Mi, 21.08.2013TV | Das Wunder des PapuEin Wunder, ein Wunder!Ein frivoler Spaß, der den Rummel um das Lourdes-Spektakel kräftig durch den Kakao zieht. Bezeichnenderweise beginnt der Film ja auch auf dem Jahrmarkt! Die teilweise surrealistisch anmutenden Szenen erreichen fast das Niveau von Bürgerschreck Bunuel, wenn der stumme Wallfahrer (Michel Serrault)) zum Arzt mutiert und eine Krankenschwester im Evaskostüm untersucht und in der nächsten Szene die Rollen vertauscht werden. Dabei ist er eigentlich Versicherungsagent. Auch sein Telefonat, das nur durch nachgeahmte Tierstimmen geführt wird ist genial.
Wie man aus ‘Wundern‘ Geld zu machen versucht, indem man die Versicherung betrügt, ist der eigentlich ernste Hintergrund der Story. Das Drehbuch, an dem Regisseur Mocky mitgeschrieben hat, ist voller zeitlos guter Gags wie der Striptease bei der Tunneldurchfahrt oder der Beichtautomat vor dem Papstbild. In einer Weise wie sie sonst nur die Monty Pythons betreiben, wird hier die katholische Kirche völlig respektlos durch den Kakao gezogen. Jede Menge skurriler Typen geistern umher. Hier ist vor allem Jeanne Moreau lobend hervorzuheben. Selten sieht man sie so überzogen durchgeknallt als religiöse Fanatikerin wie hier. Sie macht einen Priester an: ‘Sie sind doch Junggeselle!? Mein sehnlichster Wunsch wäre es, einen Priester zu heiraten – wenn es der Papst denn mal erlauben würde.‘
So kann Satire durch Zuspitzung den Kern einer Sache offenlegen und wenn sie noch frech und amüsant daherkommt, ist das beste Unterhaltung. | |
Di, 20.08.2013TV | Das Leuchten der StilleLieber JohnEs ist eine 0/8/15 Love Story mit mittelmäßigen Darstellern. John (Channing Tatum) punktet mit seiner etwas linkischen Unbeholfenheit, und Savannah (Amanda Seyfried) mit ihren beeindruckend großen Kulleraugen. Der autistische Vater von John (Richard Jenkins) rettet mit seinem schauspielerischen Können aber den ganzen Film. Die Vater-Sohn Problematik überdeckt die vorhersehbare, angeschmalzte Love-Story. Die ist wie der Roman nach dem üblichen Muster gestrickt : Ja-Nein-Ja-Nein-Jaaah! Das nervt vor allem gegen Ende. Hier dreht sich dann das Karussell der Emotionen so heftig, dass man Gefahr läuft, aus der Kurve zu fliegen. Das schafft Unbehagen. Es sei denn, man steht bedingungslos auf Herz-Schmerz-Schmonzetten. Vorsicht! Das ist aber ganz dicht am Schmalztopf angesiedelt.
Auch die sonst für Hallströms Filme so typischen tollenAufnahmen fehlen völlig. Der Meister war hier wohl etwas lustlos?
Den Sparks Fans sei gesagt, es gibt bessere Verfilmungen seiner Romane. Zu dieser hier hat man sich vieleicht vom lyrischen deutschen Titel verleiten lassen, der so vielsagend ist wie ‘Das Strahlen der Dunkelheit’ oder ’Wie Kerzenschein unter Wasser’. K.V. | |
Sa, 17.08.2013TV | Sein Name ist Mad DogDer Bulle & der GanoveDie guten Darsteller retten die mittelmäßige Story. Man will uns glauben machen, dass jeder, der sich mit der Unterwelt anlegt, wohl ein ‘verrückter Hund‘ sein muss. Robert DeNiro gibt den aufrechten Polizisten, der um sein Mädchen kämpft, Uma Thurman ist für die Tränendrüsen zuständig und Bill Murray mimt mit wunderbar reglosem Gesichtsausdruck den bösen Gangster. Es schafft es hier sogar, dass er nicht wie sonst gelangweilt in die Gegend guckt, sondern richtig gefährlich dreinschaut, freundlich wie ein Mafiosi eben.
Zur Lockerung gibt es einen reimenden Polizeibeamten, (David Caruso) der uns mit Sprüchen wie ‘Für jeden Kummer ‘ne andere Nummer‘ oder ‘Ohne Wumm kommt nichts rum.‘ unterhält. Bei zwei Leichen redet er schon von einem ‘Doppel Whopper‘. Musikalisch kann man Louis Prima genießen.
Das vorhersehbare Ende überrascht keineswegs. Hier kann sich Kollege Caruso noch etwas als Schläger profilieren. Da trifft handfeste Action auf emotionalen Tiefflug, bevor alle Beteiligten wieder ihrer Wege gehen.
Altbewährtes in Promischale verpackt ergibt einen kalkulieren Erfolg. | |
Do, 15.08.2013TV | Kleine Wunder in AthenGrieche oder Albaner‘Du wirst nie ein Grieche sein, Albaner!‘, singen die vier Freunde, die um einen Platz herum in Athen wohnen. Diese liebenswürdig, schrullige Komödie, in deren Mittelpunkt eine alte Mutter (Titika Saringouli) mit ihren alten Sohn Stavros (Antonis Kafetzopoulos) stehen, beleuchtet das Nationalitätenproblem mit leisem Humor und viel Charme. Ob der auftauchende Marengelen (eine Namenszusammensetzung aus Marx-Engels-Lenin) wirklich der albanische Bruder von Stavros ist oder ob vielleicht sogar Stavros selber Albaner ist, bleibt offen. Ebenso wie der Umstand, dass die alte Frau plötzlich albanisch spricht.
Nach dem Tod der Mutter läuft der Film auf eine Parabel hinaus, die für das friedliche Zusammenleben verschiedener Nationen plädiert. So nach dem Motto ‘Wir sind alle Ausländer‘. Dann haben auch im Viertel chinesische Geschäftsleute ihren Platz und mitten auf der Kreuzung entsteht ein Denkmal für internationale Solidarität. Dass die nationalen Animositäten schon mal in handfeste Auseinandersetzungen ausarten, könnte ein Hinweis auf die seit ewigen Zeiten in dieser Region stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen sein, die ja immer von nationalen Gegensätzen ausgingen. Das sonderbare Verhältnis von Stavros zu einer Nachbarin Dina (Maria Zorba), die er grundlos liebt, steht wohl eher symbolisch für die Liebe der Menschen zu ihrem Land. Sie hat ihn nie ermutigt, ist einfach da und hört ihm zu. Ein kleiner Film, der großes aussagt. | |
Do, 15.08.2013TV | LourdesGlaubensgeschäfteFür ein Drama ist dieser Film zu undramatisch glatt und für eine Satire zu lau. Da reichen zwei Witze über den Glauben nicht:
Da beraten biblische Figuren, wo sie Urlaub machen wollen. Nach zwei abgelehnten Vorschlägen, weil man da schon war, kommt ‘Fahren wir nach Lourdes.‘ Antwortet Maria ‘ Toll, da war ich noch nie!‘) oder
Dialog: ‘Ist Gott gut oder allmächtig?‘
‘Wenn er allmächtig wäre, würde er alle Kranken heilen.‘
‘Also muss er gut sein. Man sieht es nur nicht.‘
Das Wunderritual ist für Nichtgläubige Katholiken ohnehin eine Mischung aus Voodoo und Science Fiction. Für die Übrigen ist es wie das Evangelium: eine unveränderbare Wahrheit. Für diese Zielgruppe ist der Film aber wiederum zu distanziert. Auch als Doku passen die wenigen lustigen Szenen nicht ins Bild. Und dann noch eine Love Story, ganz zu schweigen von der Wunderheilung. Versöhnlich stimmen nur die malerischen Landschaftsaufnahmen sowie die schauspielerische Leistung von Sylvie Testud. Alle anderen Figuren bleiben unscheinbar blass. Am Ende hören wir noch den Song ‘Felicita‘. Glücklich sind doch wohl nur – und das ist die einzige Message des Films - die ortsansässigen Geschäftsleute, die aus dem Glauben der Schäfchen Kapital zu schlagen wissen.
Zu unentschlossen, ohne Witz oder Ironie bleibt eine langweilige Pseudo-Doku übrig. K.V. | |
Mi, 14.08.2013Kino | GloriaEin weibilches Stehauf-MännchenDer Film spiegelt eine weite Palette der menschlichen Emotionen wieder. Und obwohl es genaugenommen um die Generation 50-Plus geht, ist da viel allgemein Menschliches zu finden.
Paulina Garcia ist das Gesicht des Films. Sie erlebt im Kampf gegen das Alleinsein Freude und Glück, Hoffnung, Frust und Enttäuschungen.
Vor allem aber betont Regisseur Sebastian Lelio die sexuelle Erfüllung im Alter. Und Gloria zeigt sich mutig wie Gott sie schuf, wenn sie auf Wolke Sieben schwebt.
Mit viel Einfühlungsvermögen nähert sich die Handlung dem Wagnis einer Liebe in der letzten Lebenshälfte. Vorsichtig, zaghaft, abwehrend einwilligend geht Gloria auf einen potentiellen Partner Rodolfo (Sergio Hernandez) zu. Dessen schauspielerische Leistung steht der von Paulina Garcia in Nichts nach. Er ist unsicher, etwas tapsich und folgt Gloria ins sexuelle Glück, obwohl er weiß und der Zuschauer ahnt es schon bald, dass er gebunden ist. Man sieht ihm die innere Auseinandersetzung förmlich an. Unterschwellig werden auch die mangelnde Flexibilität und die leichte Verletzbarkeit im Alter deutlich.
Nicht erst bei Glorias Rache kommt Komik auf. Schon vorher wirbelt sie voller Elan und Witz durch manch humorvolle Situation. (siehe Lachkurs oder ihr Umgang mit seinem Handy, ihrem Feind!) Und sie hat Steherqualitäten, bei denen die Tragik von Komik überdeckt und ein versöhnliches Ende Hoffnung macht. Ein großartiger Film, nicht nur für die Zielgruppe 50-Plus. | |
Di, 13.08.2013TV | Lohn der GigantenDie Trucker kommenDer deutsche Titel wollte sich wohl an den Welterfolg, den mit der 'Angst', anhängen, damit es sich lohnt. Das Original heißt einfach ‘die Bedrohung‘. Nach Giganten sucht man hier vergebens! Die Bedrohung kommt im finalen Showdown allerdings ganz handfest zum Tragen.
An sich ist die Story nichts Besonderes: ein Mann Henri (Yves Montand) zwischen zwei Frauen: einer reichen, etwas älteren Lebensgefährtin Dominique (Marie Dubois) und einer jungen Geliebte Julie (Carole Laure).
Mit welchen fatalen Folgen beide Frauen um Henri kämpfen wird spannend erzählt. Das steigert sich gegen Ende vor allem durch die lückenhafte Darstellung von Henris genialem Plan, zu Julie zu gelangen. Man staunt über die von ihm geschaffenen vollendeten Tatsachen wie z.B.: Laster an bestimmten Punkten abzustellen oder bereitstehende PKW zu wechseln. Und das macht er mit der Stoppuhr in der Hand.
Im Vorspiel dazu legte er für den ermittelnden Kommissar deutliche Spuren aus. Und der erfreut uns dabei durch erfrischend flotte Sprüche.
Der Film schwankt in der Charakterzeichnung gekonnt zwischen einem geldgierigen Henri, der alles cool plant, aber selbst unschuldig ist und einem, der letztendlich auf ein Wiedersehen mit der geliebten Julie aus ist. Das gelingt vor allem wegen der überzeugend selbstverständlichen Darstellungsweise eines Yves Montand.
Und dann lösen die Trucker das Problem für die ‘Bullen‘ und lassen eine ahnungslose Julie zurück. Gute Action mit überzeugenden Schauspielern, etwas verbalem Humor und einem gelungenen Schluss. | |
Mo, 12.08.2013TV | Das GeisterhausEnde einer ÄraDieser Film gehört in den Olymp. Und das aus mehreren Gründen:
bis in kleine Nebenrollen sehen wir viele Weltstars und alle haben ausgiebig Gelegenheit eine profunde Charakterstudie abzuliefern. Der Film schildert den Niedergang und das Auseinanderbrechen der Familie Trueba in wunderschönen Bildern. Erzählt aber auch von ihrem wirtschaftlicher Aufstieg und den individuellen Schicksalsschläge der Familienmitglieder über Generationen hinweg. Und es ist eine der wunderbarsten Liebesgeschichten des Films. Es bleibt nicht nur ein Drama nach Gutsherrnart, sondern es ist eingebettet in die politischen Veränderungen in Chile vor und nach Allende. Dabei voll das pralle Leben, wild und zügellos, mit unehelichem Bastard, sozialen Problemen und revolutionären Veränderungen im Land. Es gibt Folter und Willkür und bis an die Schmerzgrenze gehende Emotionalität.
Alle Widrigkeiten des Lebens werden überstanden mit Hilfe der Familie als Stütze, an deren Spitze Esteban (Jeremy Irons) und seine Frau Clara (Meryl Streep) stehen. Sie lieben sich und fügen sich doch innere und äußere Verletzungen zu. Mit der über alles geliebten Tochter Blanca (eindrucksvoll Winona Ryder) gibt es massive Meinungsverschiedenheiten.
Am Ende seines Lebens muss der konservative Macho Esteban erkennen, dass er viel falsch gemacht hat und so versucht er eine Wiedergutmachung.
Technisch ausgezeichnet, inhaltlich spannend und anrührend von großartigen Darstellern gespielt. Ein zeitloses Meisterwerk, das uns ein Gefühl für Familientradition vermittelt und uns mit seinem Hauch von Vergänglichkeit in einer angenehmen Traurigkeit zurücklässt. | |
Do, 08.08.2013TV | Auf der Suche nach Simon WernerPubertierende SchülerEin Mord, ein Schocker und davor viel Langeweile. Klar, dass es dieser Film nie in die Kinos schaffen kann. Die handlungsarme Story verwirrt. Man weiß nicht genau, wer verschwunden ist, denn er wurde gar nicht besonders vorgestellt. So vermisst man niemanden, den man nicht kennt. Wer war denn dieser Simon Werner überhaupt. Die Wiederholung aus anderen Blickwinkeln nervt nur. Über 90 Prozent besteht aus Gesprächen von umherlaufenden Schülern. Die einzelnen Cliquen mobben sich hauptsächlich gegenseitig, die unbekannten Akteure bleiben unbekannt. Und dann nimmt das Flachlegen der Mädeln breiten Raum ein (Was man so in der Pubertät halt macht!?) bevor Jean-Baptiste (Arthur Mazet) aus der Gruppe (ein Lehrersohn) als Außenseiter in den Mittelpunkt gerückt wird. Aber der war auch nicht der Mörder. Den Clochard, den Regisseur Gobert am Ende aus dem Hut zaubert überrascht nur, überzeugen tut das nicht. Inzwischen ist bei dem ganzen pubertären Gehabe der Kids Mord und Mörder zur Nebensache geworden.
Ebenso viel Raum nimmt der Wald ein: mal herbstlich bunt, mal dunkel. Das bringt aber auch keine Spannung. Vertane Zeit. K.V. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.