Do, 13.02.2014TV | Geständnisse - Confessions of a Dangerous MindEntertainer und KillerEgal ob der Film auf der Wirklichkeit basiert oder nicht, er ist ungemein unterhaltend. Das liegt zum einen am Helden Chuck Barris (überzeugend Sam Rockwell), der eine ungewöhnliche Mischung aus Entertainer und Auftragskiller ist. Das hervorragende Drehbuch setzt eine Reihe von Figuren ein, die je nach Ansatz Spannung bzw. Emotionen transportieren. So steht Penny (Drew Barrymore) für Emotionen bis hin zu einem Touch von Schmalz, Patricia (Julia Roberts) ist fürs eiskalte Killen zuständig und Jim (Regisseur George Clooney) hat den wohligsten Abgang der Filmgeschichte, die Beine im Pool. Es gibt sarkastische Seitenhiebe auf Talentshows (Amerika sucht den Superstar), die hier zu unserem Bohlen-Format für die Beteiligten nicht erniedrigend sind und die Cameos von Brad Pitt und Matt Damon. Für den psychologischen Tiefgang werden Rückblenden von einer problematischen Mutter-Sohn-Beziehung eingeblendet und das Publikum durch Berge von Leichen symbolisiert. Gegen Ende geht dem Film etwas die Luft aus. Nicht ganz: ein Vergiftungspielchen im Sinne von ‘Wer übertölpelt hier wen?‘ zwischen Chuck und Patricia setzt ein letztes Glanzlicht. Spannend und lustig zugleich. Ähnlich wie am Ende als Chuck seiner Angetrauten die Wahrheit über sich erzählt. Das ist so unglaublich, dass beide darüber nur lachen können.
Der ringförmige Aufbau verrät eine durchdachte Konzeption.
Sexy, ironisch, unterhaltsam. | |
Mi, 12.02.2014TV | Nothing PersonalZwei AußenseiterDer Titel zielt in die falsche Richtung, denn dieses Zweipersonen-Drama ist nur allzu persönlich. Eine äußerst herbe, karge Story, die fast ohne Dialoge auskommt. Der Tramp Anne (Lotte Verbeek) (erinnert stark an Agnès Vardas ‘Vogelfrei‘, dessen Klasse aber nicht annähernd erreicht wird.) macht einen Boxenstopp beim Außenseiter Martin (Stephen Rea). Keine Fragen, keine Namen, Arbeit gegen Essen. Wie die beiden kantigen, wortkargen Typen sich näherkommen wird in fünf Kapiteln eindrucksvoll erzählt. Aber bereits die Überschriften treffen nicht immer oder nur teilweise auf den Inhalt zu. Dafür entschädigen die großartigen, weitläufigen Landschaftsaufnahmen.
Die Endphase gerät etwas pointilistisch: unkommentierte Szenen werden wie auf einer Perlenschnur an einander gereiht: Martin besichtigt eine Wohnung, stirbt plötzlich, Anne packt ihn in das ‘Wonnelaken‘ und checkt in einem Hotel ein…Ende!
Es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten für diesen individualistischen kleinen Film, von dem nur die Bilder einer Landschaft und zwei Gesichter bleiben. Die Unmöglichkeit ihrer gemeinsamen Existenz bricht schicksalhaft über die beiden eigenartig Verliebten herein. Sie ist von ihrem selbst vorgegebenen Weg abgewichen, er hat sich voller Hoffnung auf einen neuen begeben. Beide haben verloren. | |
Di, 11.02.2014TV | ChloeChloés RacheIn diesem Psychospielchen werden wir zum Glauben verleitet. Und zwar das zu glauben, was wir sehen oder das, was uns berichtet wird.
Dem üblichen Treuetest mit Nutte Chloé (verführerisch Amanda Seyfried) im Auftrag der Ehefrau Catherine (brilliant ambivalent Julianne Moore) mit Ehemann David (Liam Neeson) wird doppelt gegengesteuert: Catherines lesbische Beziehung zu Chloé und deren Anmache von Sohn Michael (Max Thierot). Dann wird es mit Chloés Fenstersturz sogar noch ein bisschen spannend. Vorübergehend, bevor die Welle aus Zimtpampe und Honig alle Emotionen zudeckt. Der Film steuert ein eher männerkompatibles Ende an. Die Ehefrau bringt mit ihrer Harmoniesucht und dem schlechten Gewissen alles wieder ins Lot und verzeiht und versteht.
Obwohl Männer – wie wir seit Grönemeyer wissen – am Telefon lügen, ist Davids herausgeforderter Seitensprung – was wir so sehen - eher harmlos. Nur Chloés detaillierte Schilderung der sexuellen Vergnügungen der beiden ist heftiger. Catherine verliert die Kontrolle über die Entwicklung und sucht die offene Aussprache mit ihrem Mann. Der bleibt konsequent seiner Linie treu und gibt nichts preis. Er beteuert weiterhin seine Liebe zu Catherine. Eindrucksvolle Schauspieler retten die mittelmäßige Handlung bis hin zu einer etwas fragwürdigen Lösung. | |
Di, 11.02.2014TV | YellaEin genialer MomentEs ist nicht nur die grandiose schauspielerische Leistung von Nina Hoss in der Titelrolle oder die von ihrem Gegenüber Philipp (Devid Striesow), die die hohe Qualität dieses Films ausmachen. Das ganze Ensemble ist toll und die Fachsimpeleien der beiden bei den Verhandlungen mit in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen sind so gehalten, dass der Laie noch folgen kann. Hinnerk Schönemann spielt Yellas gewalttätigen Ehemann Ben erschreckend glaubwürdig. Es ist auch nicht die sonderbare Liebesgeschichte zwischen Yella und Philipp, die auf gegenseitigem Respekt vor dem Umgang mit Bilanzen beruht und beide ins Betrügermilieu abrutschen lässt. In dieser kühl kalkulierten Welt sind beide auf der Suche nach menschlicher Wärme und Zuneigung. Fast könnte man meinen ihre Schwindeleien sind Hilferufe Ertrinkender.
Es ist der kurze Moment am Ende, der den Unfall vom Anfang nochmal aufgreift und weiterentwickelt. Kurz und doch präzise, ohne Worte zeigen Bilder was wirklich passiert war. Und dabei wird deutlich, dass Yellas Ausflug in die Welt der Unternehmendberater nicht vergleichbar ist mit dem täglich grüßenden Murmeltier oder vielleicht nur ein Traum war, sondern eine fiktive Option, die so hätte verlaufen können. So wird alles parabelhaft relativiert und in die Unmöglichkeit transformiert. Was für ein genialer Coup ist Christian Petzold da gelungen. | |
Mo, 10.02.2014TV | InceptionAnfang, Neubeginn, Implementierung?!Nach einer Eingewöhnungsphase kann man ahnen, dass es um Gedankenklau geht. Man muss wissen, dass der Traum die Wirklichkeit ist und umgekehrt. Manchmal kann der Traum aber auch eine Erinnerung sein, werden wir vom Azubi Ariadne (sic!) (Ellen Page) belehrt. Es ist ja auch ganz einfach, sich schlafend in die Gedanken des Träumenden einzuloggen und ihn zu beeinflussen. Um es noch einfacher zu machen, kommt es dann zu einem Traum im Traum (Dream sharing). Das ist das Geschäft von Leonardo DiCaprio und seiner Frau Marion Cotillard.
Das liefert ausgiebigen Spielraum für virtuelle Bilder: mit Spiegelungen und sich optisch aufrollenden Wolkenkratzern. Riesenballereien und Verfolgungsjagden wechseln sich mit endlos langen, erläuternden Gesprächen ab. Regie und Drehbuch waren sich wohl nicht sicher, ob ihr kruder Sci-Fi-Mix verstanden wird. Dafür sind die Szenen in der Schwerelosigkeit Komik-Kracher. Entschädigen tun uns die Cameos von Michael Caine, Tom Berenger oder Pete Postlethwaite. Denn wer die Guten und wer die Bösen sind, bleibt etwas vage. Lediglich der familiäre Aspekt von Leos Frau und Familie ragt als verständlicher Fels aus der Brandung. Das bildet zwar angeblich den Motor für Leos Aktionen, hat aber inhaltlich damit so viel zu tun wie Apfel mit Apfelsine. Das Ganze ist doch nur eine Projektion des Unterbewusstseins! Ah ja! Bei dieser vagen Gemengelage ist es dann das einfachste, wenn am Ende alles auseinanderfliegt und sich in seine Bestandteile auflöst. Nur Leo kehrt gesund und munter endlich nach Hause zurück. Da hatte ich noch die Auferstehung seiner toten Frau erwartet. Das ist Edeltrash! | |
So, 09.02.2014TV | P.S. Ich liebe DichGerry & HollyDie Autorin der Romanvorlage wird ja oft in die Nähe der Pilcher gerückt, aber davon hat sich Regisseur LaGravenese bewusst weitgehend distanziert. So ist der Film sehr witzig, oftmals geradezu frech und äußerst emotional. In Sachen Emotionskino kennt er sich ja aus, nachdem er ‘Brücken am Fluss‘ gebaut und den ‘Pferden was geflüstert‘ hat. Hier überzeugt vor allem Hilary Swank als Holly in der Titelrolle. Sie symbolisiert die Emotionen in schmerzhafter, verunsicherter, auch freudig erregter Form. Da darf es dann schon mal etwas melo werden, wenn Holly die Einsamkeit übermannt. Und das gleich beim lustigsten Leichenschmaus der Filmgeschichte, wo Freundin Denise auf Anbaggertour ist: ‘Bist du single? Bist du schwul? Hast du ‘nen Job?‘ Hollys Freundeskreis – vor allem die Mädels (Gina Gershon und Lisa Kudrow) sind Spitze: frech aber gefühlvoll. Die beiden Männer in Hollys Leben: der verstorben Gerry (Gerald Butler) und der neue Ire William (Jeffrey Dean Morgan) bleiben trotz selbstbewussten Ego sympathisch. Und vor allem Letzterer kommt Holly nicht zum Verbrennen nahe – trotz One-Night-Stand. Er setzt nur seine Duftmarken. Nach einem ersten Kuss sagt Holly ‘Das ist, wie wenn ich neue Schuhe anprobiere.‘ Darauf William ‘Wie wär’s, wenn du mal ‘ne Weile barfuß gehst?‘ Und da Gerrys Briefe (siehe Titel!) nicht aus dem Totenreich sein können, klärt uns Hollys Mutter Kathy Bates auf. Sie bringt Qualität ins Spiel durch Details aus ihrem Leben und rückt den Film von der Schmonzette noch weiter weg. Das ‘zufällige‘ Zusammentreffen der vier Hauptfiguren am Ende schließt nicht mit dem finalen Schmatz, sondern mit der Bemerkung ‘Man sieht sich‘. So wird’s erträglich, angenehm und erheiternd. Nett! | |
Sa, 08.02.2014TV | Tödliche MagieGeld oder LiebeMan könnte meinen, das Wort ‘Tod‘ muss immer im Titel vorkommen, um Spannung zu prophezeien. Hier zielen sowohl der des Originals als auch der deutsche nicht ganz daneben, charakterisieren aber auch nur einen Teil es Geschehens. Für einen Entfesselungskünstler wie Houdini (Guy Pearce) trifft es schon zu, dass er Handlungen vornimmt, die dem Tod ‘trotzen‘. Wer will schon ertrinken?! Aber für die Wahrsagerin Mary (Catherine Zeta-Jones)gilt das keineswegs.
Die Atmosphäre eines Varietees ist zwar rasch kreiert. Da man aber die Tricks erklärt, sinkt schon bald das Interesse. Unverständliche Szenen auf Kirchtürmen und logische Knacks tun ein Übriges, um wegzuzappen. Kleine optische Aufheller entpuppen sich als Träume und verpuffen wirkungslos. Ebenso wie der Ansatz, dass Houdini muttergeschädigt sei.
Aber das Schlimmste ist der Schluss. In schier unerträglicher und unverständlicher Weise verabschiedet sich Houdini aus dem Leben und Mary fällt gleichzeitig in Ohnmacht. Emotional bringt sie lediglich eine Träne zustande und einen überlangen Kuss. An ihrer Tanzdarbietung muss sie noch arbeiten. Einzig ihre Tochter Benji (erfrischend wie immer Saoirse Ronan) bringt wie der Impresario Mr Sugarman (Timothy Spall) etwas Leben ins schale Treiben.
Da gerät die Frage nach Geld oder Liebe etwas aus dem Fokus. Und das Ende zieht sich. Wie beim Tod auf der Opernbühne, wo noch weiterhin längere Arien geschmettert werden, verabschieden sich hier die Akteure voneinander mit viel Pathos. Alles glatt poliert, oberflächlich, spannungsarm. K.V. | |
Do, 06.02.2014TV | FeuerzauberKnallkörperDer Titel hat eine doppelte Bedeutung: ganz konkret gibt es am Ende ein Feuerwerk zum iranischen Neujahrsfest. Davor gibt es jede Menge verbale Geplänkel der Eheleute Mojdeh (Hediyeh Terani) und Morteza (Hamid Farokh-Nejad), deren Streitereien dem äußeren Budenzauber an Sprengkraft in nichts nachstehen. Dabei rennen sie unentwegt in schwindelerregendem Tempo durch ihre Wohnung. Sie vermutet Untreue, er leugnet hartnäckig. Simin (Pantea Bahrain), sein angebliches Objekt der Begierde wohnt über ihnen. Roohii (Taraneh Alidousti), eine junge Putze wird als Spionin eingesetzt. Sie und ihr Moped fahrender Verlobter bilden den Rahmen der Handlung.
Dann kommen zwei faustdicke Überraschungen, die ihre Wirkung nicht verfehlen, gerade weil Morteza sich so heftig gegen die Verleumdungen seiner Frau gewehrt hat und es keinerlei Anhaltspunkte gab, dass Mojdeh vielleicht doch Recht haben könnte. Dabei wird auch die schöne Simin ‘entzaubert‘. So ungebunden, wie uns bisher glauben gemacht wurde, ist sie gar nicht.
Ein tristes Ende mit einem Fünkchen Hoffnung erwartet den Zuschauer. Alle Personen ertrinken in einem Meer von Einsamkeit, nur Roohii und ihr Verlobter rollen in eine hoffnungsvolle Zukunft. Und das alles geschieht, wie wir im Vorspann erfahren haben, ‘Im Namen Gottes‘.
6.2. 2014
Ein junges Paar, das das Eheleben noch vor sich hat, bildet den Rahmen für einen Einblick in zwei in die Jahre gekommenen Ehen. Hier ist viel Lug und Trug im Spiel. In schier endlos langen Streitereien der Eheleute, die vom Misstrauen, Schwindeleien aber auch von Klatsch und Tratsch geleitet sind, glauben wir der einen Seite und werden am Ende überraschenderweise vom Gegenteil überzeugt. Es kracht also, wie der Titel verheißt. Draußen sind es Knallfrösche, im Haus streiten sich Mann und Frau. Abgesehen von dieser Symbolik hat der Film für die Iraner noch eine viel höher einzuschätzende Bedeutung. Es sind die fragwürdig gewordenen Rechte des Mannes in einer sich schnell verändernden Welt. Und daneben das erstarkende Selbstbewusstsein der modernen Frauen im Iran. Die meiste Zeit hasten die Akteure durch plastik-verpackte und unaufgeräumte Zimmer schreiend hinter einander her. Das junge Pärchen kommt und fährt mit einem Motorrad in die Provinz. Abgesehen von der überraschenden Wende geht schließlich alles seinen iranischen Gang... Das Tempo der Dialoge macht die Verfolgung der Handlung anhand der deutschen Untertitel nicht leicht. Man muss sich halt Mühe geben, wie beim Verständnis dieser Eheprobleme.
Martin Zopick 29.6. 2011 | |
Mi, 05.02.2014Kino | 45 Minuten bis Ramallah45 Minuten - eine halbe EwigkeitDiese Komödie ist schrill, schräg und abgefahren. Dabei geht es neben dem üblichen Gegensatz Israelis – Palästinenser auch um die Toleranzgrenze der religiösen Fundamentalisten. Denn wenn zwei Brüder (Navid Akhavan und Karim Saleh) die Leiche ihres Vaters von Jerusalem nach Ramallah bringen müssen, wird das eine recht turbulente Odyssee der besonderen Art: es kommt zu Schusswechseln, eine schöne Frau (Julie Engelbrecht) taucht auf, küsst und klaut, Freiheitskämpfer jeglicher Art und Autodiebe bieten Optionen an. Manchmal ist die Komik etwas überdreht und geht in Richtung Klamauk. Meistens jedoch gelingt es durch den Gegensatz zwischen Wort (Off-Kommentar) und Bild gute Jokes und Gags zu präsentieren, denn das eine beschreibt die Situation, wie sie sein sollte, das andere wie sie wirklich ist. Daneben gibt es natürlich auch noch eine Liebesgeschichte und ein nicht ganz ernst zu nehmendes Erschießungskommando. Denn da sind schon zu viele Lachsalven abgefeuert worden.
Es ist wie immer das lobenswerte Anliegen des Regisseurs Ali Samadi Ahadi, dessen melodisch swingender Name wie ein Lied aus dem Nahen Osten klingt, durch Karikierung und Übertreibung die trennenden Gräben zuzuschütten. Dabei ist das Bindemittel die Komik. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.