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Fr, 18.10.2013
TV | Sturm
Recht & Gerechtigkeit3 Sterne
Hier werden die Gräueltaten der ethnischen Säuberungen auf dem Balkan thematisiert. Man sieht nichts davon, aber allein die Schilderung und die Andeutung von physischer Gewalt genügen, um das Ausmaß zu begreifen. Die Schwierigkeit einen Massenmörder und Vergewaltiger in Den Haag zu überführen stehen im Vordergrund. Dabei geht es um juristische Spitzfindigkeiten und die Glaubwürdigkeit von Zeugen. Da drängt sich gleich die Frage auf: ist Recht gleich Gerechtigkeit? Auch das Schicksal der Aussagewilligen, die danach alleine gelassen werden, steht im Raum. Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt der Ereignisse: Kerry Fox ist die mutige Anklägerin Hannah Maynard, die sehr überzeugend sowohl juristisch als auch emotional die Sache der misshandelten Frauen vertritt und trotz vorübergehenden Triumphierens letztlich doch scheitert. Und dann ist da Mira (Anamaria Marinca). Sie ist Opfer und wird überredet auszusagen. Ihr innerer Kampf ist nachvollziehbar, die traumatisierte Angst ihr ständiger Begleiter. Das Verhör im Gerichtssaal ist einer der Höhepunkte des Films. Regisseur Hans-Christian Schmid erhebt keinen Allgemeingültigkeitsanspruch, bleibt aber durchaus realistisch, wenn er zeigt, dass auf der Ziellinie ein politischer Deal zwischen Hannahs Chef (Stephen Dellane), einem Brüsseler Topdiplomaten (Rolf Lassgard), der auch noch ihr Geliebter ist, und dem Verteidiger des Unholds eine direkte Verurteilung verhindert. Das ist bitter. Das Recht wird von Menschen gemacht, die Gerechtigkeit ist etwas Abstraktes. Und der Titel ist etwas kryptisch.
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Fr, 18.10.2013
TV | Fahrstuhl zum Schafott
Die Liebesfalle4 Sterne
Louis Malles erster Film ist heute ein Kultklassiker, der besonders von denjenigen geschätzt wird, die kein Happy End brauchen. Die an sich einfache Story gibt der Atmosphäre des nächtlichen Paris viel Raum. Wie der Mörder Tavernier (Maurice Ronet), der im Fahrstuhl stecken bleibt, wieder raus kommt, ist eine nette Wendung des Films. Die Dramatik bringt die verzweifelt Liebende Madame Carala (Jeanne Moreau) und das in zweifacher Hinsicht: erstens, dass ihr Lover Tavernier nicht kommt und zweitens, dass er mit einer anderen auf und davon sein könnte. Als Kontrast zu dieser arrivierten Liaison gibt es ein junges Pärchen, das Taverniers Auto klaut. Hier gibt es ebenfalls einen Mörder. Und Kommissar Lino Ventura gelingt die Verbindung zwischen beiden Fällen. Das ist der intellektuelle Anspruch, der bis zum Ende durchgehalten wird. In dieser Dimension findet die Lösung statt, wird erklärt, ist nachzuempfinden, die Tragik findet im Kopf des Zuschauers statt. Anhaltspunkte bekommt er höchstens von Jeanne Moreaus mitunter tränenreichem Gesichtsausdruck. Fotos erklären manches und Madame Caralas Abschiedsmonolog passt symmetrisch zur Eingangspassage. Hier wie da geht es um eine große, unglückliche Liebe. Ein toller, zweideutiger Titel weist den Weg und die Fahrstuhlmusik stammt vom Jazz-Gott der damaligen Zeit Miles Davis.
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Di, 15.10.2013
TV | The Double - Eiskaltes Duell
Der dreifache Cassius2 Sterne
Michael Brandt hat viel Bekanntes in diesem Film verarbeitet. Wie üblich wird anfangs ein pensionierter Agent (Richard Gere) aktiviert und bekommt ein Greenhorn Ben als Partner (Topher Grace). Der Kalte Krieg ist zwar vorbei, doch geistern immer noch die alten Ideen vom Ost-West Antagonismus durch die Köpfe der Geheimdienste. Lange Zeit glaubt man, der böse, unbekannte Superkiller Cassius sei Richard Gere als Doppelagent und es fragt sich nur, wie lange Ben braucht, um ihm draufzukommen. Dann soll Ben Cassius sein und am Ende ist es egal, als es dann wohl ein Dritter (Tamer Hassan) war und Richard Gere nur einen Rachefeldzug geführt hatte. Der Zuschauer wurde lange Zeit bewusst getäuscht um der Unterhaltung willen. So wirkt die Auflösung dann etwas unglaubwürdig, zumal sie verbal recht flott daherkommt. Keine Unterstützung durch Bilder oder Rückblenden. Ohne Logik wird die Schurkenkarte einfach weitergereicht. Trotzdem fühlt man sich mehr recht als schlecht unterhalten mit ein bisschen Mord, ein bisschen Grausamkeit und einem Gefängnisausbruch, der ein Kinderspiel ist. Daneben gibt es natürlich noch etwas Familienidylle beim jungen Kollegen mit Frau (Odette Annable) und Kindern. Man bleibt dran und weiß nicht warum. Vielleicht weil man den Plot nicht so ganz durchschaut.
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So, 13.10.2013
TV | Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming
'Meine Kehle wittert Morgenluft'4 Sterne
Eine der gelungensten Westernparodien aus den 60 Jahren. Silverstein hat inhaltlich fast alles aufgeboten, was zu einem Western gehört. Aber er ging noch einen Schritt weiter und das macht den Film so einzigartig. Er ist äußerst facettenreich: es gibt nostalgische Momente, sogar romantische und auch melodramatische. Die Anleihen an Bekanntes wie das toreromäßige Ankleiden bewirken hier das Schmunzeln der Genießer. Lee Marvin ist überragend in einer Doppelrolle als eiskalter Killer und als versoffener Pistolero. Selten war eine Filmfigur so furchterregend sympathisch. Den Oscar dafür hat er wirklich verdient. Chapeau! Unvergessen, wie er sturzbesoffen auf dem Gaul sitzt, der die Vorderbeine übereinander geschlagen hat. Der Dialogwitz schwankt zwischen Kalauern (‘Keuschheit am Abend, erquickend und labend‘) und echt gelungenen Knallern wie z.B.(‘Wer abends einen Spiegel küsst, beweist dass er sehr einsam ist‘) oder wenn sich die Titelheldin (Jane Fonda) einem Priester vorstellt:-‘Ich bin Catherine Ballou.‘ Antwort ‘Und ich bin blau wie ein Veilchen.‘ Außergewöhnlich noch die in die Handlung eingeschobenen Bänkelsänger als Kommentatoren u.a.. mit Samtstimme Nat King Cole. Die Handlung kommt so flott daher, die meisten Personen erscheinen so warmherzig, dass Mord, Rache und Cats mögliche Hinrichtung nicht zuletzt auch wegen Jane Fonda irgendwie einen ‘Alice-im-Wunderland-Effekt‘ haben. Großartig! Zeitlos!
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Do, 10.10.2013
TV | Die Kleine
Asia allein2 Sterne
Der Film ist eine realistische Dokumentation über das Leben von Zirkusartisten, die am Rande der Gesellschaft in Wohnwagen leben. Die kleine Familie besteht aus drei Personen: Mann, Frau und Sohn. Viel erfährt man nicht über die Akteure. Man schlägt sich mit kleinen Auftritten in Hinterhöfen eher schlecht als recht durch. In diese Truppe von der Schattenseite des Lebens kommt die ‘ausgesetzte‘ kleine Asia (Asia Crippa). Sie hat keine Mutter und die Gaukler finden das Kind einfach süß. Es gibt eine Fülle von Aktionismus um die kleine Aja herum inklusive der etwas unbeholfen wirkenden Babypflege für Anfänger. Trotzdem fragt man sich, wann und wie taucht die Mutter wieder auf? Was tut die Polizei, die der Mann gern einschalten würde? Es passiert jede Menge ohne dass wirklich etwas geschieht. Allein die in die Jahre gekommene vorübergehende Adoptivmutter mit feuerrotem Haarschopf Patti (Patrizia Gerardi) versucht sich etwas Profil zu verleihen, bleibt aber plakativ. Keine Einsichten, keine Emotionen, Klamauk ohne Komik statt Tiefgang. Und so bleibt der Zuschauer zurück und fragt sich bei dem offenen Ende: ‘Ja und?‘ Das ist schwach weil unbefriedigend und schon gar kein Drama. Vielleicht könnte man den Aufnahmen mit der kleinen Asia etwas abgewinnen.
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Mi, 09.10.2013
Kino | Rebecca
Der Adlige & das Blondchen2 Sterne
1940 war das oscarmässig wohl der beste Film des Jahres. Heute – und vor allem nachdem wir so viele spannende Filme von Hitchcock kennen – wirkt dieser Streifen arg angestaubt. In endlos langen Dialogen wird berichtet, was der Zuschauer bereits kennt oder erläutert, wie was hätte sein können. Das Schlimmste aber ist, dass der Meister den Roman der du Maurier so verbogen hat, dass er zu seinem Frauenbild passt. Der Roman mystifiziert geheimnisvoll. Hier lebt ‘der Geist von Plyn‘. Die Tote ist präsent und verbreitet angenehmen Schauder, wie in guter alter Gothic Tradition. Bei Alf ist es ein Melodram zwischen einem hilflosen, etwas kindlichen, schüchternen Blondchen (Joan Fontaine) und einem barsch direktiv agierendem älteren Adligen (Laurence Olivier), der unverständlicherweise irgendwie traumatisiert zu sein scheint. Und damit man merkt, wenn es über ihn kommt, sind Geigen im Soundtrack. Das oberflächliche und bei Alf typisch sexlose Glück der beiden wird nur durch ihre schauspielerische Leistung erträglich. Neben den beiden Hauptdarstellern beeindrucken besonders Judith Anderson als unheimliche Hausdame mit dem eiskalten Blick und Leonard Carey als Ben der Narr. Selbst als es schließlich wegen Rebeccas Ende um die Frage Mord, Selbstmord oder Unfall geht, um todkrank oder schwanger, bleibt die Spannung im Schneckenhaus. Da wird viel zerredet. Zugegeben die Liebenden machen immerhin eine Entwicklung durch: sie wird in ihrer Liebe immer selbstständiger und stärker und er enthüllt ganz allmählich seinen weichen Kern unter der Schale. Na ja. Wenn das Alfs einziger Film gewesen wäre, würde keiner heute von ihm reden.
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Di, 24.09.2013
TV | Illuminati
Engel & Dämonen4 Sterne
Hier ist mal der zweite Teil besser als der erste. Der hier ist spannender und komplexer und wartet am Ende mit mehreren überraschenden Wendungen auf. Gleichbleibend ist das Bemühen um liturgische Korrektheit und ein authentisches Ambiente. Über weite Strecken versuchen Professor Langdon (Tomo Hanks) und die Physikerin Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) herauszufinden, wer hinter dem Angriff auf die Kirche steckt. Lange Zeit sehen wir von den Bösewichtern nur einen Killer (Nikolaj Lie Kaas). Dabei kann man den kunsthistorischen und religiösen Hinweisen durchaus folgen. Auch wenn mitunter Kommissar ‘Zufall‘ bei den Ermittlungen behilflich ist, wenn man die vier Elemente und den Fingerzeig mancher Figuren richtig deutet. Die Nachforschungen der beiden Wissenschaftler laufenden parallel zum Konklave der Papstwahl. Ganz nebenbei geht es gesprächsweise auch noch um Galileos Thesen und die Macht der Großkonzerne. Vor dem infernalen Ende ist ein Highlight, wenn sich Tom Hanks als lebensrettender Taucher betätigt. Die Schlusspassage wartet mit mehreren überraschenden Wendungen auf. Hier wechseln der Polizeikommandant (Stellan Skarsgard) und der päpstliche Kämmerer Patrick McKenna (Ewan McGregor) eindrucksvoll die Fronten. Bis beim letzten Versuch McKenna vom heldenhaften Papstkandidaten zum selbstgemachten Märtyrer wird. Und der weiße Rauch besagt: ‘ Der Papst ist tot, alle Katholiken sind in Not. Doch sie können sich freuen. Sie haben bald einen neuen.‘ Pompöser, religiöser Nervenkitzel auf der Fortschrittsschiene.
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Mo, 23.09.2013
TV | 13
(K)eine Glückszahl3 Sterne
Das Duell im Vorspann weckt durchaus Interesse. Danach ist der Zuschauer genauso gespannt wie Vince (Sam Riley) der Hauptdarsteller, denn beide wissen nicht, was sie erwartet. Doch schon bald sind wir im Bilde und folgen dem Kitzel des Tötens als Wettshow beim russischen Roulette. Hier kühlen superreiche Sadisten ihr morbides Mütchen. Nach einigen Runden lässt die knisternde Spannung allerdings etwas nach, dank der Wiederholungen des Killens. Zwei Hintergrundgeschichten beleuchten die menschliche Tragik und bringen etwas Tiefgang – auch dank der guten Darsteller: Mickey Rourke spielt den einen, der gezwungenermaßen mitmacht, wieder einmal überzeugend. Äußerlich voll das Tier, innerlich ein sensibler Vater. Sowie Ray Winstone, der von seinem Bruder Jasper (Jason Statham) mit Tabletten überredet wird mitzumachen. Und dann sehen wir noch die Legende Ben Gazzara in seiner letzten Rolle als Wetthai. Vince überlebt und wird von der Polizei (hier beeindruckt besonders der unheimlich grimmig dreinschauende David Zayas) und Jasper gejagt. Da wird es wieder etwas spannender, bevor uns der finale Schocker vom Hocker haut, wenn Jasper der lachende Dritte ist. Die Spannung schwankt, der Kopf bleibt über Wasser.
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So, 22.09.2013
TV | Spiel oder stirb
Mörderische Spiele4 Sterne
Ein kleiner Film, der mit konventionellen Mitteln eine ungeheure Spannung erzeugt. Ein Pärchen lebt in einer einsamen Villa. Von der Idylle ausgehend erzielt der Horror eine noch größere Wirkung. Ein Mord im Vorspann als Einstimmung. Nach nächtlichen Geräuschen, Klappern von Fensterläden, das Auto wird geklaut, das Licht geht aus, hetzt das Paar durch lange, dunkle Gänge. Erste Blutstropfen. Von den Einbrechern sieht man lange nichts. Dann nur Schuhe und Schritte. Die Handkamera erzeugt eine klaustrophobische Atmosphäre. Clem (Olivia Bonamy) und Lucas (Michael Cohen) werden optisch und akustisch umzingelt. Selbst die Flucht durch den Wald wird ein Horrortrip. Es gibt Tote. Kinder huschen durchs Gebüsch. Man sieht ihre Gesichter nicht. Sie tragen Hoodys. Sie sind austauschbar. Ein Fluchtweg in unterirdische Gänge wird für Clem und Lucas zur Falle. Ähnlich dem Ende in Wajdas ‘Kanal‘. Grauenhaft! Doch ebenso schockierend sind die letzten Sätze im Abspann. Es ist kein Splatter, kein Science Fiction oder eine Parabel. Nein, leider wahr. Furchtbar wahr. Eigentlich wollten die Kids ‘nur spielen‘. Besser als manches hochgelobte ‘Hexen-Projekt‘.

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