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Bewertungen

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Sa, 22.06.2013
TV | Boot Camp
Das Ende der Erziehungslager2 Sterne
Diese Erziehungslager gab es ja wirklich und es ging da auch wenig zimperlich zu. Die Verantwortlichen in den USA folgten schon der Maxime ‘Erst brechen, dann wieder aufbauen‘. Das wird hier im alten Europa schon lange nicht mehr so praktiziert. Für uns ist das alles Science Fiction. Hollywood (Christian Dugauy Regie) hat aus dieser Thematik einen etwas fragwürdigen Brutalo-Klopper gemacht, mit obligater Liebesgeschichte (Kunis/ Smith: Herz-Schmerzdrama im Lagerleben). Obwohl in Farbe gedreht geht man hier doch in Schwarzweiß Malerei vor. Vieles scheint unrealistisch: die unqualifizierten Betreuer oder ihr offenkundiger Sadismus bis hin zum Missbrauch. Öffentliche Prügelstrafen, die an den Spießrutenlauf bei den Preußen des 18. Jahrhunderts erinnern oder andere aberwitzige Erziehungsmaßnahmen haben nur einen Hardcore Unterhaltungswert. Die Sicherheitslage scheint wie im Wolkenkuckucksheim angesiedelt. Da reicht die Abgeschiedenheit der Fidschi Inseln und eine elektronische Fußfessel. Diskussionswürdig ist die Hilflosigkeit der Eltern und die Widerspenstigkeit der Kids, denn auf beides gibt der Film nur unbefriedigende Antworten. Klar, dass die Kids das Camp ‘Sonnenstrahl‘ am Ende abfackeln und sich vom pseudo-religiösen Anführer und Fake Doktor Hail (Peter Stormare) befreien. Zumindest wird so deutlich, dass dieses System abgeschafft werden muss. Wenn das der Sinn des Films ist, dann hat er ihn mit dubiosen Mitteln erfüllt.
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Fr, 21.06.2013
TV | Amateur
Der Todesengel4 Sterne
Was für eine seltsame Ausgangssituation: Thomas (Martin Donovan) hat sein Gedächtnis verloren und Isabelle (Isabelle Huppert) eine frühere Nonne und angebliche Nymphomanin schreibt Pornos. Es entwickelt sich ein kluger, durchgestylter Ganovenfilm der etwas anderen Art mit einem tollen ‘Sudden Change‘. Dass es um Floppy Disks der Pornoindustrie geht, ist nicht so wichtig. In der Einleitung fallen drei Namen in zwei Sätzen und der Zuschauer ist im Bilde. Dialoge und Lokalitäten verlaufen in Kreisform und offenbaren weitere Details. Anfänglich ist es eine gemeinsame Suche nach dem Vorleben von Thomas. Die Spannung kommt von der unerwartet auftretenden Brutalität und der Tatsache, dass man nicht sicher ist, wie viel jeder der Akteure wirklich weiß. Die Huppert liefert aufgrund ihres Vorlebens noch einen zusätzlichen religiösen Hintergrund von philosophischem Format. Ihr plötzlicher Wandel zum lederbekleideten Racheengel mit Bohrmaschine als Pistole ist umwerfend. Sophie (Elina Löwensohn), eine renommierte Pornodarstellerin, ist die andere Frau an Thomas‘ Seite. Sie interpretiert ihre recht komplexe Rolle hervorragend und ist der Huppert wirklich ebenbürtig. Bevor das spannende Finale kommt erleben wir noch Patsy (Pamela Stewart) die mitfühlendste Polizistin der Filmgeschichte. Und dann: was für ein Schluss!? Im Koster! Die unschuldig schuldige Isabelle, wird vom Racheengel zum Todesengel. Gut, dass es noch solche großartigen Filme gibt. Die Macher sind wahrlich keine Amateure.
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Do, 20.06.2013
TV | Weekend
Schwerstarbeit3 Sterne
Godard hat in seinem Experimentalfilm alles anders gemacht als wir es bis dato gewohnt waren. Die einzelnen Szenen reiht er wie Perlen auf einer Schnur auf. Jede eine eigenständige Einheit für sich, völlig losgelöst vom Ganzen. Lediglich ein Ehepaar (Mireille Darc und Jean Yanne) dient quasi als Schnur, die alles zusammenhält. Durch diese Figuren zeichnet sich so etwas wie ein Zusammenhang ab. Der Blickwinkel wird verändert, unbeantwortbare Fragen dem Zuschauer und den Akteuren gestellt: ‘Werden sie lieber von Mao oder Johnson reingelegt?‘ (1967!) oder an der Woche der 4 Donnerstage ‘Sind sie im Film oder in der Wirklichkeit?‘ Die Darsteller stehen bisweilen neben sich und streiten um die Annahme eine Rolle im Film. So entsteht eine fiktive Ordnung aus einem kunterbunten Chaos, eine surreale Abfolge von Einzelszenen, die jeglichen Boden der bisher gekannten Realität verlassen haben und jederzeit in einen neuen, unerwarteten Abgrund stürzen können. Manches scheint vertraut, anderes grotesk. Manches äußerst ungewöhnlich, anderes total daneben. Godard zerschlägt konsequent jeglichen bisher gewohnten inhaltlichen Zusammenhang. Diese Chaosmethode ermöglicht ihm eine grenzenlose Freiheit der Gestaltung. Was oft als Spiel gemeint ist, bedeutet für den Zuschauer Schwerstarbeit, denn Tempo und Überraschung sind immer dabei. Und gerade das, was man niemals erwartet hätte, passiert als Nächstes. Anstrengend!
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Do, 20.06.2013
TV | Vertrauter Feind
Iren in der Army3 Sterne
Der Originaltitel sagt uns nichts. Der deutsche passt. Altmeister Pakula hat seinen letzten Thriller sehr breit angelegt. Über eine Stunde wird Familienidylle im Hause O’Meara demonstriert. Hier ist Tom (Harrison Ford) ein liebevoller Vater und ein Cop und zeigt unerschütterliche, moralisch unantastbare Prinzipien. Er beherbergt vorübergehend einen Landsmann Frankie (Brad Pitt). Der ist traumatisiert, weil sein Vater vor seinen Augen erschossen worden war. Frankie soll für die IRA Waffen kaufen. All das ist für die spätere Zuspitzung der Situation wichtig. CIA, MI6, die Waffenverkäufer und auch Tom sind hinter Frankie her. Jetzt geht es mit der Spannung steil nach oben. Die Handlung ergeht sich aber nicht nur in reiner Action. Es ist noch Zeit für Polizeiarbeit, Reflexionen und Schmusen. Hier kommt Megan (Natascha McElhone) zum Einsatz. Während alle anderen Frankie umlegen wollen, hat Tom vor, seinen Landmann festzunehmen. Im finalen Showdown auf Frankies Boot verflacht die Handlung allerdings wieder etwas. Man erwartet einfach, dass der Cop den Terroristen kriegt. Klaro! Pakula lässt es unentschieden ausklingen. Jeder der beiden Kontrahenten hatte ‘keine Wahl‘. Jeder musste so handeln, bis zum bitteren Ende, vor allem für Frankie.
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Mi, 19.06.2013
TV | Cotton Club
Musik & Mafia4 Sterne
Hier hat Coppola sein Lieblingsthema ‘Mafia‘ mit der Musikszene der Golden Twenties verbunden. Er bezieht sich auf tradierte Realität aus jener Zeit und so ist ein Gesellschaftsbild entstanden mit Charleston und Dixi Musik, als die Männer noch Hut zum Anzug trugen und die Mädels eine kurze Bubikopf-Frisur. Eine Liebesgeschichte, die es so nicht geben darf, steht im Mittelpunkt: Startrompeter und später Schauspieler Dixi (Richard Gere) und Vera (Diane Lane). Sie werden in einen Mafiakrieg mit hineingezogen und versuchen eigenständig und anständig zu bleiben. Die Musikauswahl inklusive Stepdance ist toll. Der Gesang von Lila (Lonette McKee) eine Bereicherung. Aber auch das Duett (‘Am I Blue?‘) von Vera und Dixi: sie Gesang, er Trompete ist einschmeichelnd neben ihrem Tanz mit Symbolwert, denn die beiden tauschen auch Ohrfeigen aus. Wir erleben Rassismus und hören von Antisemitismus. Es geht um Kunst und Kommerz, Erfolg und Anerkennung. Und immer sitzt latent oder offensichtlich Gewalt mit am Tisch, in einer Welt, in der wie Vera sagt ‘Nur Geld und Aussehen zählt‘, ist die Luft bleihaltig. Oft werden Musik und Gewalt parallel geschnitten. Die Dialoge sind bisweilen spitzfindig: - Wie heißt du? - Ich heiße überhaupt nicht. - Wie hat dich deine Mutter genannt? - Ich hatte nie eine. Insgesamt unterhaltsam und recht spannend, ein Genuss für die Ohren.
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Di, 18.06.2013
TV | Hostage - Entführt
Ein Vollgasthriller4 Sterne
Verschiedene Geiselnahmen, die alle miteinander irgendwie zusammenhängen, werden durch diverse Kriminelle (die Mafia und 3 Youngsters) durchgezogen. Verschiedene Ermittlungsbehörden agieren auf der anderen Seite parallel zu einander. Alle Beteiligten behindern und bekämpfen sich gegenseitig. Dazu kommen noch Rivalitäten innerhalb der Verbrechergruppe und als FBI verkleidete Mafiosi. So entwickelt sich ein äußerst spannendes, komplexes Handlungsgeflecht auf mehreren Ebenen, wobei die Spannung stufenweise weiter ansteigt, wenn die eine Ebene verlassen und eine andere hinzugezogen wird. Die Aktionsseile bleiben stets stramm angezogen und werden immer mehr spannungsmäßig belastet. Bis am Ende alles in einem Inferno furioso untergeht. Besonders das Zusammenspiel von Feuer und Wasser ist durch die architektonischen Gegebenheiten des Hauses beeindruckend. Beide Elemente zerstören und retten gleichzeitig. Ort der Handlung ist ein durchgestyltes Anwesen, das man im wahrsten Sinne des Wortes mit ‘My Home is My Castle‘ beschreiben kann. Als Personen kommen Eltern und Kinder in Frage. Latente Eheprobleme stehen im Raum. Und mitten drin agiert Bruce Willis und dirigiert Kinder, Polizisten und natürlich auch die stets vermummten Gangster. Er rettet diesmal zwar nicht die Welt, ist aber wie so oft ein Hochspannungsgarant.
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Di, 18.06.2013
TV | 16 Blocks
Der Aussteiger3 Sterne
Das ganze Polizeidepartment ist hinter Bruce Willes her. Die Kollegen – angeführt von David Morse, der sich hier mal von seiner unsympathischen Seite zeigen kann - sind ein Sammelsurium korrupter Bullen. Wie der angeschlagene Alk Bruce das schafft, den ihm anvertrauten Gefangenen zu überstellen (nur 16 Häuserblocks entfernt), wird spannend erzählt. So fertig sieht man Bruce Willis nicht alle Tage. Vor allem der verblüffend schnelle Schnitt zeigt wie unser Held aus seiner Lethargie erwacht und plötzlich hell wach ist. Neben Materialschlachten und Riesenballereien ist aber auch noch Platz für Gespräche über Freundschaft, Kollegialität und den Wert der Polizeiarbeit. Da heucheln die Kollegen Bruce was vor, dass sich die Balken biegen. Sie haben sich eine Welt aus Lug und Trug zusammengeschustert. Bruce macht da nicht mehr mit. Gegen Ende wird es dann zwar etwas unübersichtlich bis eine Familienfeier den krönen Abschluss bildet. (Na ja!?) Massenszenen wechseln mit kammerspielartigen Einzelaufnahmen. Das ist gekonnt gemacht. Dieser Cop-Thriller, steht in bester amerikanischer Tradition und hat auch noch eine Message: Menschen können sich ändern. Das gilt sowohl für den Cop als auch für seinen zu überstellenden Gefangenen (Mos Def). Beide werden vom Saulus zum Paulus. Gekonnt gemachte, spannende Unterhaltung
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Mo, 17.06.2013
TV | Die Eleganz der Madame Michel
Die Igelin4 Sterne
Auf den ersten Blick ist es eine leise Sozialstudie über eine Annäherung von René, einer Concierge (großartig Josiane Balasko) und der elfjährigen Paloma (ebenso gut Garance Le Guillermic). Unterschiedlich vom Alter und Herkunft gehen die beiden auf einander zu. Die Concierge ist wie sie von sich selber sagt ‘alt, hässlich und ruppig‘. Auch wenn sie es weit von sich weisen würde, ist sie etwas besonders. In einem kleinen Hinterzimmer hat sie eine Bibliothek und liest viel. Auch das Verhältnis von Madame Michel zu Herrn Ozu (Togo Igawa), einem älteren japanischen Hausbewohner wird mit viel Einfühlungsvermögen beschrieben. Hier schwingt eine anrührende menschliche Saite mit, die das erschreckende Ende dann noch viel schlimmer macht. Zu Beginn beschließt Paloma, sich an ihrem nächsten Geburtstag das Leben zu nehmen. Aber der Sensenmann hat andere Pläne… Durch Animation von beweglichen, gezeichneten Bildern der kleinen Paloma und der Reise ihres Goldfisches durch die Kanalisation wird der märchenhafte Charakter des Films unterstrichen, sodass andererseits der Schluss wieder erträglich wird. Eine gelungene Romanverfilmung mit eindrucksvollen Schauspielern und einer Handlung, die auf der einen Seite in der Realität steht, wo es Derbes aber auch Anrührendes zu erleben gilt und auf der anderen Seite auf Dinge hinweist, die auf der Metaebene anzusiedeln sind und jenseits des Diesseitigen liegen. Und so sind wir aufmerksam dabei oder auch amüsiert, werden nachdenklich oder auch am Ende gar aufgeschreckt.
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Mo, 17.06.2013
TV | The Tourist
Der Mathelehrer2 Sterne
Mit Topdarstellern ist ein glatt poliertes Remake rausgekommen, das manche eine Thrillerkomödie genannt haben. Doch von beiden Komponenten ist wenig zu sehen. Von einer Komödie gleich gar nichts und das bisschen Thrill juckt kaum. Die Spannung, die von der Doppelbödigkeit der Agenten herrühren könnte, geht verloren, weil man zu früh über die Hintergründe aufgeklärt wird. Da sind die Rollen klar verteilt. Auch wenn es dem Zuschauer manchmal so ergeht wie Scotland Yard: er blickt die Zusammenhänge nicht immer, weil zu viele logische Stolpersteine im Weg liegen. Angelina Jolie muss hier recht eindimensional agieren und kann nur durch ihre kostbare Garderobe glänzen. Da lässt der Regisseur F.H.v.D. Johnny Depp als Mathelehrer schon mehr Gestaltungsspielraum. Er kann zwischen ahnungslosem Trottel und unfreiwilligem Actionhelden agieren. Die Handlung bleibt trotz Verfolgungsjagden und kurz angedrohter Folter über weite Strecken blutleer. Es fehlt der Biss. Da springt kein Funken über. Es bleibt eine fast schnulzenhafte Romanze vor einer malerischen Kulisse von Venedig. Mit einem Stoßseufzer erinnert man sich an ‘Anthony Zimmer‘, als dieser noch durch Nizza flüchtete.
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Sa, 15.06.2013
TV | Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer
Sehr fantastisch2 Sterne
Das ist wirklich nur etwas für Fans. In der Figurengestaltung erinnert der Film gelegentlich an Star Wars. Das geht ab wie Schmitts Katze mit viel Woschsch…Zooommm…Bafff und Bang. Die Vier, die die Welt retten, anfangs war es ja nur London. Auch wenn wir echte Menschen sehen, es bleibt ein Comik. Und der kreist auf der Oberfläche. Atemberaubende Luftkämpfe mit dem ganzen Animations-Schnickschnack, gehören dazu. Arme und Beine werden den Akteuren dann schon mal lang gezogen, die Ohren nicht. Auch die Komik kommt gelegentlich zum Zuge, wenn ein Grizzley als ‘verlauster Pelzmantel‘ angesprochen wird. Inklusive der Hochzeit ist die Handlung vorhersehbar. Der schwarze, böse Kapuzenmann Doctor Doom (Doktor Weltuntergang!) wird ohne Überraschung ins Bild gesetzt, ebenso wie die Wiederauferstehung von Susan (Jessica Alba). Da weiß man wenigstens, woran man ist. Die Massenszenen gehen in Richtung Katastrophenfilm, bei dem die menschliche Fackel durch Welt und Orbit düst. Zwei Szenen fallen aus dem Rahmen und in beiden sehen wir Susan, die echte Emotionen in Bezug auf den Silver Surfer zeigt. Der sympathische Waliser Ioan Gruffudd führt das Quartett an, kann aber nicht so eindrucksvolle schauspielerischen Akzente setzen wie in einem seiner ersten Filme ‘Solomon und Gaenor‘.

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Krimi mal anders5 Sterne

Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.

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