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Mi, 05.02.2014
Kino | 45 Minutes to Ramallah
45 Minuten - eine halbe Ewigkeit3 Sterne
Diese Komödie ist schrill, schräg und abgefahren. Dabei geht es neben dem üblichen Gegensatz Israelis – Palästinenser auch um die Toleranzgrenze der religiösen Fundamentalisten. Denn wenn zwei Brüder (Navid Akhavan und Karim Saleh) die Leiche ihres Vaters von Jerusalem nach Ramallah bringen müssen, wird das eine recht turbulente Odyssee der besonderen Art: es kommt zu Schusswechseln, eine schöne Frau (Julie Engelbrecht) taucht auf, küsst und klaut, Freiheitskämpfer jeglicher Art und Autodiebe bieten Optionen an. Manchmal ist die Komik etwas überdreht und geht in Richtung Klamauk. Meistens jedoch gelingt es durch den Gegensatz zwischen Wort (Off-Kommentar) und Bild gute Jokes und Gags zu präsentieren, denn das eine beschreibt die Situation, wie sie sein sollte, das andere wie sie wirklich ist. Daneben gibt es natürlich auch noch eine Liebesgeschichte und ein nicht ganz ernst zu nehmendes Erschießungskommando. Denn da sind schon zu viele Lachsalven abgefeuert worden. Es ist wie immer das lobenswerte Anliegen des Regisseurs Ali Samadi Ahadi, dessen melodisch swingender Name wie ein Lied aus dem Nahen Osten klingt, durch Karikierung und Übertreibung die trennenden Gräben zuzuschütten. Dabei ist das Bindemittel die Komik.
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Di, 04.02.2014
TV | Whistleblower - In gefährlicher Mission
Ehrenhaft2 Sterne
Ein ‘Whistleblower‘ schlägt Alarm, indem er in eine Trillerpfeife bläst, und damit auf Gefahren aufmerksam macht. Das tut hier Rachel Weisz in sehr beeindruckender Art und Weise. Die Gleichstellungsbeauftragte der UNO kommt im Kosovo einem Mädchenhändlerring auf die Schliche, in dem die eigenen Sfor Soldaten beteiligt sind. Das ist ehrenhaft und die gezeigten Vergewaltigungsszenen machen auch Eindruck. Nur das alles geht zu Lasten der Spannung. In dieselbe Richtung geht auch die Wirkung des kurzen Auftritts von Vanessa Redgrave und Benedict Cumberbatch. Die fahren die harmlose Schiene. Monica Bellucci macht da ganz auf UNO Aparatschik und versteckt sich heuchlerisch hinter bürokratischen Hürden. Das weist bereits auf das Ende hin: alles klar, Beweise liegen vor, aber nichts geschieht, weil von ganz oben der Deckel draufgehalten wird. Die Ermittlerin wird entlassen. Lediglich ganz am Ende kommt kurz ein Hauch von Spannung auf, als David Strathairn auftritt, der öfters schon mit seiner freundlichen, vertrauenerweckenden Art gepunktet hat, und hier verdachtsweise vorübergehend als Verräter fungiert. Das System gewinnt, die Betroffenen sind weiterhin die Leidtragenden und für den moralischen Sieg kann sich die Ermittlerin nichts kaufen. So bleibt nur wegen der erschreckenden Realität ein Denkanstoß.
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Mi, 29.01.2014
TV | Days of Being Wild
Wilde Tage2 Sterne
Yuddy (Leslie Cheung) ist ein Mann zwischen zwei Frauen. Li Chen, eine Kartenverkäuferin (Maggie Cheung) ist etwas schlicht und verträumt. Ihre Beziehung zu Yuddy wird recht poetisch erzählt. Unter anderm mit der Geschichte vom Vogel ohne Beine, der nur einmal auf der Erde landet. Yuddy könnte dieser Vogel sein. Der fürchtet sich vor der Landung, denn dann würde er sterben. Außerdem vertreibt er sich noch mit Mimi (Carina Lau) einer Tänzerin die Zeit. Er braucht sich nicht zu entscheiden, die Mädels liegen ihm zu Füßen. Er kann sie demütigen, sogar schlagen. Yuddy ist der gelangweilte Edelmacho, nicht gerade wild eher promiskuitiv, egozentrisch, gefühlsarm. Dabei sucht er im Grunde nur seine leibliche Mutter. Doch die will ihm seine Ziehmutter nicht nennen. Die Erzählweise erschwert das Verständnis der Story. Ohne Hinführung tauchen Personen auf, ohne Erklärung entstehen immer neue Situationen. Randfiguren bekommen vorübergehend eine etwas größere Bedeutung, während die Hauptfigur verschwindet. Man muss das ‘ Stochern im Nebel‘ mögen, um diesen Film zu genießen. Man muss sich mit Andeutungen abfinden, weil man nicht so ganz genau erkennt, ob und wer da eventuell umkommt. Und dabei darf man nicht übersehen, dass die Männer stets besser wegkommen und die Frauen nur als servil, leidend oder auf die schiefe Bahn geraten sind. Der honigsüße hawaiianische Soundtrack verstärkt den hauchdünnen poetischen Touch. Ungewöhnlich anders.
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Di, 28.01.2014
TV | Kino
Patseys Leid5 Sterne
Der farbige Regisseur Steve McQueen (nicht noch ein Joke über seinen Namen) hat einen mutigen und konsequenten Film über das Sklavenproblem in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts gemacht. Dabei spielt er ganz bewusst auf die harte Tour. Die Weißen sind nicht die Bösen, sie sind die Teufel. Unter ihnen leiden besonders die beiden Hauptdarsteller Solomon (Chiwetel Ejiofor) und Patsey (Lupita Nyong’o). Sie müssen, obwohl kein Paar, schier unerträgliche körperliche Schmerzen erdulden. Nichts wird beschönigt: Vergewaltigung und Auspeitschen der Sklaven sind an der Tagesordnung. In einer furchteinflößenden Atmosphäre der Rechtlosigkeit bestimmt erst ein humaner Sklavenhalter (Benedikt Cumberbatch) das Leben der Leibeigenen, gefolgt vom üblen Plantagenbesitzer Epps (Michael Fassbender). Der überzeugt als Menschenschinder der schlimmsten Sorte. Er lebt nicht wie ein Schwein, er ist eins. Von den beiden Cameos (einmal Paul Giamatti als fieser Sklavenhändler) ist das von Brad Pitt (auch Produzent) das entscheidendste. Er liefert sich ein intellektuelles Rededuell mit Epps, in dem er mit vollster Logik darlegt, warum Sklaverei weder religiös noch rechtlich oder ökonomisch haltbar ist. Die Filmmusik ist von Hans Zimmer und so gibt es nebenher noch viel echten Blues, der das Bild stimmig abrundet. Der Film überzeugt durch eine ergreifende Story, die in einer typischen Südstaaten Atmosphäre spielt. Bemerkenswert, wie er nur in eine Richtung geht: Unrecht, Gewalt und Leid. Und selbst das erwartete Happy End bleibt trotz Tränenreichtum erträglich.
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Mo, 27.01.2014
TV | Westfront 1918
Sternenstaub der Geschichte3 Sterne
Ein Film aus der Zeit als die Bilder sprechen lernten (1930). Natürlich drängt sich da der Vergleich mit ‘Im Westen nichts Neues‘ auf. Doch der spielt in einer ganz anderen Liga. Weltfront 1918 ist kein richtiger Spielfilm. Nur eine Episode geht in diese Richtung: Karl (Gustav Diessl) erwischt als er auf Heimaturlaub ist, seine Frau in flagranti. Da kommen etwas steif und gezeichnet aus der Stummfilmzeit ganz kurz sogar Emotionen hoch. Heute wirkt das irgendwie amateurhaft spröde und ist lediglich von archivarischer Bedeutung. Doch es gibt auch Szenen, die ihre Momente haben, die aber nur so aneinander gereiht sind: Sterbeszenen, viele letzte Schnauferl, traumatisierte Soldaten und immer wieder die bombardierten Schützengräben. Das soll abschrecken. Und als am Schluss das Wort ‘Ende‘ im Bild erscheint, befinden sich dahinter ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen. Das soll nachdenklich machen. Da kann man schon über die kleinen sachlichen Ungenauigkeiten hinwegsehen, wenn man die längeren, angeschnittenen mit statischer Kamera gefilmten musikalischen Einlagen überstanden hat. Fronttheater zur Unterhaltung der Truppe war auch wichtig, bleibt aber hier in der Gesamtschau ein Fremdkörper, zumal es nicht in die Handlung eingebunden ist. Keine Anleihen an den großartigen Film von Lewis Milestones bleibt die ‘Westfront‘ bei aller Eigenständigkeit ein filmisches Experiment, das nur Cineasten etwas bringt. Und selbst die brauchen viel Interesse und Durchhaltevermögen.
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So, 26.01.2014
TV | Die Windsbraut
Die wilde Alma4 Sterne
Die Alma Mahler-Werfel muss ja wohl eine ganz heiße Braut gewesen sein. Damals nannte man das ‘femme fatale‘. Ihre Opfer waren ausnahmslos Promis. Neben den namensgebenden Männern hat sie sich auch noch Oskar Kokoschka (Vincent Perez), der das Titelbild malte, die Architekturlegende Walter Gropius (Simon Verhoeven) reingezogen, sowie mit Gustav Klimt (August Schmölzer) ‘geliebäugelt‘. Doch ihre stärksten Auftritte hat sie im Film nicht auf der Matratze sondern als Trauernde oder als verhinderte Künstlerin mit einem Touch Emanzipation. Dazu hat sie Regisseur Bruce Beresford prunkvoll ausgestattet und in eine herrliche Landschaft platziert. Die Unterschiedlichkeit der Charaktere, die bei Alma landen konnten, ist gut herausgearbeitet. Klimt der lebhaft freche Schelm, dem die Liaison zu eng wurde oder Kokoschka, der besitzergreifende, stürmische Geliebte, dem solche Sätze in den Mund gelegt werden wie ‘die Zeit ist die Währung der Liebe‘. Mit ihm wird es auch optische etwas anspruchsvoller. Dann der brave biedere Gropius, den man heute eher in die Abteilung ‘Schlaftablette‘ einordnen würde. Und schließlich Franz Werfel, der Alma via Piano erobert, sogleich schwängert und damit eine melodramatische Note einbringt. Den größten Handlungsspielraum bekommt Gustav Mahler (Jonathan Pryce). Er ist für Alma Anfang und Basis, künstlerisches Idol und Konkurrent. Sarah Wynter füllt die Titelrolle als androgyner Typ mit geheimem Feuer voll und ganz aus. Interessant.
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Sa, 25.01.2014
Kino | Out of sight
Aus den Augen, aus dem Sinn0 Sterne
Wenn man JLo und George Clooney in den Kofferraum eines Autos sperrt ist das für die Zuschauer ja ganz toll. Dann kann man ihnen anschließend auch eine hanebüchene Story verkaufen, die so unglaubwürdig ist, dass es brummt. Der Gipfel an Unverschämtheit ist ja am Ende der Vorschlag von JLos Vater (Dennis Farina), seines Zeichens Ex Polizist, dass seine Tochter, US Marshall, den Gefangenen zurück ins Gefängnis transportieren soll, denn so können sie sich ja näher kommen. Da muss man bei der Kategorisierung das ‘L‘ für leichte Unterhaltung durch ein ‘S‘ ersetzen. Ohne Humor oder Witz, ohne Spannung und mit einem Plot, der aus dem Setzkasten stammt. Bei den flachen Dialogen sind 4 Sätze über Filme schon nobelpreiswürdig. Allein Steve Zahn und Catherine Keener versuchen in ihren Nebenrollen wenigstens Typen zu kreieren. Aber Stars wohin man schaut und ebenso viele Klischees: Gefängnis, Boxmilieu, etc. Beim Einsatz ist die Polizei dümmer als erlaubt. Und bei den plumpen Anmacheversuchen in der Bar warten doch alle nur auf George, wie in der Werbung, wobei JLos einzige Absicht in ihren Pupillen steht: ‘Ich will das F-Wörtchen.‘ Schnelle Schnitte verdeutlichen ihre Absicht: Handberührung am Glas, Handauflegung auf Schenkel, Streicheln, Kuss. Als Kulisse Fensterwand mit Schneefall. Da sind die Cameos von Samuel L. Jackson, Michael Keaton und Nancy Allen echte Hingucker bei einem Film, bei dem nur der Titel stimmt. Man sieht nicht das Fließband, sondern nur was drauf liegt. Dazu gehört auch noch eine kurze Stadtrundfahrt durch Detroit. Unglaublich! K.V.
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Fr, 24.01.2014
TV | Easy Money
Bandenkrieg2 Sterne
Trotz der anfänglichen klaren Aufteilung hier Gefängnisausbruch von Jorge (Matias Padin Varela)und da der Wirtschaftsstudent John (Joel Kinnaman)wird es auf der Drogendealerebene etwas unübersichtlich. Da geht es zwischen Albanern, Arabern, Chilenen und Serben etwas bunt durcheinander. Nur zwei Dinge sind klar: es ist kein ‘leichtes Geld‘, das man da verdienen kann, dafür geht der Knochenbrecher Mrado (Dragomir Mrsic) zu brutal vor und die Angst spürt man auch nicht, wie uns der Untertitel vorwarnt. Davon abgesehen ist ein menschlicher Aspekt hier anrührend. Mrado hat seine kleine Tochter Luisa dabei. Und der kleine Fratz hat Angst und will, dass Papa immer bei ihr ist. Daraus ergeben sich interessante emotionale Verwicklungen. Diese Konstante ist die eine Antipode zur Welt der Ganoven, in der keiner keinem trauen kann und jeder nur seine eigene Haut und sein Portemonnaie retten will. Die andere ist die Liebesgeschichte von Joe und Sophie (Lisa Henni). Joe macht das alles ja nur, weil er dahin will, wo Sophie längst ist. Sie ist eine reiche Bankerstochter. Nach einer etwas unübersichtlichen Ballerei sitzt Joe im Knast. Sophie kommt zu Besuch und muss sich entkleiden. Hier würde der Zuschauer gerne mit dem weiblichen Personal die Position tauschen. Sie liebt ihn immer noch, er schweigt. Der Schluss ist das Ende. Die Spannung hielt sich in Grenzen, brutale Szenen neben kurzen menschlichen Momenten. Gewürzeintopf mit Ketchup.
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Do, 23.01.2014
Kino | Fanny und Alexander
Die Ekdahls5 Sterne
Dieser Film ist ein Meisterwerk der Extraklasse! Kinderfantasien erwecken Gipsfiguren zum Leben und eine untergegangen Welt lässt er wieder erstehen. Ein detailliertes Lokalkolorit zeigt die Großfamilie Ekdahl um 1900, als die Welt noch aus Domestiken und Herrschaften bestand. Natürlich hat der kleine Alexander viel von Ingmar. Besonders die immer wiederkehrenden Begegnungen mit der Welt des Theaters, der Masken und Marionetten. Man kann ihn in drei Teile gliedern:1. Die weihnachtliche Familienfeier (heiter und lustbetont), 2. Der Aufenthalt bei Bischof Vergerus (qualvoll und ernst) und 3. Die Wiedervereinigung der Familie und der Doppeltaufe (ein fröhlicher Ausklang). Dieser Film unterscheidet sich total von den übrigen Bergman-Filmen, die ja eher einen intellektuellen Anstrich haben. Aber so ganz ohne philosophischen Tiefgang geht es natürlich auch hier nicht ab in diesem Universum des Matriarchats. Alexander fordert Beweise für die Existenz Gottes, sein verstorbener Vater erscheint immer wieder wie der Geist von Hamlets Vater. Ein geschäftemachender Jude kommt vor (Erland-Szenen-einer Ehe-Josephson) und der Pantheismus wird diskutiert. Aus dem hervorragenden Ensemble ragt besonders Gustav Adolf heraus (Jarl Kulle). Der rammelfreudige Titan, der Frau und Dienstmagd (Pernilla August) erfolgreich beglückt. Der gestrenge Bischof Vergerus (Jan Malmsjö), der eine furchterregende Charakterstudie eines lächelnden Sadisten abliefert (‘Rohrstock, Rizinus oder Rattenkeller‘) sowie Harriet Andersson als diabolische Dienstmagd Justina. Eine eigene Welt, in der ‘alles geschehen kann‘ und in der ‘Zeit und Raum nicht existieren‘. Ab in den Olymp!

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