Do, 21.11.2013Kino | Der ButlerDer sanfte RevolutionärLee Daniels entwirft eine Chronik der amerikanischen Nachkriegs-Präsidenten mit besonderem Blick auf die Bürgerrechtsbewegung der Farbigen. Das Ganze wird aus der Sicht des langjährigen Butlers Gaines (hervorragend Forest Whitaker) geschildert. Präsidenten kommen und gehen, der Butler bleibt. Dabei kann Daniels auf eine lange Liste von Promidarstellern zurückgreifen, auch wenn die sonst nicht als Schauspieler zu sehen sind wie Oprah Winfrey als Buttler Gattin oder Mariah Carey als dessen Mutter. Oft reichte eine neue Nase für die Unkenntlichkeit.
Es gelingt durch den Familienaspekt des farbigen Angestellten eine ganz persönliche Note einzubringen. Und dieser Individualismus ist ergreifend, wenn auch gegen Ende etwas überdehnt. Die ganz persönlichen Szenen sind die besten. Der übliche Rahmen einer erzählenden Darstellung wird oft durch den schnellen Schnitt überschritten, wenn z.B. Originalaufnahmen von Straßenkämpfen mit einem Dinner im Weißen Haus kurz getaktet werden.
Es ist das Schicksal der amerikanischen Familie Gaines zwischen Vietnamkrieg und politischen Attentaten der 60er Jahre, im Kampf um Gleichberechtigung gegen Presse und Klu Klux Klan. Auch sie muss tödlichen Tribut leisten, wobei die Familie auseinanderzubrechen droht.
Verständlich, dass sich all ihre Hoffnungen mit Präsident Obama erfüllen. Ebenso verständlich wie die Tatsache, dass es die Amerikaner nicht so sehr mögen, wenn ihnen ein Spiegel vorgehalten wird über ein dunkles Kapitel ihrer Innenpolitik, das sogar mit unserem Holocaust verglichen wird. Drum ist der Film dort auch kein Erfolg und bei uns findet er zu wenig Beachtung. | |
Di, 19.11.2013TV | Die BankiersfrauAufstieg und FallGroßes Staraufgebot für eine komplizierte Materie, wenn man sich auf den Finanzsektor beschränkt. Es geht um den Aufstieg und Fall der Emma Eckhart (Romy Schneider). Die Details aus der Welt der Aktien werden etwas überlang ausgebreitet und trotz alledem versteht man den Erfolg von Madame nicht so recht. Manches bleibt im Dunkel, anderes unklar. Deutlich hingegen wird das Zeitbild aus den zwanziger Jahren, in denen die Zockermentalität fröhliche Urstätt feierte. Eine Ära, die geprägt war, von Geld, Gier und einer gewissen Grandezza. Es ist ein typischer Romy-Schneider-Film und wenn sie leidet – und das tut sie hier ausgiebig, bis hin zu ihrem Märtyrertod – dann ist sie am besten. Aus dem Ensemble ragen neben dem aalglatten Trintignant, noch Marie-France Pisier heraus, die eine diskussionswürdige Rolle spielt. Vieles wie Hungerstreik und Zwangsernährung erscheinen modern. Ähnlich wie in der Dreyfuss-Affäre vor dem 1. Weltkrieg der Antisemitismus der fingierte Hauptvorwurf war, so dient hier Emmas Bisexualität als Angriffsziel. Das Drama weitet sich zu einer Staatskrise aus, in die höchste Regierungskreise verwickelt sind. Und als eigentlich der französische Staat auf der Anklagebank sitzt, wird Emma beseitigt, von der nationalen Presse vorverurteilt. Eine Frau als Anwältin der Kleinanleger. Volkstribune leben halt gefährlich.
Über die etwas zähe Langatmigkeit - bei aller Lebhaftigkeit – hilft nur Romy Schneiders abwechslungsreiches und großartiges Schauspiel hinweg. Es bleibt anstrengend, aber es lohnt sich. | |
Mo, 18.11.2013TV | Wer ist Hanna?Hanna der KillerVon der Optik her gesehen überzeugt der Film schon, ebenso wie von der jungen Hauptdarstellerin Saoirse Ronan. Dabei ist der Kontrast zwischen Winteridylle und Wüstenlandschaft durchaus hilfreich. Dazwischen wimmelt es nur so von logischen Knacks oder wichtige Verbindungsstücke werden übergangen. Sogar beim finalen Showdown zwischen Hanna und Marissa Wiegler (Kate Blanchett) mogelt sich die Kamera so über die entscheidenden Einschläge hinweg. Ist anscheinend nicht so wichtig! Dafür schwelgt sie in beeindruckenden Landschaften. Weitere sonderbare Ereignisse befremden wie Hannas erste Kontakte mit elektrischem Strom und dem Fernseher. Das geht bis zum Slapstick. Erstaunlich sicher handelt sie kurze Zeit später einen PC. Der vorübergehende Familienanschluss mit Campingatmo in Marokko wirkt wie ein aus der Zeit gefallenes Dokument der Alt-68er, mitsamt der Lagerfeuerromantik und den spanischen Zigeunerklängen zu Flamenco. Die Erklärung am Ende über Hannas Herkunft wirkt etwas konstruiert. Trotzdem ist etwas Spannung aufgebaut worden mit komischen Einlagen wie die mit Herrn Grimm (Kommissar Martin Wuttke mit langem Haupthaar), der von der Decke baumelt.
Nicht aus einem Guss mit vielen Unklarheiten. So bleibt es oberflächliche Action, die jeglichen Blick ins Innere der Akteure ablehnt. Nicht einmal in das der Hauptdarstellerin. Hanna killt sie alle. Na toll! | |
So, 17.11.2013TV | Don Camillo und PepponeBeste FeindeDieser Kult-Klassiker ist zum Dauerbrenner geworden, nicht nur weil er die Auseinandersetzung von Kirche und Kommunismus so charmant ironisiert, dass die Anhänger beider Lager herzhaft darüber lachen können, sondern weil er das legendäre Zwiegespräch zwischen Gott und seinem Priester als prägendes Markenzeichen trägt.
Die Dialoge sind voll von ideologischem Vokabular, das als verbale Waffe eingesetzt wird. Daneben gibt es aber auch handfeste Auseinandersetzungen wie den Boxkampf im Glockenturm, in dem jeder Hieb durch einen Glockenschlag angedeutet wird. Und Massenschlägereien sind keine Seltenheit. Da gerät ein Fußballspiel zum Rugby Match wenn ‘Dynamo‘ gegen die ‘Eintracht‘ kämpft. Es ist vordergründig ein Kampf Köpfchen contra Muskelkraft oder Fortschritt gegen Reaktion, Lenin gegen Petrus. Am Ende siegt die Menschlichkeit, wenn die Grenzen der gegensätzlichen Lager verschwimmen. Man schlägt sich und verträgt sich.
Dann gibt es noch eine Liebesgeschichte frei nach Gottfried Kellers ‘Romeo und Julia auf dem Dorfe‘, eine Reichensteuer und Streik, soziale Probleme auf dem Lande wie im richtigen Leben halt nur witziger und charmanter.
Keiner kennt mehr den Regisseur Julien Duvivier oder abgesehen von Fernandel die Darsteller. Und bei dem hat man auch bei seinen Rollen eher von Don Camillo gesprochen. Das macht wohl den Kult aus, der zu vier weiteren Filmen führte. | |
So, 17.11.2013TV | Der nächtliche LauscherWo ist Pete ?Das Thema ist eigentlich mit Tiefgang nicht verfilmbar und ebenso kompliziert wie der Name, der dieses Phänomen beschreibt: ‘Münchhausen-Stellvertretersyndrom‘ (MSS). Eine Kindsmisshandlung, die sich im Kopf des Kranken abspielt. Die Donna spielt Toni Collette zwar genauso superb wie ihr Gegenüber, Robin Williams, den schwulen Radiomoderator Gabriel. Sie versucht einen Balanceakt zwischen Kindsbeschützerin und ADS. Das gelingt ihr sehr facettenreich vor allem über die angebliche Erblindung. Er pendelt zwischen echter Homosexualität und Pädophilie hin und her. Dabei wird einiges deutlich. Das war’s dann aber auch schon. Auch die Aufdröselung des Falles mit einem Krimitouch bringt etwas Spannung, aber es sind letztlich seelische Verletzungen, die nur schwerlich sichtbar gemacht werden können. Und so gibt es auch keine Heilung oder (Er)Lösung, sondern nur eine Message, die da lautet ‘…und wenn sie nicht gestorben sind…‘
Schwere Kost, liegt im Magen wie ein Sack Zement. | |
Di, 12.11.2013TV | Shutter IslandPsychologische JalousienEin weiterer genialer Streich des Martin Scorsese. In selten gesehener Absolutheit wird hier der Zuschauer verführt. Meistens kennt man die Gründe für die Schizophrenie, sieht das Abgleiten in den Wahn und erfährt dann entweder von Heilung oder Tod. Nicht so hier. Die Traumata als Ursachen werden mysterymäßig eingeblendet und oft mit surrealen Anklängen verfeinert. Man folgt dem US Marshall Daniels (besser denn je Leonardo DiCaprio) bei seinen Untersuchungen, ist schockiert über die Nazi Gräuel und vermutet auf der Insel Versuche am Menschen (lobotomiemäßig). Ben Kingsley und Max von Sydow als behandelnde Wissenschaftler verstärken den Eindruck, dass hier etwas nicht stimme. Wir sehen Emily Mortimer und Patricia Clarkson mit Leos kranken Augen (Hirn). Die Schlüsselszene im Leuchtturm bringt dann eine Wendung, die so unglaublich ist, dass am Ende Diskussionen über Leos tatsächlichen Geisteszustand entstehen könnten. Und dann setzt Scorsese mit dem Schluss noch einen drauf. Das ist so subtil gemacht, dass man zweimal hinschauen muss, um Leos unheilbare Schizophrenie zu erkennen. Seine Lebensbeichte bleibt ohne Wirkung. Er verbalisiert nur ohne erkennende Tiefenwirkung.
Daneben tobt noch ein Hurrikan durchs Bild und über die Insel, in deren Namen die ‘geschlossenen Jalousien‘ stecken. Man kann also eigentlich weder hinein noch hinausschauen. Tunnelblick mit psychischer Zwangsjacke.
Hochspannung mit einer schier unglaublichen aber einleuchtenden Lösung. Man verspürt Lust, Dennis Lehanes Roman zu lesen. | |
Di, 12.11.2013TV | FargoDie fingierte EntführungDer beste Film der Coen Brüder (inklusive Mrs Coen alias Frances McDormand). Die schwangere Polizistin Gunderson betreibt ihre Nachforschungen in diesem Winterfilm zwischen einem etwas dämlichen Gangster-Duo (Buscemi / Stormare)und einem herrlichen Anti-Helden Jerry (William H. Macy). Durch ihn kommt auch noch ein Touch von Tragik ins Spiel. Auch wenn Gunderson die Ermittlungs-Weisheit nicht gerade mit Löffeln gefressen hat, so kommt sie doch voran. Grandios wechseln sich Komik und Brutalität ab. Ist das eine dominant, bleibt die andere Komponente im Hintergrund und umgekehrt. Dabei ist die Kamera ein aufmerksamer Beobachter und verdeutlicht Gefühle. Da ist viel Ironie dabei, mal ganz stille, dann wieder schreiend blöde, gelegentlich auch makabre (siehe Knochen-Häcksler!) Für Spannung sorgt außerdem die Erzählweise, die erst viel später wichtige Details der Entführung enthüllt. Zunächst wird erst einmal draufgehauen. Und das in tollen Bildern, sowohl in ruhigen als auch in actionreichen. Und dann finden die Coens auch noch einen Schluss, nachdem der Fall gelöst ist. Eine schnulzenmäßige Überhöhung des Gesehenen: die Gundersons in trauter Eintracht vor der Glotze. Einfach toll! | |
So, 10.11.2013TV | SpartacusDer HeilsbringerEiner der ‘Big Six‘ der klassischen Sandalenfilme. Nicht nur wegen seiner absoluten Monumentalität, sondern auch wegen seiner schier endlosen Liste an Top Stars. Manche wurden es erst danach, andere nutzten den Film als weiteren Edelstein in ihrer Schauspielkrone.
Dass dabei die historische Wahrheit auf der Strecke blieb, ist obsolet. So ist eben Hollywood. Dafür gibt es eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen Kirk Douglas und Jean Simmons. Und was noch wichtiger ist: sie bekommen Nachwuchs! Und der – und das war im Kalten Krieg Anno 1960 wichtig – wird in Freiheit leben. Vater Spartakus gibt den unnachgiebigen Rebellen, der sein Leben für Freiheit und Menschlichkeit opfert. Die Kreuzigungsszene am Schluss als Jean Simmons dem sterbenden Kirk Douglas seinen Neugeborenen entgegenhält, hat fast Anklänge von Soteriologie: Spartakus als erlösender Heilsbringer. Und den Zuschauern wurden damals die Augen feucht. Ein Teil des publikumswirksamen Erfolges beruht auf der Betonung der menschlichen Komponente bei vielen kleinen Einzelschicksalen und der dazu im Gegensatz stehenden Brutalität der Herrschenden. Dass sich das auszahlt, wussten auch die Macher der neuesten klassischen Filme aus diesem Genre, so zwischen 2000 und 2007. Sie konnten aber Stanley Kubricks Film nicht übertreffen. Das hier ist ganz großes Kino für die Ewigkeit. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.