So, 09.03.2014TV | Mary Shelley's FrankensteinBranaghs FrankensteinDer Film hat mit Mary Shelley’s Frankenstein so viel zu tun wie Apfel mit Apfelsine. Aber wen interessiert das heute noch? Es ist viel mehr Kenneth Branaghs Frankenstein (Regie und Hauptrolle!). Die Figuren sind zwar aus dem Roman des 18. Jahrhunderts entlehnt, dienen aber lediglich als Anlass von viel Klamauk und Hollywood-Super-Action. Eine Riesenshow für Geräte- und Apparaturenfetischisten und entfesselten Naturgewalten. Plötzliche Ortswechsel in die Antarktis nach blutdurchtränktem Geburtsspektakel und herzausreißenden Horrorszenen, wie man sie nur von Inka-Ritualen her kennt, sorgen für jede Menge Action. Das ist kein Drama, das ist Horror pur, aber der ist nicht zum Fürchten sondern nur zum Staunen. Um die Handlung noch etwas aufzufüllen, kommt noch aus der Familienkiste ‘Frankensteins Braut‘ (Helena Bonham Carter) zum Einsatz.
Die großartigen Darsteller werden nur noch von den Maskenbildnern übertroffen. Ihr Make-Up ist wirklich oscarwürdig. Hier vor allem Robert De Niro als Monster und die Bonham Carter als seine Braut. Herrlich hässlich!
Wie der Ehrentreffer beim Fußball gibt es eine Szene, die durch qualitativ anspruchsvolle Dialoge, den Film vor dem Absturz rettet. Das Gespräch zwischen Frankenstein und seiner Kreatur. Hier redet der Vater quasi mit seinem Sohn, der sich nach der Herkunft der Einzelteile seines Körpers erkundigt. Wieso kann er Flöte spielen? Hat er eine Seele? War es ein Fehler, ihn zu kreieren? Hat sein Leben einen Sinn? Ihr Pakt erinnert an den mit dem Teufel. Branagh gibt sich gelegentlich etwas Faustisches. Dagegen spricht nur die vorgezogene Hochzeitsnacht mit Elisabeth, bevor sie zum Monster wurde und einen terroristischen Abgang wählte. Viel Lärm! Manchmal übertriebene Theatralik in dieser egomanischen Inszenierung. | |
Sa, 08.03.2014TV | Der fremde SohnDas Kuckuckskind / Code 12Der kleine Walter verschwindet plötzlich und Mutter Collins (großartig Angelina Jolie) sucht ihn. Daraus ergeben sich zwei kritisch dargestellte Handlungsstänge: die polizeilichen Ermittlungen und die Folgen sowie ein Massenmord an mehreren Buben auf einer abgelegenen Farm. Wie beide Sequenzen zusammenhängen wird spannend erzählt.
Das rücksichtslose Vorgehen der schießwütigen Polizei (Jeffrey Donovan) zwischen vorgefassten Meinungen und politischen Abhängigkeiten ruft letztendlich die Bürger auf den Plan angeführt von Pfarrer John Malkovich. Die Mutter wird beschimpft und diffamiert und schließlich nach Code 21 ohne richterlichen Beschluss von der Polizei in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie nicht akzeptieren will, dass man ihr einen fremden Sohn präsentiert hat. Die Zustände dort, der Zynismus der Ärzte als Erfüllungsgehilfen des Systems, Elektroschocks als Mittel der Ruhigstellung sind die zweite himmelschreiende Anklage.
Ein ganz andere Nebenhandlung wird gekonnt eingepasst und erhöht die Spannung, weil ein Kinderfänger und Massenmörder (Jason Butler Harner) auftaucht. Prozess und Hinrichtung werden detailliert geschildert. Die Faktenlage ist klar. Man kann mit dem kranken Kaputtnik fast Mitleid haben. Ein vorheriges Zusammentreffen zwischen Mutter und Mörder bleibt ergebnislos, das Schicksal des Sohnes offen. So bleibt nur die Hoffnung, dass er noch irgendwo leben könnte. Ein offenes Ende nach flammenden Anklagen gegen das System und jede Menge Spannung. Der wissende Zuschauer ist durch die Handlung gebannt eingebunden und kann eventuell lediglich den Epilog als überflüssigen Nachschlag nicht goutieren. | |
Fr, 07.03.2014Kino | PhilomenaDie SucheStephen Frears hat ein warmherziges Drama abgeliefert, das auf einer wahren Begebenheit beruht und das hauptsächlich von der titelgebenden Hauptfigur Judi Dench ausdrucksstark getragen wird.
Nach 50 Jahren sucht eine Mutter ihren Sohn, den die Nonnen ihr damals, weil sie unverheiratet war, weggenommen und verkauft haben. Die ‘unbarmherzigen‘ Magdalen Sisters, die jedes Kind in Irland kennt, werden erwähnt und eine Assoziation zum Film von Peter Mullen drängt sich auf.
Die gemeinsame Suche mit dem Journalisten Martin (Steve Coogan) ist ein Roadmovie, das vom Gegensatz der beiden Hauptfiguren lebt. Alter, Geschlecht und Bildung können kaum unterschiedlicher sein. Darauf basiert der Witz der Dialoge. Und das verhindert wiederum, dass es eine Herz-Schmerz-Geschichte wird. Außerdem nimmt der Handlungsverlauf immer wieder neue, unerwartete Wendungen und macht das ganze Unternehmend zusehends spannend.
Frears spart nicht mit Kritik an der katholischen Kirche. Doch weil Philomena lange Zeit eine gläubige Christin war, versucht sie immer wieder mit verständnisvollen Gegenargumenten die kirchliche Position zu verteidigen. Der Szene im Beichtstuhl erhält da eine zentrale Bedeutung für ihren Sinneswandel.
Und selbst nachdem fast alles geklärt und das Schicksal des Sohnes erforscht ist, legt Frears noch eine emotionale Schippe menschlicher Größe drauf. Das irische Symbol der Harfe führt Philomena und Martin nochmals in das Kloster des Grauens zurück. Die damals verantwortliche Schwester zeigt keinerlei Gesinnungsänderung und beharrt auf ‘Sünde‘. Philomena kann ihr schweren Herzens vergeben.
Damit erhält eine zentrale Aussage des Films eine generelle Bedeutung: Verzeihen ist einen Eigenschaft, die nur der Mensch hat und die wertvoller ist als Rache und ideologischer Starrsinn. | |
Do, 06.03.2014TV | DogtoothUnglaublichDas ist ein gedankliches Konstrukt, das Darstellern und Zuschauern eine Menge abverlangt, und zwar sowohl inhaltlich als auch dramaturgisch. Schocker wechseln sich mit Ekel ab gefolgt von verständnislosem Grauen.
Eine Familie mit drei erwachsenen Kindern lebt abgeschottet von der Außenwelt. Die Kids lernen unpassende Vokabeln wie ein Karabiner ist ein weißer Vogel, den Salzstreuer nennen sie Telefon und eine Muschi ist eine große Lampe. Alle Beteiligten pflegen eine emotionslose Sprache.
So verquert nehmen sie dann auch ihre nähere Umgebung wahr und handeln entsprechend bei blutrünstigen oder lebensbedrohlichen Spielen. Selbst der Sex der Eltern ist sonderbar körperfeindlich, der der Geschwister ist inzestuös. Die sonderbaren Einstellungen zeigen oft Bilder ohne Köpfe. Eine Angestellte aus der Fabrik des Vaters befriedigt als besondere Serviceleistung Sohn und Schwestern. Die Eltern strafen die Kinder, indem sie Videocassetten oder Rekorder auf ihren Köpfen zertrümmern. Mutter verkündet, demnächst Zwillinge und einen Hund zu gebären.
Ein Ausbruchsversuch einer Tochter scheitert, nachdem sie sich den angeblich nachwachsenden Hundezahn ausgeschlagen hat.
Was will uns Regisseur Lanthimos damit sagen? Ich finde keine Antworten, nur Fragen.
Bei der Erziehung ist ‘nurture‘ dominanter als ‘nature‘? Man kann dieser dauerhaften Wirkung nicht entkommen?
Bei Verleugnung der Sprache als kulturelle Basis droht Verwilderung emotional, sexuell und körperlich? Kann alles sein.
‘Da nannte Herr Icks die Zeitung ‘Bett‘ und das Brot nannte er ‘Fenster‘.
Dann las er das Bett und aß ein Fenster.‘ | |
Di, 04.03.2014TV | Rate mal, wer zum Essen kommtHerzen in AufruhrSolange es Rassismus gibt, ist dieser Film ein Muss. Die Story ist von zeitloser Gültigkeit, die Darsteller machen ihn zum Ereignis und die Tatsache, dass das Ehepaar Tracey/Hepburn zum letzten Mal gemeinsam vor der Kamera steht, zur Rarität. Die geschliffenen Dialoge bringen das Problem auf den Punkt und beleuchten es von allen Seiten. Das Problem: Tochter Joanna (Katharine Houghton) will John, einen farbigen Mann heiraten. Er (Sidney Poitier) ist sehr charmant, sehr intelligent, sehr erfolgreich und sogar ziemlich berühmt. Ihre und seine Eltern werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch der Bekanntenkreis kommt zu Wort. Hier wird Heuchelei, Neugier, aber auch Unterstützung verbalisiert.
Regisseur Kramer produziert ein ruhiges emotionales Erdbeben, einen Gefühlsstrudel der die Zuschauer mitreißt. Dabei werden die Gesprächsparteien geschickt aufgeteilt: mal reden die Väter miteinander, dann die Mütter, mal Schwiegersohn und Schwiegervater, dann wieder die Verliebten. Am Ende fasst ‘Brautvater‘ Spencer Tracey das Thema nochmals zusammen und gibt sogar einen Ausblick. Da sind Katherine Hepburns ahnungsvolle Tränen aus mehreren Gründen echt. Das qualitativ hochwertige Drehbuch lässt Sätze zu wie wenn ‘bei alten Männern der Sex keine Rolle mehr spielt, vergessen sie, was Leidenschaft ist‘ oder auch dass Johns Vater ‘als Farbiger denkt‘, während er ‘als Mensch denkt‘. Manche Aussagen sind diskussionswürdig wie z.B. die Kinder brauchen nicht dankbar zu sein, denn die Eltern haben sie ja schließlich in die Welt gesetzt. Die Argumente der Verfechter der Rassenschranken kommen von der farbigen Hausangestellten Tillie (Isabel Sanford). Sie wagt es als einzige den smarten John einen ‘Maulheldennigger‘ zu nennen. Nach Streit, Schmerz und Tränen geht es abschließend wie angekündigt zu Tisch. Wertvoll. | |
Sa, 01.03.2014TV | Forrester - Gefunden!Literatur KonfektDas ist Literatur-Konfekt in vier Schichten mit einem Sahnehäubchen. Dabei geht es natürlich auch um die Entstehung von Literatur, um eine erste zarte Liebesbeziehung (zu Anna-das-Piano-Paquin), um das Basketballspiel, eine Coming-Off Age Geschichte und ganz nebenbei noch um die Rassenfrage: weiße Elite grenzt sich gegen farbige Emporkömmlinge auf der College-Ebene ab.
Im Mittelpunkt stehen aber der junge, farbige Jamal (Rob Brown) aus der Bronx und ein frustrierter, alter Schriftsteller (Sean Connery) als Titelheld. Ein Generationenkonflikt also.
Die Kamera streift gleich zu Anfang über Buchrücken (Joyce, Kirkegaard u.a.). Wie sie den sich verkriechenden Schriftsteller Forrester optisch und akustisch scheibchenweise enthüllt (Gardinen, Fernglas, ‘klopf, klopf‘, Türschlitz) ist genial und einfühlsam zugleich. Wie er sich mit Jamal anfreundet ist umwerfend und durchaus überzeugend. Dabei nimmt uns Seans herber Charme sogleich gefangen, der ein Eremitendasein führt in einer dunklen Wohnung, die einer Höhle nicht unähnlich ist.
Was die Literatur angeht, fachsimpeln die beiden schon mal über Stilfragen oder wir erhalten Beispiele wie ‘Die Ruhe derer, die vor uns gegangen sind, kann nicht die Unruhe vertreiben von denen die folgen‘. Oder Sean gibt den jungen Jamal Ratschläge wie ‘Der Schlüssel zum Herzen einer Frau ist ein unerwartetes Geschenk zu einem unerwarteten Zeitpunkt‘. Es wird deutlich, wie ähnlich die Probleme der beiden sind ‘Der Verlust der Familie zwingt uns dazu, unsere Familie zu finden‘. Mit dem Cameo von Matt Damon als Testamentsverwalter wird es am Ende noch mal ergreifend traurig. Man spürt die Leere, die Forresters Weggang hinterlassen hat. Dazu ‘Somewhere Over the Rainbow‘ nur von einer Ukulele begleitet, ist besagtes Sahnehäubchen. | |
Do, 27.02.2014TV | BaikonurJulie trifft Gagarin“Was in Kasachstan vom Himmel fällt, ist ein Geschenk Gottes und der Finder darf es behalten.“ So sehen es die Einheimischen. Und weil die französische Weltraumtouristin, die blonde Julie (Marie de Villepin) in der Steppe landet, wird sie von einem, den alle dort Gagarin (Alexander Asochakov) nennen, gerettet. Bei der Landung hat sie ihr Gedächtnis verloren, Gagarin nennt sie ‘Koketai‘ d.h. Braut. Wie es in diesem Kosmonauten Märchen mit Schneewittchen-Effekt weitergeht, ist ganz nett erzählt, verliert aber in der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt. Interessanterweise erkennt Julie sich erst selbst wieder nach einem Höhlennümmerchen mit Klimax in der Wüste. Als Antipode zum blonden Engel aus dem All agiert das Mädchen aus der Steppe, die ebenso hübsche schwarzhaarige Nazira (Sitora Farmonova). Sie steht für die Werte der einfachen Landbevölkerung, mit Vielweiberei und Frauenkauf. Die Raumfahrt wird etwas amateurhaft dargestellt, ebenso wie die Schwerelosigkeit Dass die Einheimischen vom Einsammeln des herunter gefallenen Schrotts aus dem All leben, ist ein netter Gag. Und das Verzögern eines Raumschiffstarts durch ‘Kamelscheiße‘ in der Automatik eine Kuriosität. Die folkloristischen Szenen wirken manchmal etwas hölzern. Am Ende des Märchens kehrt Julie zu den Sternen zurück, Gagarin kauft ein männliches und ein weibliches Lamm und bleibt in seinem Dorf bei Nazira. Also außer Spesen nix gewesen. Mittelprächtige Unterhaltung. | |
Do, 27.02.2014Kino | American HustleEine amerikanische LösungDass man die finanziellen Spielchen der Trickbetrüger nur schwerlich nachvollziehen kann, liegt in der Natur der Sache, denn sie finden ja im Prinzip virtuell in den Köpfen statt. Der aufgedunsene Christian Bale als Irving macht das auch ganz gut. Ebenso wie sein Kumpel Richie (Bradley Cooper). Von den beiden offenherzigen Mädels überzeugt anfangs nur Amy Adams als clevere Kreditbeschafferin ohne Kredite. Ihre Gegenspielerin im Bett und auf dem Parkett Jennifer Lawrence läuft erst am Ende in einer Szene zur Höchstform auf.
Doch die ständig die Zielrichtung ändernde Handlungsweise der Akteure im Dialog, auf dem Küchentisch und auf dem Sofa verhindert eine Identifikation mit irgendeiner der Figuren. So bleibt das alles etwas distanziert. Man kann ihnen einfach nur schwerlich folgen. So springt da nichts über. Selbst wenn die Handlung eine Prügelei zulässt oder der eine gleich auf die Matratze will und sie erst später. Und als dann am Ende die Ganoven auch noch mit ihren kriminellen Aktionen korrupte Politiker überführen, und somit straffrei davonkommen, ist alles zu spät. Amerika ist wieder einmal gerettet und gesäubert. Damit das alles den Akzeptanzkanal besser hinunterrutscht, gibt es als Soundtrack Ohrwürmer vom Bekanntheitsgrad 100% von 100 und ein Cameo von Robert de Niro, der vergeblich versucht als Pate Angst und Schrecken zu verbreiten.
Wie gesagt: die Darsteller sind nicht schlecht, der Plot teils unverständlich teils unglaubwürdig mit einem fragwürdigen Schluss. Nicht empfehlenswert, Nominierungen hin oder her. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.