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Do, 23.01.2014
Kino | Fanny und Alexander OmU
Die Ekdahls5 Sterne
Dieser Film ist ein Meisterwerk der Extraklasse! Kinderfantasien erwecken Gipsfiguren zum Leben und eine untergegangen Welt lässt er wieder erstehen. Ein detailliertes Lokalkolorit zeigt die Großfamilie Ekdahl um 1900, als die Welt noch aus Domestiken und Herrschaften bestand. Natürlich hat der kleine Alexander viel von Ingmar. Besonders die immer wiederkehrenden Begegnungen mit der Welt des Theaters, der Masken und Marionetten. Man kann ihn in drei Teile gliedern:1. Die weihnachtliche Familienfeier (heiter und lustbetont), 2. Der Aufenthalt bei Bischof Vergerus (qualvoll und ernst) und 3. Die Wiedervereinigung der Familie und der Doppeltaufe (ein fröhlicher Ausklang). Dieser Film unterscheidet sich total von den übrigen Bergman-Filmen, die ja eher einen intellektuellen Anstrich haben. Aber so ganz ohne philosophischen Tiefgang geht es natürlich auch hier nicht ab in diesem Universum des Matriarchats. Alexander fordert Beweise für die Existenz Gottes, sein verstorbener Vater erscheint immer wieder wie der Geist von Hamlets Vater. Ein geschäftemachender Jude kommt vor (Erland-Szenen-einer Ehe-Josephson) und der Pantheismus wird diskutiert. Aus dem hervorragenden Ensemble ragt besonders Gustav Adolf heraus (Jarl Kulle). Der rammelfreudige Titan, der Frau und Dienstmagd (Pernilla August) erfolgreich beglückt. Der gestrenge Bischof Vergerus (Jan Malmsjö), der eine furchterregende Charakterstudie eines lächelnden Sadisten abliefert (‘Rohrstock, Rizinus oder Rattenkeller‘) sowie Harriet Andersson als diabolische Dienstmagd Justina. Eine eigene Welt, in der ‘alles geschehen kann‘ und in der ‘Zeit und Raum nicht existieren‘. Ab in den Olymp!
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Do, 23.01.2014
TV | 5x2 - Fünf mal Zwei
Szenen einer Ehe3 Sterne
Das Einmalige an diesem Film ist die Tatsache, dass die Liebes/Ehegeschichte in fünf Kapiteln rückwärts erzählt wird: • Scheidung mit letzter Vergewaltigung • Party mit zwei schwulen Freunden • Geburt des Sohnes • Hochzeit • Kennenlernen im Cluburlaub. Bereits im ersten Teil wird deutlich, dass die zwei nicht zusammen passen. Hier zeigt sich bereits die ganze Ambivalenz dieses gestörten Verhältnisses, das aus Zuneigung, Ablehnung, Missverständnissen und falschen Signalen besteht. Man fragt sich allerdings, warum geht Marion dann mit Ehemann Gilles überhaupt ins Bett nach der Scheidung? (Ein Abschiedsgeschenk?) Im zweiten Teil erzählt Gilles, dass ihm Marion beim Sex auf einer Swinger Party zugeschaut hat. (Rettet das die angeknackste Beziehung?) Bei der Geburt ist er nicht im Krankenhaus. (Hat er das Kind nicht gewollt?) In der Hochzeitsnacht schläft er ein, sie geht ins Gebüsch mit ‘nem Ami knutschen. Zufallsbekanntschaft im Urlaub war der Ausgangspunkt für diese 5 Kapitel Ehedrama. Bei der überlangen Schlusseinstellung fragt man sich allerdings ‘Haben sich die zwei überhaupt jemals geliebt?‘ Weil man das Ende kennt, sieht man diese ganze Entwicklung distanziert. Die Länge gewisser Einstellungen lässt die Rückläufigkeit der Erzählung fast vergessen. Man ist gebannt von Valeria Bruni Tedeschis differenzierter Schauspielkunst, sowie dem Kurzauftritt der beiden Oldtimer Francoise Fabian und Michael Lonsdale, die Marions Eltern spielen mit Zank und Streit, aber auch Versöhnung. Ein echter Gegenpol. Ernüchternd realistisch.
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Mi, 22.01.2014
TV | In einer besseren Welt
Held ode Weichei4 Sterne
Wenn jeder so wäre wie Anton (Mikael Persbrandt, der ewige Assistent von Kommissar Beck) der Arzt ‘ohne Grenzen‘ in Afrika, würden wir in einer besseren Welt – vielleicht sogar im ‘Himmel‘ (Titel!) leben. Susanne Bier erzählt eine Geschichte voller Parallelen über Gewalt. Das Potential bei den Jungs und Vätern ist das gleiche: drangsalieren und drangsaliert werden. Dabei gibt es einen Ehrenkodex: bloß nicht das Gesicht verlieren. Die Kids, Christian und Elias, sind ein Spiegelbild der Erwachsenen. Nur Anton ist für völlige Gewaltfreiheit, weil er in Afrika täglich damit konfrontiert wird. Dabei ist er weißgott kein Weichei. In Afrika stellt sich für ihn ein zusätzliches Problem: einem Warlord und Massenmörder das Leben zu retten. Heilen oder richten?! Für die Buben ist er kein Held. Die basteln aus Rache für die Demütigung Antons eine Bombe mit fatalen Folgen. Es trifft wie immer Unschuldige. Auch die Ausgangssituation ist gut gewählt: Christians Mutter ist tot, er gibt die Schuld seinem Vater. Die Eltern von Elias Anton und Marianne (Trine Dyrholm) leben getrennt. Wohl eher aus beruflichen Gründen. Hier greifen aus der Sicht des Umfeldes (Lehrer) die Klischees– liegen aber eigentlich voll daneben. Wie dies alles mit Einsichten und Erkenntnissen zu einem ‘guten‘ Ende gebracht wird, wird überzeugend dargestellt. Die kurzen Emotionsausbrüche tun der Lösung keinen Abbruch, vertiefen nur die Anschaulichkeit. Ein ergreifendes Drama mit Niveau und einem guten Ausgang.
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Di, 21.01.2014
TV | The Fog - Nebel des Grauens
Das Grauen aus dem Meer4 Sterne
Ein Klassiker aus der Gruselkiste. Man muss die Vorgeschichte gar nicht verstehen, John Carpenter schafft auch so Gänsehaut-Feeling. Der Spannungsaufbau ist seitdem richtungsweisend: erst bewegen sich nur wie zufällig Möbelstücke, Fensterscheiben und Uhrengläser springen, Nebel wabert vom Meer an die Küste. Es folgt ein ausführlicher Einblick ins Alltagsleben der Küstenbewohner, die sich allesamt am Ende in der Kirche versammeln – sofern sie noch leben. Dunkle Gestalten tauchen auf, undeutlich in Fetzenkluft mit roten Augen. Ein Drama auf See, es folgt eins an Land. Und immer wieder dieses pochende Klopfen. Das schafft Nervenkitzel. Stromausfall, Dunkelheit. Man erfährt immer nur so viel, dass es für das Grauen reicht. Etwas muss im Nebel stecken. Die Reaktionen der Betroffenen heizen die Atmosphäre weiter an. Hier ist vor allem die Radiomoderatorin Stevie Wayne (Adrienne Barbeau) zu nennen, nicht Bürgermeisterin Janet Leigh. Die rafft überhaupt nichts und ist nur jubiläumsfeiermäßig unterwegs. Hier kommt sogar ein Hauch von Komik auf. Und Pater Malone (Hal Holbrook) weiß und erwartet sein Schicksal. Damit es voran geht, muss ja auch nachgeforscht werden. Dafür ist Tom Atkins und Janet Leighs (echte Tochter) Jamie Lee Curtis zuständig. Das Umfeld dient nur dem weiterenn Ausbau der Spannung, die wie der nichtzufassende Nebel immer näher kommt und damit steigt. Bis ein finaler Schwerthieb dem Grauen ein Ende setzt. Punkt! Immer noch saustark!
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Mo, 20.01.2014
TV | Shanghai
Gong und John2 Sterne
Dieser Spionage Film aus der Endphase des 2. Weltkrieges, in dem man am Rande mitkriegt, dass die Japaner Pearl Harbour angegriffen haben, ist atmosphärisch durchaus gelungen und optisch ansprechend. Prominente Darsteller geben ihr Bestes. Alles voran die Ikone des fernöstlichen Kinos Gong Li. Sie spielt lange Zeit eine mysteriöse chinesische Widerstandkämpferin. John Cusack als Kollege aus den USA wird von ihrem Gegenspieler zum Geliebten, der ihrem Charme nicht widerstehen konnte. Wenn man sich nur auf diese beiden konzentrieren könnte, wäre die Handlung bereits verworren genug, denn so ganz genau kriegt man nicht mit, bei wem Cusack da so recherchiert. Ein Gangsterboss (Hollywoods Vorzeige Chinese Chow Yun-Fat) und der Geheimdienstchef funken noch dazwischen und um die Verwirrung komplett zu machen mischen auch noch die Nazis in Shanghai mit. Konfusion auf der ganzen Linie. Allein John und Gong garantieren Kontinuität mit etwas Durchblick. Von ihnen erfahren wir, dass ‘das Herz keine Neutralität kennt‘ oder dass die große amerikanische Tradition so verläuft: ‘Geburt – Schule – Yale – Krieg‘. Vor lauter Nachforschungen wird die Handlung etwas vernachlässigt. In der Turbulenz der Endphase überschlagen sich die Ereignisse, Halbtote stehen wieder auf und zeigen widererwarten unverständliche Gnade für die Verliebten. Bleibt lediglich ein Kuss in einem unerfüllten Liebesfilm bei dem die beiden Königskinder vor lauter Wirrwarr nicht zusammen kommen konnten und als es dann doch geklappt hat, war der Film zu Ende.
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Mo, 20.01.2014
TV | Mein großer Freund Shane
Ein Freund in der Not...3 Sterne
Der Film stammt aus den 50er Jahren, als im Western Tieraufnahmen noch eine kleine Rolle spielten, lange Dialoge die Problematik erläuterten, wie hier im Kampf der Farmer gegen die Viehzüchter: Bleiben oder Wegziehen und große Gefühle zum Einsatz kamen. (Eine Hose kostete noch 1$!) Hier ist es nicht der Held Shane (Alan Ladd), der die Schöne Marian (Jean Arthur) kriegt, denn es geht um innere Werte wie Freundschaft, Nachbarschaftshilfe, Gemeinsinn und natürlich die Liebe zum Land. Durch die häufige Kameraeinstellung von schräg unten vor blauem Himmel werden die Hauptpersonen zu Heroen. Was die Action betrifft, sind die Massenschlägereien im Saloon schon die Highlights. Und es ist Zeit für ein Begräbnis ein ganzes ‘Vater Unser‘ lang. Als Jack Palance, der Bösewicht vom Dienst, als Revolverheld auftaucht, kommt sogar Spannung auf, die sich in einem gut aufgebauten Showdown entlädt. Die stilistische Krönung ist das klassische Ende, wenn der angeschossene Shane, der sich nur vom kleinen Joey verabschiedet (Oscarnominierung für Brandon De Wilde) in die Prärie reitet. Damals ein heroischer Schmachtfetzen, heute etwas für einen geruhsamen Abend.
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So, 19.01.2014
TV | Small Town Murder Songs
Kleinstadtlieder über Mord2 Sterne
Ebenso wie der ungewöhnliche Titel ist auch die Handlung des Films. Und ebenso ungewöhnlich wie die Machart agieren auch die Darsteller. Von Anfang an begleitet ein Soundtrack aus Trommeln und Gesängen das Geschehen, das sich oft in fast undurchschaubarem Schwarz abspielt. Da hin gehören auch Anfang und Ende, die das eigenartige Geschehen umschließen und nur halbwegs aufklären. Religiöse Sprüche bilden eine Art Kapitelüberschrift wie ‘Tut Buße und bekennt euch zu eurem Glauben‘. In diesem von tiefster Gläubigkeit gezeichneten Umfeld der Provinz ermittelt der zutiefst religiöse Polizist Walter (Peter Stormare) im Mordfall an einer jungen Frau. Er macht quasi alles falsch, was man so nie tun sollte, denn er hat von Anfang an einen Verdächtigen, weil er ihn nicht mag. Der Mord wird zur Nebensache, der Fundamentalismus zur unglaublichen Maxime. Hier ticken die Uhren einfach anders, sonderbar anders. Neben dem religiösen Fanatiker können sich noch zwei recht unterschiedliche Frauen profilieren: Sam, Walters Frau (Martha Plimpton), devot, religiös und etwas schlicht und Rita (Jill Hennessy), selbstbewusst, eine Frau mit Vergangenheit. Dieser karge und spröde Inhalt wird uns 75 Minuten lang eindringlich vorgeführt. Der Zuschauer taumelt von anfänglichem Staunen zu allgemeinem Unwohlsein und ungläubigem Kopfschütteln. Lieder einer Kleinstadt eben, in der ein Mord passiert war. Eigenartig.
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Sa, 18.01.2014
Kino | Summer Games - Giochi d'Estate OmU
Schmerzliche Ferien1 Stern
Den Familien, die auf diesem Campingplatz Urlaub machen, geht es gefühlsmäßig nicht gut. Die Kids quälen sich mit Folterspielen und die Alten streiten und prügeln sich. Die pubertären Kids sind ein Spiegelbild der älteren Generation. Alle kennen nur Schmerz und Einsamkeit. Allein die erste zärtliche Liebe zwischen Nic (Armando Condolucci) und Maria (Fiorella Campanella) fällt da etwas aus dem Rahmen. Beide sind es nicht gewohnt, Gefühle zu zeigen. Und wissen auch nicht, wie man damit umgeht. Die Ehe von Nics Eltern ist am Ende. Wenn sie Liebe machen, ist das eine Vergewaltigung mit vorübergehendem Lustgewinn für beide. Sie (Alessia Berela) redet von Scheidung und rettet ihn immer wieder. Er (Antonio Merono) verprügelt sie dafür mit steter Regelmäßigkeit. Sie handelt nach dem Motto ‘Mein Mann liebt mich nicht mehr, er schlägt mich nicht mehr.‘ Diese sexuelle Abhängigkeit ist ebenso unklar wie ihr Ausflug mit einem Campingnachbarn. Sind beides etwa Sommerspiele? Marias tränenreiche Suche nach ihrem Vater bleibt ein Versuch mit Enttäuschung. So geht gegen Ende dem Film die Puste aus. Auch wenn Regisseur Rolando Colla versucht mit netten Tauchbildern der Verliebten Kids einen geglätteten Abgang zu erzeugen. Ein unangenehmes Sommererlebnis aus der Schweiz. Grobkörnig wie Sand zwischen den Zehen. Hoffnungslos herb. Kein Wunder, dass der Film im Oscar Rennen keine Chance hatte.
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Fr, 17.01.2014
Kino | The Wolf of Wall Street
Der zahnlose Wolf4 Sterne
Ein bitterböser Film, aber genial. Mit aller erdenklichen Konsequenz wird das Phänomen ‘Gier‘ dargestellt, eine der sieben Todsünden des Mittelalters. Gier in jeglicher Form, nicht nur Geldgier und Streben nach Reichtum, sondern auch in sexueller Hinsicht und in Bezug auf Drogen. Und das wird fast pausenlos und exzessiv drei Stunden lang dargeboten. Alles konzentriert sich auf die Person von Jordan Belfort. Hier liefert Leonardo DiCaprio wohl eine seiner bisher besten, weil reifsten schauspielerischen Leistungen ab. Leo schnupft, säuft und vögelt sich von Erfolg zu Erfolg. Er schafft es durch seine überragende Präsenz die Handlung durch vier Genres überzeugend zu gestalten: der Film beginnt als Erfolgsstory eines Aufsteigers, wandelt sich dann zu einer Groteske von Gier und Geld mit Anklängen von Massenpsychosen und endet als Finanzkrimi. Das geniale dabei ist, dass in allen drei Phasen immer wieder ganz persönliche, teilweise anrührende Szenen vorkommen, die zu Herzen gehen, gefolgt von dramatischer Action. Aus seiner Umgebung ist vielleicht noch Naomi, seine zweite Frau (Margot Robbie) zu erwähnen, die zwar wunderschön anzuschauen ist, sich aber keineswegs in der Rolle des blonden Dummchens erschöpft. So staunen wir über Jordans phänomenalen Aufstieg und bleiben bei seinem Abstieg nicht ungerührt. Der Film packt einen, wegen der Story und den großartigen Darstellern. Er tut weh, schockiert, macht aber auch nachdenklich.

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