mit ‘seashell eyes‘ und ‘morning moon‘ genannt hat noch ‘sleeping sand‘ und ‘silent cloud‘. Dass der Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson John Lennon kein bisschen ähnlich sieht, stört nur am Anfang. Dafür gibt es einen symbolisch kongenialen Titel in Anlehnung an den Text vom ‘Nowhere Man‘. Gelungen.
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Di, 19.08.2014
TV | Stella Days
Ein Mann, ein kleines Dorf und eine große Idee4 Sterne
Dieser kleine, unauffällige Film spielt im Irland der 50er Jahre. Es ist die Zeit, als das Kino das Medium der Zukunft war. Das geht Hand in Hand mit dem Ausbau der Elektrizität. Welche Probleme sich da in Tipperary ergeben, wenn der Dorfpfarrer Pater Barry (Martin Sheen) die Spitze des Fortschritts ist, zeigt dieser Film. Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten erkennt auch der Bischof, der eigentlich eine Kirche bauen will, welche Geldquelle im Filmtheater ‘Stella‘ steckt. (‘Kino statt Pub‘). O’Sullivan zeichnet seine Figuren mit viel Empathie und unterlegt die Dialoge mit leiser Ironie. Da muss halt wieder mal auch die Beichte herhalten. Daneben gibt es aber unter anderem noch Eheprobleme, zaghafte Seitensprünge, einen ausgemusterten, gewalttätigen Ehemann und eine schmerzlich abgebrochene Liebesgeschichte. Und als Gegenpol zu den netten Iren spielt Stephen Rea das Ekel Brendan mit politischen Ambitionen. Zur Einweihung des Kinos ‘Stella‘ dient ein genau passender Ausschnitt aus ‘Verdammt in alle Ewigkeit‘. Die berühmte, an sich jugendfreie Strandszene mit Burt Lancaster und Deborah Kerr, die sich nur in der Brandung küssen, was damals (1953) in der prüden Zeit für Furore gesorgt hatte. Ebenso interessant sind die in blendendem Weiß gehaltenen Rückblenden, die zeigen, wie Pater Barry ‘berufen‘ wurde. Klar, dass er den kleinen Joey in seinem jugendlichen religiösen Wahn davon abbringen will, Priester zu werden. Viel Inhalt, viel typisches Irland, viel Charme. Einfach nett.
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Mo, 18.08.2014
Kino | Lucy
Blitze & Kracher3 Sterne
Eine Mischung aus knallharter Action, die man so der Hauptdarstellerin Scarlett Johansson gar nicht zugetraut hätte und einer netten Grundidee aus der Science Fiction Schublade. Hier trifft sich Lucy mit dem Vertreter der Wissenschaft Morgan Freeman. Jeder weiß, dass wir nur einen kleinen Prozentsatz unseres Gehirns nutzen. Man sieht, wie weit wir es damit vom Affen bis zur Weltraumtechnik gebracht haben. Bebilderte Humanentwicklung mit Parallelen aus Tierwelt und Kunst (Assoziation zur Erschaffung Adams) verdeutlichen das. Die Evolution im Schnelldurchlauf. Die etwa 10% werden hier weitergedacht bis zu 100%. Dies ist aber nur mittels einer speziellen Superdroge möglich. Optisch effektvoll umgesetzt: man sieht, Gedanken, die wie eine amorphe Masse den Rechner überwuchern bis am Ende der Mensch (Johansson) verschwindet und nur als Gedanke existiert. Dabei ist die Zeit die einzige Konstante. Neben diesem Aspekt gibt es natürlich wieder die böse Mafia, diesmal aus Korea, mit viel Blutvergießen und Brutalitäten bis zum Abwinken. Die Mafia ist hinter der Droge her und killt und quält was das Zeug hält. Dem Publikum hat’s gefallen. Da wurde bei jeder Massenballerei gejubelt wenn z.B. die Gangster wie hilflose Käfer an der Decke hingen, weil sie durch die Kraft von Lucys Gedanken aus dem Weg geräumt werden. Dabei kracht es, dass der Boden vibriert und das Trommelfell bis an die Schmerzgrenze malträtiert wird. Es wird in diesem Ein-Frau-Film die Schwelle von der reinen Action teilweise zum Klamauk überschritten und die Killerei zum Volksfest. Unterhaltung ist wenn es laut kracht und blitzt.

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Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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