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Mo, 02.12.2013
TV | Duell in der Sonne
Das Halbblut & der Taugenichts2 Sterne
Jennifer Jones ab den 40er Jahren für über vier Jahrzehnte für hinreißende Liebesgeschichten oder das ganz reine Herz zuständig, ist hier die ‘fleischgewordene Versuchung‘. Pearl sagt von sich selbst sie sei schlecht. Kein Wunder bei den Erbanlagen: Vater Mörder, Mutter Hure. Und so verdreht sie zwei Männern gleichzeitig den Kopf: Jesse (Joseph Cotton) ist wie immer der aufrechte, herzensgute, verständnisvolle Anwalt (als ‘Judas‘ beschimpft). Sein Bruder Lewt (Gregory Peck hier ein einziges Mal in einer Rolle als rücksichtsloser Taugenichts) macht sie von sich sexuell abhängig, demütigt sie jedoch und verweigert ihr die Ehe. Er und Pearl liefern sich am Ende dann doch den titelgebenden tödlichen Zweikampf, den Produzent Selznick wie ‘vom Winde verweht‘ in einem Märchen enden lässt. Der Film spielt mit echten Männlichkeitsidealen, weiblicher Hingabe aus Enttäuschung und der eigenen Machtlosigkeit seinem Schicksal gegenüber. Das Böse vernichtet sich selbst vor einem durch und durch in knallrot getauchten unversöhnlichen Himmel. Und da das nicht reicht, kommt es noch zu einer Konfrontation von Armee und den Viehbaronen. Der mürrische Vater (Lionel Barrymore) der unterschiedlichen Söhne wird am Totenbett seiner Frau Laura Belle (Lilian Gish) doch noch weich. Und die stirbt immer so schön eindrucksvoll. Ab da geht es in Richtung Schmonzette. Nur archivmäßg interessant.
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So, 01.12.2013
TV | 21 Gramm
Das Gewicht der Seele4 Sterne
Das ist aus Inarritus Trilogie der beste Teil. Eine Wahnsinnsstory, unheimlich spannend erzählt – manche Szenen werden vorgezogen – in beeindruckende Bilder gefasst und ein Weltklasse Ensemble (Penn, Watts, Del Toro). Die menschlich tragische Seite ist an Dramatik kaum zu überbieten, zumal es um das lebensspendende Organ das Herz geht. Alle Beteiligten laden Schuld auf sich, sind mehr oder weniger verliebt und profitieren aber auch von den anderen. Lediglich Charlotte Gainsbourg hat eine kurze, undankbare Rolle. Die Erzählweise ist das Geheimnis der Spannung und die Tatsache, dass man sich ständig am Rande des Todes bewegt bzw. in der Grauzone zwischen Tod und Leben. In dieser Nische findet auch der religiöse Fundamentalismus seinen Platz. Genial wie nach der ganzen furchtbaren Entwicklung eine ruhige Phase eingeleitet wird, in der alle drei Akteure zur Besinnung kommen, auch wenn es nicht allen etwas nützt. Das ist Drama pur und ganz großes Schauspiel und man erfährt, wie viel die Seele wiegt: soviel wie fünf Fünf Cent Münzen oder ein Kolibri oder ein Schokoriegel.
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So, 01.12.2013
TV | Rosenkranz & Gueldenstern
5. Akt, 2. Szene, Z 4113 Sterne
Der Film von Tom Stoppard ist etwas für Literaturinteressierte. Er hat diese beiden unbedeutenden Figuren schon im Sinne Shakespeares richtig nachempfunden. Dort nannte man sie ‘Schwämme‘. Heute würde man sie als ‘Vollpfosten‘ bezeichnen. Da ist ‘Hamlet‘ schon hilfreich, um der Handlung voller komischer Unsinnigkeiten halbwegs folgen zu können. Die beiden philosophieren über Existenzialismus, freien Willen im Gegensatz zum Determinismus. Sie absolvieren z.B. ein rhetorisches Tennisspiel, wobei Fragen und Antworten den Ball ersetzen. Tim Roth und Gary Oldman sind als Titelhelden in diesem Anti-Hamlet munter unterwegs. Sie machen Experimente, die uns heute bekannt vorkommen, ebenso wie die Verfremdungseffekte: Hamburger, Schlafbrille und Papierflieger. Drei Akte spielen jeweils im Wald, im Schloss und auf See. Immer wieder ziehen sich wie ein Roter Faden die Aufführungen einer Theatertruppe unter Richard Dreyfuss durch die Handlung. Das ist im echten Sinne bestes Shakespeare Verständnis (‘All the world‘s a stage and all the men and women merely players. ‘) Und es wird auch im Sinne des großen Briten häufig gemetzelt. Szenen aus ‘Hamlet‘ werden mehrfach dargeboten. Hier gibt Iain Glen den Hamlet, der den berühmtesten Satz des Dramas nur lautlos mit den Lippen formt. Sonst gibt es nur reine Bühnensprache, etwas gespreizt und abgehoben. Ein Spiel im Spiel. Stoppard, bildet Handlungsblasen, variiert und interpretiert das Genie. Außergewöhnlich anspruchsvoll. Hamlet: V./2./ 411
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Sa, 30.11.2013
TV | Die verlorene Zeit
Erinnerung4 Sterne
Ein KZ-Film mit der besonderen Komponente: Liebe. Geschickt verbindet Regieneuling Anna Justice zwei Zeitebenen: die von 1945 als Hannah (Alice Dwyer) und Tomasz (Mateusz Damiecki) aus dem KZ fliehen können und dreißig Jahre später als sie sich via Fernsehinterview wiederfinden. So kommt in doppelter Hinsicht Spannung auf: von der vielleicht erfolgreichen Flucht der beiden und von ihrem Zusammentreffen Jahrzehnte später. Die Flucht wird durch die Gefahren, die erst von den Deutschen dann von russischen Soldaten herrühren, zur nervlichen Zerreißprobe, getragen von herausragenden schauspielerischen Leistungen. Hier ist vor allem Susanne Lothar als Mutter von Thomasz zu nennen. Sie ist die personifizierte Angst. Die vergrößert sich noch durch die feindselige Haltung ihrer zukünftigen Schwiegertochter gegenüber. Optisch eindrucksvolle Überblendungen zeigen die heutige Hannah (Dagmar Manzel) in einem Raum mit dem Thomasz von damals. Und dann wartet man natürlich auf das Treffen der beiden Liebenden, die inzwischen verheiratet sind und Kinder haben. Diese Doppelgleisigkeit ist durchaus gelungen. Bei Thomasz ist die heutige Situation einfach: er ist geschieden. Hannah hingegen liebt ihren heutigen Ehemann und muss ihm erklären, warum sie von New York zu Thomasz fährt. Sie kann sicherlich nicht die ‘verlorene Zeit‘ zurückbringen. Am Ende stehen sie sich gegenüber – ein Omnibus zwischen beiden teilt das Bild. Der ‘dramatische Vorhang‘ beendet den Film, denn das ist jetzt eine andere Geschichte. Zu Recht preisgekrönt.
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Do, 28.11.2013
TV | Zazie
Zazie rennt4 Sterne
An sich ist es ein ganz normales Wochenende in Paris für die kleine Zazie (Catherine Demongeot), aber was Lois Malle daraus macht, übersteigt die Grenzen der Fantasie. Die Göre ist rotzfrech und ziemlich altklug. Aber vor allem ist es die Vielseitigkeit der Einfälle, die einen überwältigt: wir sehen eine Hommage an den Stummfilm, Hetzjagden à la Tom und Jerry, gezeichnete Comic-Einlagen, viele Slapsticks, Dialoge werden durch Bilder verdeutlicht (‘Stau‘) oder der Eifelturm ist von Wellen umschäumt. Bekannte Stars wie Sascha Distel haben Cameos. Die Handlung sprengt einfach jeden erdenklichen Rahmen durch überraschend witzige Einfälle, manchmal sogar jenseits der Schwerkraft. Das Unerwartbare wird zum Gestaltungsprinzip erhoben. Teilweise werden ganz einfache Methoden angewendet wie die ‘Stille Post‘ oder ein Taschentuch als Handpuppe und gezaubert wird auch. Es wird ein Trip in die Welt der Fantasie (‘Paris ist eine Illusion und die Geschichte ist der Traum von einem Traum‘). Neben dem unvergleichlichen Onkel Gabriel (Philippe Noiret), der hier als ‘Damenimitator‘ agiert, glänzen noch Vittorio Caprioli, der seinem Namen alle Ehre macht gleich in mehreren Rollen, sowie Carla Marlier als Debütantin mit dem engelhaften Lächeln neben Yvonne Clech als durchgeknallte alte Dame. Dieser Spaß für jedes Alter endet in Tortenschlacht mit Sauerkraut und einer Massenkeilerei im Chaos. Und als ihre Mama Zazie am Ende fragt ‘Was hast du gemacht?‘ antwortet die ‚Ich bin älter geworden.‘ Rasant respektlos, überwältigend lustig, schwindelerregend überdreht.
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Mi, 27.11.2013
TV | An vorderster Front
Ein Hügel in Korea2 Sterne
Ein erster zaghafter Versuch (1956), sich filmisch dem Koreakrieg zu nähern. Es gibt eigentlich nichts Bemerkenswertes über diesen unbedeutenden Streifen zu sagen. Es wird geschossen, gestorben und die Handlung wird von den üblichen Landser Sprüchen begleitet: Heimweh, Mädels und keine Lust am Krieg. Es gelingt keine echte Charakterzeichnung, obwohl das schauspielerische Potential durchaus vorhanden ist, denn fast alle Darsteller machten später mehr oder weniger große Filmkarrieren: wie z.B. Michael Caine, Stanley Baker und Stephen Boyd, um nur einige zu nennen. Für Militärhistoriker gibt es die Taktik der ‘verbrannten Erde‘ und das sogenannte ‘Friendly Fire‘. Und natürliche falsches Heldentum durch spontane Einzelaktionen. Aber all das verpufft an der Oberfläche. Dazu passt der Schluss: man zieht sich einfach zurück. Punkt, Aus, Amen! K.V.
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Di, 26.11.2013
TV | Gladiator
Maximus gegen Commodus4 Sterne
Dieser Film hat im Jahr 2000 wieder eine neue Welle von Monumentalfilmen ausgelöst. Er setzt nach 20 jähriger Pause die Reihe der BIG SIX erfolgreich fort. Jetzt mit verbesserter Technik: Showkämpfe als Einzel- und als Massenphänomen. Da vergrößert der Schnitt Tempo und Action. Im Mittelpunkt stehen Einzelschicksale und die Rollen sind klar verteilt: für die Guten steht die Titelfigur Maximus (Russell Crowe) und für die Bösen Kaiser Commodus (Joaquin Phoenix). Zwischen beiden leidet Lucilla (Connie Nilsen). Den einen will sie nicht, den anderen kriegt sie nicht. Die Art der Präsentation hebt die einen in den Himmel und macht sie quasi zu Göttern, während nach langem Hin und Her die Bösen endlich in den Hades geschickt werden. Der Zuschauer empfindet Genugtuung dabei, selbst wenn es kein Happy End gibt. Dafür klassische Musik und poetisch schöne Bilder auch der Toten Helden, die damit unsterblich werden. Besonders die emotionale Ebene wird mächtig hochgefahren. Von Ehrgeiz zerfressen wirkt die Gemeinheit des Cäsarenwahns noch gemeiner. Nach allem richtet Lucilla das letzte Wort an Maximus ‘Du bist zu Hause‘ und etwas später ‘Jetzt sind wir frei‘. Und genau wie in den klassischen Sandalenfilmen dient die Historie auch hier nur als Anlass für freies Schalten und Walten mit der Materie des antiken Stoffes benutzt. Das geschieht aber äußerst bildgewaltig vor bombastischer Kulisse. Durchaus beeindruckend.
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Di, 26.11.2013
TV | Wenn es Nacht wird in Paris
Hände weg vom Zaster3 Sterne
Das erste und das letzte Bild zeigt den Superstar der 50er Jahre Jean Gabin als Max. Er prägt diesen Klassiker, an dem nichts Jugendgefährdendes ist, höchstens die Nacktfotos an den Wänden. Und weil man nicht sogleich rafft, was er eigentlich vorhat, wird es trotz der überlangen Einleitung etwas spannend. Waffen kommen erst im Finale zum Einsatz. Meistens agieren die Ganoven im feinen Zwirn. Der wortkarge Max verteilt höchstens ein paar Ohrfeigen – auch an die Mädels wie z.B. Jeanne Moreau – die ihm sonst reihenweise zu Füßen liegen. Man prügelt sich nicht, und die Dialoge sind auch nicht sehr ergiebig. Die Spannung kommt nicht aus der Faust oder dem Schießprügel, sondern aus der bewusst angelegten Ungewissheit des Drehbuchs. Umso überraschender ist das Finale. Max muss sich zwischen ‘seinen‘ Goldbarren in einem brennenden Auto (Originaltitel!) und seinem Kumpel Riton (René Dary) entscheiden. Für ihn zählt Freundschaft mehr als Geld. Das ist ungewöhnlich für das Milieu. Damals saß der Colt eben nicht so locker wie heute und Gewaltanwendung war nur das allerletzte Mittel, wenn es gar nicht anders ging. So wirkt der Film etwas angestaubt und altbacken. Man muss diese Machart halt mögen und das ausgiebige Schattenspiel dieses s/w Streifens genießen. Über die Message kann man streiten, ob unrealistisch verstiegen oder sentimental überhöht. Nur die Coolness der Akteure beeindruckt heute noch und die Atmo stimmt, wenn es Nacht wird in Paris…
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Sa, 23.11.2013
TV | Ironclad
Eisenanzug4 Sterne
Wer Ritterfilme mag, sieht gerne Schwertkämpfe und Pfeil und Bogen im Einsatz. Davon gibt es hier genug zu sehen. Der historische Hintergrund mit der Magna Charta ist ebenso zu vernachlässigen wie die Liebesgeschichte zwischen dem Templer Thomas Marshal (James Purefoy) und Lady Isabel (Kate Mara), die gottseidank rechtzeitig zum Happy End noch Witwe wird. Diese Ausgangssituation liefert aber genügend Material für Dialoge mit Niveau (Skrupel des Templers gegenüber den Verführungskünsten von Lady Isabel) und einen herrlich fiesen König Johann ohne Land (Paul Giamatti), der auf dem Gottesgnadentum beharrt. Besonders angenehm sind die kleinen Heerhaufen, die die Erstürmung der Burg übersichtlich gestalten. Gelungen ist auch der Tempowechsel. Zwischen den Kampfszenen gibt es immer wieder ruhigere Passagen oder Markt- bzw. Wirtshausszenen. Der pyrotechnische Einsturz der Burg ist ein optischer Höhepunkt, die Art und Weise, wie er zustande kam, ist ungewöhnlich. Der Endkampf scheint aussichtslos und hoffnungslos, bis in letzter Minute eine französische Armee für dieses mittelalterliche Spektakel, das recht prominent besetzt ist, ein versöhnliches Ende bringt und das in ‘Klein-Hollywood‘ auf der Insel nämlich in Wales entstanden ist. Gute Unterhaltung für Fans.
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Do, 21.11.2013
TV | Evil - Faustrecht
Böse4 Sterne
Diese Internatsschüler sind wirklich böse und sie sind adelig. Ein eigener Kosmos in den 50er Jahren. Die Lehrerschaft ist auffallend abwesend und schaut weg. Eine Clique unter dem arroganten, sadistischen Anführer Silverhielm (Gustaf Skardgard) terrorisiert die anderen durch erniedrigende Strafaktionen. Erik (großartig Andreas Wilson)wehrt sich dagegen, muckt auf und bezieht lebensgefährliche Verletzungen und mörderische Prügel. Damit droht ihm der Rauswurf. Man wartet förmlich darauf, dass er zurückschlägt. Aber erst die neugefundene Liebe zu Marja (Linda Zilliacus), einer Küchenmagd, weckt den Tiger in ihm. Interessanterweise läuft es aber nicht auf einen Rachefeldzug im Sinne von ’wie-du-mir-so-ich-dir‘ hinaus. Erik, der vom Stiefvater auch noch regelmäßig gezüchtigt wird, bringt Silverhielm dazu, seine Untaten einzusehen. Das ist ebenso drastisch wie die Schilderung seiner Rachepläne seinem Stiefvater gegenüber. Das sieht man aber nicht. Hier wird bewiesen, dass man zwar nicht gewaltfrei aber ohne einen echten körperlichen Schaden anzurichten, auskommen kann. Es geht um die Frage: soll man kuschen und sich demütigen lassen in der Hoffnung, dass man dann in Ruhe gelassen wird oder soll man rebellieren. Erik entscheidet sich für Letzteres. Er droht Gewalt an, geht bis an die Grenze ohne als Feigling zu gelten. Die Schulleitung, die zwischen sträflicher Ahnungslosigkeit und verächtlicher Zurückhaltung glänzt, kommt er mit einem Anwalt bei. Also eine pazifistische Lösung mit Herz und Verstand! Beeindruckend anders!

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