Do, 27.03.2014Kino | Das Vergangene OmUDie Vergangenheit lebtDie Vergangenheit lebt und zieht ihre Kreise bis in die Gegenwart. Das verdeutlicht Regisseur Asghar Farhadi in seinem Dialog-Film. Marie (Bérénice Bejo) steht zwischen ihrem Ex Ahmad (Ali Mossafa), dessen Nachfolger Samir (Tahar Rahim) und drei Kindern.
Scheibchenweise fließen wichtige Informationen ein, die das Zusammentreffen problematisieren und immer explosiver werden lassen: Samirs Frau liegt nach Suizid im Koma, mehrere Personen hätten ein Motiv, sie dazu getrieben zu haben, die Kinder lehnen Samir ab, sind bockig oder wollen am liebsten abhauen. Es geht hoch her im Haus von Marie. Ganz nebenbei wird sie auch noch von Ahmad offiziell geschieden.
Aber manches wird doppelt erzählt und bei der Suche nach einem Schuldigen kann man schon mal den Überblick verlieren. Vielleicht hat der häufige Wechsel dieses Aspektes ja Methode. Trotz des relativ freundlichen Umgangs aller miteinander – außer Marie – werden oder wurden doch alle irgendwie schuldig, müssen versuchen über ihren Schatten zu springen – auch die Kinder. Und wie ein levantinischer Geschichtenerzähler unterhält uns Farhadi mit einer durchaus aktuellen Konstellation. Die Dialoge sind geistreich und werden von den Darstellern überzeugend rübergebracht. Das zentrale Dreieck lebt von der Explosivität Maries, der bedächtigen Ruhe von Ahmad und des trotz seiner schwierigen Position sympathischen Samir, der eigentlich zwischen allen Stühlen sitzt. Vielleicht deshalb gehört ihm die letzte Geste am Bett seiner Frau…
Das ist intelligentes Kino, anstrengend und herausfordernd, aber auch ‘Food For Thought‘. | |
Mi, 26.03.2014TV | Wie ein wilder StierDer Stier RobertKeine Filmrolle hat Robert De Niro physisch so viel abverlangt wie die des Jake LaMotta. Anfangs kommt er muskulös durchtrainiert daher und stellt sich der Kamera am Ende als echter Fettsack. So konnte Martin Scorsese nach Paul Schraders Drehbuch dieses geniale Boxerdrama gestalten.
Es geht ganz nebenbei auch uns Boxen. Aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufstieg und Untergang eines Menschen. Wir sehen ihn in seiner ganzen Komplexität mit vielen Schwächen, die ein Heldenepos verhindern. Er agiert in einem sozialen Umfeld mit Bruder und Manager Joey (Joe Pesci), mit dem er sich brüderliche Duelle liefert. Daneben gibt es noch seine Frau Vickie (Cathy Moriarty), die er machohaft verprügelt und mit seinen Eifersüchteleien versucht klein zu kriegen.
Ein wichtiger Nebenaspekt ist die Schiebung im Boxsport. Es gibt Absprachen aus der Unterwelt, an denen keiner vorbeikommt und ohne deren Unterstützung kein Meistertitel zu holen ist. Jake ist gefangen zwischen der Mafia und der immer heftiger meuternden Ehefrau, unfähig zu erkennen, wie er da herauskommen kann. Er bleibt uneinsichtig und kapiert nichts. Dies zeigt sein ständiges ‘Wieso?‘ Für andere bleibt nur die eigene Schuldzuweisung ‘Ich bin der Boss‘. Dann wieder winselndes Um-Verzeihung-Bitten.
Nach den wichtigen Szenen werden ruhige Passagen mit klassischer Musik unterlegt oder auch mit Ohrwürmern von damals (Louis Prima). Der Schlusssatz aus dem Johannesevangelium kann nur ironisch gemeint sein ‘Ich war blind und kann jetzt sehen‘. Übrig bleiben ein bemitleidenswertes menschliches Wrack und ein großartiger Film. | |
Di, 25.03.2014TV | S.W.A.T. - Die SpezialeinheitSpezialwaffen & SpezialtaktikZwei ganz verschiedene Handlungsstränge laufen auf einander zu: Hondo (Samuel L. Jackson) stellt ein Spezialkommando zusammen. Diese Rekrutierung kennt man seit den ‘Glorreichen Sieben‘. Und ein Drogenboss (Olivier Martinez) entkommt bei der Überstellung. Da passt das S.W.A.T.-Team genau hinein. Darunter befindet sich auch Colin Farrell, der alles kann und dem alles gelingt. Selbst die Braut bekommt er auch noch am Ende. Streckenweise sieht es aus wie ein Ausbildungsfilm für Armeeangehörige. Die Materialschlachten sind beeindruckend. Die Klischees versinken darin: Mafia-Mord als Schocker, dämlicher, neidischer Chef, Zweikampf auf den Schienen, Jagd durch die Abwasserkanäle u.v.m. Und für die Optik muss eine gut aussehende Frau in die Truppe (Michelle Rodriguez). Trotz der allseits bekannten Versatzstücke aus dem Genre, ist es nicht langweilig. Professionell gemacht: optische weibliche Aufheller, Sympathieträger und junger Heißsporn. Man kann den Zusammenhang erkennen, der zwischen den beiden Handlungen besteht und mit dem Zusammentreffen wird’s recht spannend, selbst wenn man den Ausgang kennt. Das Ende ist ein weiterer Anfang. Es ist wie wenn man vom Karussell aus die Umgebung betrachtet. Da kommt man auch immer wieder an den bekannten Stellen vorbei, die man eigentlich doch schon kennt und schaut immer wieder hin. Und weil es ja richtig rund geht, schläft man auch nicht ein. | |
Di, 11.03.2014TV | Der Jane Austen ClubFünf plus einsEine interessante Idee wird hier nur mittelmäßig umgesetzt. Fünf von der Liebe enttäuschte Frauen im heutigen Amerika sind auf der Suche nach neuen Männern. Das Thema Ehe war für die Mädels um 1800 auch die Nummer Eins auf der Interessenskala. Insofern greift die Parallele schon.
Die lockere Einleitung mit Alltagsszenen so wie sie jedem schon mal passiert sind, schafft eine entspannte Atmosphäre.
Dann geht’s zur Sache: die fünf Mädels und ein Mann besprechen die 6 Romane von Jane Austen, jeden Monat einen.
Bald erkennt man Ähnlichkeiten zu den Romanen im Leben der Frauen. Wenn man sie gelesen hat, kann man die feinsinnigen Anspielungen nachvollziehen. Und das macht die Hälfte des Films aus. Für alle übrigen ist es so, dass Kathy Baker, die Mutter der Kompanie ist. Sie ist Dreh- und Angelpunkt. Die blonde Maria Bello kriegt den Prinzen (Hugh Darcy) und Emily Blunt ist die einzig echt tragische Intellektuelle im Quintett. Sie zeigt Gefühle und leidet echt gut. Versucht auszubrechen und wird von einer Fußgängerampel dirigiert. Nett! Ihr Mann, anfangs ein Vollpfosten mutiert zum literarisch interessierten Leser, ähnlich wie Amy Brennemans seitenspringender Gatte Jimmy Smits. Die übrigen sind von minderem Interesse.
Das kann man alles akzeptieren zum Wohle von Jane Austen, vorausgesetzt man konzentriert sich auf die verbalen bzw. situativen Assoziationen, die die Regisseurin und Drehbuchautorin Robin Swicord eingebaut hat. Dann geht auch das Ende austenmäßig in Ordnung: damals Hochzeit, heute F.F.E. Alle Töpfchen haben Deckelchen gefunden. | |
Di, 11.03.2014Kino | Grand Budapest HotelVorwärts in die VergangenheitWer die eigenartige Erzählweise nicht mag und wer von der Atmosphäre unbeeindruckt bleibt, wem ein Wiedersehen mit lauter Leinwand Promis egal ist, der wird diese Komödie von Wes Anderson nicht mögen. Die Komik kommt von der gespreizten oft etwas abgehobenen Redeweise der Darsteller und von ihren sonderbaren oft etwas steifen Bewegungen. Die teils surrealistischen Situationen bringen Skurrilität mit ein. Mit viel Tempo gleiten die Akteure durch Flure oder über Schneepisten. Dazu ein quietsche buntes Ambiente wie vom Zuckerbäcker. Der schnelle Wechsel von Slapstick zu blutigen Nasen verblüfft. Die große Zahl prominenter Darsteller (u.a. Ralph Fiennes) garantiert Qualität. Da finden wir viele ‘alte Hasen‘ aber auch Newcomer wie Saoirse-Hanna-Ronan, die hier keine ‘Abbitte‘ tut. Auch viele deutsche Kollegen zum Teil in ungewöhnlichen Rollen und verfremdet geschminkt sind darunter. Das alles zusammen schafft eine Atmosphäre, in der sich ein eigener märchenhafter Zauber entfaltet.
Dass es um ein teures, unbekanntes Gemälde geht, ist relativ unwichtig. (ein Joke dass es dann gegen einen echten Schiele ausgetauscht wird!) Jeder Darsteller schafft mit seinem Part ein eigenes kleines Universum, das mosaikartig im Ganzen aufgeht. Ralph Fiennes ordnet es ein.
Als Eröffnung für ein Festival schafft der Film einfach gute Laune. | |
Mo, 10.03.2014TV | TatortUnglaublich!?Eigentlich müsste man über diesen Tatort den Mantel des Schweigens legen, doch der hat so viele Aggressionen freigesetzt, dass sie jetzt einfach raus müssen. Dass der Kommissar Til Schweiger nuschelt (vielleicht sein Markenzeichen?!) und nur schwer zu verstehen ist, ist ja nichts Neues, auch dass diese Sendung sich nur um diesen Beau dreht, was bei seinem Erscheinen stets mit Blechmusik unterstrichen wird, kann man noch tolerieren. Es ist ja auch kein normaler Tatort, sondern ein Schweiger-Tatort. Vielleicht denkt man jetzt auch darüber nach, dieses Format abzusetzen?!
Schweiger trollt sich als eine Mischung von Terrence Hill und Jackie Chan durch eine löcherige Handlung, die auf Überraschungen aus der alten Trickkiste (z.B. Maulwurf, oder kugelsichere Weste) zurückgreift. Natürlich hat er und manche Nebendarsteller die Fähigkeit zur Schnellgenesung wie die Walt-Disney-Figuren. Das stilisiert ihn in dieser aufwendigen One-Man-Show zum wahren Helden. Das wird durch die Tatsache weiter vorangetrieben, dass viele Kollegen schlecht gecastet sind: seine ‘echte‘ Tochter Luna wirkt zu alt, die notgeile Staatsanwältin (Edita Malovcic) zu jung. Und was das Script mit der Ex (Stefanie Stappenbeck) anstellt ist ebenso hanebüchener Unfug wie die eigenmächtige Lösung durch Ralph Herforth. Um die Akzeptanz zu erhöhen, hat man die Zahl der Erschossenen erhöht. Aber der Gipfel ist der Zuckerguss-Schluss. Den kann man nur als Klamotte abtun. Unglaublich!
Til Schweiger sollte lieber bei den Küken mit zwei Ohren oder den Hasen ohne bleiben. K.V. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.