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Fr, 17.01.2014
Kino | The Wolf of Wall Street OV
Der zahnlose Wolf4 Sterne
Ein bitterböser Film, aber genial. Mit aller erdenklichen Konsequenz wird das Phänomen ‘Gier‘ dargestellt, eine der sieben Todsünden des Mittelalters. Gier in jeglicher Form, nicht nur Geldgier und Streben nach Reichtum, sondern auch in sexueller Hinsicht und in Bezug auf Drogen. Und das wird fast pausenlos und exzessiv drei Stunden lang dargeboten. Alles konzentriert sich auf die Person von Jordan Belfort. Hier liefert Leonardo DiCaprio wohl eine seiner bisher besten, weil reifsten schauspielerischen Leistungen ab. Leo schnupft, säuft und vögelt sich von Erfolg zu Erfolg. Er schafft es durch seine überragende Präsenz die Handlung durch vier Genres überzeugend zu gestalten: der Film beginnt als Erfolgsstory eines Aufsteigers, wandelt sich dann zu einer Groteske von Gier und Geld mit Anklängen von Massenpsychosen und endet als Finanzkrimi. Das geniale dabei ist, dass in allen drei Phasen immer wieder ganz persönliche, teilweise anrührende Szenen vorkommen, die zu Herzen gehen, gefolgt von dramatischer Action. Aus seiner Umgebung ist vielleicht noch Naomi, seine zweite Frau (Margot Robbie) zu erwähnen, die zwar wunderschön anzuschauen ist, sich aber keineswegs in der Rolle des blonden Dummchens erschöpft. So staunen wir über Jordans phänomenalen Aufstieg und bleiben bei seinem Abstieg nicht ungerührt. Der Film packt einen, wegen der Story und den großartigen Darstellern. Er tut weh, schockiert, macht aber auch nachdenklich.
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Di, 14.01.2014
TV | An Education
Schule des Lebens2 Sterne
Ein bisschen hat Lone Scherfig den Biss verloren. Trotzdem ist es ein ganz nettes Filmchen geworden. Das liegt allerdings nur an den passablen Darstellern. Carey Mulligan mimt die Jenny ganz gut. Dass ihr das Drehbuch am Ende die Oxford-Karriere in den Schoß fallen lässt, dafür kann sie nichts. Ist aber unrealistisch, ähnlich wie der plötzliche Heiratsantrag aus heiterem Himmel. Dabei verfassten zwei echt Gute den Text (Lynn Barber und Nick Hornby). Jennys geliebter Freund und Förderer (Peter Sarsgaard) strahlt etwas eindimensional wie meistens pure Freundlichkeit (‘Nur mal gucken!‘). Das Geheimnisvolle an seinem Innenleben fehlt. Jennys Eltern (Molina, Seymoure) bringen durch ihre Spießigkeit etwas Farbe ins Bild. Direktoren Emma Thompson bleibt hingegen ebenso blass wie Miss Stubbs, die Lehrerin (Olivia Williams). Bei der Promibesetzung (u.a. Hawkins, Pike ) war mehr drin. Die Handlung schwankt zwischen Oxford und Reichtum, erstem Liebesabteuer und solider Ausbildung. Das hätte für eine Komödie gereicht. Wie Jenny aber dann zu der Erkenntnis gebracht wird, doch zu studieren, kommt recht unverhofft und von der Sache her abgedroschen. So verfängt die Melodramatik kaum. Nur der Titel stimmt. Auf die Feststellung ‘Du klingst alt und weise‘, antwortet Jenny ‘Ich fühl‘ mich alt, wenn auch nicht sehr weise.‘ Dem kann man nur zustimmen.
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Mo, 13.01.2014
TV | Goldhelm
Ein Liebeskrimi4 Sterne
Dieser Klassiker hat inzwischen zu Recht Kultcharakter erreicht. Das liegt zunächst einmal an den beiden Hauptdarstellern Marie und Mandat (die damals noch jugendliche Simone Signoret und Serge Reggiani, damals schon mit verknautschter Physiognomie). Dann wird ein anschauliches Zeitbild der Halbwelt um 1900 gezeigt, wobei der Gegensatz Welt der Ganoven und der der arbeitenden Bevölkerung am Rande erwähnt wird. Schließlich gibt es noch den Gegensatz Stadt und Land: hier der Ort des Lasters und des Vergnügens, dort die saubere Natur im friedlichen Sonnenschein. Und bei der Problematik des Mordes steht echte Freundschaft gegen Ganovenehre, Verrat gegen Wiedergutmachung. Es wird gradlinig erzählt. Vor dem ersten Mord erzeugen die Männer durch ihre Hahnenkämpfe die Spannung, danach ist es das Schicksal der Verliebten, das berührt. Manche Szenen bleiben im Gedächtnis wie die lyrische Passage der frisch Verliebten auf dem Lande oder das Gespräch in der ‘Grünen Minna‘. Ein seltener Schluss macht den Film nicht gerade zum Feel-Good-Movie: Maries Fensterplatz für Mandats Hinrichtung. Die Retro fungiert als Palliativ. Menschliche Tragik im Gerechigkeitsdschungel, hart aber ehrlich, unerbittlich wie ein Ganovenleben.
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So, 12.01.2014
TV | Besser geht's nicht
Der Teufel der ein Engel war3 Sterne
Der Titel ist zwar etwas übertrieben, geht aber in die richtige Richtung. Die Romanze zwischen dem Schriftsteller Melvin (Jack Nicholson) und der Kellnerin Carol (Helen Hunt) lebt von der Schauspielkunst der beiden Hauptdarsteller. Nicholson spielt das Ekel in Bestform, aber nicht ganz unsensibel für das, was um ihn herum passiert. Hunt sorgt bisweilen mit einem knallharten verbalen Konter für Stimmung. Mit ihrer Mimik ist sie generell nahe am Wasser gebaut. Sie spielt hier aber die ganze Palette der Emotionen voll aus. (Großaufnahmengenuss!) Sie ist ein exzellentes Gegenstück zum ‘Haifischlächler‘. Die vorhersehbare Story braucht keinen Tiefgang. Man kann sich einfach zurücklehnen und entspannen. Selbst das Ende ist nicht übertrieben schnulzig, eher herb-süß. Der schwule Nachbar (Greg Kinnear) und das umgebaute Sofakissen auf vier Beinchen, das manche Leute ‘Hündchen‘ nennen, erhöhen den Unterhaltungswert. Ältere Zuschauer freuen sich über ein Wiedersehen mit dem Altstar der 50er Jahre Shirley Knight als Carols Mutter. Selbst als Melvin seine caritative Ader entdeckt, bleibt alles ganz nett. Man bekommt hier genau das, was man erwartet hat. Und das ist auch gut so. Leichte Kost, gute Unterhaltung.
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Sa, 11.01.2014
TV | Verhängnis
Ertappt4 Sterne
Die anfängliche Allerweltstory vom Schwiegervater Stephen in spe (Jeremy Irons), der mit der Schwiegertochter Anna in spe (Juliette Binoche) schläft, verdichtet sich am Ende zu einem bewegenden menschlichen Drama. Übertrieben ausführlich werden zuvor die beiden obsessiv sexuell Abhängigen auf ihr Genital beschränkt und müssen es auf Teppich und Matratze unaufhörlich unter Beweis stellen. Bei dieser etwas holprigen Variante im griechisch-römischen Stil zerbricht der rüde Lover seine Geliebte fast, liebevoll ist das nicht, soll wohl animalisch sein. Mit dem nahen Hochzeitstermin des Sohnes Martyn (Rupert Graves) und einem neuen Liebenest nimmt die Handlung die im Titel angekündigte Wendung. Martyn ertappt die beiden in flagranti und weicht entsetzt zurück – ein fataler Fehler! Jetzt wird der Film erst richtig gut. In knapper Szenenfolge geigen zwei Frauen dem Frauenheld die Meinung. Hier glänzt vor allem Miranda Richardson als Stephens Frau. Sie durchschaut ihn und lässt ihn eine Zeitlang an der langen Leine laufen, kann ihre verletzten Emotionen aber nicht verbergen ‘Wären wir uns doch nie begegnet.‘ und ‘ Warum hast du dich nicht umgebracht?‘ Souverän wie eine Göttin, aber auch rasend vor Trauer fleht sie ihn an ‘Gib mir seinen Tod!‘ Den Rest erledigt Annas Mutter, Leslie Caron. Sie löst verbal Stephens Hoden vom Gehirn, sodass er auf Reisen gehen und zu sich selbst finden kann – bestenfalls. Die verschwundene Anna taucht gesprächsweise nochmal auf, mit Freund und Kind. Eine großartige Lösung der Affäre, die so eindrucksvoll erzählt wird.
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Mi, 08.01.2014
Kino | Venus im Pelz
Sex & Macht4 Sterne
Polanski hat wieder einmal bewiesen, dass er einer der größten lebenden Regisseure ist. Was er hier mit den beiden Hauptdarstellern Emmanuelle Seigner (Vanda) und Mathieu Amalric (Thomas) in diesem Kammerspiel sich vor der Kamera abspielen lässt, ist Arthouse at its best, ist ein Blick in menschliche Abgründe. Ausgehend von Regisseur und Vorsprechtussi schlüpfen beide probeweise in zwei Rollen eines historischen Theaterstücks, das zu einer Reise in ihr jeweiliges Innenleben wird. Hier glänzt vor allem die Seigner, die von jetzt auf gleich in Tonfall und Habitus von einer kaugummikauenden, plollhaften Nachwuchsschauspielerein zu einer mondänen Dame der Gesellschaft des vorigen Jahrhunderts mutiert. Blitzschnell wechseln die Realitäten der Akteure mit den Dialogen des Stückes, ganz persönliches mit dem üblichen Theaterdonner. Und indem Vanda sich zur Domina und Göttin steigert und Thomas zum servilen Hündchen und Füßeküsser wird deutlich, dass es neben dem Lustgewinn beim Sex vor allem um Macht geht. Das macht der Rollentausch der Geschlechter deutlich, die völlige Selbstaufgabe geht mit der Unterwerfung bis zur totalen Verleugnung der eigenen Existenz. Und das bei witzig spritzigen Dialogen. (‘Und abends schaust du Arte und gehst schlafen und stirbst…‘) oder es wird mehrfach ‘Ambivalenz‘ mit ‘Ambiguität‘ verwechselt. Klar ist, dass bei Polanski die Frau als Siegerin die Manege verlässt. Selten ist ein Abspann so interessant wie hier, nachdem sich die Kamera zurückzieht d.h. die Anfangssequenz rückwärts läuft. Ein Geniestreich ohne den das Kino etwas ärmer wäre.
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Mo, 06.01.2014
TV | Blue Valentine - Vom Ende einer Liebe
Emotionaler Whirlpool4 Sterne
Der Film wirft einen realistischen, keineswegs emotionslosen Blick auf die Liebesbeziehung von Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling). Durch den Wechsel der Zeitebenen bleibt die Story ebenso interessant wie durch Cindys Liebesleben, bevor sie Dean traf. So werden nach der Verliebtheitsphase Eifersüchteleien und Mistrauen verständlich. Der Bildungsunterschied ist nur ein Hinweis auf die Kommunikationsschwierigkeiten der beiden. Ein völlig danebengegangener Urlaubstrip als Kitt für die angeknackste Beziehung ist ein Indikator für den Zustand dieser Beziehung. Doch anstatt gefühlvoller Liebe gibt es Prügel. Ihr erscheint es als entwürdigendes Rammeln und so ist sie auf einem Point of No Return angelangt. Sie kann ihm auch nicht sagen, woran es liegt oder was er ändern sollte. Das ist eine der Stärken des Films, dass man nicht genau expressis verbis erklärt bekommt, woran es liegt, dass es mit den beiden nicht mehr klappt. Dabei wird vermieden, auf vereinfachende Klischees zu verfallen, wenn man mal von Deans Ausraster in der Arztpraxis absieht. Dagegen steht die abgebrochene Abtreibung als emotionale Antipode. Gosling gibt überzeugend den tumben, hilflosen Simpleton, der völlig überfordert ist, ganz Kraft und Gefühl und Cindy erwacht langsam und tastet sich vorsichtig in Richtung Neuland. Beide liefern sich in diesem Whirlpool der Emotionen eine aufreibende Zimmerschlacht, die belegt, dass es für die Zweisamkeit keine Garantie gibt, wahrscheinlicher ist ein ‘trauriger Valentinstag‘.
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Sa, 04.01.2014
Kino | The Tree of Life
Toter Lebensbaum1 Stern
Auch wenn man der sonderbaren Aufforderung zur Entscheidung für den ‘Weg der Natur‘ oder den ‘der Gnade‘ nicht Folge leistet, bleiben die Blätter an diesem Lebensbaum voller Fragezeichen. Allein die Bilder sind beeindruckend, die Handlung selbst bleibt etwas kryptisch und die nicht enden wollenden Choräle nähern sich wie ein Schraubstock der akustische Folter. Man ahnt Tod und sieht viel Trauer und Tränen. Es gibt jede Menge abgedroschene Gemeinplätze wie ‘Du musst jetzt stark sein‘, ‘Das Leben geht weiter‘ oder ‘Nichts bleibt so wie es ist‘. Und schon überwältigen den Zuschauer Astralnebel, Wolkengewaber, Feuersbrünste, Vulkanausbrüche und andere Naturschauspiele und vervielfachen die Fragezeichen auf den Blättern dieses Lebensbaumes. Man versucht sich seinen eigenen Reim auf das Geschehen zu machen: Geburt, Taufe, erste Schritte ins Leben…Unterlegte Gebete helfen auch nicht weiter. Sean Penn agiert etwas orientierungslos. Vater O’Brien (Brad Pitt), der hier andauernd mit vorgestelltem Unterkiefer wohl besonders einfältig und brutal schauen muss, pflanzt einen Baum um Halloween zur Musik von Smetanas ‘Moldau‘. Er pflegt einen autoritären Erziehungsstil mit viel Körperkontakt. Auch Prügel gehören dazu. Es bleibt ein Lehrfilm über Erziehungsfragen. Er bietet eine anschauliche Vielfalt als Diskussionsgrundlage, wobei die Religion als Leitfaden dient, bis hin zu den letzten Worten ‘Tue anderen Gutes! Staune! Hoffe!‘ Man vergaß zu ergänzen ‘und vergiss!‘ K.V. den Film kannste vergessen.

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