Sa, 17.05.2014TV | White Material - Land in AufruhrAlltag in AfrikaEin packendes und zugleich erschütterndes Drama Es ist spannend, denn die Normalität wird vom Chaos bestimmt, wobei jede Figur permanent vom Tod bedroht ist. Es ist erschütternd, weil es ein sehr persönliches Drama ist. Dafür steht symbolträchtig eine rudimentäre Restfamilie: Ex-Ehemann André (Christopher Lambert) will nach Frankreich zurück, Sohn Manuel wird so etwas wie ein Einzelkämpfer, eine Mischung aus Rambo und Revolutionär und verschwindet im Busch. Nur Maria (Isabelle Huppert) bleibt und kämpft für ihre Kaffeeernte. Sie will nicht wahrhaben, was nicht sein darf.
Wir bewegen uns hier in einem gesetzlosen Raum, in dem das Faustrecht gilt, die Macht der Waffen. Man kennt sich, die meisten sind langjährige Nachbarn. Da gehen Massaker und Gräueltaten besonders unter die Haut. Der Soundtrack malträtiert zusätzlich das Trommelfell der Zuschauer. Claire Denis zeigt dies alles ungeschminkt realistisch. Am Ende sieht man nicht genau wer wen und warum umbringt. Man fragt nicht, sondern mordet zuerst. Oder man hilft einem Feind. Stellvertretend für die Anführer von Freischärlern liegt da plötzlich ‘Der Boxer‘ (Isaach de Bankolé) in Marias Haus. Die Situation ist für Europäer unvorstellbar. Es wird deutlich, dass das Fehlen von jeglicher Ordnungsmacht nur Leid und Schmerz verursacht. Davon sind wir ja gottseidank weit entfernt. Eine lehrreiche Momentaufnahme. | |
Mi, 14.05.2014Kino | Shadow DancerSchattentänzerNatürlich ist dies wieder einer von vielen Filmen über die IRA und ihren Kampf gegen die Briten. Zwei Dinge unterscheiden ihn von den übrigen: er hat einen extrem individuellen Ansatz. Hier ist die Familie – sonst ein sicherer Hafen – alles andere als das. Es gibt keine Außenstehenden. Die Mutter (Brid Brennan) und die Brüder hängen mit drin, ob sie wollen oder nicht - und müssen dafür bezahlen.
Der zweite Aspekt ist, dass hier zwei Abteilungen des britischen Geheimdienstes sich gegenseitig das Wasser abgraben, da jeder meint einen Maulwurf finden zu müssen. Es gibt also ‘Krieg‘ im eigenen Lager: Mac (Clive Owen) muss sich mit Kate (Gillian Anderson) auseinandersetzen. Dass der MI5 einen Bombenleger - hier Colette (Andrea Riseborough) zum Doppelagenten umkrempelt, ist auch nichts Neues. Die Auseinandersetzung ist spannend weil gnadenlos: Folter, Bomben etc. das ganze Repertoire, inklusive Frauen und Kinder. Aussteigen ist unmöglich. Der Zuschauer wird quasi in den inneren Zirkel der Untergrundorganisation mit hineingenommen. Begräbnisse z.B. vor den Augen der Polizei geraten zur politischen Demonstration.
Am Ende steht die Erkenntnis, dass es immer so weiter gehen muss mit dem Morden. Der eine zieht den anderen nach sich. Und während man im Nebel rumstochert, trifft es mitunter auch die Falschen. Niemand ist sicher. Niemals. Nirgendwo. Egal ob man Kindergeburtstag feiert, in der Kneipe sitzt oder Liebe macht. Frieden ist ein Fremdwort. Das verdeutlicht vor allem Colette. Sie ist Mutter, ohne Privatsphäre mit unstillbarer Gier nach Leben.. Selbst die dargebotene Hand ihres persönlichen Betreuers Mac wird pulverisiert. Da wird jeder zum Schattentänzer. Desillusionierend herb, aber superspannend. | |
Mi, 14.05.2014TV | Dancer in the DarkBjörk erblindetEiner der wenigen Filme des Lars von Trier, die keinen Skandal provozieren. Und er ist trotzdem Klasse. Spannend, in sich schlüssig und mit großartigen Hauptdarstellern. Er gliedert sich in drei Teile: beginnend mit einer Art Seifenoper geht es in einen Film der Arbeiterklasse mit Musical Einlagen, die sich völlig unaufdringlich nicht nur in die Handlung einfügen, sondern noch eine Art Verstärkung darstellen. Es folgt ein Krimi mit einem ungewöhnlichen Mord. Musik und Tanz sind ein Palliativ zur derben Realität. Mit Prozess und Hinrichtung zeigt der Film seinen erschütternden Höhepunkt und Abschluss.
Im Mittelpunkt steht Selma (Björk). Sie dominiert mit Gesang (‘Time it takes a tear to fall, a heart to miss a beat…‘). Überzeugend ihre allmähliche Erblindung. Sie ist etwas schlicht, nicht besonders hübsch und krank. Erstaunlich unaufgeregt fügt sich Catherine Deneuve ins Ensemble ein und bildet die Antipode zu Selma. Sie ist schön, klug, eine reife Frau. Zwei Promis umrahmen Björk: der gute Jeff (Peter Stormare) ist fast selbstlos verliebt in das ‘häßliche Entlein‘ und Bill der geldgierige Polizist (David Morse). Er eröffnet das Drama. Genau genommen sind es zwei: ein menschliches und ein juristisches. Im letzteren gibt es sogar noch Überraschungen.
Die unterschiedlichen Teile bieten Abwechslung und die dramatische Steigerung bringt die Spannung. Der Schluss schockiert. Musik und Tanz unterstreichen den poetischen Titel. Wunderbar. | |
Mi, 14.05.2014TV | Holy SmokeHoly Moly !Das indische Sektenthema hatte in den 70er und 80er Jahren schon Konjunktur. Jane Campion hat es 1999 nochmals aufgegriffen. PG Waters (Harvey Keitel) wird von der Familie angeheuert, um Ausreißerin Ruth (Kate Winslet) in drei Tagen ‘zurückzuholen‘. Das lässt sich alles sehr gut an: die Dialoge sind geschliffen, die Darsteller großartig und die Therapie scheint von Erfolg gekrönt. Doch schon bald schleicht sich Ironie durchs Hintertürchen rein, nicht nur der Gegensatz wildes Land und geordnete Großstadtsiedlung. PGs Gehilfen sind zwei Trottel und die Gags gehen in Richtung Slapstick. (Tante breitet die Arme aus, um einen Bub zu fangen, geht aber vorher weg. Bub springt in Leere.) Die Ernsthaftigkeit gerät in Gefahr. Aber das Streitgespräch bleibt niveauvoll und PG scheint erfolgreich zu sein. Bis das notgeile Schwesterchen von Ruth - man traut seinen Augen kaum - PG mit einem Blowjob erfreut. Als der dann auch noch über Ruth herfällt geht alles steil bergab. Sogenannter Therapeut vernascht Schutzbefohlene. Die Handlung läuft jetzt aus dem Ruder. Nicht grotesk, sondern einfach dämlich in ihrer vielfachen Beliebigkeit. In der letzten halben Stunde überschlagen sich die Ereignisse und der Zuschauer wird mit einem Mix aus FFE, will sagen alles zurück auf Anfang, erschlagen. Das ist aber keine Ironie. Auch wenn Ruth am Ende als strahlende indische Göttin erscheint.
Als Abrechnung mit den Sekten ist der Ausgang zu flach. Für eine kritische Betrachtung einer Psychoanalyse ist er zu unbefriedigend. Am Ende ist einfach Schluss.
Man schaut mit Walter Matthau zum Himmel und variiert den Titel: ‘Holy Moly!‘ | |
Mo, 12.05.2014TV | Mission: ImpossibleAction & TempoDas ist wirklich nur etwas für Action-Fans und die haben daran ihre helle Freude, denn da gibt es nichts außer Action. An sich kommt der Film als Agententhriller daher. Man kann der rasanten Action staunend folgen, ohne alle Zusammenhänge vollständig zu begreifen. Wegen der Promis, die den Zusammenhalt garantieren, bleibt man aber dran, denn man ahnt genug von dem Plot: es geht um eine Disc, einen Maulwurf und bald gibt es Tote. Die Spannung kommt vom Ungefähren, von etwas Undefinierten was durch alle Dialoge wabert. Aber das ist gut gemacht. Der Höhepunkt ist der am Seil hängende Tom Cruise und von da geht es gleich auf das Dach des fahrenden Zuges. Wie gesagt nix als Action, aber die ist wirklich packend. Dabei kann man die laue Lovestory mit Emmanuel Béart ebenso vergessen, wie Vanessa Redgrave als ironische Gegenspielerin von Tom. Ist sie nun die Böse oder die Gute?
Nur das Ende hat ziemlich verwirrt: Plastikmasken phönixmäßig vom Gesicht ziehen und immer wieder neue Bösewichter ausgraben läuft letztendlich gegen die Wand des Verstehens, ist aber auch egal, denn bei dem Tempo kommt man nicht zum Reflektieren. Spannende Unterhaltung zum Entspannen. Muss auch mal sein. | |
Sa, 10.05.2014TV | Max ManusNorwegens ganzer StolzDie Norweger sind stolz auf ihren Widerstand gegen die Nazibesetzer und das dokumentieren sie mit diesem Film. Deshalb werden Zeitdokumente eingeblendet. Anfangs sind die Jungs raufende Kindsköpfe, die allmählich zu echten Widerstandkämpfern werden. Aksel Hennie überzeugt in der Titelrolle. Er beweist im Einsatz Mut und erleidet in persönlichen Beziehungen mit Tikken (Agnes Kittelsen) zunächst einmal Schiffbruch. Die generelle Frage nach dem Widerstand an sich und daraufhin folgende Vergeltungsmaßnahmen werden erörtert. Durch den Blutzoll der Zivilbevölkerung und den Einsatz der Mädels vor Ort wird die Spannung immer größer. Dazu trägt aber auch nicht unerheblich der deutsche Gestapo-Mann Fehmer (Ken Duken) bei. Er sprüht vor Gefährlichkeit. Das bekommt auch seine arische Geliebte Solveig (Viktoria Winge) zu spüren. Ihr Spagat zwischen Matratze und Nationalstolz wird erwähnt, aber nicht überstrapaziert. Das Bombenlegen geht glatt wie Glyzerin, fast etwas zu glatt, aber auch Verrat ist im Spiel und so kommen die meisten um. Natürlich endet der Film mit einer Siegesparade und militärischer Ordensverleihung durch den König. Doch zuvor treffen sich Max und Fehmer im Gefängnis – jetzt in vertauschten Rollen: ein respektvolles Shake-hands. Die Wirklichkeitsnähe wird auch noch durch die Frage, Was machen Helden nach dem Krieg? unterstrichen. Max hat kein Geld, keine Ausbildung und keinen Job. So endet ein Idealist. Bleibt nur der Suff, wenn es Tikken nicht gäbe. Eine spannende Geschichtslektion. Gelungen.
Trotz alle Brutalität - ohne die es ja nicht geht – bleibt der menschliche Aspekt nicht unberücksichtigt. Ein nationales Dokument. | |
Sa, 10.05.2014TV | Du hast das Leben noch vor DirZukunft vorbeiWas für ein trauriger Film! Wahrscheinlich machen ihn die besten Absichten, die dahinter stehen, noch trauriger. Es geht ums Sterben.
Rosa (Myriam Boyer), die schwerkranke, alte Ex-Hure versorgt die Kinder ihrer Kolleginnen. Als sie bereits demente Schübe kriegt, übernimmt der Vierzehnjährige Momo (Julien Soster) den Haushalt. Arzt und Nachbarn helfen.
Die stimmige Hinterhaus-Atmo überzeugt. Hier leben Nutten, Stricher und Transen. Und hier ist auch die menschliche Wärme zu Hause. Regisseurin und Hauptdarstellerin Myriam Boyer wirkt durch ihre unförmige etwas tapsige Figur. Ihr großes Herz versteckt sie hinter Alltagsproblemen. Da wirken manche Stellen der Dialoge etwas aufgesetzt, wie der Ruf nach dem Gesetz oder Momos Gedankenspiele über die Ungerechtigkeit der Welt. Die Figuren agieren bisweilen hölzern. Das passt zwar zum Thema Sterben, verstellt aber den Zugang zur Anteilnahme der Zuschauer.
Rosas Ende im Keller oder wie sie es nennt in ihrem ‘Jüdischen Loch‘ ist zwar ebenso lyrisch wie der Euphemismus dafür: Ihre Reise nach Israel (Sie ist Jüdin mit KZ-Trauma); doch es ist ein eigenartiges Sterberitual, das der kleine Momo hier veranstaltet. Ebenso sonderbar der urplötzliche Auftritt einer Edelnutte, von der man vermuten kann, sie könnte mit dem netten Herrn Doktor zusammen Rosas Projekt irgendwie fortführen? Es bleibt bei Spekulationen; bei so viel Trauer bleibt ein Unwohlsein ohne eine echte Rührung zu bewirken. Der Titel gilt nur für den kleinen Momo, Madame Rosa hat das Leben hinter sich. Gut gemeint. Nichts für Frohnaturen. | |
Mi, 07.05.2014TV | 4 Tage im MaiVogelbeere an BirkeKriegsende 1945: Acht russische Soldaten werden von 80 deutschen eingekesselt. Sie belauern sich in dieser Patt-Situation. Zwischen den Fronten agiert Peter (Pawel Wenzel). Er dolmetscht, meldet. und kämpft vor allem für seine etwas ältere Freundin Anna (Angelina Häntsch). Doch er ist noch kein richtiger Mann. Seine Übersetzungen grenzen an die von ‘Das Leben ist schön‘. Erstaunlich gute Einstellungen (Sonnenstrahlen durchs Dach) erleichtern optisch die tragische Lage der beiden Parteien. Doch dann entwickelt sich der Film zu einer Antikriegs-Parabel: die Fronten werden aufgeweicht, Russen kämpfen gegen Russen, die feindlichen Deutschen mittendrin. Das geht ohne Ton, nur mit Musik. Zahllose Tote von allen Parteien liegen umher. Alle zahlen diesen Blutzoll. Sinnlos. Die Kamera streicht über Lebende und Tote, manche erkennt man wieder, manche nicht. Es gibt keine Sieger, keine Verlierer. Ein dumpf, deprimierender Schluss, ohne Kommentar, ohne O-Ton und irgendwie offen.
Die Sinnlosigkeit des Krieges wird deutlich, das Sterben wegen Nichtigkeiten, Geilheit, oder verletztem Stolz. Hier wird von der Hochrechnung der großen Strategien auf das Individuum, das dafür mit seinem Leben bezahlt, runtertransformiert und das manchmal ohne es zu wollen zum Helden wird, wie Hauptmann Kalmykov (Aleksey Guskov). Vier Tage sind eine kleine Zeitspanne, die für den Einzelnen die Welt verändert haben. | |
Mo, 05.05.2014TV | Nelly & Monsieur ArnaudNelly im KopfSeit diesem Film scheint Michel Serrault auf die Beziehung: älterer Herr – junge Frau abonniert zu sein. Quasi seit die Schwalbe den Sommer machte. Und das mit Recht, denn er scheint eine großartige Altersrolle gefunden zu haben. Hier ist er distanziert engagiert, äußerst sensibel aber immer korrekt. Und Emmanuelle Béart ist unglücklich glücklich und findet am Ende zu neuer Freiheit und Selbstständigkeit.
Es beginnt mit zwei erschütternden Paukenschlägen: sie sagt dem Ehemann die Unwahrheit und dann ‘Ich verlasse dich!‘
Von diesen Widersprüchen und Möglichkeiten lebt der Film, wenn Nelly die Memoiren von Monsieur Arnaud tippt. Er ist wohlhabend, sie braucht Geld. Doch es ist nicht so, wie man sich das denkt. Er hat Langeweile, sie hat Angst. Zwischen den einzelnen Sätzen gibt es immer wieder einen tiefenpsychologischen Schlagabtausch, persönliche Enthüllungen und Verletzungen. Bis hin zum offenen Streit, in dem er brüllt ‘Sie sollten mal ordentlich ficken!‘ Das besorgt vorübergehend sein bindungsscheuer Verleger Jean-Hughes Anglade.
Ein leiser, eindrucksvoller Höhepunkt voller Symbolkraft ist wenn Arnaud die schlafende Nelly anschaut und sie mit fünf Zentimetern Abstand streichelt. Sie offenbart ihm nur ihren nackten Rücken, erwacht und schläft händchenhaltend wieder ein. Die Abschiedsszene ist kurz aber beeindruckend mit einem kleinen Nachbeben. Arnaud vereist, seine Gedanken bleiben bei Nelly. Wenn man das Ende kennt, kann man sich ganz auf die filigranen Feinheiten konzentrieren. Also zweimal anschauen. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.