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Mi, 16.04.2014
Kino | Asphalt Cowboy
Tod im Bus4 Sterne
Eine herbe, ergreifende Außenseiterballade dank zweier grandioser Hauptdarsteller: Jon Voight (Joe) und Dustin Hoffman (Enrico). Zwei Typen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Für beide zeigt die Erfolgsspirale nach unten. Für Joe, den abhalfterten Escort-Cowboy geht ab und zu noch etwas, für den kranken Enrico geht es vom Regen in die Traufe. Die Zeit für einen männlichen Auftritt als Cowboy ist ebenso vorbei wie für den Krüppel mit dem tippelnden Schlendergang. Hier fehlt die Bewunderung wie zu Zeiten von John Wayne, dort ist es die Gleichgültigkeit gegenüber Behinderten. Zwei Loser, die den Anschluss an die moderne Zeit verpasst haben und sich nicht mehr zurecht finden können. Vielleicht ist es ihr Pech im Leben, das beide an einander bindet, vielleicht spürt der eine auch nur, dass da im anderen etwas existiert, was ihm gegen die feindliche Umgebung helfen kann. Eine Art ‘Strohhalm-Effekt‘. Das was sich zwischen den beiden entwickelt ist unsichtbar, aber stets vorhanden und immer spürbar. Die Kälte, die sie umgibt, wird symbolisch verdeutlicht durch die gefrorene Gemüsesuppe in ihrem schäbigen Zimmer. Das triste Alltagsleben wird nur durch ihre farbfrohen Träume und eine Party für Ausgeflippte mit psychodelischen Effekten aufgehübscht. Aber selbst hier sind sie fehl an Platze. Deshalb gehen sie gemeinsam auf eine letzte Reise nach Florida - für viele nicht nur Amerikaner der Inbegriff des Paradieses. Und von da gibt es ja bekanntlich keine Widerkehr. Klassisch, Kult. Beeindruckend.
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Di, 15.04.2014
TV | Sieben
Sieben Todsünden4 Sterne
Fast der ganze Film beschreibt polizeiliche Ermittlungen. Morgan Freeman und Brad Pitt, ein erfahrener Kollege und ein junger Heißsporn tasten sich langsam an den Täter heran. Das wird zwar recht spannend erzählt, aber als der Massenmörder Kevin Spacey am Ende sich in die Hände der Polizei begibt, ist man schon etwas überrascht. Das stört nicht weiter, weil ein Schluss der besonderen Art bevorsteht. Und darauf läuft der ganze Film hinaus. Brad Pitts Ehefrau Gwyneth Paltrow war schon zuvor bei einem gemeinsamen locker entspannten Abendessen eingeführt worden. Ihre Schwangerschaft bringt zusätzliche Brisanz und ihr Ende ist so genial gestaltet, dass man alles versteht, obwohl man nichts Genaues sieht. So wird das Grauenhafte ihres Leidens in den Kopf der Zuschauer verbannt. Dort kann es sich jeder je nach Fantasie ausmalen auf der nach oben offenen Gefühlsskala. Ihr Auftritt war hübsch und sympathisch. Drum trifft ihr unsichtbares Ende doppelt hart. Und weil man ja nichts gesehen hat, entsteht eine sonderbare Langzeitwirkung. Bilder verschwinden, Vorstellungen bleiben. Das ist ungewöhnlich, psychologisch raffiniert gemacht.
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Do, 10.04.2014
TV | Barbara
Republikflucht4 Sterne
Drei Gründe sprechen dafür, dass dieser Film eine Klasse für sich ist. Er trifft punktgenau die Atmosphäre in einem totalitären Staat. Und das bezieht sich nicht nur auf die frühere DDR, sondern kann generell gelten. Dann sehen wir mit Nina Hoss in der Titelrolle eine hervorragende Hauptdarstellerin. Getoppt wird das Ganze durch einen Schluss, der sowohl völlig unerwartet kommt, als auch ein Plädoyer für Opferbereitschaft bis zur Selbstverleugnung ist und damit einen ideell hochstehenden Wert beansprucht und über den eigenen Tellerrand der Vorteilssuche hinausgeht. Die Menschen sind extrem wortkarg, sehr zurückhaltend und verschlossen. Sie sind misstrauisch und selbst die Natur scheint feindlich zu sein. (stürmische Winde). Nach einer halben Stunde fällt das erste klärende Wort ‘Ausreiseantrag‘. Es folgen weitere Anspielungen bis der Zuschauer erkennt, es geht hier um das DDR-Thema Nummer 1 ‘Republikflucht‘. Abgeleitet von der zentralen Figur Barbara speist sich die Spannung aus mehreren Quellen: Kollege Reiser (Ronald Zehrfeld) zwischen Liebe und Stasimitarbeit?! Später terminliche Überschneidungen: Operationsassistenz oder Fluchtplan?! Dazu immer wieder die schikanösen Hausdurchsuchungen. Petzold beweist einmal mehr sein Talent mit der überraschenden Wende am Ende gefolgt vom schweigenden sich Gegenübersitzen von Barbara und Dr. Reiser. Man spürt was sie durchmachen… Zeitlos, spannend, wertvoll.
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Mi, 09.04.2014
TV | Der Wind und der L�we
Das Lüftchen und die Hauskatze1 Stern
Trotz Sean Connery ist es ein lauwarmer Film, blutleer und etwas zu seicht. John Milius hat diese Machart in seinen späteren Filmen wenig geändert, d.h. z.B. lange Aufmarschparaden mit tönender Blechmusik. Dabei ist der Anfang – die Entführung von Mrs Perdicaris (Candice Bergen) - durchaus spektakulär und auch die Reiterstunts im Schlachtengetümmel sind nicht schlecht. Aber dann konnte sich Milius, der auch das Drehbuch schrieb, nicht entscheiden, ob er die Betonung auf eine Love Story legt mit einem Culture Clash oder eher auf ein imperialistisches Rührstück (1904) zwischen Amerikas Präsident Roosevelt und dem Berberfürsten Raisuli, eine Auseinandersetzung am Vorabend des 1. Weltkrieges mit internationalen Verwicklungen. Roosevelt gerät hier zu einer die Grizzlybären liebenden Frohnatur, die nur durch seinen Außenminister Hay (John Huston) vor dem Schlimmsten bewahrt wird. Frau Perdicaris liegt Raisuli buchstäblich zu Füssen, der seine fassungslose Unbeholfenheit nur hinter dem immer wiederkehrenden Satz versteckt:‘ Mrs Perdicaris sie bereiten mir große Schwierigkeiten.‘ Jeder versteht, was er eigentlich meint, aber es nicht tut. Bevor das Ende im allgemeinen Gelächter (sic!) untergeht, erfahren wir noch, dass Roosevelt der Wind sei und Raisuli der Löwe. Wer hätte das gedacht!? Bleiben nur die wunderschönen Aufnahmen der Wüste und die beeindruckenden Reiter, die auf wilden Pferden über sie hinwegfliegen. K.V.
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Sa, 05.04.2014
TV | Brief an Evita
Damenduell4 Sterne
Vom Inhalt her ist der Film eine Damenduell: Evita aus Argentinien gegen Carmen Polo, die Frau des Diktators Franco. Sie agieren an der gesellschaftlichen Oberfläche der Macht. Und die Kommunistin Juana (Nora Navas) sitzt im Gefängnis. Ihr fällt die Opferrolle zu, die erlöst werden wird. (vgl. Titel) Der Unterhaltungswert ist unbestritten hoch. Regisseur Villaronga hat sowohl recherchiert als auch seine Ideen in Bild und Sprache gefasst. Er nimmt Evitas (Julieta Cardinali) Staatsbesuch bei Franco 1947 zum Anlass für die Auseinandersetzungen. Hier kämpft Idee und Moral gegen altbackenen Konservatismus, Menschlichkeit gegen Unterdrückung. Evita tritt für die Verbesserung der Lage der Armen (der ‘Descamisados‘) ein, Carmen Polo (Ana Torrent) nicht ohne Eigennutz für den Erhalt der Macht ihres Mannes. Was Herkunft und Einstellung angeht, liegen zwischen beiden Frauen Welten. Sie liefern sich pfiffige Rededuelle, in denen Evita stets die Überlegene bleibt, egal ob es um Mode oder Etikett geht. Und mit ihr siegt immer zugleich der gesunde Menschenverstand. Domestiken und Ratgeber liefern weitere Komik. Die gut gecasteten Darsteller ähneln auffallend den Figuren, die sie darstellen. Und die geschickt eingeblendeten Originalaufnahmen (mal echte mal gestaltete) untermauern das, indem sie von s/w zur Farbe wechseln. Durch das Folteropfer Juanna, deren Mutter (Carmen Maura) und ihren Enkel bekommt der Film mehr menschliche Farbigkeit und emotionalen Tiefgang. Und das tränenfreie Ende wie überhaupt der ganze Schluss rechtfertigen die verliehenen Preise. Die Gefahr in die Herz-Schmerz- Ecke zu rutschen bestand durchaus.
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Mo, 31.03.2014
TV | Celebrity - Schön. Reich. Berühmt
Schön kaputt2 Sterne
Für den Rahmen dieses Episodenfilms hat sich Woody Allen Kenneth Branagh als rasenden Reporter ausgeguckt. Und wie immer trifft er jede und jeden zweimal im Leben. So am Ende nochmal Winona Ryder. Aber zwischen ihnen, sowie auch unter den anderen Promis, wird nur viel heiße Luft produziert. Wir erfahren, was wir schon immer gewusst haben: die Promis sind zwar schön, reich und berühmt (wie im deutschen Untertitel angekündigt), in Wirklichkeit aber sind sie egozentrisch, hohl und kaputt. Da weiß Woody wovon er spricht. Das was da so zwischendurch als handlungsarm aber mit viel Klamauk dargeboten wird, ist recht schlicht. Die hektische Oberflächlichkeit mit ewiglangem Durcheinandergequatsche ist ja wohl symptomatisch, aber nichts, was einen beeindruckt, sondern eher nervt. Hier muss auch Leo DiCaprio seinen Beitrag zum Image liefern. Und als Augenweide darf Charlize Theron als schönste Frau der Welt über den Laufsteg schweben. Das bleibt aber nur ein kurzer Genuss. Die Endphase wirkt angehängt und wenig überzeugend. Warum die Braut abhaut, bleibt ein Geheimnis ebenso wie ihre Heimkehr. Und mit dem Kondensstreifen am Himmel, der das Wort HELP zeigt, hält Allen wenigstens einen formalen Rahmen ein, indem er den Anfang weiterentwickelt. Ein lieblos herunter gekurbelter Streifen, der vielleicht von dem selbstauferlegten Zwang herrührt, jedes Jahr einen Film abliefern zu müssen. Eine kreative Pause hätte allen gut getan.
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Mo, 31.03.2014
TV | Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief
Die Neurosen der Reichen5 Sterne
Bis in kleine Nebenrollen ist der Film mit Promis besetzt. Und alle stehen in der Blühte der Jahre (1997). Mit ihnen und einer stimmungsvollen Atmosphäre, die besonders durch die Beleuchtung (Kerzen) betont wird, hat Helmut Dietl seinen besten Film gemacht. Das Restaurant ist ein Ort, der aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Hier gibt es alles wie im eigenen Zuhause: Pakete, Post, Verschwiegenheit. Es geht dabei um Betrug, Eifersucht, Rivalität, sogar um Verdauungsprobleme (Gudrun Landgrebe). Und wir sehen eine handverlesene Anzahl von Vertretern des menschlichen Zoos. Man kann erkennen, dass darunter sowohl arme Tröpfe als auch Gangster zu finden sind, reife Frauen, die es nochmal brauchen und Gleichaltrige, die nicht erwachsen werden können. Alle besitzen einen gewissen Charme und bleiben sympathisch, selbst in ihrer durchgeknallten Art und Weise. Das ganze Ensemble trägt den Film und verfügt dabei über viel Wortwitz (Drehbuch Patrick Süskind). Emotionen kommen dabei keineswegs zu kurz. Hier blieben besonders die Episoden zwischen Joachim Król und Marina Gedeck in Erinnerung oder Mario Adorf als viagra-aufgepumpter alter Anti-Held, der es noch einmal wissen will. Und dann geht es auch noch in symbolische Gefilde mit dem Auftritt von Schneewittchen (Veronika Ferres), ‘die Frau, von der alle Männer träumen‘ oder die fleischgewordene Männerfantasie. Bei ihrem Auftritt erklingt die Schneewittchen Suite, ein einschmeichelnder Ohrwurm mit Gänsehaut-Effekt. Sie verkörpert die Muse, die weitergereicht wird, weil sie von vielen benötigt wird. Das muss Götz George leidvoll erfahren. Regisseur Dietl sagt uns durch die Blume dass es keine Liebe gibt, nur Sex und Tränen, Enttäuschung und Frust. Darüber kann man streiten, über die Qualität des Filmes sicher nicht.
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So, 30.03.2014
Kino | Das finstere Tal
Greiders Rache4 Sterne
Andreas Prochaska hat die Idee aus Thomas Willmanns Roman entlehnt. Dieser Rachegedanke für eine vor langer Zeit begangene Untat eignet sich allerdings sehr gut für einen Western. Und das hat er so großartig umgesetzt, dass ein toller Alpenwestern dabei rausgekommen ist. Mit allen erforderlichen Zutaten natürlich: jede Menge Ballerei mit Blutfontänen wie bei Tarantino. Dabei sieht man Pferde, Sporen, Knarren, die von den typischen Geräuschen quietschend oder knackend begleitet werden. Alles ist eingebettet in eine faszinierende winterliche Bergwelt der Alpen. Auch die Erzählweise ähnelt vielen renommierten Beispielen aus dem Genre und es gibt viele Großaufnahmen mit leichtem Verzögerungseffekt. Die Handlung wird über weite Strecken von einem Soundtrack begleitet, der genau auf die Bilder abgestimmt ist (Sergio Leone Effekt). Vieles erinnert überhaupt an den großen Italiener. Doch Prochaska kopiert ihn nicht. Er formt selbstständiges Kino, backt einen eigenen ‘Kuchen‘ – nur die Zutaten sind dieselben. Anders geht es ja wohl auch nicht. Hierzu gehören auch die toll gecasteten coolen, verhaut aussehenden Typen, denen er im Abspann ein optisches Denkmal setzt. Der Film ist unglaublich gut gemacht und dabei äußerst spannend – auch bevor noch die letzten Enthüllungen ans Tageslicht kommen. Eindrucksvolle Bilder erzählen dieses grausame Drama mit emotionalem Tiefgang. Mit nur wenigen Superstars wie Tobias Moretti und Paula-Poll-Beer. Eine Perle nicht nur für Western Fans. Und nach alter Väter Sitte ist am Ende die Gerechtigkeit wiederhergestellt und Greider der Held (Sam Riley) kann in die Ferne reiten…
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Do, 27.03.2014
TV | Little Odessa
Die Welt - ein Schweinestall4 Sterne
Der erste Film von James Gray ist eine Mischung aus knallhartem Gangsterthriller mit allem was dazu gehört wie Berufskiller, die ‘Ehrenwerte Gesellschaft‘ und vielen Leichen. Da kann er getrost neben Quentin Tarantino Platz nehmen, auch wenn ihm die humorvolle Distanz fehlt. Dafür hat er aber einen zweiten Pfeil im Drehbuchköcher: ein Familiendrama. Beides stellt er in eine symbolisch eiskalte Umgebung (Winterfilm!). In der Shapira-Family wird sich geprügelt, (Vater Maximilian Schell mit Sohn Tim Roth), es wird betrogen (der Vater seine bettlägerige Frau Vanessa Redgrave), die ganz Mutter still leidend in ihrer Opferrolle aufgeht und der kleine Bruder Edward Furlong versucht vergeblich zu überleben. Auch Freundin Moira Kelly muss in das gefrorene Gras beißen. In dieser kalten Welt kann nur derjenige bestehen, der zuerst schießt und dann fragt, von Augenblick zu Augenblick lebt und jeden Moment genießt als sei es der letzte. Da werden auch Liebeakte von mechanischer Instrumentalistik bestimmt, menschliche Nähe findet nicht statt. Selbst Mutter Redgrave haucht kotzend ihren letzten Atem aus. Bitter, die Kälte erfasst den Zuschauer, auch wenn es hier keine virtuellen Schockeffekte gibt. Für dieses menschliche Drama reicht die konventionelle Machart voll aus. Es gibt nicht eine Minute, die zeigt, dass das Leben lebenswert ist. Auch nicht für Gangster. Die sind buchstäblich die ärmsten Schweine. Und von denen überlebt anscheinend nur das ‘Oberschwein‘. Das letzte Bild Mutter mit Söhnen kann wohl nur eine ironische Replik sein.

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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