Fr, 12.07.2013TV | CopacabanaTraumland BrasilienSie sind zwar auch im richtigen Leben Mutter und Tochter, aber die Probleme. die sie hier im Film haben, gibt es dort gewiss nicht.
Die arbeitssuchende, etwas ausgeflippte Mutter Babou (Isabelle Huppert) und ihre Tochter Esmeralda (Lolita Chammah) haben total entgegengesetzte Einstellungen. Es kommt wegen Esmeraldas Hochzeit zum Zerwürfnis. Drum sagt Babou zu einer Kundin, während sie deren achtjähriger Tochter übers Haar streichelt ‘Ein schönes Alter. Erst später scheißen sie dir ins Gesicht‘.
Doch Babou hat Erfolg im Beruf und im weiteren Verlauf versöhnen sich die beiden Frauen wieder.
Was als Allerweltsstory daherkommt, besticht aber durch die grandiose Schauspielkunst des gesamten Ensembles, allen voran der Huppert. Dann überzeugt der Realismus der Normalität, was einen eigenen Charme entwickelt. Zeitsprünge sind kein Problem: ‘Hast du ein Gästezimmer?‘ /Schnitt/ ‘Hat’s dir gefallen?‘
Die Tochter übernimmt allmählich Mutters Ansichten und die rettet via Mimik und mit einem Souffleur-Zettel das angeknackte Verhältnis ihrer Tochter zum zukünftigen Schwiegersohn. (ein Highlight!)
Im knallharten Business entlarvt die Menschlichkeit die Heuchelei und zeigt die Verletzlichkeit der Heldin (ein weiteres Highlight!). Es wird aber kein Drama. Wie Medizin gegen Trübsal gewinnt Babou im Casino und eine Sambatruppe aus Rio tritt als Überraschung auf Esmeraldas Hochzeit auf. Die Kamera zeigt ausdrucksstarke Bilder, die auch ohne Dialog an den entscheidenden Stellen ihre Wirkung nicht verfehlen. | |
Do, 11.07.2013TV | Belle de Jour - Schöne des TagesSéverines DoppellebenDie Grundidee ist der Ausbruch einer gelangweilten Arztgattin (Catherine Deneuve) aus dem Ehealltag. Sie verdingt sich als Edelnutte. Nach anfänglichem Zögern und Rumzicken wird sie immer lockerer. Nur ihrem Ehemann gegenüber (Jean Sorel) verweigert sie sich. Hier gibt es offenbar nur die sexfreie, reine Zuneigung!
Ein formal geschlossener Bunuel: Anfang und Ende ist eine Kutschfahrt. Erst besetzt, dann leer. Entscheidend ist aber die surreale Machart des Films mit unerwartetem Szenenwechsel. Da gibt es Kindheitserinnerungen an Missbrauch oder die erste heilige Kommunion. Der gelungenste ist der Schuss beim Duell. Man sieht nicht einen Getroffenen der Kombattanten, sondern Séverine (Catherine Deneuve) blutend an einen Baum gefesselt. Später kommt dann noch der Dreckbewurf dazu. Das Ende mit einer Wunder-von-Lourdes Version für Séverines Ehemann Pierre) hinterlässt nur Staunen. Aber es sind gerade diese überraschenden Kurzszenen, die unvermittelt daherkommen, die den Film zu einem Erlebnis der besonderen Art machen. Und natürlich eine umwerfend gute Catherine Deneuve, die hier eine Entwicklung einer Frau zeigt, die anfangs verklemmt und feige, dann aber selbstbewusst und selbst bestimmt ist. Da stört es nicht weiter, dass gerade am Ende vieles nicht gezeigt, manches glatt verheimlicht wird. Ein Klassiker. | |
Di, 09.07.2013TV | TristanaSpäte RacheLuis Bunuel zeigt eine engstirnige, verlogene Gesellschaft, in der ein sündiges Verhältnis legalisiert wird. Der alte Lüstling Don Lope (Fernando Rey) ist für Tristana (Catherine Deneuve) Vater, Liebhaber und Vormund. Sie, die Traurige, fügt sich anscheinend in das Unvermeidliche, bis sie den jungen Maler Horacio (Franco Nero) trifft. Sie geht mit ihm fort, erkrankt (Beinamputation) kehrt zu Don Lope zurück (Hochzeit) und bringt ihn um.
Die Deneuve kann hier ihren unnachahmlichen Blick einsetzen, der zwischen zarter Verstörtheit, unschuldiger Anmut und verträumter Depression liegt. Dabei weht ein leichter Trauerflor um ihre dunklen Wimpern. Ihr zunehmendes Selbstbewusstsein äußert sich in ihrer mürrischen Art, ihre Selbstständigkeit, indem sie dem Stummen – nicht dem Zuschauer - tiefe Einblicke in ihre Weiblichkeit gewährt. Doch die Albträume bleiben.
Nur der Grusel-Rückblick am Ende in der Wiederholung unterstreicht Bunuels Sehweise für diesen ungewöhnlichen Film. Es ist nicht sein bester, aber Atmosphäre, wortlose Prägnanz sowie die Darsteller beeindrucken allemal. | |
Mo, 08.07.2013TV | Der Samariter - Tödliches FinaleDer Mörder & die HureIn diesem gelungenen Thriller passen Form und Inhalt zu einander wie Hand und Handschuh. Besonders am Ende geht es blutig zu wie bei Tarantino, aber andererseits ist da viel Raum für echte Emotionen.
Vier exzellente Hauptdarsteller treiben sich gegenseitig zur Höchstform, arbeiten sich aneinander ab und durchleben unerwartete Wendungen.
Allen voran Ex-Knacki Foley (Samuel L. Jackson) und Iris, die drogensüchtige Hure (Ruth Negga). Beide wechseln von der Rolle des Pärchens ins Vater-Tochter-Fach. Dazu verwickelt sie Ethan (Luke Kirby) in einen tödlichen Deal, in dem Xavier (Tom Wilkinson) vorübergehend mit Brutalität und Sarkasmus die Szenerie beherrscht.
Die Spannung ist gleichbleibend hoch. Sie wird unterstützt von pointierten Dialogen wie: ‘Hat er dich in der Hand? ‘ – ‘In der geschlossenen Faust.‘
Foley und Iris gehen voll auf Risiko, sie hintergeht ihn zum Schein, er rettet ihr Leben und opfert sich als Blutspender. Da grenzt Brutalität direkt an echte menschliche Gefühle. Das ist überzeugend gemacht. Auch technisch liefert die kreisende Kamera in den entscheidenden Szenen beeindruckende Bilder. Ein Thriller, der nicht nur wegen der Spannung klasse ist, sondern auch menschlich beeindruckt. Toll! Und den Titel versteht man, wenn man am Ende noch um zwei Ecken denkt. | |
So, 07.07.2013TV | The Green HornetDie grüne HornisseEs ist schon nicht leicht, eine gute Klamotte zu drehen. Hier hat Regisseur Gondry als Zutaten Batman, Superman, einen Schuss 007 und Inspektor Clouseaus Assistenten Kato verwendet. Und um es etwas aufzupeppen, kommt noch eine Art Mafia-Bösewicht (Christoph Waltz) hinzu. Er ist der Einzige, der für seine Figur noch so etwas wie eine Charakterzeichnung hinbekommt. Doch er geht unterwegs irgendwie verloren. Damit es nicht zu einseitig männlich wird, taumelt Cameron Diaz, die ‘Unvögelbare‘, zwischen allen Fronten umher. Der politische Hintergrund und das Milieu des Zeitungswesens passen zum Plot wie ein Furunkel auf die Nase. Zumal wenn Seth Rogen sich in seiner Lieblingsrolle versucht: eine Mischung aus Schlitzohr und Vollpfosten. Gegen die Langeweile, die zum Teil von den platten Dialogen herkommt, hilft dann nur der Materialklamauk. Ein Ausruf wie ‘Pralle Eier, Mann!‘ reicht da nicht. Ungeachtet der berühmten Radiovorlage oder 3D-Spielereien schwimmt der Film problemlos auf dem Mainstream dahin. Diese Hornisse sticht nicht. Sie gibt höchstens Pfötchen. | |
Fr, 05.07.2013TV | Love Is the DevilZum Teufel mit der LiebeEs ist ein filmischer Versuch einer Annäherung an den Maler Francis Bacon (Derek Jacobi). Dafür hat Regisseur Maybury eine eigenwillige Bildersprache gewählt: vieles ist verzerrt und unscharf, teilweise zerstückelt und deformiert. Wir sehen Einstellungen von schmerzhafter Schönheit. Nur von den Gemälden Bacons sehen wir nichts. Wer seine Gemälde kennt, kann das nachvollziehen.
Bacon bei der Arbeit kämpft mit der Leinwand. Es geht dem Regisseur offenbar nur um die Person und die Gemütsverfassung des Künstlers und da ist seine Homosexualität von enormer Bedeutung. Der Kriminelle George (Daniel Craig) fällt ihm quasi vom Himmel in sein Atelier. Ungewöhnlich offenherzig ist George hier unten total ohne. Bacon hält ihn aus. In loser Bilderfolge sehen wir den Lebensabschnitt der beiden zwischen Casino und Kneipe, zwischen Sadomaso und Suff.
Diese Studie für ein Portrait (s. Untertitel!) zeigt Bacon, wie er in seinem kreativen Destruktivismus durchs Leben taumelt. Seine Umgebung (Freunde) nimmt er als entstellte Fratzen dar. Hier ist Tilda Swinton als lallende Säuferin kaum wiederzuerkennen. Andeutungsweise fallen Streiflichter auf den Antagonismus von Künstlern und Proleten.
Und so kann dieser Filmessay mit einem Zitat von Bacon zusammengefasst werden ‘Man existiert nur für die Lust eines anderen Mannes‘. Über Bacons Kunst sagt das nichts aus. Es ist nur ein Teilaspekt. Verstörend und gewagt. | |
Fr, 05.07.2013TV | Briefe an JuliaClub di GiuliettaDer Bezug zu dem großen Briten aus Stratford ist ja wohl beabsichtigt. Ebenso wie der Balkon in Verona. Es geht aber auch um die Liebe zum Essen, eine alte und eine junge, neue Liebe: kurz die eigentlich wahre Liebe! Auch die Idee von Julias Assistentinnen als Ausgangspunkt, die so eine Art Kummerkasten sind, ist recht amüsant. Wie dann aber drei Handlungsfäden erst neben einander verlaufen, dann in einander verwoben werden, ist durchaus überzeugend. Sophie (Amanda Seyfried) ist Dreh- und Angelpunkt. Ihr Freund Victor (Gael Garcia Bernal) verliert sich in Aktivitäten wegen seines Restaurants, während sie mit Claire (Vanessa Redgrave) und deren Neffen Charlie (Christopher Egan) versucht Claires alte Jugendliebe zu finden. Nach mindestens acht Fehlversuchen treffen sie tatsächlich Lorenzo (Franko Nero). Das echte Ehepaar (Redgrave/ Nero) adelt diesen Film mit einer Rührung, die so echt ist, dass man sie akzeptieren muss. Auch Sophies neu erwachte Liebe zu Charlie wird bis zur Erfüllung geschickt hinausgezögert. So wird alles noch süßer und noch schöner. Es ist, als ob man in einen Honigtopf gefallen sei, der in einem Schokoladenboot auf einem Milchsee schwimmt inmitten einer Wolke aus Puderzucker. So glaubhaft wird die Message von der ‘Liebe, die kein Verfallsdatum‘ kennt, verkauft. Dafür ist es nie zu spät.
Am Ende gibt es wie in vielen Bühnenstücken Shakespeares zwei Pärchen, die sich gefunden haben. Da erwärmt nicht nur die Sonne der Toskana die Herzen der Zuschauer. Ach, diese Romanik ist einfach schön! Oder sind es doch nur die großen grünen Augen von Sophie, in denen wir ertrunken sind? | |
Do, 04.07.2013TV | Betrüg mich!Bereite mir VergnügenWas für eine inhaltliche Diskrepanz zwischen dem Originaltitel und der deutschen Fassung. Das ist der totale Widerspruch an sich. Es ist ja das Erkennungsmerkmal von Regisseur und Hauptdarsteller Mouret, dass man in seinen Filmen mehr darüber quasselt, als es tut. Das ermüdet, denn die Dialoge sind alles anders als witzig oder geistreich. Dabei bedient er pausenlos das Klischee, dass im Privatbereich Männer immer nur das Eine im Kopf haben, in fremder Umgebung dagegen gehemmt und verklemmt sind. Und die Mädels zicken immer nur rum. Hier verarbeitet Mouret, der alte Womanizer, die Idee, dass er sich in die Tochter des französischen Präsidenten verliebt - oder ist es umgekehrt? Egal! Die Situationen sind vollgestopft mit Slapsticks, die auch noch etwas altmodisch musikalisch unterstrichen werden. (Die stöhnende Tür, die Musik auf der Toilette, das untergetauchte Handy in der Kloschüssel…) Das sind Albernheiten von Pennälern, die man kennt. Dagegen war Mr Bean schon ein echter Brüller.
Mit Déborah Francois (die früher mal die Seiten umblätterte) und ihren Schwestern kommt wenigstens etwas Leben in die Bude mit leicht erhöhten Spaßwerten.
Der kleine optische Impuls am Schluss von den beiden Heimkehrern von Liebesabenteuern verfliegt rasch. Alles wie gehabt. Jeder denkt sich ‘Du bist doch der beste, Schatzi…‘ . KV | |
Mi, 03.07.2013TV | VergissmichnichtDas Alter der VernunftSophie Marceau trägt diesen Film mit ihrer fröhlich unbekümmerten, lockeren Art. Sie ist ausgesprochen flott unterwegs und man vergisst beim Zuschauen, dass uns die Dialoge und Situationen völlig vergessen lassen, dass sie uns eine vorhersehbare Mischung aus Schmonzes und Kindheitsnostalgie vorgaukeln.
Die zwangläufig glatte Art, mit der Erkenntnisse erlangt, Ehrgeiz und Erfolg vernachlässigt werden, ist irgendwie aber auch rührend. In jeder neuen Situation sieht man den Regisseur (Vater von fünf Kindern), wie er uns zuzwinkert. Man muss wohl selbst zu einem Kind werden, um das zu goutieren. Was sonst das Hänsel-und-Gretel-Syndrom ist, ist hier die Geschichte von der erfolgreichen Managerin, die ihre ärmliche Herkunft und ihren Bruder vergessen hat, ihre erste Liebe und einen väterlichen Freund. Doch dann geht ihr ein Licht nach dem anderen auf und sie findet ihr wahres Ich. Und um ganz sicher zu gehen, dass die Story anrührt, wird an entscheidender Stelle mit Mozarts Klarinettenkonzert nachgesüßt.
Kindergeburtstag für große und kleinere Kinder, falls es mal gar nichts zu feiern gibt oder die Sendung ‘Bitte melde dich‘ ausfällt. | |
Mi, 03.07.2013TV | Tagebuch einer KammerzofeCélestine und das LandlebenKein Regisseur hat den diskreten Charme der Bourgeoisie so gekonnt in ihrer Abartigkeit gegeißelt wie Luis Bunuel. Und in der Überzeichnung lag immer ein Körnchen Wahrheit. Doch von alle dem ist hier nichts zu sehen (wenn man mal von dem Highheels Stiletto Fetischisten Monsieur Rabour einmal absieht). Hier ergeht sich Bunuel nur in Andeutungen und vagen Unklarheiten.
Alle Männer sind hinter der Kammerzofe Célestine (Jeanne Moreau) her.
- ‘Wo kann ich sie denn mal…‘
- ‘Du Schwein!‘
Auch das ist eben so wenig ungewöhnlich wie die üblichen Animositäten unter den Dienstboten. Da überzeugt Michel Piccoli als hochnotgeiler Schwiegersohn M. Monteil schon eher. Das Vergehen an der Kleinen Claire wird nur halbherzig verfolgt und der Krieg der Nachbarn über die Gartenmauer hat Komödienstadl-Qualität. Sogar am Faschismus ist verbal kurz etwas auszusetzen. Dann läuft alles auf ein aufgesetztes Happy End hinaus. Unglaublich! Letzten Endes folgt Bunuel hier den bürgerlichen Spuren, die er sonst so genial bloßstellt. Es scheint wie eine Gebrauchsanweisung für den Weg in die Bürgerlichkeit.
Die guten Darsteller lindern den flachen ideellen Gehalt des Films. Dieses Tagebuch ist eine Gute Nacht Lektüre. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.