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Di, 21.05.2013
TV | Sugarland Express
Die Poplins3 Sterne
Wer hätte das gedacht, dass am Anfang von Spielbergs Karriere eine Sozialgroteske steht. Bereits der Titel weist darauf hin, dass auf dem Weg zur ‘Heimholung‘ ihres Babys von den Pflegeeltern in Sugarland den beiden durchgeknallten Eltern Poplin (Goldie Hawn und William Atherton) eine lange Schlange Polizei- und Presseautos folgen. Sie sind auf der Flucht, denn er war aus dem Gefängnis ausgebrochen. Bis zur Geiselnahme eines Polizisten (Michael Sacks) läuft alles noch im üblichen Rahmen ab, doch dann dreht Spielberg die Handlung immer mehr ins Groteske. Die Gespräche des Pärchens entfernen sich von ihrer realen Situation, Goldie bestellt Babysachen aus einem Katalog und muss mal dringend usw. Es wird deutlich, dass den beiden jeglicher Realitätssinn fehlt. Die ganze Sache entwickelt eine gewisse Eigendynamik, ihre Fahrt wird zum Triumphzug und bekommt Volksfestcharakter. Spielberg geißelt die Sensationsgier seiner Landsleute und die der Presse natürlich und die Polizei macht sich zum Affen. Auch die Schießwütigkeit der Amerikaner in Form einer selbsternannten Bürgerwehr wird karikiert. Da sieht man ein Schild ‘Registrieren wie Kommunisten, nicht Feuerwaffen‘. Nachdem alles gesagt ist, macht Spielberg Schluss. Kurz und schmerzlos: Vater tot, Mutter sprachlos. Für 1974 irgendwie weitsichtig. Die Nebenhandlungen bieten viel Platz für Komik in Situation und Dialog. Hier zumindest sah er seine Landsleute noch viel kritischer als später.
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Mo, 20.05.2013
TV | Avatar - Aufbruch nach Pandora
Schauen und Staunen5 Sterne
Man kann die vielen inhaltlichen Anleihen ebenso vernachlässigen wie die bekannten Assoziationen an Indianerfilme. Man sollte sich bei diesem einzigartigen Bildvulkan einfach von der Optik davontragen lassen. Da gibt es schon genügend berauschende Bilder zu bestaunen, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Und es wimmelt nur so von Ideen, die man so noch nicht auf der Leinwand verwirklicht gesehen hat. Innovativ in der Machart auch ohne 3D. Die gelängten, blauen Wesen z.B. von einem anderen Stern. Sogar einen Sinn kann man hinter der famosen Technik entdecken: Naturversteher gegen Universale Imperialisten, d.h. Wissenschaftler contra militärische Betonköpfe. Die Guten (Worthington, Weaver, Saldana) werden klar gegen die Bösen (Lang und Ribisi) abgegrenzt. Und es geht letztlich auch um die Verhinderung der Zerstörung der Umwelt ‘Alle Energie ist nur geborgt. Eines Tages müssen wir sie zurückgeben.‘ Fehlt nur noch eine nette Lovestory? Alles da! Gottseidank nicht allzu süßlich. Der fulminante Höhepunkt kommt am Ende mit Luftschlacht und Bodenkampf. Die ungleichen Waffen: Pfeil und Bogen gegen geharnischte Kampfmaschinen, urzeitliche Ungeheuer als Kavallerie und die waghalsigen Flugmanöver pressen jeden in die Polsterung. Großartiges Kino, kaum zu überbieten in diesem Genre.
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Mo, 20.05.2013
TV | Iron Maze - Im Netz der Leidenschaft
Mörder Jedermann2 Sterne
Der von der Kritik erwähnte Vergleich mit Kurosawas ‘Rashomon‘(1950) ist sehr weit hergeholt und tut dem früheren Japaner Unrecht. Dieser Film hier ist ein Vierpersonen-Stück, in dem außer dem Sherriff (J.T. Walsh) jeder der Mörder sein könnte. Und was viel schlimmer ist, am Ende war es keiner. Ein Unfall! Die aufeinander folgenden Geständnisse und Enthüllungen sorgen nicht für Spannung, sie unterhalten bestenfalls: zuerst gesteht der einheimische ‘Vieljobber‘ Barry (Jeff Fahey) den Mord, dann die Gattin Chris (Bridget Fonda) und schließlich könnte es auch der junge Mikey (Gabriel Damon) gewesen sein. Aber der Angeknockte Ehemann (Hiroaki Murakami) überlebt. Die Handlung schwankt zwischen Arbeitskampf und Liebeskampf, zwischen Sozialdrama und Ehe-End-Drama, Fortschritt oder Tradition und bleibt unentschieden. Ab und an unterhält die Erzählweise wegen ihrer Spiralform, wobei in der Wiederholung weitere Details hinzugefügt werden. Andererseits verfolgt die Handlung ausgetretene Trampelpfade wie ‘Bar – Tanz – Matratze‘. Der Schluss übertreibt die Harmoniesucht: in friedlicher Eintracht sind alle da, wo sie hingehören. So als wäre nichts geschehen. Ist es ja wohl auch nicht. In diesem ‘Eisernen Irrgarten‘ hat sich niemand verlaufen. Alle sind da wo sie immer waren. K.V.
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So, 19.05.2013
TV | Splice - Das Genexperiment
Tödliche Verbindung4 Sterne
Die Idee, die hier in äußerst unterhaltsamer Form dargestellt wird, ist heute wissenschaftlich keine Science Fiction mehr. Die Forschung kann spleißen, cappen, transkribieren. Sie arbeiten mit Ribonukleinsäure und hantieren mit Introns und Exons. Hier wird die Story in eine menschliche Beziehung miteingebunden: das Forscherpärchen Clive und Erna (Adrien Brody und Sarah Polley), die noch kein Kind haben, erschaffen das Monster Dren (Delphine Chanéac) aus der Retorte. Geschickt wird gezeigt, wie es heranwächst, immer menschlicher wird: fast ein kleines Mädchen! Nur die Sprache fehlt. Die Animation ist superb und viele der wesentlichen Fragen werden von den Forschern diskutiert: Soll man weitermachen, weil neue Erkenntnisse den Menschen helfen können? Sind moralische oder ethische Zweifel angebracht? Darf die Industrie mit dieser Forschung Milliarden verdienen? Durch den Spagat zwischen echten menschlichen Gefühlen diesem Wesen gegenüber und einem ungebremsten Forscherdrang bekommt das Experiment Tiefgang. Erna kann Mutter oder der liebe Gott sein, eine Jungfrau Maria oder Frankenstein. Es endet in einem spannenden, spektakulären Finale, in dem das Ganze aus dem Ruder zu laufen droht. Die Industrie hat das letzte Wort: Dren ist ein ‘Sammelsurium von einzigartigen Komponenten‘ und kann sein Geschlecht ändern. Darauf kann man aufbauen. Regisseur Natali entlässt uns aber nicht ohne einen augenzwinkernden Blick auf Ernas sich wölbendes Bäuchlein. Zwei Väter kommen in Betracht…Spannend und interessant mit etwas Ekel-Horror.
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Sa, 18.05.2013
TV | Yorkshire Killer 1980
Noch einmal davongekommen4 Sterne
Das ist ein guter Mittelteil. Es gibt also am Ende keinen echten Schluss. Diesmal kommt mit Peter Hunter (Paddy Considine), ein Spezialermittler, hinzu. Zwei Handlungsstränge laufen wie immer parallel: die Aufklärung der Mordserie vom Ripper und die polizeiinterne Ermittlung. Beides hängt eng zusammen. Und damit noch etwas Butter bei die Fische kommt, gibt es noch einen ganz privaten Hunter-Plot mit Ehefrau und Geliebter. Das wird ruhig erzählt, nicht völlig emotionslos aber britisch unterkühlt, meist mit Braun- und Gelbfilter und etwas schmuddeligen Farben ins Bild gesetzt und weicht völlig vom üblichen Cop-Thriller ab. Man wird durch nichts abgelenkt und kann sich auf die solide Polizeiarbeit konzentrieren. Nur die Bilder von den Mordopfern sind wie üblich grauenhaft. Dann setzt die Handlung gegen Ende drei sich überschlagende Kontrapunkte: Hunters Haus brennt ab, ein detailliertes Geständnis entpuppt sich als getürkt, die Wahrheit deutet sich an: fünf Polizisten sind die Mörder und Hunter wird erschossen. Es muss also weitergehen. Zur Verdeutlichung der Situation ein aussagekräftiger Ausschnitt aus einem Dialog: - Sie mögen die Polizei wohl nicht? - Nein. - Wenn jemand in ihr Haus einbricht, ihren Hund tötet und ihre Frau vergewaltigt, wen rufen sie an? - Sicherlich nicht die Polizei von West Yorkshire, denn die wären ja schon im Haus, oder?
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Fr, 17.05.2013
TV | Full Metal Jacket
Stahlmantelgeschoss5 Sterne
Einer der neun großen Filme über den Vietnamkrieg. Er gliedert sich in zwei Teile. Fast eine Stunde erleben wir eine Brüllorgie ungekannten Ausmaßes. Ausbilder Hartman (sic!) Lee Ermey in der Rolle seines Lebens schockiert mit erniedrigenden Beschimpfungen aus dem Fäkal und Analbereich und treibt Pyle (Vincent d’Onofrio) in den Selbstmord. Der erste Schuss! Im zweiten Teil sind wir mit Kriegsberichterstatter Joker (Matthew Modine) 1968 in Vietnam zur Zeit der TET-Offensive. Wegen seiner vorlauten Art wird er zur kämpfenden Truppe versetzt. Kubricks Minimalismus lässt quasi symbolisch nur ein Gefecht mit einer angeschossenen vietnamesischen Scharfschützin zu. Der Feind bekommt ein Gesicht. Option: liegenlassen oder Gnadenschuss? Rache für die gefallenen Kameraden!? Dieser Höhepunkt wird in die Länge gezogen. Die anderen beiden Frauen, die wir sehen sind Huren. Der Film hebt sich wohltuend von der Masse der Kriegsfilme ab. Hier ist es nicht nur die Ballerei, die die Klasse ausmacht, sondern auch das Hinterfragen. ‘Kämpfen wir hier wirklich für die Freiheit?‘ Am Ende zieht eine singende Truppe vorbei an brennenden Häusern. Sie sind glücklich, überlebt zu haben. Abgerundet wird das Ganze Zeitfeeling durch die unterlegten Popsongs u.a. von Nancy Sinatra (‘These Boots Are Made For Walking‘) und Sam the Sham (Wooly Buly‘). Eine zeitlose Klasse für sich.
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Fr, 17.05.2013
TV | Max Payne
Schwarze Engel2 Sterne
Hinter dem nichtssagenden Titel (verkörpert von Mark Wahlberg) verbirgt sich eine ebensolche Handlung. Es ist der übliche Cop Thriller mit dem üblichen Rachefeldzug, weil ihm mal böse mitgespielt worden ist. Hier wurden Frau und Kind umgebracht. Hinzu kommt ein Touch Mystery (Schwarze Engel) und Rückblenden mit Gelbfilter. Da reicht auch die Videospielvorlage nicht zur Entschuldigung aus, höchstens als Begründung. Der Plot setzte sich zusammen aus vielen bekannten Versatzstücken. Manches erinnert an den ‘Highlander‘, die Droge wirkt wie der Spinat bei Popeye und dass der gute Freund der Familie Beau Bridges sich am Ende als mörderischer Bösewicht outet wird erwartet. Die gemeinsame Verfolgungsjagd mit der Gangster Lilly Mona (Mila Kunis) ist nicht überzeugend. Die ist außerdem viel zu schön und viel zu sanft. Eignet sich eher als Betthäschen. Und nachdem auch der dritte Promi Chris O’Donnell ordentlich vermöbelt worden ist, kann man sich von goldenen Schneeflocken beruhigt einlullen lassen. Die durchgestylte Optik ist überhaupt das einzig Überzeugende an diesem Film, inklusive der fliegenden Patronen in Slomo. Viel passiert nachts, also viel ‘noir‘, aber ohne viel Spannung.
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Do, 16.05.2013
TV | Das weiße Band
Eine Kindergeschichte5 Sterne
Für das Psychogramm einer Gesellschaft vor dem 1. Weltkrieg hat sich Michael Haneke ein fiktives Dorf ausgedacht. Hier herrschen die alten Männer gestützt auf den rigiden Protestantismus (‘Schwarze Pädagogik) mit Prügel für Zucht und Ordnung, eiskalt, autoritär und menschenverachtend. Unter ihnen rangieren die Frauen, die doppelten Verlierer: als Frau und Mutter. Ganz unten auf der Skala befinden sich die Kinder. Sie leiden am meisten. Als stille Revolte und als perverser Racheakt verüben sie Gräueltaten, die nie aufgeklärt werden. Dabei wird klar, dass die alten Männer die wahren Schuldigen sind. Aus dem großartigen Ensemble möchte ich nur den Pastor Burghart Klaußner und Susanne Lothar als Hebamme hervorheben. Sie sind der Kern dieser Tragödie. Hier wird die emotionale Schmerzgrenze weit überschritten. Die schauspielerische Krone gehört aber den Kindern. Sie verdeutlichen das Leiden und den Schmerz so sehr, dass es den Zuschauer mitten ins Herz trifft. Auch wenn es keine Rechtfertigung für ihre Untaten gibt, so verständlich sind sie als Ventil. Einziger Lichtblick unter all den ‘menschlichen Ungeheuern ‘ ist der Lehrer (Christian Friedel) und Eva (Leonie Benesch) seine Verlobte. Sie verbindet völlig ungewöhnlich eine zarte Liebe. Haneke überhöht sein Werk durch zwei Dinge: durch s/w Bilder oft mit leichter Überbelichtung verschärft er den Kontrast in der Bildaussage und durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges deutet er an, dass hier die Grundlage für den Nationalsozialismus liegen könnten. Genial, überaus eindrucksvoll, diskussionswürdig.
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Mi, 15.05.2013
TV | Night Train
Die Box2 Sterne
Ein Kammerspiel als Killer-Orgie. Konventionell gemacht mit steigender Spannung bis zu einem gewissen Grad. Dann gleichbleibend bis zum enttäuschenden Ende. Es steigt auf der 10-Punkte-Skala langsam von 1 bis 5, bleibt dann so und stürzt am Ende ins Bodenlose ab. So hoffnungslos offen sollte kein Film enden, auch wenn alle Akteure tot sind. Unter ihnen überzeugen schauspielerisch lediglich Danny Glover als einzig brave Haut und Leelee Sobieski als von der Box selbsternannte ‘Auserwählte‘. Matthias Schweighöfer hingegen bleibt blass und unauffällig. Und um eine kleine Holzkiste geht es. Als Idee brauchbar, aber was wird daraus gemacht? Am Ende schießt sich der Mystery Case selbst ins Knie. Das Schneetreiben vertreibt die Spannung auf Dauer und der Spielzeugzug, der da durchbraust, vergrößert die Distanz zum Zuschauer. Die übrigen im Ansatz skurrilen Fahrgäste haben bei ihrem Ableben einen Popcorn-Effekt. Paff – ist er weg, der nächste bitte! Auch dass sie alle die Box wollen ist ein Gedanke, der sich allmählich totläuft. Eine Billigproduktion, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die Liste der Produzenten ist länger als die der Darsteller.
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Di, 14.05.2013
TV | Die Unbeugsame
Tränen im April4 Sterne
Das Thema ist bei uns wenig bekannt: Bürgerkrieg in Finnland 1918 am Ende des 1. Weltkrieges. Hier bekämpfen sich die konservativen Weißen und die sozialistischen Roten. Wenn dann eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen dem ‘Weißen‘ Aaro (Samuli Vauramo) und der ‘Roten‘ Miina (Pihla Viitala) entsteht, ist das Stoff genug für ein menschliches Drama. Das hat Regisseur Aku Louhimies sehr gefühlvoll aber ohne Pathos mit einem Hauch Patriotismus umgesetzt. Hart am realen Leben, wo immer Zahltag ist. Dabei bildet die schaurig schöne Landschaft einen Kontrast zum mitunter derben Geschehen. Immer noch gilt: Wie kann man Gefangene besser demütigen als durch Vergewaltigung? Die brutale Soldateska rammelt sich die Seele aus dem Leib. Einer nicht: Aaro bringt Miina vor ein ordentliches Standgericht. Er gibt sein Letztes beim geilen schwulen Amtsrichter Hallenberg (Eero Aho), um ihre Freilassung zu erwirken. Was zwischen diesen beiden abgeht, steht unter dem Motto ‘Wie du mir, so ich dir‘. Für unterkühlte Nordländer kommt der Film recht offenherzig daher. Die Gefühle bleiben aber weitgehend unter Verschluss. Da fließt höchstens mal eine Träne. Aber das beeindruckt schon. Ohne echtes Happy End aber mit einem Ja zum Leben, in das Miina mit ihrem kleinen Sohn geht…Für den reicht es auch noch zu einem Augenzwinkern. Wir kennen dass, wenn man froh ist, das alles überstanden zu haben. Eine kleine Perle der Filmkunst!

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