So, 30.06.2013TV | Adel verpflichtetAdel vernichtetDas ist ein Klassiker des schwarzen Humors von der Insel. Diese so nie wieder gebotene Handlung ist ebenso einzigartig wie der großartige Alec Guinness, der hier seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Wir sehen ihn in acht Opferrollen: als alter und als jüngerer Mann, sogar als Frau. Vertrottelt, skurril, kämpferisch, militaristisch und snobistisch. Diese Mordserie ist ein Rachefeldzug von Louis Mazzini (Denis Price) aus verschmähter Anerkennung an den d’Ascoynes. In der Todeszelle verfasst er seine Memoiren: ein Geständnis. Jetzt kann es ihm ja egal sein. Seine Taten werden von einem Kommentar des Ich-Erzählers britisch unterkühlt begleitet und gewürdigt, der in seiner distinguierten Form einen Kontrast zum Mordgeschehen darstellt und die Ironie betont.
Nebenbei gerät Louis auch noch zwischen zwei Frauen: von Edith (Valerie Hobson) standesgemäß geheiratet und von Sibella (Joan Greenwood) nach wie vor heiß geliebt. Nach seiner Begnadigung öffnen beide die Türen ihrer Kutschen. Der ‘dramatische Vorhang‘ nimmt ihm eine Entscheidung ab mit einem letzten Blick auf den Schreibtisch in seiner Zelle…denn ‘ein gutes Herz ist mehr wert als eine Krone und simpler Glaube mehr als normannisch Blut‘ (Tennyson). Einzigartig, kühl und von boshafter Eleganz. | |
Sa, 29.06.2013TV | Das Mädchen mit dem roten HaarDie AttentäterinRegisseur Verbong setzt dem Widerstand der Holländer gegen die deutschen Besatzer ein Denkmal. Die wahre Geschichte der Hannie Schaft (Renée Soutendijk) wird mit dokumentarischer Distanz erzählt. Die düster-schmutzigen farblosen Bilder schaffen eine bedrückende Atmosphäre. Nur die titelgebenden Haare der Titelfigur bilden einen eigenen Blickfang.
Es kommt hier nicht auf Spannung an. Es geht um Aktion und Reaktion, Anschlag und Geiselerschießung als Vergeltung. Aber auch um Skrupel beim Töten. Der einheimischen Bevölkerung wird der Vorwurf der Denunziation und Kollaboration mit dem Feind nicht erspart. Die Aktivistin fragt sich, ob sie sich den Nazis stellen soll, weil deren Vergeltungsmaßnahmen ihren Landleuten unnötiges Leid zufügen. Hannie Schafts Ende überrascht dann doch, ist aber nur konsequent und historisch verbürgt.
Historischer Anschauungsunterricht mit vielen Reflexionen und einer beeindruckenden Hauptdarstellerin. | |
Sa, 29.06.2013TV | Grüne HölleDie böse PflanzeDer nichtssagende Titel des Originals (‘Vivace‘ = lebhaft) ist nicht viel besser als der deutsche. Auch die Bezeichnung ‘Schauerstück‘ ist leicht übertrieben. Im zweiten Teil wird zwar die Wohlfühl-Ebene verlassen mitsamt dem Lob auf das Landleben, wo es nur nette Nachbarn gibt, die Sonne immer scheint und man es sich einfach gut gehen lässt mit Wein, Weib und Shopping auf dem Wochenmarkt.
Dann bringt Gilles (Pierre Arditi) mit seinem Geschenk einer zusehends wachsenden Pflanze dem Ehepaar Charpentier einiges Ungemach. Die weitere Entwicklung ist vorhersehbar. Wie die junge Philosophieprofessorin Pauline (Armelle Deutsch) auf Gilles abfährt ist weniger glaubhaft, ihr eifersüchtiger Ehemann Alex (Thomas Jouannet) hingegen mit seiner Skepsis schon eher. Das Pärchen bringt ebenso wie die Nachbarn Mathilde (Claire Nebout) und Henry (Didier Bezace) die pure Lebensfreude gut rüber. Nichts zum Gruseln.
Das geht so weiter in Richtung leiser, böser Horror, ohne Blut und Schrecken nur durch die Dialoge und Gilles geheimnisvollen Blick. Paulines Ende erschreckt keinen, aber der Schluss ist dann schon wieder eher etwas lustig mit dem Aspekt der ‘Never Ending Story‘. Da bräuchte Alex gar nicht mehr zur Flinte und zum Streichholz greifen.
So bleibt unterm Strich ein groteskes Märchen als nette Urlaubsunterhaltung. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. | |
Fr, 28.06.2013TV | Minnie und MoskowitzM & MDas ist wohl eines der skurrilsten Leinwand-Pärchen aller Zeiten. Cassavetes Ehefrau Gena Rowlands als Minnie und sein Freund Seymour Cassel als Moskowitz. Sie passen überhaupt nicht zu einander, zoffen und prügeln sich und kommen doch nicht von einander los. Beiden gemeinsam ist die Angst vor dem Alleinsein. Minnies Mimik verdeutlicht, dass sie ihn eigentlich gar nicht lieben kann, diesen durchgeknallten, schnurrbärtigen Freak mit Schwänzchen.
Rein technisch gesehen ist der Schnitt am auffallendsten. Der Szenenwechsel erfolgt ohne Übergänge, manchmal sogar mitten im Satz. Diese harten Schnitte wirken schon etwas amateurhaft, machen aber andererseits auch den realistischen Charme des Films aus. Das hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Und dann sind da noch die beiden großartigen Hauptdarsteller. Regisseur Cassavetes gibt als Nummer drei den harten Hund. Als quasi-Bigamist ‘Hau-Drauf‘ passt er ausgezeichnet zu dem kaputten Duo. Ein Höhepunkt ist Minnies Gespräch mit einer älteren Kollegin und viel Wein über typische Frauenfragen. Mit der Autofahrt unterlegt mit einem Wiener Walzer kommt der Auftakt zu einem sonderbaren Ende. Wie man Cassavetes kennt, muss das ironisch gemeint sein: Restaurantbesuch mit Müttern, Trauung, Kindergeburtstag.
Typisch für die 70er Jahre. | |
Do, 27.06.2013TV | Der Dieb des LichtsDer kirgisische StromdiebMit viel Gespür für das Lokalkolorit und viel Empathie für die kirgisischen Dorfbewohner zeigt uns Regisseur Kubat ein Bild seiner Heimat. Hier treffen moderne Technik (Elektrizität) und Tradition aufeinander, Kapitalismus und Folklore.
Strom ist unbezahlbar teuer im Land und so dreht der Elektriker Svet Ake (der Regisseur selbst) bei den ärmeren Nachbarn schon mal die Zähler zurück. Ein Problem, dass wir auch bald auf uns zukommen sehen könnten. Außerdem versucht er mit einem Windrad Strom zu erzeugen.
Es gibt muntere Einblicke ins Dorfleben, mit Allerweltsproblemen, nichts Spektakuläres. Aber auch leisen Humor: Svet sitzt in der Wanne, seine Frau seift ihn ein. Ihre Hand gleitet zwischen seine Schenkel…‘Na wie geht’s meinem kleinen Revolutionär?‘
Die Großkopferten versuchen die Einheimischen über den Jurtentisch zu ziehen. Aus dieser wunderschönen Landschaft lässt sich doch bestimmt Kapital schlagen. Der Höhepunkt ist ein Promi-Essen mit möglichen Investoren, bei dem zur Unterhaltung eine Frau entkleidet wird. Da greift Svet Ake ein.
Die Botschaft ist klar, das Ende nicht unbedingt. Svet wird mit Gewalt zum großen Boss geschleift, treibt unterwegs aber reglos im Wasser, man hört ein Lied, ein Wesen mit Hosen radelt heim. Wer ist das?
Wunderschön, interessant und mit leisem Humor als Transportmittel. | |
Mi, 26.06.2013TV | Die unfruchtbare ZiegeFade OdysseeDer Bauer Kalyan (Raghubir Yadav) bringt Laila, seine letzte Ziege zu einem Bock, um sie decken zu lassen. Dafür geht er auf eine bunte Reise mit ihr an der Leine. Das häusliche Ambiente mit Frau, Sohn und Tochter enthält noch Menschliches, der Generationenunterschied wird angedeutet, bleibt letztlich aber farblos. Dass mitten im Hof vom Baum herunterhängende Handy, an das Kalyan nicht rankommt, seine Frau aber schon, ist noch die beste stille Komik. Dass er die Ziege seiner Frau vorzieht, geht hingegen schon ins Groteske. Auf der Odyssee begegnet Kalyan Beamten und anderen Dörflern. Die einen sind dümmliche Büttel, die anderen haben nur Spott für ihn übrig. Am Ziel angekommen werden von Kalyan und dem Besitzer des Ziegenbocks auf dem Niveau von pubertierenden Buben Parallelen zum menschlichen Verhalten gezogen. Das ist weder richtig lustig noch komisch. Der Rest geht in etwas unübersichtlichem Trubel unter. Manche Szenen sind unverständlich, weil uns das Wissen um die Symbolik oder die indische Realität fehlt.
Das ist nicht nur wie von einem anderen Stern und kann auch nicht wegen der Exotik Interesse wecken. Es ist einfach flach und unausgegoren. Selbst das, was man versteht, wirkt fad und hohl. Bollywood-Niveau für Arme soll wohl außerhalb des Mainstream angesiedelt sein. K.V. | |
Di, 25.06.2013TV | MephistoDer angepasste RevolutionärDas ist Szabos bester Film mit einem unglaublich präsenten Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle. Es gelingt sowohl dessen zwiespältigen Charakter zu zeigen als auch den politischen Umschwung von 1933 anzudeuten. Hendrik Höfgen half Juden und paktierte doch zeitweise mit den Nazis. Szabo schildert Zeit und Person ohne Partei zu ergreifen Diese Annäherung an den Titan des deutschen Theaters jener Zeit (Gustaf Gründgens) ist durchaus gelungen, der in Mephisto die Rolle seines Lebens fand und Hamlet nordisch-germanisch interpretierte.
Das Geschehen wird in einen Rahmen gefasst: am Anfang steht eine symbolische Tanzeinlage von Höfgen mit seiner farbigen Geliebten Juliette (Karin Boyd): es ist wie eine rassische Parabel auf den Künstler im Nationalsozialismus, eine Mischung aus Gewalt, Kunst und Sex, eine Show mit echten Emotionen, voll animalischer Gier. Am Ende stellt ihn der braune Ministerpräsident (Hans Hoppe) mitten ins nächtliche Olympiastadion von Scheinwerfern verfolgt. Er ruft ‘Was wollt ihr von mir? Ich bin doch nur ein Schauspieler.‘
Höfgen war unpolitisch und nur mit dem Theater verheiratet. Er machte Karriere aufgrund seines Talents und weil er sich vor den braunen Karren spannen ließ. Wie im Roman von Klaus Mann steht die Frage im Raum: Prostituiert sich der Künstler für den Unrechtsstaat und wird so korrupt oder opfert er sich für die Kunst? Als Höfgen die grausame Realität der Nazis erkennt, ist es zu spät. Großartiges Kino! | |
Di, 25.06.2013TV | FrenzyDer KrawattenmörderObwohl man den Mörder Bob Rusk (Barry Foster) kennt und beim ersten Mord zuschauen kann, bleibt dieser Klassiker bis zum Ende spannend. Das liegt an der Erzählweise des Meisters. ‘Die Polizei (Alec McCowen als Chief Inspector Oxford) ist wie immer auf dem Holzweg‘ und die Regie setzt uns auf die falsche Fährte von Dick Blayney (Jon Finch). Drei Männer drehen sich um zwei ermordete Frauen. Ein Höhepunkt ist der Mord an Brenda (Barbara Leigh-Hunt). Hier wird deutlich, dass ‘Onkel Bob‘ ein impotenter Psychopath ist, der bei Mutti lebt. Es geht ihm nicht um Penetration, sondern um den Genuss der Macht und den Todeskampf des Opfers. Eine für Hitch auch optisch untypisch freizügige Einstellung. Der zweite Höhepunkt ist die Fahrt auf dem Laster zwischen Kartoffelsäcken. Großartiger Schnitt mit einem armseligen Mörder.
Das ist der humorvollste der Hitchcock-Filme. Gleich zu Anfang ist wegweisend ‘Hier ist Covent Garden, kein Lustgarten.‘ Und wenn Frau Oxford die feine französische Küche pflegt (Fischköpfe oder Schweinefüße), bleibt kein Auge trocken. (‘Damen verzichten heute eher auf ihre Unschuld, als auf ihre Klamotten‘.) Dabei hilft sie ihm noch bei der Lösung des Falles. Gradlinige Logik gegen schlichte Intuition. Der Mörder knackt die Finger der Toten, Mrs. Oxford ein Salzstängli. Er vertritt hingegen eher die Meinung ‘Es geht nichts über ein gutes englisches Frühstück – und das dreimal am Tag.‘
Das spannende Finale hat dann noch eine Überraschung parat ehe Oxford den Mörder darauf hinweist ‘Sie haben ihre Krawatte nicht an‘. Ein Klassiker also in mehrfacher Hinsicht. | |
Di, 25.06.2013TV | Die SchachspielerinC4 - F6Als das Zimmermädchen Hélène (Sandrine Bonnaire) vom Schachspiel fasziniert ist, weiß man nicht, ob es an der Schönheit des spielenden Pärchens liegt, an der Eleganz des Ambientes oder an der Ruhe, die vom Spiel ausgeht. Es ist auf alle Fälle ein eklatanter Kontrast zu ihrem Privatleben. Sie findet einen väterlichen Freund und Lehrmeister in Dr. Kröger (Kevin Klein), hat einen eifersüchtigen Ehemann Ange (Francis Renaud) und eine pubertierende Tochter. Alles, was man aus der daraus sich möglicherweise ergebenden Dramatik erwarten könnte, findet nicht statt: Mann und Tochter unterstützen sie letztlich und Dr. Kröger ist todkrank, stirbt aber nicht. Hélène macht ihren Weg. Eine leise Emanzipationsgeschichte mit viel Schach. Kleinere Hindernisse wie häusliche Gewalt auf dem Küchentisch werden aus dem Weg geräumt oder stumm ertragen. Der kranke Gönner wagt einen zarten Kuss. Tanz und Toleranz sind die Dinge, die den Weg ebnen. Ein fieser Macho wird am Brett besiegt.
Eine feministische Lösung (‘Die Dame ist die stärkste Figur im Spiel.‘) voller Harmoniebedürfnis erwartet den Zuschauer am Ende. Versüßt wird das Ganze durch einige nette optische Gags: sie formt aus Brotkrümeln Schachfiguren beim Essen, er isst sie ahnungslos auf. Das Foyer hat ein Muster wie ein Schachbrett, das sich verändert und ihr Kleiderwechsel verdeutlicht den Zeitraffer. Hélène wagt und gewinnt weil ‘Wenn man ein Risiko eingeht, kann man verlieren. Wenn man keins eingeht, hat man schon verloren.‘
Leise, unaufgeregt, etwas zaghaft. | |
So, 23.06.2013TV | Der Kommissar und sein LockvogelLetzter bekannter WohnsitzAuffällig ist die unterschiedliche Betitelung. Der deutsche bezieht sich nur auf die Einleitung, der französische meint mit ‘ Letzter bekannter Wohnsitz‘ den Hauptteil des Films. Polizei und eine Gangstergruppe versuchen parallel zu einander einen Mann über seinen ‘letzten bekannten Wohnsitz‘ zu finden. In bewährter Manier der 60er Jahre spielt Lino Ventura wie immer sich selbst: einen Kerl mit rauer Schale aber weichem Kern. So hat er über 30 Jahre von der Leinwand seine Fans gefesselt. Hier bezieht er mehr Prügel als ihm lieb ist. An seiner Seite die junge Assistentin Dumas (Marlène Jobert, die Meg Ryan des französischen Films der 70er Jahre).
Im Gegensatz zu den meisten Filme dieser Art kommt hier der ‘alte Klepper‘, wie er sich selber nennt, mit der Anfängerin gut zurecht. Sie ergänzen sich prima. Er ist ein väterlicher Freund, bisweilen sogar liebenswürdig.
Wir sehen solide Ermittlungsarbeit, die nicht gerade vor Spannung platzt, aber angenehm unterhält, mit einem irritierenden Schluss. Nach seiner Aussage lässt die Polizei den Gesuchten allein – ein fataler Fehler, der die junge Dumas frustriert und den alten Hasen ratlos sieht. Es gab ja keine Handhabe, ihn zu bewachen. Manche Einstellungen wie die Szene im Regen gehören ins Poesiealbum. Netter Krimi mit nur einer Gewaltszene, dafür menschliche Charakterzeichnung ohne Sex. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.