Mo, 05.05.2014Kino | The Invisible WomanDie UnsichtbareDie Atmosphäre stimmt, die Story ist recht wahrheitsgetreu verfilmt, nicht jeder wird sie mögen. Aber so war das damals im 19. Jahrhundert. Es wurde darüber getuschelt, dass der ‘Gott‘ unter den Romanciers, Charles Dickens, (Ralph Fiennes) eine Geliebte hatte, die seine Tochter hätte sein können. Nelly (Felicity Jones) fast noch ein Mädchen, ist keineswegs nach dem Geschmack der emanzipierten Frau von heute. Ihre Aufgabe war es den großen Dichter anzuhimmeln, bei Gefühlsausbrüchen ein Tränchen zu vergießen und ansonsten ein Schattendasein zu führen, unbemerkt von der gesellschaftlichen Umgebung. Und außerdem war Dickens ja auch noch verheiratet und mehrfacher Vater. Warum hat Fiennes das so gemacht? Er geht mit Inbrunst ans Werk. Lange, beunruhigende Einstellungen, teilweise wortlos und ohne Musik. Dann bricht plötzlich ein musikalischer Tornado los und erschlägt fast die Bilder. Und der Schnitt teilt das ganze so ein, das keine Larmoyanz aufkommen kann. Am Ende ist der große Dichter einfach weg, Nelly erzählt es dem Pfarrer. Schluss, Aus, Amen.
Fiennes bleibt konsequent altmodisch, dabei setzt er Nelly ausnehmend gut ins Bild. Die Kamera streichelt ihre Pfirsichhaut, verharrt immer wieder, man genießt den Anblick und vergisst die Problematik. Die gerät nur etwas weniger in den Fokus. Dickens war zerrissen zwischen persönlicher Zuneigung und öffentlichem Ruhm, zwischen Spontaneität und Pflichtgefühl. Er trank aus dem Jungbrunnen so lang es ging. Und es ist ihm wohlbekommen. Eine späte Aufklärung über das ‘unsichtbare‘ Privatleben des großen Engländers. | |
So, 04.05.2014TV | Late Bloomers - Späte LiebeBest AgersEine ernsthafte Komödie. Mit wohldosiertem Witz orientiert sich der Film an der Realität und streift z.B. mit den ‘Grauen Pantern‘ sogar manchmal die Satire. Mit der Figur der Uroma (Doreen Mantle), die kurz auch noch für Trauer sorgt, kriegen auch die Enkel ihr Fett weg, wenn sie fragen ‘Was machen wir denn jetzt?‘ – ‘Nix! Leute, die nicht wissen, wie man sich langweilt, werden später Idioten‘. Die erwachsenen Kinder dürfen ebenso Ratschläge erteilen wie die Freunde Simon Callow und Joanna Lumley.
Viele genau beobachtete Details machen den Film irgendwie unaufdringlich authentisch, egal ob Seniorentelefon mit großen Tasten und Beleuchtung oder der Haltegriff an der Badewanne, das verstellbare Bett oder das Platzmachen im Bus. Das ist alles sehr unterhaltsam.
Im Mittelpunkt stehen die ‘Best Ager‘ Adam (William Hurt) und Mary (Isabella Rossellini). Mary will noch attraktiv erscheinen: Wasserballett oder offenere Bluse? Auch Seitensprünge sind drin: ‘Paule heißt ‘er, der Bademeister‘ würden die Ärzte sagen. Und Adam vernascht eine seiner jungen Studentinnen (Arta Dobroshi). Dabei schwankt er, ob er ein Museum oder ein Altenheim bauen soll für ‘inkontinente Zombies‘? Der Tenor ist einerseits ‘Alt werden ist halt nichts für Weicheier‘, andererseits zeigen drei Szenen, wie groß die Gemeinsamkeiten nach langen Ehejahren immer noch sind: eine wortlose Verständigung quer durch eine Halle bei überlauter Musik durch Gesten oder ein Gespräch durch ein Gitter im Fahrstuhl, in dem sie feststeckt. Der Knüller aber ist eine gemeinsame Rolle rückwärts vom Friedhof zwischen die Laken, wobei Mary sich über Adams neue Sextechnik wundert. Das überdeckt und vertreibt die altersbedingte Depression. | |
So, 04.05.2014TV | Jet Lag - Oder wo die Liebe hinfliegtAbflug verschobenDanièle Thompson hat bewiesen, dass man eine Liebeskomödie ohne Schnackseln machen kann. Mit zwei großartigen Darstellern: Juliette Binoche als aufgebretzelte Kosmetikerin und Jean Reno mit vollem Haupthaar als kochender Gastronom. Das Zusammentreffen ist zwar etwas konstruiert, tut aber der Story keinen Abbruch, weil sie mit viel Charme und Esprit rüberkommt. Seht subtil kommen sich die beiden im Hotelzimmer allmählich näher, indem sie sich gegenseitig ‘aufschließen‘; mit einem Touch Theatralik, wofür die Binoche zuständig ist, die bei Freundlichkeit immer weinen muss. Sie hat stets ‘Mitleid mit den ‘Arschlöchern‘, die ihr wehtun‘. Dabei ist Reno alles anders als ein… Er erklärt ihr die unterschiedlichen Fleischsorten und dass der ‘Ochse nicht der Vater des Kalbes‘ gewesen sein kann. So kocht er sich quasi in ihr Herz. Nett, wenn beide jede sexuelle Intention leugnen, aber vor Lust brennen. Das muss man erst einmal bringen. Jean Reno steht urplötzlich in der Tür wie ein Fels.
Da passt auch der intelligente Schluss dazu. Sie geht und fliegt ohne Abschied nach Acapulco, er sagt zum Kellner ‘Ich hab‘ Probleme mit dem Frühstück‘. Er, Felix, weiß auch warum sie Rosa heißt. Drum wird in Acapulco ein Schild hochgehalten mit der Aufschrift: ‘Rosa‘ und sein Handy hat sie ja auch. So hatten sie sich kennen gelernt. Der Kreis schließt sich wieder bei diesem intelligenten Happy End ohne letzte Erfüllung aber mit Aussicht auf den Himmel. Vorschlag von Felix ‘Das Leben beginn, da wo der Film endet. Gehen wir also aus dem Kino.‘ Gute französische Comedy Tradition. | |
Fr, 02.05.2014TV | HairLet the Sun Shine inKein Musical gibt die Stimmung im Amerika der 60er Jahre anschaulicher wieder wie dieser Film von Milos Forman. Dabei kann man außerdem noch schwanken, ob die packende Musik, die coolen Sprüche der Hippies in ihrer abgefahrenen Kluft besser sind als die Choreographie der Tänzer. Der adelnde Ritterschlag für den ganzen Film jedoch ist das Ende. Dadurch ist ‘Hair ‘nicht nur ein Anti-Vietnamfilm, sondern ein Anti-Kriegsfilm schlechthin.
Gleich nach den ersten Tönen von ‘Aquarius‘ ist man im Bild und singt mit, noch unbeeinflusst von der Handlung: Das Landei Claude (John Savage) muss und will in den Krieg. Stößt zur Hippietruppe um Berger (Treat Williams) und verliebt sich in die wohlhabende Sheila (Beverly D’Angelo).
Die Hippietruppe hüpft tanzend durchs Leben, grenzt sich durch Kleidung und vor allem Haarschnitt vom Establishment ab. Fantasievolle Einlagen wie die geträumte Trauung oder die lustige Musterung bleiben unvergesslich. Aus Spaß wird tödlicher Ernst. Berger tauscht mit Claude die Rollen und fliegt unfreiwillig an seiner Stelle nach Vietnam. Ein Soldatenfriedhof bildet den Abschluss zu ‘Let the Sun Shine‘. Ein Grabstein trägt einen Namen den wir kennen. Ein Klassiker. | |
Fr, 02.05.2014TV | Little BuddhaDrei kleine LamasZwei Filme in einem: die Suche nach einem neuen Dalai Lama und die Lebensgeschichte von Buddha, dem Erwachten. Letzteres ist eine farbenprächtige Legende mit Keanu Reeves als Titelfigur. Da kann man schon mal mit Animation tricksen oder zur Verdeutlichung mit Rot- bzw. Gelbfilter arbeiten. Das ist bunt, aber nicht spannend und so unterhaltsam wie ein Gottesdienst. Mönche aus Bhutan finden parallel dazu den kleinen Jesse in Seattle. Die Einwände der Eltern (Bridget Fonda, Chris Isaak) sind recht lau und seltsam distanziert. Rasch ist Vater Conrad und Sohn Jesse im Himalaya. Am Ende präsentiert Bertolucci gleich drei Kinder als Kandidaten. Wir sehen viel Folklore, bunte Volkstänze mit wenig Handlung. Und wenn man an die Reinkarnation nicht glaubt, bleibt man ohnehin außen vor. In Wirklichkeit beinhaltet das Testverfahren der kleinen Kandidaten mehr als nur einen Hut zu erkennen. So plätschert die aktionsarme Handlung an der Oberfläche dahin, dass es für echte Buddhisten ärgerlich sein muss. Von dieser wunderbaren Religion erfahren wir Küchenweisheiten wie ‘Ist die Saite zu straff, zerreißt sie. Ist sie zu schlaff, kann man nicht darauf spielen.‘ Außerdem entdeckt der junge Buddha auf seiner Reise des Erwachens das Mitleid.
Im Kloster breitet sich ratlose Stille aus. Man hofft auf ein baldiges Ende, doch es folgt noch ein ewig langer Appendix an Langeweile. Warum Mrs. Conrad beim finalen Segelturn wieder schwanger ist, bleibt die Frage in dieser Doku-Soap. | |
Do, 01.05.2014TV | SchilfDoublethinkEin kleiner, anspruchsvoller Film vom Vorspann bis zur Auflösung mit durchaus glaubhaften Darstellern. Anders als in den meisten Kidnapping- und Erpressungsstreifen geht es hier um Paralleluniversen. Das ist für manche Physiker so ein Gemeinplatz wie ein Teilchenbeschleuniger. Für Otto-Normalverbraucher sind es Böhmische Wälder. Wir lesen ‘Wir wissen nachweißlich, dass der Mond nicht vorhanden ist – wenn man nicht hinsieht.‘ Zwei befreundete Physiker (Stipe Erceg und Mark Waschke) gehen von verschiedenen Ansätzen aus. Dabei muss man wissen, dass Dinge gleichzeitig möglich und nicht möglich sind. Und diese Auseinandersetzung wird geschickt in die Handlung eingebaut. Von dieser Diskrepanz leben ja an sich Krimis. Ein Mord, den man sieht, kann auch nicht passiert sein, Sebastians Sohn auch nicht entführt sein. Der Auftritt des mysteriösen Herrn Schilf macht das Ganze noch undurchsichtiger, aber auch spannender und die Polizei kann mit diesem intellektuellen Konstrukt schon gar nichts anfangen.
So bietet sich als Ausweg und Flucht aus dieser Gedankenwelt nur ‘Doublethink‘ an. Damit anerkennt man die Existenz von Paralleluniversen. Zuvor gibt es immer wieder das übliche Erwachen aus Albträumen.
Ein spannendes Gedankenspiel, auch wenn man nicht alle Zusammenhänge gleich rafft. Mal was anderes. Wem das alles zu kompliziert ist, kann den Film ja unter ‘Mystery‘ abbuchen. | |
Di, 29.04.2014TV | Eine dunkle BegierdeWunder über WunderRegisseur Cronenberg strapaziert die Zuschauer mit langen Fachsimpeleien. Aber was kann man schon beim Thema Freud - C.G. Jung erwarten. Wenn sich zwei Koryphäen dem Thema der Psychoanalyse von verschiedenen Seiten nähern, geht es um ‘Übertragung‘, ‘Unterdrückung der Lust‘ oder um die Behandlung von sexuellen Zwangsneurosen. Dieser Gedankenaustausch findet hier nun mal in Dialogen statt. Damit es nicht gar zu theoretisch wird, ist noch Jungs Privatleben mit Ehefrau Emma (Sarah Gadon) und der Geliebten, Fräulein Spielrein (Keira Knightley) eingebaut, die hier ihre reifste schauspielerische Leistung abliefert. Die Darstellung ihrer Zwangsneurose geht bis an die Schmerzgrenze. So einen verzerrten Gesichtsausdruck kennt man von ihr sonst nicht. Als Kontrast dazu ist Emma ständig schwanger und ungewöhnlich liberal.
Neben Traumdeutungen geht es auch um den Zusammenhang von Sexualtrieb und Todestrieb. Der Heilungsprozess von Fräulein Spielrein zur ebenbürtigen Kollegin von C.G. Jung ist nicht leicht nachvollziehbar. Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Psychoanalytiker den Rat des Kollegen Groß (Vincent Cassel) beherzigt hätte ‘Gehe nie an einer Oase vorbei, ohne zu trinken.‘ Alle Neurosen seien sexuellen Ursprungs bzw. deren Unterdrückung. Kein Wunder also, dass Fräulein Spielrein von C.G. Jung geheilt wird, weil er die Matratzen-Praxis anwendet. Später promoviert sie sogar darüber und bleibt zeit Lebens seine einzige große Liebe.
Die Psychoanalyse bleibt hier ein oberflächliches Konstrukt bezüglich ‘einer dunklen Begierde‘. Der Originaltitel spricht von einer ‘gefährlichen Methode‘. Davon spürt man wenig. Hier fährt der Zug eher in Richtung ‘Lourdes‘. | |
Mo, 28.04.2014TV | Punch-Drunk LoveDer verliebte SchlägerDiese Krimi-Liebes-Groteske fällt aus dem üblichen Rahmen. Alle drei Bestandteile sind vorhanden, ergeben aber diese sonderbare Mischung. Ungewöhnliche Einstellungen zeigen lange Zeit nicht die Gesichter in der üblichen Großaufnahme, die Komik manch einer Situation wird oft durch Adam Sandlers Coolness konterkariert und kommt so erst zur Geltung. Daneben sind seine unverständlichen Ausraster irgendwie gewöhnungsbedürftig: sei es Adam als Rächer, der die Gangster vertrimmt oder der zum Oberganoven Philip Seymour Hoffman fährt, um ihm die Meinung zu geigen und einfach unverrichteter Dinge umkehrt. Die nervigen sieben Schwestern, von denen sich allerdings stellvertretend nur Mary-Lynn-24-Rajskub profilieren kann, bringen noch echte natürliche Komik mit.
Voll gut soll wohl sein, dass Sandler hier einen unreifen, bindungsscheuen Single spielt, der von der hier eigenartig mädchenhaft umherspringenden Emily Watson eingefangen wird. Romantik kommt aus Hawaii, von wo sonst. Die Bettszene geht mit Absicht so ausgetretene Trampelpfade, dass es schon wieder lustig ist. Mit dem Klavier/Harmonium, dem Pudding und dem Telefonsex geht`s allerdings in die groteske Ecke. So ist es die Vielfalt, die einen hohen Wiedererkennungswert hat und zwei gute Hauptdarsteller, die den Film noch soeben über Wasser halten.
Bleibt noch die Frage nach dem Titel: a) eine vom Punsch besoffene Liebe oder b) eine schlag-trunkene Liebe. Sandler/Watson Fans ist das wohl egal. | |
Mo, 28.04.2014Kino | Ihr werdet euch noch wundernIhr habt bishere noch nichts gesehenBereits die Vorlage von Anouilh erfordert vom Zuschauer Fantasie und geistige Beweglichkeit. Resnais dreht noch ein paar Umdrehungen an der Schraube des Verständnisses. Seine Lieblingsschauspieler werden mit ihrem richtigen Namen vorgestellt. Es beginnt wie eine Art Treffen der Ehemaligen zu einem Screening. Quasi als letzten Willen des Regisseurs. Die ‘alte Garde‘ schaut sich eine Theateraufführung an und greift ins Geschehen auf der Leinwand ein. Wiederholungen, Überschneidungen. Ganz allmählich kristallisieren sich zwei Pärchen der ‘Alten‘ heraus: Arditi/Azéma und Wilson/Consigny. Unter anderem gehen ihre Dialoge in Richtung des Eurydike-Themas: mit dem Blick zurück und der Erlösung oder dem Tod als Option.
Nach Verwunderung und Überraschung folgt man der Handlung und einer von Worten kreierten Situation, die sich mit den Personen ändert. Man erkennt Piccoli als Vater, Anne Duperey als Mutter und Amalric als Götterboten. Die Figuren sind real, die Situation, in der sie agieren ist fiktiv. Aber denken wir an den Titel!?
Nachdem der Verstorbene gar nicht tot war, gibt es noch einen kurzen Dialog:
-Darf Orpheus sie anschauen?
-Ja.
- Orpheus ist bei Eurydike. Endlich. Klar, was das bedeutet!?
Geht nun der angeblich tote Regisseur etwa ins Wasser? Der Titel weiß die Antwort.
Ein Arthouse Spezial. Genuss für Genießer. Brotsuppe für Realos. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.