Anzeige
Home » Profil von 8martin » 

Bewertungen

Bewertungen

Mo, 09.09.2013
TV | Remember Me
Erinnere dich4 Sterne
Der Film überzeugt vor allem durch die intensive Charakterzeichnung der Personen und die hervorragenden Schauspieler. Dabei gibt es jede Menge familiäre Probleme: Vater (Pierce Brosnan) wohlhabender Anwalt und Sohn Tyler (Robert Pattinson) verstehen sich rein gar nicht und bei einem anderen Vater (Chris Cooper) der Polizist ist, klemmt es mit dessen Tochter Ally (Emilie de Ravin). Die Kids verlieben sich in einander. Beide sind durch tragische Ereignisse in ihrer Kindheit traumatisiert. Und geistreiche, bedeutungsschwangere Dialoge gibt es obendrein: Tyler: ‘Ich bin 22. Da war Gandhi dreifacher Vater, Mozart hatte 30 Symphonien geschrieben und Buddy Holly war schon tot.‘ Wenn sich dann drei von den vier Personen treffen knistert es beim Dinner. Gute Dialoge lenken die Gefühle. Als Kontrast zu den Verliebten kommt Tylers kleine Schwester Caroline (Ruby Jerins) ins Spiel. Sie wirkt als Katalysator im zerstrittenen Familienclan. Das ist eine durchaus überzeugende Entwicklung, in der Tylers Vater eine Gefühlsumwandlung durchlebt, die er gekonnt professionell hinkriegt. Dass sich am Ende alle wieder lieb haben, wird nur durch den 9. Sept. 2001 verhindert. Ein Schock, obwohl man nur die Auswirkungen mitbekommt. So kommt noch mal eine zusätzliche Dimension hinzu, in der der Tod bei den ‘einstürzenden Neubauten‘ vorbeischaut. Dadurch werden wir uns alle und nicht nur Ally und Caroline an Tylers stillen Weggang erinnern.
Trennstrich
Mo, 09.09.2013
Kino | The Bling Ring
Die Klamottenklauer1 Stern
Über 95 % des Films zeigt Einbrüche einer gelangweilten Jugendgang in Luxusvillen der Superreichen. Hier werden Klischees bedient. Die Kids klauen, kiffen und saufen, die Reichen sind sorglos (Schlüssel liegt unter der Matte), die Erwachsenen sind extrem dämlich und frönen ihrer extrovertierten Esoterik und die Ordnungshüter treten erst in den letzten zehn Minuten auf. Man fragt sich, was die die ganze Zeit eigentlich gemacht haben in Zeiten von Videoüberwachung und Fingerabdrücken. Sophia Coppolas Drehbuch, das auf einer wahren Begebenheit beruht, hat sie bewusst ausgeklammert. Die Dauerklauerei ist äußerst langweilig gestaltet, denn es wird ständig in teuren Modeartikeln gewühlt. Wir bewegen uns auf dem Niveau der Boulevard Presse. Und das hat das meist junge Publikum genossen. Und wenn dann ganz am Ende zwei Interviews mit den Beteiligten Diebinnen kommen, die ihre Geschichte an Glamourmagazine verhökern und dabei keinen Balken gerade sein lassen in Punkto Wahrheit, ist das für eine ironische Betrachtungsweise zu dürftig. Und wurde auch so nicht verstanden. Trotz der kurz erwähnten Verurteilung ersteht der Eindruck die Kids seien doch nochmal davongekommen. Und das könnte alles in allem für die Kids, die ihren Idolen räumlich nahkommen und rein äußerlich ähnlich aussehen wollen, eine Ermutigung sein. So nach dem Motto ‘Klau was, dann bist du was!‘ Eine zweifelhafte Aussage, die eigentlich das Lebensgefühl der Beteiligten nur verifiziert: das Leben ist sooo langweilig. Und Klischees kennt man ja, sonst wären es ja keine. Ein Film, den die Welt also nicht braucht.
Trennstrich
So, 08.09.2013
TV | Ein Fressen für die Geier
Zwei Mulis für Schwester Sara4 Sterne
Der deutsche Titel verhält sich zum Inhalt des Films wie der Ärmel zum Hemd. Das Original kommt dem etwas näher, denn es bezieht sich auf ein echtes Maultier und auf den bockigen Weggefährten von Schwester Sara, den sie ironisch auch ‘Mr. Maultier‘ nennt. Altmeister Don Siegel hat eine äußerst witzige Westernkomödie gemacht, die vor allem die Freunde der leisen Andeutungen schätzen. Aber auch echte Western-Fans kommen nicht zu kurz. Allein die Ausgangssituation bietet genug Stoff zum Schmunzeln: angebliche Nonne (Shirley MacLaine) trifft auf Revolverhelden Hogan (Clint Eastwood). Beide machen gemeinsame Sache gegen die bösen französischen Kolonialherren. Nebenher laufen pfiffige Dialoge wie z.B. –‘So viel Whiskey vor dem Frühstück?‘ – ‘Mein Glaube an Gott wird ihn in Wasser verwandeln.‘ Die scheibchenweise Enthüllung der wahren ‘Schwester Sara‘ ist subtil gemacht. Erst raucht sie heimlich, nimmt schon mal einen Schluck aus der Pulle, reitet etwas später wie ein Mann und schließlich nennt sie ein Sterbender ‘Hure‘. Ab und zu macht Hogan ihr versteckte Komplimente, sie umschmeichelt ihn mit ihren Blicken. Man wartet förmlich auf die endgültige Aufklärung. Dabei erhöht der Kontrast zwischen dem legendär reglosen Gesichtsausdruck von Clint und der lebhaften Mimik von Shirley die Komik um einiges. Ein Highlight dieser charmanten und unterhaltsamen Komödie ist die operative Entfernung eines Indianerpfeils mittels Pulver. Selbst das ist ein Spaß. Fast schon ein Klassiker.
Trennstrich
Sa, 07.09.2013
TV | Tess
Ein gefallenes Mädchen4 Sterne
Polanski hat sich eng an die Romanvorlage von Thomas Hardy gehalten. Ihm ist eine grandiose Literaturverfilmung gelungen. Mit viel Gespür für das ländliche Ambiente im England des 19. Jahrhunderts in Bild und Atmosphäre wird eine packende Liebesgeschichte erzählt. Anfangs noch als Idyll mit dörflichen Festen und Tänzen wird es gegen Ende nochmal richtig spannend. Wie im Roman deutet der Film aber auch auf den technischen Fortschritt der Zeit hin: Eisenbahn und Dreschmaschine. Bereits Hardy schilderte hier ein damals provozierendes Drama, das man durchaus zu den großen Werken der Weltliteratur zählen kann. Das größte Unglück für eine unverheiratete junge Frau war die Schwangerschaft – und dann auch noch nach einer Vergewaltigung!? Der Kindstod kann noch als Strafe Gottes verstanden werden. Die schicksalhafte Entwicklung weitet sich danach aber zu einem Schuld-und-Sühne Drama aus und endet tragisch in einem Mord als Ausweg, der wiederum Vergeltung einfordert. Die Haltung der Amtskirche wird so ganz nebenbei kommentarlos gegeißelt. Tess (großartig Nastassja Kinski) und ihre große Liebe Angel (sic!) (Peter Firth) überzeugen in diesem detailverliebten Drama, von dem vor allem zwei Eindrücke bleibend sind: statt der Tat sieht man einen roten Fleck an der Zimmerdecke und dann als Kontrast zur grausamen Wirklichkeit die romantischen Bilder von Stonehenge als Location der Verhaftung. Ein lapidarer Schlusssatz über das Ende von Tess schließt den Kreis. Großes Kino basierend auf großer Literatur.
Trennstrich
Do, 05.09.2013
TV | Garp und wie er die Welt sah
Ein sonderbarer Mensch3 Sterne
Die Lebensgeschichte dieses Garp (Robin Williams) stammt voll aus dem prallen Leben. Nur dass dieses Mal der Romanautor John Irving viele autobiographische Details mit eingewoben hat. Und der Film ist neben den ernsten Absichten sehr amüsant. Dabei werden sexuelle Probleme recht offenherzig abgehandelt. Die zentrale Botschaft klingt ganz schön progressiv: Mutter Jenny (Glen Close) wollte ein Kind, aber nicht heiraten. Beide werden Schriftsteller. Sie verfasst ein politisches Manifest und ist viel erfolgreicher als ihr Sohn. Gegen Ende wird es dann nochmal dramatisch und spannend. Die kinderreiche Ehe von Garp verläuft wie viele; wird aber nach Problemen wieder gekittet. Es gibt fatale Zusammenstöße, aber auch Mord und Totschlag. Der ironische Blickwinkel macht die Handlung unterhaltsam ohne sich thematisch zu verbeißen. Achtziger Jahre Kino, ein bunter Strauß aus Problemchen, Tränen und munteren Späßen, musikalisch eingerahmt von den Beatles und Nat King Cole. Wer John Irving mag, wird den Film lieben. Man kann ihn sich immer wieder mal antun.
Trennstrich
Mi, 04.09.2013
Kino | Mr. Morgan's Last Love
Die letzte Liebe4 Sterne
Sandra Nettelbeck ist ein außergewöhnlicher Film gelungen. Dabei geht es um eine Beziehung zwischen einem alten, vereinsamten Philosophieprofessor (Michael Caine) und einer jungen Tanzlehrerin Pauline (Clémence Poésy). Da geht es um aufrichtige Zuneigung und Menschlichkeit. Und das alles ohne sexuelle Wünsche. Aber es gibt auch so genug Probleme. Seine Kinder sind ihm fremd und seine verstorbene Frau Joan (Jane Alexander) ist in Wort und Bild oft präsent neben ihm. Die fließenden Übergänge ihrer Auftritte sind besonders gelungen. Pauline sucht bei ihm den Familienersatz, den sie nie hatte. Er schöpft trotz Selbstmordversuch vorübergehend neuen Lebensmut. Der Gegensatz zwischen den Kindern mit ihren herzlosen Vorstellungen und der tiefen emotionalen Ladung, mit den ihn Pauline trifft, verhindert den Kitsch. Daneben entwickelt sich ein Vater-Sohn Drama, mit einer bewegenden Aussprache. Dass es dann zwischen Sohn Miles (Justin Kirk) und Pauline funkt, ist vorhersehbar und reißt eine kleine Lücke in die Handlung. Dies wird durch Schnitt und Einstellung von Morgan’s Abgang kompensiert, der der zweitbeste nach Hanekes ‘Liebe‘ ist. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Wenn Amis Englisch reden klingt ein französisches ‘Danke‘ wie der Fluss in Liverpool. Und auch die feinen Nuancen beim ‘Bitte‘ sind herrlich. Die beiden Hauptdarsteller bringen eine Darbietung der Extraklasse. Es gibt rührende Momente und charmant lustige, tiefernste und auch boshafte. All das kann feuchte Augen provozieren. Caines unnachahmlicher traurig-leerer Blick neben der frischen Fröhlichkeit von Pauline. Einfach wunderbar.

Neueste Bewertungen

Sa, 12.07.2025 von antoniawarda

TV | Das 1% Quiz
sehr schlecht gemachte Quizsendung1 Stern

richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...

Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum

TV | deep und deutlich
strange3 Sterne

Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...

Fr, 30.05.2025 von Coa60

TV | Die Carolin Kebekus Show
Frau Baerbock2 Sterne

Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...

Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net

TV | Die Insel
20:15 Uhr bis 22:55 Uhr: ohne jedweden Tiefgang1 Stern

1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...

Sa, 19.04.2025 von frge

TV | Notruf Hafenkante
Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

Ihre Lieblingsfilme und Serien auf DVD und Blu-ray.