Do, 08.08.2013TV | County Clare - Hier spielt die MusikKrieg der MusikerDas Multitalent John Irvin hat einen Film mit viel traditioneller irischer Musik gemacht, hat die wunderschöne Landschaft als Background genommen und die Liebe zu Irland ganz nach vorne gestellt. Die Handlung ist etwas einfach gestrickt, inklusive der Love Story mit verzögertem Happy End. Reifenklau und als Vergeltung Geigenklau sind nicht so umwerfend lustig und die wiederholten Stürze ins Wasser nutzen sich als Gags ab. Dabei ist man bemüht mit spaßigen Dialogen zu punkten (‘Kotz-before-Kiss‘). Die hier involvierte Anne (Andrea, eine der Corr Sisters) ist als Sängerin besser. Ihr schauspielerisches Talent tut sich hier schwer, erkennbare Anzeichen zu offenbaren. Sie soll wohl der optische Aufheller sein. Auch die übrigen Darsteller sind nur Mittelmaß, abgesehen von Colm Meaney der als Ire ja wohl so gut wie gesetzt ist und der ausgeliehene Bernard Hill. Der eine macht auf Typ: raue Schale weicher Kern, der andere bringt Herz und Charme mit ein. Mit der verlassenen Liebe und der verheimlichten Vaterschaft kommen ausgelutschte Topoi ins Spiel und ein Hauch Melodramatik. Einzig nett ist die Assoziation der einen Ceili Band, die aus Liverpool (sic!) anreist. Auch Hippies kommen mal kurz zu Wort.
Ein netter, aber harmloser kleiner Film. Wer die Musik mag soll lieber die Clancy Brothers auflegen. | |
Mo, 05.08.2013TV | Ein Mann von WeltEin recht netter MannUngewöhnliches Kino aus Norwegen. Ein Drama mit komödiantischen Facetten, die aber so unterkühlt daherkommen, dass man das Lachen vergisst, oft verpackt in zynische Bemerkungen. Inhaltlich ganz schön vollgestopft: ein Vater-Sohn Drama, ein Ex-Knacki zwischen zwei Frauen und ein Racheplan am Verursacher der Gefängnisstrafe. Hinzu kommen noch überraschende Wendungen, Großvaterfreuden und eine Abrechnung mit einem Kleinganoven. Das reglos, traurige Gesicht von Ulrik (Stellan Skarsgard) prägt die Atmosphäre des Films, der in einer trostlosen Welt spielt, in der es nur wortkarge ‘Ekelpakete‘ gibt oder wie es Ulriks Ex formuliert ‘Wir sind zwei alte Arschlöcher, die hoffen, dass sie nicht zum Pflegefall werden.‘ Und es geht mitunter hart zu in dieser Welt: ein Quicky ist ebenso emotionslos wie ein Kopfstoß oder Knochenbrechen.
Am Ende kommt sogar noch etwas Spannung auf, trotz der ruhigen Bilderfolge mit langen wortlosen Passagen. Man wird wieder an den Titel erinnert, denn eigentlich ist Ulrik doch ein recht netter Mann – nicht einer von Welt.
Nachdem er die Spuren seiner Tat verwischt hat, schaut er in den Himmel und sagt ‘Jetzt kommt er endlich, der Frühling.‘ Alles klar?! Hochwertige Unterhaltung. | |
So, 04.08.2013TV | Elsa & FredSonniger HerbstEine liebevolle Oldie-Romanze mit zwei grandiosen Hauptdarstellern. Wie sich die zwei trotz der nervigen Kinder und dem störenden kleinen Hund kennen und lieben lernen ist überzeugend angelegt. Fred (Manuel Alexandre) ist etwas zurückhaltend und neigt zu hypochondrischen Eskapaden. Elsa (China Zorrilla) ist die aktivere, die voller Lebenslust über ihm hereinbricht. Beider Kinder sind der totale Gegensatz. Sie schreien und streiten sich, die Tochter ist ein egoistischer Drachen und bekommt erst am Ende eine verständnisvolle Wende hin, wenn sie über ihren Vater sagt ‘Er investiert in sein Glück‘. Die komödiantische Seite wird unter anderem bei einem noblen Dinner deutlich, das sie als Zechpreller verlassen nach einem Blick auf die Rechnung ‘das ist ja eine Art bewaffneter Raubüberfall‘.
Interessant ist die Parallele zu ‘La dolce vita‘. Nach Erwähnung im Dialog und mehrmaligem Auftauchen von Anita Ekbergs Foto (siehe auch die wunderschönen Bilder im Vorspann), ist die Szene im Trevia Brunnen wohl einer der Höhepunkte – zugleich eine Hommage an Fellini. Durch das Auftauchen des Ex-Ehemanns und die Enthüllung von Elsas nett gemeinten Lügengeschichten wird es nochmal spannend.
Die ernsten Hinweise werden unkommentiert eingestreut, wenn man z. B. Elsa bei der Dialyse sieht. Ebenso ist es mit dem überraschenden Ende. Hier wird der sentimentale Schmalztopf vermieden. Fred hat lächelnd das letzte Wort an Elsa Grab ‘Du Schwindlerin.‘ Rührend amüsant, wohltuend ehrlich. | |
Fr, 02.08.2013TV | SmokeHarveys TabakladenFünf Kapitel ranken sich um die sechs Hauptfiguren: Paul (William Hurt), Rashid (Harold Perrineau Jr.), Ruby (Stockard Channing), Felicity (Ashley Judd), Cyrus (Forrest Whitaker) und natürlich Auggie (Harvey Keitel), der als Gutmensch mit seinem Laden Dreh- und Angelpunkt ist. Er versucht allen zu helfen: Paul über seine Schreibblockade hinwegzukommen und Rashid ein ehrlicher Mensch zu werden und seinen Vater zu finden. Ruby hilft er finanziell aus der Klemme, indem er sich um ihre vermeintliche gemeinsame Tochter Felicity kümmert. Ashley Judd ist neben Hurt und Keitel das schauspielerische Glanzlicht des Films.
Wie schon in der Geschichte von Paul Auster werden hier menschliche Begegnungen herbeigeführt, die aus den Akteuren eine große Familie machen, ein eigenes Universum mit Picknick im Grünen im Gegensatz zur übrigen Welt. Alle Personen wurden vom Leben gebeutelt, aber in der Gemeinschaft können sie überleben. Da ist Auggies erlebte Story zur Weihnachtszeit, die er Paul erzählt, von einer blinden Oma so anrührend wie die Kurzgeschichten von O’Henry. Und ganz am Rande geht es natürlich auch ums Rauchen.
Der Epilog in s/w schildert die Dinge, die in den Gesprächen beschrieben worden waren und vertieft noch das eben erst gehörte. Das wird veredelt mit einem Song von Tom Waits. Und es schreit nach einer Fortsetzung.
Angenehm unterhaltsam, von Realistischer Natürlichkeit und einem Lob auf die Gemeinschaft. | |
Fr, 02.08.2013TV | Ohne LimitGrenzenlosDer Titel kann sich nur auf die Zumutbarkeit beziehen und liegt über den Wolken, da wo die Freiheit wohl grenzenlos sein soll. Denn zwei Vorwürfe kann man diesem Film nicht ersparen. Obwohl er im Gangster und Drogenmilieu spielt – also ein klassisches Thrillerthema behandelt – kommt fast keine Spannung auf. Selbst das etwas blutigere und actionreiche Finale bleibt flach und kann kaum beeindrucken. Aber am Schlimmsten wiegt für mich die Tatsache, dass am Ende einfach Schluss ist. Mitten in einer Szene Dunkel, Abspann, Feierabend.
Die Frauenfiguren wie z.B. Lindy (Abbie Cornish) bleiben oberflächlich und holzschnittartig. Sie haben Verständnis für den Helden Eddie (Bradley Cooper), sind willig aber hohl.
Bei den Darstellern geht Robert De Niro hier allen voran, weil er der einzige Promi ist. Er agiert unbeweglich, eintönig, wirkt desinteressiert. Es mimt einen Global Player, faselt ständig von anderen Grossunternehmen, die er geschluckt hat, und ist dabei wenig überzeugend, weil er gleichzeitig über weite Strecken den netten Onkel von nebenan spielt, den väterlichen Freund von Eddie. Eigentlich müsste er verschlagen und gefährlich daherkommen. Tut er aber nicht.
Die Handlung ist vorhersehbar bis auf den fehlenden Schluss, den man so nicht ahnen konnte. Die Grundidee von der Superdroge, die nicht nur das Bewusstsein erweitert, sondern den Konsumenten zum Superhirn macht, bevor sie ihn physisch zerstört, ist auch nicht gerade neu.
Und um zum Titel zurückzukommen, muss man dem Film wohl mit grenzenlosem Wohlwollen begegnen um ihn in seiner ganzen Belanglosigkeit zu ertragen. | |
Sa, 27.07.2013Kino | PauletteOma dealtEine der besten Komödien der letzten Jahre. Das liegt nicht nur an der gerade erst verstorbenen, grandiosen Bernadette Lafont in der Titelrolle. Hier kann sie noch einmal den ganzen Charme einer riefen Lady zum Tragen bringen. Sie kommt als Oma daher, hat aber eine freche Klappe wie ein Teenager. Sie ist barsch, abweisend und nie um eine Antwort verlegen. Und sie ist rassistisch. Gleich der Aufmacher landet einen Treffer auf die Lachmuskeln: im Beichtstuhl wettert Paulette gegen Schwarze und Gelbe, die sich in Frankreich breit machen. Die Kamera schwenkt auf das Gesicht des Pfarrers – ein Farbiger! Ihren Enkel aus einer Mischehe nennt sich abfällig: ‘meine kleine Buschtrommel‘.
Regisseur Enrico gelingt ein dreifaches Kunststück: ein an sich ernstes Thema: Oma Paulette ist am Verhungern und ernährt sich von Abfällen, verpackt er in pfiffige aber warmherzige Komik. Dabei vergisst man fast den Ernst ihrer Lage. Sie wird schon mal verprügelt und muss auch mit Pistolen umgehen können. Außerdem entwickelt sich ein Krimi mit Mafiabossen und Jungkriminellen aus der Platte. Sie dealt erfolgreich und lockt viele Neider auf den Plan. Und schließlich endet die Komödie wie im Märchen, wenn Paulette einen Laden eröffnet, in dem Haschischplätzchen sogenannte ‘ Space Cakes‘ verkauft werden. Natürlich in Amsterdam.
Und Paulette macht eine Wandlung durch: sie mag ihr Enkelkind, mitsamt dem farbigen Schwiegersohn, der auch noch Polizist ist.
Erfrischend unverbrauchter Humor bietet beste Unterhaltung und streift dabei natürlich völlig selbstlos soziale Themen. | |
Fr, 26.07.2013TV | Jane Austen's Northanger AbbeyTod der SchwiegermutterDie Verfilmung lehnt sich sehr eng an die Romanvorlage an. Sie hätte auch der Autorin gefallen. Lange Dialoge sind in ein stimmungsvolles Ambiente eingebettet. Nur in Träumen werden leichte Schreckensszenarien und Wünsche bildlich dargestellt oder die Tapete wächst animiert in die nächste Einstellung. Die Umsetzung des Lesestoffs der Heldin als Albtraum bringt ein wenig Action. Eine willkommene Abwechslung zum tatsächlichen Geschehen. So kommt noch ein klitzekleiner Touch von Gothic hinzu: der mysteriöse Tod von Lady Tilney. Im Großen und Ganzen passt die Form zum Inhalt. Jane Austen konnte keinen Krimi schreiben, eher eine Romanze.
Catherine, die zentrale Figur (Felicity Jones), überzeugt mit ihrer unbekümmerten Frische und der alte General Tilney (Liam Cunningham) schaut gekonnt unentwegt grimmig drein. Das macht das allseits erwartete Doppel-Happy End noch erträglicher.
Bereits im ersten Satz wird Austen zitiert: ‘Niemand, der Catherine in ihrer Kindheit gesehen hatte, hätte in ihr eine spätere Heldin vermutet.‘
Und sie hat auch das letzte Wort, indem sie sich an den Leser wendet, was höchst ungewöhnlich für sie ist ‘Ich überlasse es jeden einzelnen, ob ich elterliche Tyrannei befürworte oder den Ungehorsam der Tochter.‘
Werkgetreu aber verständlicher und unterhaltsamer als der Roman. Für interessierte Liebhaber des Genres. | |
Mi, 24.07.2013TV | Immer Ärger mit HarryHerzschlag im Indian SummerHier hat sich Hitchcock zum ersten und letzten Mal an eine Komödie gewagt. Und da muss es natürlich eine ‘Schwarze‘ sein. Leider hat er die Spannung etwas vernachlässigt und die langen Dialoge sprühen auch nicht gerade vor Esprit. Alles ist etwas betulich. Dabei ist die Handlungsführung ganz interessant. Damit meine ich nicht das ständige Aus- und wieder Eingraben des guten Harry, sondern das allmähliche Entschlüsseln seiner Person, die sich wiederholenden Gags mit dem lesenden Landarzt, die an Freddie Frinton erinnern und die sich mehrmals von selbst öffnende Schranktür.
Die Handlung ist in ein farbenprächtiges, ländliches Idyll zur Zeit des Indian Summer eingebettet. Dazu passt die doppelte Liebesgeschichte und der finanzielle Erfolg des Malers Sam Marlowe (sic!) (John-Denver-Clan-Forsythe). Die Fülle an Harmoniebedürfnis rückt den Film in die Nähe einer Schmonzette. Nur das würde ja niemand wagen, dem Master of Suspense zuzuschreiben. Da wird dann eher der leise, subtile Humor betont, auf dem die Patina der Vergänglichkeit ruht. Heute wirkt der Film verharmlosend schlicht und zwar so weit, dass man sich schon beinahe wieder über diesen Harry ärgern kann. Selbstverständlich gibt es auch einige ganz nette Facetten, wie die muntere Rolle von ‘Nachwuchsstar‘ Shirley MacLaine, den Aufmacher des Films oder die ‘Stille Post‘ am Ende mit dem Lösungswort ‘ Doppelbett‘.
Alf kann halt Krimis besser. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.