Do, 17.07.2014TV | Der Name der LeuteDie SexterroristinDie Grundidee von der linken Frau, die mit allen Faschos schläft, um die zu bekehren, ist ganz nett. Und über weite Strecken kann der Film auch unterhalten. Dabei schwankt er zwischen Sexklamauk und Ernsthaftigkeit, zwischen Lehrstück und Liebesklamotte hin und her. Manchmal geht der Tiefgang zu tief, so tief, dass er brummt. Wenn bei jüdischen Eltern nicht das Wort ‘Lager‘ oder ‘Ofen‘ verwendet werden darf, ist das weder lustig noch unterhaltsam. Sara Forestier gibt diese Bahia recht unverklemmt und hüllenlos. Sie versteht sich als politische Hure und es dauert bis fast zum Ende des Films bis der biedere Vogelseuchenforscher Arthur (Jacques Gamblin) zu ihr sagt ‘Verschwinde aus meinem Leben!‘. Das hat der Zuschauer die ganze Zeit schon gedacht. Als der Handlung der Saft ausgeht, kommen noch solche Anhängsel wie Ehe und Geburt. Das wirkt etwas aufgesetzt. Auch als Bahia nach einem Fick mit einem Araber plötzlich als Muslima mit Schleier daherkommt, beeindruckt das kaum. Eher schon die Tatsache, dass der echte Jospin als Überraschungsgast auftritt. Ein netter Einfall der Regie ist es, wenn Arthur oder Bahia als Kinder beziehungsweise Jugendliche neben sich stehen und mit sich selbst reden oder mit ihren Eltern. Die sind Einwanderer und/oder Mischlinge und haben sich in Frankreich integriert. Diese, wie es heißt, ‘hybride Vitalität‘ ist ein ehrenwerten Ansatz: Namen sind Schall und Rauch und wenn die Menschen sich öfters abstammungsmäßig vermischen würden, gäbe es nur Mischlinge. So einfach ist das. Gut gemeint ist auch daneben. | |
Mi, 16.07.2014TV | The RavenMord nach PoeDa man nichts Genaues über das Ende von Edgar Allen Poe weiß, ist es legitim, wenn man eins erfindet. Und wenn das ein Gruselschocker ist, passt es ins Bild. Das hat Regisseur James McTeigue grandios umgesetzt. Neben vielen Beispielen aus Poes Werk beginnt er mit der bekanntesten Figur des Meisters: dem Raben, der immer ‘Nevermore‘ sagte. Es gibt Vergleiche mit zeitgenössischen Kollegen wie Longfellow und Verne. In düsteren Farben gezeichnet entsteht eine Mordserie und eine Liebesgeschichte. Beides durchaus legitim. Der Mörder nimmt sich Poes Kurzgeschichten als Vorlage und eine unglückliche Liebe zu Emily (Alice Eve) ohne Happy End bildet den Motor (Wo ist Emily?) der Handlung. Auch E.A.P. war nicht unbedingt ein Womanizer.
Die polizeilichen Ermittlungen unter Detective Fields (Luke Evans) sind nachvollziehbar und dennoch spannend erzählt. John Cusack gibt den Poe beeindruckend echt. Er ähnelt ihm sogar. Der Schwiegervater in spe Brendan Gleeson dient mit seinem Reichtum nur als Kulisse, der den armen Schlucker anfangs nicht leiden kann. So ist es nur konsequent, wenn der Mörder am Ende für Zuschauer und die Filmwelt ein völlig Unbekannter ist. Aber er ist Poes größter Bewunderer: ein Schriftsetzer (Sam Hazeldine): ‘Ich bin ihr Meisterwerk.‘ Ein paar Wendungen drehen noch an der Spannungsspirale bis Poe Emily rettet und stirbt und dann entkommt der Serienmörder…doch nicht. Nettes optisch ansprechendes Schlussbild und ein Zurück zur ersten Einstellung. So macht Grusel Spaß, angelehnt an eine Figur der Literatur. | |
Di, 15.07.2014TV | RubberRober der ReifenEr rollt, er schwankt und fällt. Er überrollt, macht platt und zerschießt erst Kaninchen und Raben, dann auch Menschen. Das Ganze wird von Zuschauern durch ein Fernglas mitverfolgt. Robert bewegt sich wie ein Mensch. Er sieht fern und es sieht so aus als ob er atmet. Doch er ist ein Autoreifen. Er mordet und vergiftet, er ist die Pest. Und als man ihn wegbombt, rollt ein kleines Dreirad davon mit vielen anderen verschieden großen Reifen.
Was für eine groteske Parabel über einen Killer in Reifenform. Splattermäßig geht es hier zu, nur das es sich nicht um einen Menschen handelt. Der Reifen lebt und ist gefährlich. Er beherrscht die Menschen in einer Blutorgie. Das schockiert, weil es unerwartet ist, eine grausame Ausgeburt der Fantasie. Ein absurder aber nicht ein sinnloser Film. Wie gut, dass wir nicht alle Reifen sind, außer Michelin, aber das Männchen ist ja freundlich. | |
Di, 15.07.2014TV | Der große StauKeine unmögliche GeschichteDie symptomatischen Exemplare der Gesellschaft die in diesem Stau stecken sind gut gewählt: Großfamilie, Chef mit Butler, älteres Promi-Paar, der Vereinsamte, vier Gangster, die Hübsche, ein Krankenwagen etc. Sie alle entwickeln eine herzerfrischende, typisch italienische Komödie mit viel Tempo und viel Situationskomik.
Unter Mitwirkung von viel Prominenz (z.B. Depardieu, Rey, Girardot, Tognazzi, Mastroianni, Dewaere, Molina, Miou-Miou, Sandrelli) wird aber nicht nur Klamauk geboten. Wir erleben auch die Auswüchse, zu denen es kommen kann, wenn viele Menschen zusammengepfercht beisammen sind. Das oberste Merkmal ist die Ungeduld. Darauf fußen fast alle Auseinandersetzungen. Und die Höflichkeit und der Respekt vor dem Anderen verschwinden ebenso schnell. Die Unterschiede zwischen Reich und Arm sind nur mühsam aufrecht zu erhalten, Geschäftemacherei greift ebenso um sich wie der Kampf ums Wasser und die Verrichtung der Notdurft. Es wird über Mobilität und Verhütung philosophiert und es kommt zu Vergewaltigung und sogar Plünderungen. Kurz alles was der menschliche Zoo so zu bieten hat. Am Ende steht ein sonderbares Grabesgebet eines Priesters an einem Totenbett. Es gibt wenige Gewinner und viele Verlierer. Wie im richtigen Leben. Diese ‘Unmögliche Geschichte‘ ist gar nicht so unmöglich. Ein amüsanter Spaß, der nachdenklich machen kann. | |
Di, 15.07.2014Kino | Das KonzertGastspiel im WestenDer Film beginnt mit einem klassischen Ohrwurm und endet mit viel emotionalem Zuckerbäckerwerk. Dazwischen liegt ein Gastspiel des ehemaligen Bolschoi Orchesters in Paris. Die Musiker und der Dirigent Filipow (Alexej Guskow) waren entlassen worden.
Mit viel Empathie für seine Figuren, etwas jiddischem Witz und der angeborenen Chuzpe hat Radu Mihaileanu eine liebenswürdige Komödie mit einem ernsten Hintergrund geschaffen. Mit ironischer Distanz zum alten Sowjetsystem belächelt er die alten Apparatschiks ohne sie zu diskriminieren. Die neuen reichen Oligarchen werden allerdings mit Spott überschüttet. Sie dienen als Sponsoren.
Rückblenden in s/w deuten eine menschliche Tragödie an, die aber erst am Ende – während des Konzerts – völlig aufgeklärt wird. Den Dirigenten und die Solistin verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die mit vielen Tränen begossen wird. Das Einpassen der Vergangenheit in die Gegenwart ist etwas kompliziert gestaltet und nicht immer leicht nachvollziehbar. Ebenso wenig wie das musikalische Wunder als finaler Höhepunkt: Dirigent, Solistin Anne Marie (Mélanie Laurent) und Orchester haben noch nie geprobt und liefern aus dem Stand ein grandioses Konzert ab.
Als französische Kontakpersonen fungieren Miou-Miou und Francois Berléand. Sie ist für die Emotionen zuständig, er für das Geschäftliche. Das ist durchaus grenzwertig: ‘Mit den Russen ist es wie mit den Mulis. Bevor die spielen, brauchen sie erst eins ordentlich auf die Birne.‘ Optisch durchaus ansprechendes Gefühlskino. | |
Mo, 14.07.2014TV | Dressed to KillDer PerückenmörderWhow! Was für eine Eröffnung! Nie war Angie Dickinson hüllenloser und lasziver wie hier. Diese Eingangsszene unter der Dusche (am Ende folgt noch eine mit Nancy Allen) ist nicht nur eine Hommage an Alfred Hitchcock, es ist eine höchst genussvolle Überhöhung von dessen Szene. Ohne Worte sehen wir eine längere Passage. Das baut Spannung auf, unterstützt durch einen Soundtrack der einer akustischen Folter gleichkommt wie bei De Palmas Idol.
Eine Zeitlang bleibt man gefangen, weil man auch nicht ganz genau sieht, wer da was wo tut und Blut fließt ohnehin genug. Das Verhör durch Detective Marino (Dennis Franz) geht mit lockeren Sprüchen frei weg von der Lippe und erheitert noch etwas. Aber dann bricht die Spannung weg, man ahnt, wer die Mörderin in blonder Langhaarperücke ist und ist sich immer sicherer je mehr mögliche Aspiranten wegfallen. Auch der kleine Schocker auf der Krankenstation bleibt ein Strohfeuer, denn man weiß ja inzwischen wer’s war. Und wenn am Ende die Edelnutte Liz (Nancy Allen) nur alles als Albtraum erlebt haben soll… Na ja.
Die Masche ‘Sex and Crime sells‘ scheint hier eine gewisse Zeit hinzuhauen. Zumal wenn es handwerklich gut gemacht ist. Doch mit so einer Caféhaus-Lösung versandet die Spannung frühzeitig. Ein Beispiel wie man durch eine Kombination von Optik und Musik spannend unterhalten kann. Vorübergehend. | |
So, 13.07.2014TV | BugsyEin glamouröser GangsterEin Gangsterfilm durchgestylt im Hochglanzformat, ein Liebesfilm mit handfesten Prügeleien der Verliebten und ein Denkmal für den Mann, der Las Vegas entstehen ließ. Aus der Promi-Schar ragt das Pärchen Beatty/Bening heraus. Sie liefern sich nicht nur geschliffene Rededuelle, sondern wenn sie intim werden, sind sie sich sehr vertraut (das Glamourpärchen!). Beatty gibt den Bugsy so zwischen Promi und Gangster, die Bening schwebt so zwischen Edelnutte mit Herz und echten ganz tiefen Gefühlen. Auch wenn der Zuschauer Bugsys Ende kennt, kann er ihr Minenspiel genießen, als sie davon erfährt: Erstaunen, Ungläubigkeit, Entsetzen, Sprachlosigkeit: einfach grandios dieser gefühlsmäßige wortlose Whirlpool in ihrem Gesicht.
Die anderen Vertreter der halbseidenen Unterwelt wie z.B. Harvey Keitel oder Ben Kingsley erhöhen durch ihren Auftritt die Qualität des Films und Ennio Morricone setzt wie so oft das musikalische Sahnehäubchen auf die Filmtorte.
Manche Probleme wie die Mordanklage verschwinden in der Versenkung, andere Szenen wie die sogenannte Geburtstagsparty von Bugsys kleiner Tochter gehen ins Groteske und erinnern an die Screwball Comedys von Ernst Lubitsch. So vergisst man, dass alles ja ein wenig zu glatt abgeht, selbst die Scheidung von Bugsys Frau. Auch die Morde und finanziellen Transaktionen werden nicht vertieft und gehen im Glamour des alten Hollywood unter. Schön anzuschauen wie der sterbende Schwan. Gute Unterhaltung. | |
Sa, 12.07.2014TV | The Proposition - Tödliches AngebotEin tödlicher DealEin ungewöhnlicher Film von Down Under unter maßgeblicher Beteiligung von Nick Cave. Das merkt man nicht nur an der etwas ausgesuchten Sprache. Der ganze Film setzt sich deutlich vom Mainstream aus Hollywood ab. Der Plot ist aus der Kiste ‘Eher selten‘: Captain Stanley (Ray Winstone) hat ein Bandenmitglied (Guy Pearce) gefasst und schenkt ihm sein Leben, wenn er dafür innerhalb einer Frist seinen Bruder Arthur (Danny Huston) tötet.
Dieser ‘Vorschlag‘ wird aber zur Nebensache. Im Vordergrund steht eine Kette von brutalen Grausamkeiten, wie wir sie aus den Spaghetti-Western kennen: Vergewaltigung, Brudermord und jeder wird gekillt, der die eigenen Kreise stört. Eindrucksvoller Kurzauftritt von John Hurt.
Der Gegensatz zwischen dem auf vornehm getrimmtem Provinzhaushalt des Captains und der mit Schweiß und Staub besudelten Welt der Outlaws bildet den Hintergrund für spannungsgeladene Action. Hier kommt Stanley Ehefrau Martha (Emily Watson) ins Spiel. Sie ist etwas aufmüpfig aber auch kopflos und eher zart besaitet gegenüber ihrem Ehemann. Leider muss sie bezahlen, Stanley dabei nur zuschauen. Hammerhart und bluttriefend, aber in wunderschöne Bilder gefasst, die oft die Kriterien des Postkarten-Idylls erfüllen.
Was diesen Film so anders macht, ist die Tatsache, dass es letztendlich keine Gerechtigkeit gibt, kein Wie-Du-Mir-So-Ich-Dir Schema. Jeder mordet so spontan wie er es gerade mag. Bruder hin oder her, Gangmitglied oder nicht. Nick Cave quält und verwöhnt uns mit dem Soundtrack je nach Situation. Gelungen! | |
Fr, 11.07.2014TV | Ziemlich beste FreundeDris und der ChampagnerkönigDer französische Originaltitel ist eher sinnfrei und erinnert an einen blutigen Gangsterfilm von Brian de Palma. Der deutsche weist hingegen auf die unmögliche Diskrepanz hin, die die beiden Hauptfiguren verbindet. Sie sind trotz der körperlichen, sozialen und finanziellen Unterschiede recht gute (d.h. ‘ziemlich beste‘) Freunde geworden: der vom Hals abwärts gelähmte Adlige Philippe (Francois Cluzet) und sein rollstuhlschiebender Bedienstete Dris (Omar Sy), der seinen Dienstherrn in jeder Hinsicht locker macht. Selten ist ein an sich erstes Thema mit so viel Witz und Charme dargestellt worden. Selbst kleine Nebensächlichkeiten passen ins Bild und allgemeine Redewendungen weisen mit gekonntem Witz auf die spezielle Situation der beiden hin.
Aber es geht nicht nur aufmunternd lustig zu mit den beiden. Auch der familiäre Hintergrund von Dris wird erwähnt und eine unmögliche Beziehung zur hübschen rothaarigen Magalie (Audrey Fleurot) angedeutet. Das geht nett in die Hose. Die lockere Art von Dris, der respektlos und cool aber freundlich mit seiner Umgebung umgeht, ist die halbe Miete des Films. Dazu die passenden Pointen und die entwaffnenden Repliken in den Dialogen und die traumhaft schöne Musik von Ludoviko Einaudi. Wie bei Philippe steigt auch die gute Laune beim Zuschauern, der sich dem unaufdringlichen Charisma von Dris nicht entziehen kann. Und man vergisst das Drama des gelähmten Rollstuhlfahrers, weil man mit den Akteuren lachen kann. So gut, dass es ein Klassiker werden kann. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.