Sa, 07.12.2013Kino | Blue Jasmine OmenglUDie doppelte LuftblaseWoody Allen hat wieder zu alter Größe zurückgefunden. Mit diesem Film ist ihm das, was ihn zu einem ganz Großen gemacht hat, erneut gelungen. Viel Wortwitz und Situationskomik, die immer wieder durch psychologischen Tiefgang unterbrochen werden. Menschlich anrührende Erkenntnisse bewegen den Zuschauer zu verständnisvollem Kopfnicken. Die Figuren, vor allen Dingen die großartige Titelheldin Cate Blanchett (eigentlich eine Anti-Heldin), liegen quasi bei Woody auf der imaginären Couch. Was Cate hier abliefert ist der Höhepunkt ihrer bisherigen schauspielerischen Karriere. Eine Seelenschau, in der sie immer wieder gegen Wände läuft, weil sie sich selbst im Weg steht. Die großartige Mimik gekennzeichnet von Alkohol- und Tablettenkonsum verdeutlicht ihren Tunnelblick.
Das geniale Drehbuch vergleicht die kapitalistische Luftblase an der Börse, der ihr Ehemann Alec Baldwin zu Opfer fällt, weil seine verbrecherischen Methoden von einer gewissen Zockermentalität bestimmt werden, mit dem ganz persönlichen menschlichen Fiasko dieser Frau. Ihr wäre fast ein erneuter Aufstieg zu gesellschaftlicher Anerkennung geglückt. Geplatzt!
Überraschend gut gecastet ist hier Sally-Happy-Go-Lucky-Hawkins als ihre Schwester Ginger. Sie ergänzt als Antipode in hervorragender Weise Jasmine, weil sie noch etwas mehr geerdet ist, obwohl auch nicht gerade vom Erfolg verwöhnt. Bleibt noch die Feststellung, dass Woody Allen hier nicht nur präzise sondern hoch aktuell ist. Genial nahe am Puls der Zeit. | |
Fr, 06.12.2013TV | Die Frau, die singt - IncendiesSingen gegen die SchmerzenEine spannende Geschichte wird äußerst eindrucksvoll auf zwei Zeitebenen erzählt. Die Zwillinge Jeanne und Simon erfahren nach dem Tod der Mutter, dass ihr Vater und ein weiterer Bruder in Israel lebten. Sie machen sich von Kanada aus auf die Suche. Damit sind wir mitten in der Nahost Problematik. In Rückblenden erfahren wir, dass Mutter Nawal (Lubna Azabal) eine Attentäterin gewesen war, die gefoltert und vergewaltigt später nach Kanada auswandern konnte.
Schonungslos wird die Gefangenschaft geschildert und Nawals Weg in den Terror (‘Dem Feind das antun, was das Leben mir angetan hat.‘) Ihre Peiniger konnten sie jedoch nicht brechen. Sie sang unentwegt. Doch die seelischen ‘ Verbrennungen‘ - so der Originaltitel - verheilten nie. Es ist eine doppelte Suche: die Zwillinge suchen mit Hilfe eines befreundeten Rechtsanwalts Vater und Bruder und Nawal suchte damals nach Kindern eines zerbombten Heims.
Am Ende überschlagen sich die Erkenntnisse und erschlagen die Zuschauer damit. Es wird etwas unübersichtlich: der Gesuchte ist ihr Bruder, ihr Vater und der Vergewaltiger…oder so…
Egal, es bleibt furchtbar und unbegreiflich. Wie jeder Krieg bringt auch der hier unermessliches Leid über die Menschen und wieder einmal sind es die Frauen, die Stärke beweisen, auch wenn sie sich dabei an ihrer Seele Verbrennungen zuziehen. Eindrucksvoll. Durchaus realistisch. Ein Film, der den Schrei nach Frieden in dieser Region nicht verstummen lässt. | |
Fr, 06.12.2013TV | Der Mann, der vom Himmel fielEin Alien & der SexAnfangs ist es ein interessanter Science Fiction Spaß mit zwei Handlungssträngen: die eine fällt unter den Titel des Films, die andere ist davon völlig losgelöst. Ein bumsfideler Professor (Rip Torn) beglückt jede Studentin, die es bei ‘Drei‘ nicht geschafft hat… Der arbeitet später auch noch mit dem Alien (David Bowie) irgendwie zusammen, aber auch der treibt es kunterbunt mit Mary-Lou (Candy Clark), dem blonden Dummchen, das nur das eine will. Die Frage drängt sich auf, was hat das auf der Erde in einem Ganzkörperkondom gelandete Alien mit dem Sexaktivitäten zu tun? Etwa so viel wie Apfel-Mus mit Orgas-Mus?! Oder die optischen Highlights mit ‘Schwanz‘ und ‘Schamhaar‘ wegen der Alliteration oder um des Reimes willen die ‘Schießerei‘ mit der ‘Fickerei‘? Eine Zeitlang ist das ja ganz unterhaltsam so quasi als freizügige Dokumentation der wilden 70er Jahre. Doch dann wird es sinnfrei: Weihnachtsshopping mit ‘Stiller Nacht‘, Nacktbaden mit Schwarzen und Weißen, eine Brustwarzen OP für Bowie etc. etc. Die Handlung fasert aus in Zufälligkeiten, die langweilen. Und die Sinnfrage stellt sich auch nur noch für kurze Zeit. Und ganz Ausgeschlafene haben hier sogar eine Zivilisationskritik festgestellt. Ich nicht! Ich hoffte auf einen baldigen Schluss dieses Unsinns. K.V. | |
Do, 05.12.2013TV | Die LiebendenUnglaublichWieso der Film in den 50er Jahren ein Skandal war, ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Jeanne, eine junge, lebenslustige Frau (Jeanne Moreau) verlässt ihren alten, zynischen Ehemann (Alain Cuny) und ihren geschniegelten Liebhaber Raoul (José Luis de Vilallonga). Der sieht so wunderbar aus, wie sein Name klingt. Er war der Vorzeige-Beau jener Zeit. Immer bereit, immer erfolglos, ob beim ‘Tiffany-Frühstück‘ oder bei seinem ‘Darling‘. Jeanne zieht mit einem jüngeren (Jean-Marc Bory) von dannen. Heute hätte man Verständnis für Jeannes Verhalten. Nicht so damals. Der Film streifte ein Tabu. Zweidrittel sind Gesellschaftskritik an den oberen Zehntausend, das letzte Drittel gehört den Liebenden: nachts im Park; Jeanne wandelt im weißem Nachthemd, mit ihrem Liebsten, mal Küsse tauschend, mal im Bad, mal im Boot, mal im Bett und mal auf der Wiese. Eine halbe Ewigkeit! Ganz leise stöhnend wälzt sich die Moreau mit ihrem Liebhaber vor der Kamera umher und gibt sich offenherzig wie sonst nie. Doch gemessen an heutigen Sexszenen ist das Kindergeburtstag.
Für heutige Ohren sind die Brahmsstreicher und die pathetischen Liebeschwüre (‘Ich habe dich immer gekannt‘ und ‘wir werden eins sein‘) akustische Folter bzw. treiben sie einem die Schamröte ins Gesicht. Die optischen Weichzeichner sind ein zusätzlicher Schleier, der eine lyrische Aura verbreitet, die allzu weit gedehnt ermüdet und verfremdet. Vielleicht musste es mal so gesagt werden. | |
Do, 05.12.2013TV | Cassandras TraumZwei BrüderBei dem stetigen Ausstoß an Filmen (jedes Jahr einen) kann nicht jeder ein Geniestreich sein. So wie dieser hier keiner ist. Es ist quasi eine Wiederholung des Themas von ‘Match Point‘ nur eine Nummer kleiner, eindimensionaler. Gut gemachte Unterhaltung, ganz nett anzuschauen und auf Hochglanz poliert.
Die beiden Brüder, die von Mördern quasi zu Brudermördern mutieren, sind recht passable dargestellt. Terry (Colin Farrell), der tablettenabhängige Schwächling bekommt Gewissensbisse. Bruder Ian (Ewan McGregor) hingegen ist der erfolgreiche und skrupellose Sonyboy. Zwischen beiden geistert noch die glatte Fehlbesetzung Kate umher (Sally Hawkins), die von Haus aus eher auf ‘Happy-Go-Lucky getrimmt ist und hier selbst in den ernsten Passagen (und die gibt es wirklich) ungewollte Lacher bewirkt.
Da das Ende zu offensichtlich ist, dreht Allen mit kurzem Kommentar in eine dritte Richtung ab. Es ging wieder einmal um das perfekte Verbrechen und am Ende erfährt der Zuschauer, dass alles ganz anders war, als die polizeilichen Ermittlungen ergaben.
Es knistert nicht, man schmeißt sich nicht weg vor Lachen und folgt der Handlung, die in der zweiten Hälfte ein ganz klein wenig an Spannung zulegt.
Und der Titel? Na gut, das Boot hieß so. Bei den alten Griechen sah Cassandra Unheil voraus, nur keiner glaubte ihr. Aber man ja sein Boot schlecht ‘Albtraum‘ nennen, als den Ort, an dem nur die Sonne Zeuge war. | |
Mi, 04.12.2013TV | Antonias WeltVier GenerationenEigentlich ist es der letzte Tag im Leben von Antonia (Willeke van Ammelrooy) (‘Es wird Zeit, dass ich sterbe.‘). Doch dann versinkt sie in Erinnerungen an ihr erfülltes Leben. Drei Generationen von Mädchen folgten ihr nach. Die Männer spielen nur eine untergeordnete Rolle (als Erzeuger) oder sind gar Bösewichte (als Vergewaltiger) wie Pitte (Filip Peeters). Einziger Lichtblick ist hier der Bauer Sebastian (Jan Decleir). Als er um Antonias Hand anhält, antwortet sie ‘Meine Hand kriegen sie nicht, - aber den Rest.‘
Diese mit viel Empathie und Humor gestaltete Dorf- und Familiensaga hat aber auch noch Platz für ernste Facetten, besonders gegen Ende, wenn es ans Sterben geht oder die Dorfgemeinschaft Selbstjustiz übt. Aber vorher können wir uns noch an den herrlich schrägen Dorftypen erfreuen wie ‘Krummer Finger‘, ‘die verrückte Madonna‘ oder ‘Lippen Willem‘. Und Tochter Danielle (Els Dottermans) hat die künstlerische Gabe Grabfiguren oder Jesus am Kreuz animationsmäßig in Bewegung zu sehen oder ihre lesbische Liebe, die Dorfschullehrerin, als schaumgeborene Venus von Botticelli. Ebenso bemerkenswert ihre Schwangerschaft: sie will ein Kind, aber keinen Ehemann. Dazu besucht sie mit Mutter Antonia ein ‘Heim für gefallene Mädchen‘. ‘Die stehen nicht mehr auf.‘
Lyrische Kommentare aus dem Off bilden gute Überleitungen zur Handlung: ‘Selbstzufrieden pflanzte die Zeit sich fort, ohne jemals etwas anderes als sich selbst zu gebären.‘
In diesem Dorf herrschen die Frauen, aber nicht unbedingt gegen die Männer, sondern mit ihnen. Grotesk agiert die Gemeinschaft gemeinsam: alle lieben sich gleichzeitig und manche sterben nacheinander. Aber die Toten kehren wieder, still und unaufdringlich. Rundum genial und zu Recht oscarprämiert. | |
Di, 03.12.2013TV | Amazing GraceErstaunliche GnadeWenn der Altmeister Michael Apted (Regie) und das Regietalent Terrence Malick (Produzent) einen Film über die Abschaffung der Sklaverei im England machen, wird das ganz großes, anspruchsvolles Kino. Geschickt stellen sie einen Evergreen als Titel in den Mittelpunkt. Und der wird auch noch von der Hauptfigur Wilberforce (Ioan Gruffudd) eingangs gesungen. Einer der wenigen Waliser, die es in Hollywood geschafft haben. Und bekanntlich haben ja alle Waliser eine naturgegebene wunderbare Stimme. Hier liefert er eine eindrucksvolle Charakterrolle eines Abolitionisten ab. An seiner Seite der Verfasser des Liedes John Newton (großartig Albert Finney) sowie seine Frau Barbara (Romola Garai). Es tut der Handlung gut, dass sie nicht die damals übliche Frauenrolle im Sinne von ‘Heiß-auf-Heirat ‘ übernimmt, sondern eher Gesprächspartner ihres Mannes ist. Es werden die geographischen Gedankengänge der Freiheit richtig nachvollzogen: Boston, Paris, London. Fehlt nur noch das magische Handelsdreieck: Afrika, USA, Europa, auf dem Sklaven, Baumwolle und Webwaren transportiert wurden. Selbst der ureigenste englische Aspekt beim Sklavenhandel wird erwähnt: Royalist oder Revolutionär. Kann man für den König sein und gleichzeitig für die Menschenrechte eintreten? Wie es ausging, weiß man ja, wie es dazu kam wird anschaulich geschildert. | |
Di, 03.12.2013TV | Wir waren ZeugenBloß keine ZeugenAndré Téchiné, der Meister der psychologischen Tiefgründigkeit, will uns hier die Aids-Problematik vor Augen führen. Und dabei fährt er such recht seichte Gewässer. Es geht natürlich homo- und heteromäßig zur Sache – bis die Krankheit ausbricht. Die Beteiligten durchleben Zurückweisung und Annäherung, wie in der Ehe von Sarah und Mehdi (Emmanuelle Béart und Sami Bouajila). Mehdi, der junge Vater ist auch noch bi. Es gibt etwas Todesangst aber auch Lebensgier (‘Wir vögeln uns in den siebten Himmel!‘). Am Ende stirbt zwar Manu (Johan Libéreau), ein Betroffener sang und klanglos, aber alles ist dann wieder F.F.E. Will uns das der Regisseur wirklich sagen? Uns den Zeugen? Zumindest unterstützen das die drei Kapitelüberschriften: Glückliche Tage, Krieg, der Sommer kehrt zurück.
Das mit Aids ist wohl gar nicht so schlimm, man muss es nur richtig handeln, oder wie? Bloß keine Panik!? Alle machen weiter wie bisher und sind bumsfidel! Das wäre aber angesichts dieser immerwährenden Gefahr eine glatte Verharmlosung der Dinge.
Auch die Darsteller fühlen sich nicht so richtig wohl in diesem Streifen. Kann ich verstehen. Sie verkaufen uns ein Stück Sahnetorte, das mit Senf gefüllt ist. Da mache ich von meinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. K.V. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.