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Mo, 13.05.2013
TV | Unter dir die Stadt
Der Alte und das Pflänzchen2 Sterne
Der Titel setzt den Fokus: das ist die Perspektive, aus der die Manager die Welt betrachten. Da oben im Wolkenkuckucksheim leben diese Alphatiere, nach den Gesetzen der Global Player, abgehoben und ohne jede Bodenhaftung. Jeder Blick auf diese Welt dieser ‘Exoten‘ ist eine stilistische Offenbarung. Ganz anders als Otto-Normalverbraucher so lebt. Wir sehen eine Welt aus Glas und Stahl, hart und kalt mit Ecken und Kanten. Auf dieser Spielwiese siedelt Regisseur Hochhäusler seine Figuren an und versucht echte Gefühle einzupflanzen. Das muss schief gehen. Für echte Tragik sind die Charaktere mit zu viel Teflon auf der Seele behaftet. ‘Einer springt ins Wasser und wird nicht nass!‘ Inhaltlich versucht ein alter Bock (Robert Hunger-Bühler) ein junges Pflänzchen (Nicolette Krebitz) zu verführen. Egal warum. Und es dauert so lange, wie es dauert. Es geht hin und her. Mal will er, aber sie nicht, dann ist es umgekehrt. Gefühle sind so wenig vorhersehbar wie die Börse, Erfolge flüchtig wie ein Blumenstrauß. Es wird nichts erläutert oder hinterfragt, es wird nur dargestellt. Die Kamera zieht sich am Ende diskret zurück und lässt den Zuschauer in der Kälte stehen. Der kann seinen letzten abschweifenden Gedanken daran verschwenden, warum der Altmanager zurückgetreten war.
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Mo, 13.05.2013
TV | Der Adler der neunten Legion
Herr & Sklave4 Sterne
Der Film besticht durch zwei Dinge: eine ausgefeilte Technik und einen einleuchtenden Plot. Die exzellente Kamera setzt ein actionreiches Kampfgetümmel ins Bild, wobei Tempowechsel die Wirkung vertiefen und Nahaufnahmen mit Großeinstellungen wechseln. Es wird sogar verständlich, inwiefern die Taktik der Römer dem Feind fast immer überleben war. Die wilde Natur ist ein durchaus passendere Rahmen für die Handlung: Der römische Offizier Marcus Aquila (Channing Tatum) und sein Sklave Esca (Jamie Bell tanzt nicht mehr, er kämpft hier wie ein Mann!) versuchen das verlorengegangene Legionssymbol von jenseits des Hadrian Walls zurückzuholen. Der aus der Not geborene Rollentausch der beiden und die Doppelbödigkeit von Feindschaft und Freundschaft zwischen ihnen sorgen für spannungsreiche Unterhaltung. Die keltischen Gesänge passen stimmungsvoll zur Landschaft. Nur die Vertreter der Pikten vom ‘Seehundsclan‘ erinnern in Tracht und Habitus an gekalkte Irokesen. (Der einzige Wermutstropfen!) Der Kurzauftritt von ‘Onkel‘ Sutherland sorgt für Wohlbehagen. Der Hinweis auf Roms endlosen Expansionsdrang geht in diesem reinen Männerfilm fast ebenso unter wie die altrömischen Tugenden ‘Ehre, Treue, Vaterland, die für die damalige Zeit noch prägend waren. Spannende Unterhaltung aus grauer Vorzeit.
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So, 12.05.2013
TV | Kaddisch für einen Freund
Doppelte Abschiebung4 Sterne
Wie sich der alte russische Jude Alexander (eindrucksvoll Ryszard Ronczewski) und der junge Palästinenser Ali (genauso gut Neil Balakhdar) als Nachbarn in der Platte treffen ist gut eingefädelt. Dem einen droht bei Straffälligkeit die Abschiebung, dem Anderen bei Unfähigkeit die Abschiebung ins Heim. Und wie aus der Feindschaft eine menschlich anrührende Freundschaft wird ist nicht schlecht gemacht. Beide bewegen sich in einem sozialen Umfeld, das genauso ist, wie man es kennt. Ist das noch Klischee oder bereits Alltag? Für die Integration ist es durchaus von Vorteil. Regisseur Leo Khasin findet keine überzuckerte Lösung. Dafür ist Alexander zu kantig und Ali zu emotional echt. Auch die deutsche Justiz wird recht passabel ins Bild gesetzt. Sie beharrt auf ihrem Recht und findet ein vernünftiges Urteil. Alis Eltern reagieren eigentlich realistisch: die Mutter hat Verständnis, der Vater braucht ein bisschen länger. Überraschender sind da schon die Vertreter des Sozialamtes, die hier für Komik und Frohsinn zuständig sind. Der Realismus mit einem emotionalen Touch plus leiser Komik ist das Erfolgsrezept des Films. Die authentischen Darsteller haben einen erheblichen Anteil daran, dass man sich mit den Figuren identifizieren kann. Auch wenn man am Ende mit Ali nicht das Äquivalent von ‘Großer Gott wir loben dich‘ auf Jiddisch mitspricht.
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Fr, 10.05.2013
TV | Minority Report
Mission Possible4 Sterne
Das ist Spielbergs bester Sci-Fi-Film. Er setzt einen Meilenstein in dieser Branche. Nicht nur die übliche schnelle Action (z.B. die fliegenden Polizisten oder andere Luftstunts) sind toll, auch die dreibeinigen Roboter sogenannte ‘Spiders‘ zum Scannen der Pupille gehören in die Schublade ‘außergewöhnlich‘, in der sich auch noch Makabres und Ekelerregendes befindet. Dafür ist hier Peter Stormare zuständig. Das Größte aber ist, dass Spielberg eine menschliche Tragödie in diese Zukunftsvision eingebettet hat mit Frau (Kathryn Morris) und Sohn. Alles ist in gerade noch so viel Fach-Chinesisch verpackt, dass es Spannung abwirft. Natürlich mit viel supertechnischem Schnickschnack als Begleitung. Und als Erholung für Auge und Ohr erleben wir die reine Natur. Die Grundidee ist einfach: Hellseher, sogenannte Pre-Cogs (eine davon eindrucksvoll gespielt von Samantha Morton) können Morde vorhersehen, und eine schnelle Eingreiftruppe kann sie dann verhindern. Eine Wahnsinnsidee! Man ahnt aber schon bald, dass an diesem System etwas faul sein muss. Dem geht Chief Anderton (Tom Cruise) aus persönlichen Gründen nach. Kontrahent Detective Witwer (Colin Farrell) bleibt auf der Strecke und auch der oberste Direktor (Max von Sydow) muss dran glauben. Diese Utopie spielt in einem Grenzbereich, der der Frage nachgeht: Ist das System das absolut höchste Gut, dem sich der Mensch unterzuordnen hat? Gleichzeitig wird ein autoritäres System auf seine Fragwürdigkeit hin untersucht. Und natürlich lässt Spielberg nach all dem Grauen den Film als Märchen enden. Großartig!
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Fr, 10.05.2013
TV | 2046
Der Reigen3 Sterne
Die Zahlensymbolik des Titels ist schon etwas übertrieben (Jahreszahl, Name des Hotels, Zimmernummer, Romantitel). Das kann man allerdings vernachlässigen. Die Längen in der Handlung sind gewöhnungsbedürftig und sie werden durch Wiederholungen (wie Geheimnis im Baum verstecken) und Untermalung mit Opernarien zusätzlich gedehnt. Die Handlung selbst ist mit anspruchsvoller Optik so versteckbuchselt, dass Konzentration erforderlich ist. Und die Kernaussage – mal abgesehen von der buddhistischen Rechtfertigung – betritt auch nicht gerade Neuland: jeder Mensch sucht Zuneigung und Liebe, kann sie aber nicht finden, weil er oder sie in seinem/ihrem eigenen Universum aus der Vergangenheit gefangen ist. So ist es letztlich ein Anti-Liebesfilm. Und wenn man wie die männliche Hauptfigur Chow (Tony Leung Chiu-wai) unendlich viel Zeit hat, kann man sie sich mit neckischen Spielchen zwischen Verlockung und Verführung vertreiben. Aus der Galerie der Schönen ragen zwei Promis heraus: Gong Li, die Ikone aus Fernost bildet den Rahmen als verhärmte und tränenreiche Falschspielerin und Zhang Ziyi, die Tiger-Drachen-Lilly, macht hier ihrem Namen nicht nur auf der Matratze alle Ehre. Wong Kar-wai hat das Ganze auf ein melodramatisches Liebeskarussel gesetzt, bei dessen Rundfahrt es einem schwindelig werden kann. Gut gemacht, aber anstrengend.
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Do, 09.05.2013
TV | Trans Bavaria
Abi Spaß4 Sterne
Bei dieser Heimatgroteske gibt es zwei Schwierigkeiten: 1. die für ‘Nordlichter‘ schwer verständliche Sprache, denn es wird im dicksten bayerischen Dialekt recht flott parliert und 2. die dunklen Bilder, denn das Geschehen ist schlecht ausgeleuchtet. Wenn man das überwindet, ist der Film eine Mordsgaudi. Die ‘revolutionäre Dienstfahrt‘ der drei Abiturienten Wursti, Quiri und Joker (alles Laiendarsteller) ist trotz aller Längen voller skurriler Einfälle, die durch die witzigen Dialoge noch verstärkt werden. Sie wollen in diesem Roadmovie gegen das ‘Leberkäs‘ Patronat‘ oder die ‘Lederhosen Macchiavellis‘ ein Zeichen setzen, in einem Land, dessen Ikonen entweder ‘verrückt oder korrupt‘ sind. Die vielen Anspielungen aus Geschichte und Literatur sind dem Niveau der Pennäler durchaus angepasst. Erste Reaktion z.B. nach einer Autopanne: ‘Leck!‘. Zweite Reaktion: ‘Wanderer kommst du nach Sparta, du hast uns schieben sehen…‘ Auch die eingestreuten Träume sind eine witzige Ergänzung zur realen Situation, bevor durch das Auftreten von Papst und Gorbatschow in Verkleidung die groteske Schraube bis zum Anschlag gedreht wird. Ein nihilistischer Aussteiger (Eisi Gulp) erklärt den Freunden die Werte des Lebens und was ‘Revolution‘ wirklich bedeutet. Am Ende sucht Regisseur Ferstl etwas zu lange nach einem Schluss. Spritzig witzig, locker flockig mit Niveau.
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Do, 09.05.2013
TV | Am Ende kommen Touristen
Die Touristenfalle3 Sterne
Es ist der etwas andere Auschwitz-Film. Vom Lager sehen wir so gut wie nichts, nur vom Drumherum. Hier macht ein deutscher Zivi Sven (Alexander Fehling) Dienst. Unter anderem betreut er einen Ex-Häftling (äußerst authentisch Ryszard Ronczewski) und verliebt sich in die polnische Fremdenführerin Ania (Barbara Wysocka). Regisseur Robert Thalheim macht einen ökonomischen Ansatz: die Vermarktung des berühmten KZs. Denkmalenthüllung unterstützt von deutschen Firmen, die auch unzuverlässige Polen entlassen. Sven kommt sich überflüssig vor und packt frühzeitig seine Sachen. Mit Ania hat es auch nicht geklappt. Der Ort des Todes soll wohl keine gute Location für die Liebe sein. Dabei hätte das Pärchen schon mehr für die Völkerverständigung tun können. Ein kurzer Dialog und eine Fahrradtour um das KZ sind da zu wenig. Anias Bruder schießt da auch noch quer. Diese Figur passt so gar nicht ins Konzept. Sie schafft eher Verwirrung. Als Sven am Bahnhof plötzlich wieder kehrt macht, ist das recht unglaubwürdig. Reicht da wirklich der Kurzauftritt einer Karikatur von einem Lehrer, um ihn umzustimmen? Interessant weil anders, bleibt aber in den Startblöcken, weil irgendwie unfertig. Der Titel weist auf eine anschließende Diskussion hin.
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Mi, 08.05.2013
TV | Die Ehrenmedaille
Die Alten3 Sterne
Ein kleiner Film über den beschwerlichen Alltag eines alten Ehepaares im Rumänien nach Ceausescu. Eigentlich ein Zweipersonenstück, das von den beiden überaus authentischen Darstellern von Ion und Nina lebt: Victor Rabengiuc und Camelia Zorlescu. Mit viel Liebe zum Detail bis in unbedeutende Kleinigkeiten hinein wird eine Atmosphäre von deprimierender Traurigkeit geschaffen und intime Einblicke ins Privatleben der beiden gewährt. Aber es gibt kleine Aufhellungen, die zur übrigen Handlung passen wie Pfeffer zu Endbeeren. Das sind die kleinen, erwärmenden Annehmlichkeiten des Alltags, die sich ergeben, wenn man die Ansprüche ganz weit runterschraubt. Das Thema bildet nur den Rahmen, denn Ion hat die Medaille aus Versehen bekommen. Und er weiß auch nicht, wieso. Trotzdem will er sie behalten. Entweder wegen des Goldwertes oder wegen der damit verbundenen Ehre. Die Alten schweigen sich an wegen Problemen aus der Vergangenheit (Sekuritate!) und trinken heimlich, ohne dass der andere es merkt. Der Sohn ist in Kanada, der Opa hat Sprachprobleme mit seinem Enkel. Selbst als die Familie den Besuch des Sohnes feiert, haben sich Vater und Sohn nichts zu sagen. Alles endet in einem sinnfreien Palaver von Small Talk. Dabei brennen allen die Probleme eigentlich auf den Nägeln. Mit viel Empathie gemacht, versüßt der leise Humor den herben Realismus.
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Di, 07.05.2013
TV | End of Days - Nacht ohne Morgen
Der Teufel und das Mädchen3 Sterne
Hier setzt Regisseur Peter Hyams auf pyrotechnische Effekte als Transportmittel von pseudo-religiösen Versatzstücken. Abgesehen vom Vatikan als Anfangskulisse sehen wir viele Wolkenkratzer, Hubschrauber und immer wieder Verfolgungsjagden mit Ballerei. Die Stunts sind beeindruckend, einige Schocker erschrecken, die Dialoge flach (‘Man tut seine Pflicht.‘) und der Held und Retter der Welt ist Jericho Cane (Arnold Schwarzenegger). Sein Gegenspieler als leibhaftiger Satan ist Gabriel Byrne, der Mann mit diabolischem Blick und Habitus. Cane schafft es mit Muskel- Satan mit Zauberkraft. Dabei gibt es jede Menge optische Anleihen an ‘Omen‘ oder die Teufelsbegattung aus ‘Rosemary’s Baby‘ u.a.. Zwischen den beiden Kontrahenten, die als Verfolger bzw. Beschützer fungieren, steht die schöne Christine (Robin Tunney). Das Ensemble wird durch Udo Kier und Rod Steiger prominent abgerundet, die aber nicht so ganz klar sehen, was sie hier sollen. Ebenso wie Margie, die Vertreterin der Polizei (CCH Pounder). Verfolgungsjagden und Action pur bringen auf Dauer keine Spannung nur Unterhaltung. Inhaltlich wird mit religiösem Vokabular hantiert und der Destruktivismus scheint die Ultima Ratio zu sein. Beim fulminanten Finale und dem Erscheinen des Teufels vergisst man den Sinn und übersieht, dass Arnie sich quasi als Heiland opfert. So gerät das End of Days zum Fire-End-Game.. Fahr zur Hölle Diablo! Der Morgen kommt auch ohne dich.
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Di, 07.05.2013
TV | Endlos ist die Prärie
Emanzipationsversuch2 Sterne
Ein ganz früher Elia Kazan, der uns später ja mit unübertrefflichen Meisterwerken beschenkt hat, wobei der Western ohnehin nicht zu seinen stärksten Filmen zählt. Hier greift er das uramerikanische Thema auf: Krieg der Farmer gegen die Viehzüchter. Dazu holte er das Traumpaar der 40er Jahre vor die Kamera: Spencer Tracy und Katherine Hepburn. Am besagten Streit zerbricht auch ihre Ehe. Über eine Stunde quält sich die Handlung mühsam durch die Einleitung. Erst als sie den unverbesserlichen Sturkopf verlässt und eine folgenschwere Affäre beginnt (mit Charmeur vom Dienst Melvyn Douglas) geraten die Dinge etwas in Bewegung. Es geht in Richtung Melodram. In der letzten halben Stunde dann bringt die Charakterzeichnung der beiden erwachsenen Kinder Brock und Sara (Robert Walker und Phyllis Thaxter) etwas Farbe in den S/W-Film. Die angedeutete Dramatik weitet sich zum Krieg um die Kinder aus. Leichte Spannung entsteht um die Frage ‘Wer weiß etwas über Brocks leiblichen Vater?‘ Typisch für die prüden 40er Jahre werden völlig sexfreie Emotionen verbraten. Wenn man einen Kuss sieht, bedeutete das: die Akteure haben miteinander geschlafen. Man wusste ja, wo die Kinder herkamen. Das erscheint uns heute alles fast etwas widernatürlich. So bleiben die Zuschauer ungerührt von diesem fragwürdigen Happy End, das in Richtung Schmonzette gleitet.

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