Mo, 17.02.2014TV | Liebe lieber indischDie indische BrautDa hat sich Regisseurin Gurinder Chadha wohl selbst einen Wunsch erfüllt. Die inhaltliche Anleihe an die Welt der Jane Austen ist weit hergeholt. Nur der unübersetzbare Titel des Originals ist ein kleiner Geistesblitz. Ein Buchstabenwechsel P zu B reicht.
Die Bollywood-Inszenierung ist gewöhnungsbedürftig für Auge und Ohr, wenn Spielfilmszenen mit Tanzeinlagen und Gesang sich abwechseln. Das kunterbunte Rumgehüpfe geht uns westlichen Europäern ganz schön auf den Senkel. Die harten Schnitte, mit denen die überlaute Musik oft einsetzt, sind ein solcher Akustohammer, dass dem Zuschauer, nachdem er sich vom Schockeffekt erholt hat, quasi Hören und Sehen vergeht.
Der Witz der Dialoge und die Komik der Situationen vermögen nicht die Langeweile zu vertreiben. Mancher Mann (z.B. Naveen Andrews total überdreht) ist eine affige Witzfigur und der steinreiche Schönling Martin Henderson ist der einzige, der in Frage kommt. Und der bekommt Chadhas oberste Trumpfkarte: Aishwarya Rai, die schönste Frau der Welt.
Zur Ehrenrettung der Regie sei noch erwähnt, dass es eine Traumszene gibt, (nicht den Sonnenuntergang am Meer mit zwei Silhouetten) die technisch überzeugt und inhaltlich informativ ist. Ansonsten geht der Film über weite Strecken ganz nah an die Scherzgrenze. Da reicht die Schönheit als Palliativ nicht aus. Für was Miss Austen nicht alles herhalten muss!? | |
Mo, 17.02.2014TV | Die große IllusionSeifenblasenDieser Klassiker von Jean Renoir ist nicht nur ein Anti-Kriegsfilm, sondern er betont den menschlichen Umgang auf dem Schlachtfeld. Dabei geht das Drehbuch bis an den Rand der Groteske, wenn man sich völlig unkriegerisch für das Erschießen eines Feindes auf der Flucht entschuldigt. Doch hier mag der Zweck die Mittel heiligen. In Frankreich und Deutschland wurde der Film zensiert oder gleich ganz verboten. Verständigung mit dem Erzfeind war in den 30er Jahren nicht erwünscht.
Das Kriegsgefangenenlager ähnelt fast einem Sanatorium. Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Franzosen werden betont, Späßchen und kleine Frotzeleien sind an der Tagesordnung, es gilt das Ehrenwort eines Offiziers, Soldaten jüdischen Glaubens werden als freigiebig dargestellt und das baldige Kriegende (siehe Titel!) wird wohl auch das Ende der Aristokratie mit sich bringen.
Im dritten Kapitel landen die zwei entflohenen Kriegsgefangenen Jean Gabin und Marcel Dalio auf dem Hof der deutschen Kriegerwitwe Elsa (Dita Parlo). Hier werden sprachliche Barrieren ab und emotionale Bindungen aufgebaut. Dann entkommen beide Franzosen in die Freiheit: die Schweiz! (sic!)
Was für ein Ende!? Der Film beschreibt mehrere Illusionen: das nahe Ende des Krieges, das faire Verhalten im Umgang mit dem Gegner, der erholsame Aufenthalt im Lager, vielleicht sogar das wachsende Verständnis der Völker?! Letztlich geht es um Toleranz und Offenheit und gegen Nationalismus und Militarismus. Immer wieder gut. | |
Mo, 17.02.2014TV | Same Same but DifferentDasselbe nur andersEine Romanze ohne Romantik. Eine fast kindliche Liebe zwischen dem deutschen Studenten Ben (David-der-Vorleser-Kross) und einer kambodschanischen Prostituierten (Apinya Sakuljaroensuk), die HIV positiv ist. Viel Wert wird auf das soziale Umfeld der Einheimischen gelegt. So wird die Atmosphäre eines Hinterhofidylls in Phnom Penh anschaulich dargestellt, mit Mofas verstopfte Straßen der Metropole sowie das Leben der bäuerlichen Landbevölkerung. Das verläuft hier anders. Alle machen alles zusammen in der Großfamilie. Auch der Gegensatz zwischen den Touristen und den Asiaten wird angedeutet. Hier der Suff und das Kiffen, dort Armut und Schmutz. Die Medikamentenbeschaffung regelt Ben souverän, Geld und Reiseaktivitäten gehen in Richtung von Fernost. Seine Familie steht hinter ihm. Problemlos.
Zu einfach gestrickt. Kleine Schwierigkeiten werden kurz diskutiert und sind damit bereits gelöst. Vielleicht schreibt ja das Leben auch mal Geschichten, die gut ausgehen. So wie diese.
Mario Adorf und Olli Dietrich haben ein Cameo und wie durch ein Wunder leben alle glücklich, wenn sie nicht gestorben sind.
Entweder sind es die Liebe oder der Virus, die immer dasselbe sind, nur anders oder doch Same, same, same?! | |
So, 16.02.2014Kino | Elle s'en va OmUDas Leben geht weiterDer deutsche Titel schießt ein Loch in die Luft der Ahnungslosigkeiten, der des Originals besagt nur, dass sie ‘mal weg ist‘, angeblich Zigaretten holen. Bisher wohl eher eine männliche Verhaltensdomäne. Fakt ist, dass sich die Regisseurin und Drehbuchautorin Bercot nicht so recht entschließen konnte, was das für ein Film werden sollte. Zunächst einmal ist es ein Roadmovie. Ein Kapitel ist dann eine Oma-Enkel Story mit einem Treffen der ehemaligen Schönheitsköniginnen (hier u.a. Mylène Demongeot) und schließlich eine familiäre Zusammenkunft zwecks eines politischen Ereignisses. Hier klärt sich auf wundersame Weise auch das gestörte Verhältnis zu ihrer Tochter. Alle drei Teile haben eigentlich fast nichts miteinander zu tun. Sie werden nur durch die Deneuve zusammengehalten. 90% der Zeit sieht man ihr Gesicht in Großaufnahme. Ist ja auch nicht schlecht. Der Soundtrack dazu ist allerdings so angenehm wie Zahnschmerzen. Und die Message? Eine Vertreterin der ‘Best-Ager‘ will’s nochmal wissen. Dabei ist allerdings fast nichts vom französischen Witz und Charme zu sehen. Das Kapitel mit Enkel Charly (Nemo Schiffmann) hätte mehr Esprit verdient und wäre ein ganzer Film für sich. Doch die Regie setzt allein auf die Deneuve. Das ist aber für einen ganzen Film etwas wenig. Und das drangehängte Happy End? Ein Schmarrn. Na dann empfehle ich mich auch mal lieber… | |
Sa, 15.02.2014TV | Oxford MurdersMit Herz, Verstand und LustSpannende Unterhaltung für Oxford-Fans und philosophische ‘Knobelbecher‘, mit Freude an mathematischen Fragestellungen. Der Ausgangspunkt ist Wittgenstein. Die absolute Wahrheit gibt es nur in der Mathematik.
Student Martin (Elija Wood) gerät beim Versuch, sein Idol Professor Seldom (John Hurt) zu treffen in die Ermittlungen der Mordkommission (Jim Carter). Anna Massey als Mrs. Eagleton, deren Liste von beeindruckenden Filmrollen fast so lang ist wie jeder gängige Zelluloidstreifen, ist das erste Opfer. Beim munteren Rätselraten gerät Martin zwischen die reizvollen Schenkel der dunkelhaarigen Lorna (Leonor Watling), die ihm üppigen Sex mit Spaghetti anbietet und sich nebenbei so als wohlgerundete Wahrheit entpuppt. Ganz im Gegensatz zur blonden Cellistin Beth (Julie Cox), die als leidtragende Tochter auch als Muttermörderin in Frage käme, neben dem kaum in Erscheinung tretenden Frank (Dominique-Delikatessen-Pinon).
Vom malerischen Ambiente der Universitätsstadt sehen wir u.a. Merton College, das Sheldonian und die Bodleian.
Wer letztlich die Morde begangen hat, ist fast nebensächlich. Dafür erfahren wir was von der Chaos-Theorie mit dem Schmetterling und dem Orkan oder von mathematischen Reihen wie1-1-2-4-8-16 (?)… Wie heißt die nächste Zahl? (31!). Danke! Optisch werden die polizeilichen Ermittlungen im Kontrast zu einem Konzert gesetzt und mit einem Feuerwerk ausgeschmückt.
Bei aller scharfen Verstandesarbeit kommt das Herz nicht zu kurz und zur Kurzweil gibt es ja noch erheiternden Sex. Ein echter Oxford-Krimi eben. | |
Sa, 15.02.2014TV | Pigs Will FlyEher fliegen Schweine als...Der Titel ist wohl so zu verstehen, dass eher ‘Schweine fliegen werden‘, als dass ein zähzorniger, prügelwütiger Ehemann aufhört, seine Frau zu schlagen. Diese Psychostudie schildert nachvollziehbar, warum sich der Ehemann Laxe (Andreas Schmitt) so verhält. Vom ebenfalls prügelnden Vater mehrfach geprägt findet er nach seiner Frau Manuela (Kristen Block) gleich ein scharfes Schnittchen Inga (Laura Tonke). Er beherrscht sie, nutzt ihre Schwächen. Seine Macht ist die Leidensfähigkeit und das Harmoniebedürfnis der Frauen. Dabei geht er nach der Methode vor: Liebe zwischen Küssen und Schlägen. Typisch für diese Situation ist, dass nachdem Laxe Manuela fast tot geprügelt hätte, und sie im Krankenhaus besucht, ist ihre erste Frage ‘Wie geht es dir?‘ Vaterfreuden haben nur eine aufschiebende Wirkung und auch sein Bruder Walter (Thomas Morris) hat unter seiner Eifersucht zu leiden. Laxe ist zutiefst destruktiv. Erfreulich, dass Regisseur Eoin Moore nicht gleich nach einer Therapie ruft.
Wir sehen ein tolles Ensemble, wobei Andreas Schmitt als Laxe besonders herausragt. Er agiert in diesem Graubereich, in dem sowohl offener Brutalität als auch fürsorgliche Liebenswürdigkeit angesiedelt sind. Die reifere Ehefrau Manuela schafft den Absprung. Inga die werdende Mutter ist noch nicht soweit.
Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne eine Analyse wird nur ein Blick ins Innenleben dieses kranken Mannes geworfen inklusive Genese und Umfeld mit einem passenden Schluss. | |
Do, 13.02.2014Kino | Immer noch ein seltsames Paar3 Hochzeiten und kein TodesfallDie Darsteller sind wie die Tiefenschärfe der Komik im Laufe der Jahre ergraut und gealtert, will sagen etwas ermattet. Man hat auf Bewährtes gesetzt. Das das hat sich doch etwas abgenutzt. Anders als bisher ist es ein Roadmovie der beiden Grantler zur Hochzeit ihrer Kinder. Am Ende der ersten beiden Teile gab es jeweils eine Hochzeit der beiden Streithammel. Jetzt sind ihre Kinder zum Heiraten dran. Es ist wie Matthau der alte Wettkönig sagen würde der Endpunkt einer Dreierreihe. Die beiden ersten Teile hätten aber eigentlich gereicht. Hier ist die Komik eingefahren und hat sich manieristisch verhärtet. So wurde es ein altersmüder Abgesang auf zwei Spitzenkomiker. Immer noch ganz nett. Man goutiert das Wiedersehen mit alten Freunden. | |
Do, 13.02.2014Kino | Der dritte FrühlingAngeln und HeiratenZu den großartigen Darstellern kommt nun im 2. Teil noch Sophia Loren dazu, die alles kann von großer menschlicher Tragik bis zur Spitzenkomik. Walter Matthau sagt von ihr, sie sei eine Frau in deren Adern statt Blut Pfeffer und Tabasco fließen. Obwohl sich beide nur mit ‘Ochse‘ und ‘Natter‘ anreden, kriegen sie sich am Ende doch. Hier agieren Matthau und Loren liebestoll und eifersüchtig, wie Hund und Katze. Eine symbolträchtige Verfolgungsjagd zweier echter Vierbeiner bringt Leben in die Bude. Der Volksmund beschreibt ihre verliebte Kabbelei mit ‘wenn alte Scheunen brennen‘. Der Nachbarschaftskrieg weitet sich zum Anglerkrieg aus. Und zwar so heftig, dass Matthau fast seine eigene Hochzeit verpasst hätte. (die 2. Hochzeit). Das ist ebenfalls solide Wohlfühlkomik vom Feinsten, die vom Schmunzeln bis zum Schenkelklopfer reicht. Man lacht aus Freude am Spaß. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.