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Sa, 04.01.2014
Kino | The Tree of Life OmU
Toter Lebensbaum1 Stern
Auch wenn man der sonderbaren Aufforderung zur Entscheidung für den ‘Weg der Natur‘ oder den ‘der Gnade‘ nicht Folge leistet, bleiben die Blätter an diesem Lebensbaum voller Fragezeichen. Allein die Bilder sind beeindruckend, die Handlung selbst bleibt etwas kryptisch und die nicht enden wollenden Choräle nähern sich wie ein Schraubstock der akustische Folter. Man ahnt Tod und sieht viel Trauer und Tränen. Es gibt jede Menge abgedroschene Gemeinplätze wie ‘Du musst jetzt stark sein‘, ‘Das Leben geht weiter‘ oder ‘Nichts bleibt so wie es ist‘. Und schon überwältigen den Zuschauer Astralnebel, Wolkengewaber, Feuersbrünste, Vulkanausbrüche und andere Naturschauspiele und vervielfachen die Fragezeichen auf den Blättern dieses Lebensbaumes. Man versucht sich seinen eigenen Reim auf das Geschehen zu machen: Geburt, Taufe, erste Schritte ins Leben…Unterlegte Gebete helfen auch nicht weiter. Sean Penn agiert etwas orientierungslos. Vater O’Brien (Brad Pitt), der hier andauernd mit vorgestelltem Unterkiefer wohl besonders einfältig und brutal schauen muss, pflanzt einen Baum um Halloween zur Musik von Smetanas ‘Moldau‘. Er pflegt einen autoritären Erziehungsstil mit viel Körperkontakt. Auch Prügel gehören dazu. Es bleibt ein Lehrfilm über Erziehungsfragen. Er bietet eine anschauliche Vielfalt als Diskussionsgrundlage, wobei die Religion als Leitfaden dient, bis hin zu den letzten Worten ‘Tue anderen Gutes! Staune! Hoffe!‘ Man vergaß zu ergänzen ‘und vergiss!‘ K.V. den Film kannste vergessen.
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Fr, 03.01.2014
TV | Mona Lisa
Der Retter der ' Gefallenen Mädchen'4 Sterne
Zur Einstimmung auf diese menschelnde Krimikomödie gibt’s den Titelsong von Mr Supersamtstimme Nat King Cole. Dann sehen wir über weite Strecken wie der Exknacki George (Bob Hoskins) die Edelnutte Simone (Newcomer Cathy Tyson) zu ihren Einsätzen fährt. Von den Promis ist Michael Caine der Böseste und Robbie Coltrane der Knuffigste. In den teils recht witzigen Dialogen kommen sich George und Simone natürlich näher, geraten aber auch immer tiefer in den mafiösen Sumpf um sie herum. Ein kleines menschliches Drama ist in ein Gangstermilieu eingebettet mit allem was dazu gehört. Nur die gemeinsame Bettgeschichte dieses äußerst ungleichen Pärchens fehlt. Nach einer Hetzjagd sind alle Bösewichte tot, George muss noch kurz schlucken, als sich Simone als mögliche Lesbe outet und mit einer Leichtigkeit, wie sie sonst nur Franzosen oder Italienern eigen ist, endet der Film. Zuvor hat Neil Jordan einige emotionale Akzente gesetzt: George mit rauer Schale und weichem Kern langt schon mal richtig hin. Ansonsten ist er brav und frei von jedem modischen Outfit. Eher der Spießer-Typ. Von Simone als Entspannungsgehilfin und Wunscherfüllerin sieht man fast nichts. Sie gibt den fast erloschenen aber immer noch leise brodelnden Vulkan. So wird Komik mit Spannung verbunden. So überwiegen die Emotionen gegenüber der Hau-Drauf-Mentalität und gestatten einen ganz anders als erwarteten Schluss. Selten gut.
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Do, 26.12.2013
Kino | Der Fluch der goldenen Blume
Gift für die Kaiserin4 Sterne
Ein äußerst bombastischer Kostümschinken mit der Leinwandikone aus Fernost Gong Li in der Titelrolle und vom profiliertesten Regiealtmeister Zhang Yimou aus dieser Gegend der Welt gemacht. Die Choreographie der Massenauftritte und die selbst für kleine Nebensächlichkeiten mit einem Heer von Bediensteten durchgeführten Alltagsarbeiten sind umwerfend. Natürlich spielt der Schwertkampf, der mit seiner balletthaften Ausführung auch in Slomo einem Tanz des Todes ähnelt, eine wichtige Rolle. So wird die eigentliche Handlung zur Nebensache: Umsturz, Intrigen um Macht und Einfluss werden thematisiert vor farbenprächtiger Kulisse, die von Gold und Brokat nur so strotzt. Und die Kamera schwebt über den irdischen Ereignissen und betrachtet das menschliche Treiben oft aus der Vogelperspektive. Die schauspielerischen Akzente setzen Gong Li durch zitternde Gesten vom Gift gezeichnet und von Ehrgeiz zerfressen und Chow Yun-Fat als Kaiser, der hier bestens bekannt ist. Seine ganz persönliche Problematik ist die Liebe zu Sohn und Frau einerseits und die Staatsräson andererseits. Man staunt über eine Welt, die uns so fremd und die mit ihrem steifen Hofzeremoniell jenseits unserer Vorstellungskraft anzusiedeln ist. Man sollte sich aber noch so viel genaue Beobachtungsgabe erhalten, um die letzte wortlose Reaktion der Kaiserin nicht zu verpassen. Nachdem der Kaiser seinem Sohn und Revoluzzer zuvor ein alternativloses Angebot unterbreitet hat.
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Di, 24.12.2013
TV | Agora - Die Säulen des Himmels
Hypatia3 Sterne
In der Antike war Alexandria lange Zeit die geistige Hauptstadt der Welt. Hier lebte und wirkte die Naturwissenschaftlerin Hypatia (Rachel Weisz). Ihre gedanklichen Ansätze (geozentrisches oder heliozentrisches Weltbild), die später Kopernikus und Galileo beeinflusst haben, stehen im Mittelpunkt des Films. Außerdem denkt sie noch über Gravitation nach und findet, dass die Umlaufbahn der Planeten kein Kreis sondern eine Ellipse sein muss. Auch die Frage, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist, wird diskutiert. Aber genauso wichtig sind die teils blutigen Auseinandersetzungen zwischen Heiden, Christen und Juden im 4. Jahrhundert in dieser Stadt. Die teils verwirrende Vielfalt der Gruppierungen (z.B. die Parabolani) wird durch die Atmo aufgefangen. Es herrscht ein Klima von Hass, Furcht, Intoleranz und Zerstörung. Im gegenseitigen Gemetzel schlagen auch mal die Christen zurück. Sie sind nicht per se die Guten, sondern stellen den Pöbel der Straße. Da wird die mittelalterliche Inquisition vorweggenommen und Frauen, die nicht ins Weltbild passen, als Hexe, Hure oder Heidin beschimpft. Die christliche Religion war und ist wohl heute immer noch weitgehend Männersache. Das wird deutlich an Hypatias Ende. Zur Auswahl stehen Steinigung, Suizid oder der barmherzige Sklave Davus (Max Minghella). Hintergründe und Zusammenhänge bleiben leider etwas unklar, die religiösen Fronten nicht deutlich genug markiert. Dazu fehlen Figuren, an denen man das festmachen könnte. So versandet der lobenswerte Ansatz.
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Mo, 23.12.2013
TV | Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn
Der untote Vater1 Stern
Drei Superdarsteller allein machen noch keinen Spitzenfilm. Vater (Anthony Hopkins) bleibt farblos und Hausfreund (Jake Gyllenhaal) kann nur staunend das Mathegenie Catherine (Gwyneth Paltrow) bewundern und vorübergehend befriedigen. Die mathematischen Fachsimpeleien sind nicht nachzuvollziehen, bleiben auch weitgehend im Hintergrund. Bis zum Notizbuch des Vaters kann man die angedeutete Problematik nachvollziehen, denn das ist konkret und wird mehrmals hin und hergereicht. Doch der Titel benennt einen Beweis und den gibt es nicht. Allein ein guter Gag ist die Schnittfolge, durch die der Vater zwischen Diesseits und Jenseits hin und herpendelt. Doch das verflacht in der Wirkung nach einiger Zeit. Auch die eingeflogene Schwester Claire (Hope Davis) als Kontrastmittel zu Catherine gedacht, bleibt erstaunlich eindruckslos. Nur bei der Paltrow wird das dargestellte Genie sichtbar, das zwischen selbstvergessenem Blaustrumpf mit verloren gegangenem Realitätsbezug und einem übereinsteinmässigen Superhirn hin und her schwankt. Bis zuletzt fragt man sich, ob nun Vater oder Tochter dieses Jahrhundertwerk verfasst haben. Selbst auf der Matratze gibt es keine Klarheit, obwohl Catherine zur Zufriedenheit der Happyend-Fetischisten sich für die Liebe und den Hausfreund entscheidet. Statt eines Beweises gibt es einen Appell an das Vertrauen. Überzeugend ist das nicht. So macht es am Ende einfach nur ‘Puff!‘ Es war Liebe zwischen Stillstand und Langeweile.
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So, 22.12.2013
TV | Am Ende einer Flucht - The Statement
Die Hetzjagd4 Sterne
Norman Jewison hat ein nicht sonderlich populäres Kapitel der französischen Geschichte in einen spannenden Politthriller umgesetzt: das Vichy-Regime als Marionette der Nazis. Hier wird aber besonders darauf hingewiesen, dass die katholische Kirche eine aktive Rolle bei der Unterstützung von untergetauchten Nazi-Schergen (wie z.B. Pierre Brossard) gespielt hat. Die Grundidee ist historisch verbürgt, wenn auch gelegentliche Ausschmückungen die Handlung kino-kompatibler machen. Die Ermittler Tilda Swinton und Jeremy Northam von der Staatsanwaltschaft bzw. der Armee (die damalige französische Polizei war selbst involviert) machen das saucool. Es geht bis in höchste staatliche Kreise (Alan Bates) und ins ganz Private (Charlotte Rampling als Brossards Ehefrau). Aus dem Promi-Ensemble ragt aber besonders die Hauptperson Pierre Brossard (Michael Caine) heraus. Er wirkt gehetzt, verschwitzt und ist am Ende außer Atem. Gejagt von mehreren Interessengruppen. Anfangs kommt er noch als freundlicher, älterer Herr daher, bis er schneller zieht als ein auf ihn angesetzter Killer. Er hat Herzprobleme und ist zutiefst religiös. Das erklärt die Hilfe durch die Kirche. Doch seine Freunde lassen ihn fallen und die Feinde kommen immer näher. Und damit es nicht zu einseitig wird, wird schon mal darauf hingewiesen, dass Brossard als junger Mann damals in gutem Glauben als Befehlsempfänger gehandelt hatte, was ihn aber nicht daran hinderte sich zu bereichern. Spannend, wichtig und grandios gespielt.
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Sa, 21.12.2013
TV | The Kids are All Right
Lesben sind auch Menschen2 Sterne
Regisseurin Lisa Cholodenko, die hier ihre eigene Geschichte zum Film gemacht hat, will uns zeigen, dass es in einer eheähnlichen Lesbenbeziehung zugeht wie bei den Heteros. Zwei Mädels, die zusammen leben, haben sich ihre Babys aus der Samenbank geholt und jetzt bei Volljährigkeit wollen die Kids Paul (Mark Ruffalo), ihren biologischen Vater kennenlernen. Das ‘Familienleben’ ist klischeehaft geordnet: Nic (Annette Bening) ist Ärztin und schmeißt den Laden, Jules (Julianne Moore) ist Gärtnerin und macht auf Heimchen am Herd. Bis Paul auftaucht. Den vernascht sie volles Rohr hinter Nics Rücken. Selten hat Julianne Moore so auf der Matratze getobt. Es folgen die üblichen Streitereien wie man sie vom Ehealltag bei ertappten Seitensprüngen her kennt. Auf Lüge folgt Verharmlosung mit viel Geheul. Hier nur mit mehr Gefühl und Tränen. Ob Paul auch die Tochter beglückt hat, wird nur angedeutet, bevor sie das traute Heim verlässt und dahin geht, wo alle Amis hin flüchten aufs College. Danach kann man nur noch Fußballtrainer Stepanovic zitieren: ‘Lebe geht weiter.‘ Musste das mal gesagt sein, dass Lesben ein ganz normales Eheleben mit Kindern führen können? Abgesehen von der Message ist das nichts Besonderes. Darsteller und Plot sind US-Massenware vom Fließband. K.V.
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Fr, 20.12.2013
TV | Das Auge - Eye of the Beholder
Im Auge des Betrachters4 Sterne
Trotz des philosophischen Ansatzes ist daraus ein recht spannender Krimi geworden. Und so muss man auch den ganzen Verlauf und das Ende des Films verstehen: ‘Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.‘ Der Ermittler Wilson (Ewan McGregor) ist erst nur Beobachter, dann Voyeur und verliebter Verfolger und schließlich Befreier der Massenmörderin Joanna Eris (außerordentlich eindrucksvoll Ashley Judd). Es entwickelt sich ein Roadmovie, das seine Spannung aus der Tatsache bezieht, dass immer wieder Fragezeichen hinterlassen werden. Da ist zum einen Wilsons Tochter Lucy, lange schwebt sie zwischen Realität und Fantasie. Dann die Rückblenden, die sowohl Joannas als auch Wilsons problematische Kindheit enthüllen. Wir sehen Großaufnahmen in Slomo. Joanna verlor ihre Kindheit, ihre Tochter, Vater, Ehemann und ihren Schutzengel. Wilson erging es ähnlich. Bei dieser knallharten Realität darf es dann schon mal auch etwas emotional sein. Wenn die Vertreter der Verluste (Geneviève Bujold als Heimleiterin) und die Requisiten der Vergangenheit am Ende zusammentreffen, wird es nochmal spannend. Hier triumphiert erneut die Schnitttechnik und fokussiert das Erlebte. Eine letzte Berührung von Joana und Wilson in rasanter Fahrt bringt außer der gegenseitigen Erkenntnis auch das Thema des Films nochmal zum Tragen. So geht philosophischer Actionfilm, der über kleine logische Knacks hinwegspringt wie die kleine Lucy, aber das Thema nie aus den Augen verliert.

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