Di, 07.05.2013Kino | A Single ManDer UnverheirateteFalls einen die Schwulenproblematik nicht interessiert, dann sind es hier die tollen Bilder, die seltenen Einstellungen und die Erzählweise in Retrospektiven, die beeindrucken. Aber auch die frechen Dialoge sind keineswegs von der Hand zu weisen. ('Liebhaber sind wie Busse. Man muss nur warten, bis der Nächste kommt.'). George (Colin Firth) schwankt in seiner Bisexualität zwischen den Polen hin und her. Am Anfang steht der Tod seines Liebsten (Matthew Goode), am Ende sein eigener. Dazwischen versuchen Julianne Moore ('Mein Leben in der Vergangenheit ist meine Zukunft'), seine Jugendliebe, und ein schöner Student (Nicholas Hoult) bei ihm zu landen. Doch die tiefe Todessehnsucht bleibt, wobei die Selbstmordversuche schon grotesk erscheinen. Die Verunsicherung in einem Leben zwischen den Fronten mündet in der Zwangsläufigkeit der Ereignisse. Offen bleibt, ob George an gebrochenem Herzen oder an Tabletten stirbt. Es ist überraschend und irgendwie unvollendet, weil mitten drin. Erst beim gedanklichen Nachkarten erkennt man, wie obsessiv neurotisch die Vorstellungen von George von Anfang an bereits waren. Dann ist es tragisch. | |
Mo, 06.05.2013TV | AusnahmezustandEnde der DemokratieMeistens ist Hollywood thematisch der Realität hinterher gelaufen, hier ist es umgekehrt. Drei Jahre vor dem Angriff auf das World Trade Center werden hier mehrere Bombenattentate durch arabische Terroristen zum Anlass genommen, die Armee im Innern einzusetzen. Sie hat unter General Devereaux (Bruce Willis) die Kontrolle über New York übernommen. Der Film spielt das ganze Szenario einer autoritären Führung durch: mit Ausnahmezustand, Kriegsrecht, Hausdurchsuchungen und Massenverhaftungen. Das FBI und die CIA hier vertreten durch Denzel Washington und Annette Bening kämpfen erst gegeneinander, dann retten sie die wahre Freiheit, nachdem General Deveraux erklärt hat ‘Das Gesetz bin ich!‘
Das Gegeneinander der verschiedenen Abteilungen der Geheimdienste wird glaubhaft beleuchtet. Hier sind die Dialoge zwischen Bening und Washington schlagkräftig und messerscharf pointiert. Man erahnt, wie komplex die Verwicklungen von CIA und FBI mit dem arabischen Raum sind. Mal bremsen sie sich aus, mal marschieren sie in dieselbe Richtung. Auch der faschistoide Generalverdacht gegen alle Muslime wird erwähnt und Foltermethoden stehen im Raum. Im Prinzip ein zeitloses Thema (bei Problemen ist die Armee ja überall auf der Welt bereit, jederzeit die Macht zu übernehmen). Da kann sie dann schon mal zum Feind der Demokratie werden. Gute Darsteller bringen in unterhaltsamer Form mit mäßiger Spannung trotz mehrerer Explosionen ein wichtiges Thema rüber. | |
So, 05.05.2013TV | Entfernte Stimmen - StillebenEin musikalisches BilderbuchDas britische Ausnahmetalent Terence Davis hat 1988 einen außergewöhnlichen Film gemacht. Es wird viel gesungen, doch es ist kein Musical. Davis setzt der inzwischen fast verloren gegangen Tradition des Pub-Singing ein Denkmal und verlängert gleichzeitig die lange Reihe der Working-Class Movies. Das ist so noch nie gemacht worden. Die Songs begleiten die Handlung, die oft anhand von Standfotos erzählt wird. Daneben gibt es natürlich im Wechsel atmosphärisch genaue Dialoge, die in lokalen Dialekt getaucht sind.
Hier sind die Männer noch echte Kerle und die Mädels kommen damit klar. Vater (Pete Postlethwaite) verprügelt Frau und Kinder und die Mutter (Freda Dowie) versucht das Schlimmste zu verhindern.
Es ist wie ein musikalisches Bilderbuch. Es wird vor und zurück geblättert. Man kann sich mal diese und mal jene Szene genauer anschauen: Hochzeit, Begräbnis, Bomben im 2. Weltkrieg… Es wird immer wieder dazu gesungen. Mal gibt es einen sanften Song zur pickelharten Realität als Kontrast, dann wieder ein Lied als Erläuterung einer Situation. Es sind stereotypische Szenen mit authentischen Charakteren. Oft ist die Musik ein Palliativ, das die harte Realität abfedert. Aus dieser Musikalität und einer bewusst gemachten Stille entsteht durch Bilder mit erschreckender Realität eine ganz eigene Suggestivkraft. Grandios in seiner Einzigartigkeit. | |
Sa, 04.05.2013TV | Fliegende Fische müssen ins MeerZwischen Traum und WirklichkeitDie türkisch-stämmige Schweizerin Güzin Kar hat eine der besten Sozial-Grotesken der letzten Jahre abgeliefert. Mit dem doppeldeutigen Titel weist sie den Weg, der dem Film auch noch eine Message gibt: Aufstieg durch Bildung.
Die Handlung steckt voller äußerst lustiger Ideen, die offen entwaffnenden Dialoge treffen immer auf die zwölf und kommen mal aus der makabren Ecke, mal aus der altklugen. Bei aller Skurrilität schwingt immer eine menschlich anrührende Komponente mit. Dieser Spagat macht den Charme aus, dem man sich nicht entziehen kann.
Meret Becker als total durchgeknallte Mutter Roberta ist so gut wie nie und ihre Tochter Nana (Neuentdeckung Elisa Schlott) überzeugt mit einem nicht immer leichten Part. Sie muss den Weg ins Leben erst noch finden, ihre Familie versorgen und den ersten Liebekummer verkraften. Das Geschehen wird vom ‘ Chor der Bachforellen‘, die einheitlich farbig mal rot, mal gelb sind, kommentiert. Dieser Tratschverein der einsamen Herzen des Dorfes fungiert wie der Chor im antiken Theater – nur viel lustiger. Ein anderes Beispiel für die Komik: Roberta am Fuße einer Marienstatue: ‘Ich fühl‘ mich wie ein Haufen…‘(Schnitt) Blatsch! Eine Taube lässt was fallen auf Marias Gesicht. Die schauspielerischen und optischen Höhepunkte sind die Bewerbungsgespräche Robertas, die gespielten Heiratsanzeigen möglicher Lover von ihr und Nanas Sprung von der Brücke mit symbolträchtigen Unterwasseraufnahmen.
Witzig zwischen altklug und total daneben, charmant mit einem Spritzer Lebenserfahrung und einem sinnvollen Schluss. | |
Fr, 03.05.2013TV | Harley Davidson und der Marlboro-ManDie letzten MachosEs sind zwei amerikanische Kultfiguren und zwei Darsteller, die inzwischen selber Kultstatus erlangt haben: Mickey Rourke und Don Johnson. Und sie agieren in dieser Komödie, die eine Mischung aus ‘Easy Rider‘ und ‘Hells Angels‘ ist. Das sind zwei große Jungs, die nicht erwachsen werden wollen. Sie wissen es zwar nicht, aber ihre Zeit ist eigentlich abgelaufen. Sie gehören zu einer inzwischen schützenswerten Minderheit. Ihr Leben besteht aus Saufen, Rauchen, sich Prügeln und Motorradfahren. Andererseits kann man sagen, dass es ein Denkmal für die letzten Machos ist, die letzten echten Kerle.
Dass sie vom 20. Stock eines Hochhauses springen oder einen Geldtransporter überfallen, der Drogen befördert ist sekundär. Und noch eine Überraschung gibt es: der unter einem Motorradhelm versteckte Polizist ist jemand den der Marlboro Mann gut kennt: Virginia! (Chelsea Field), seine alte Liebe. Die redet zwar mit ihm Klartext, aber er weiß ja nicht, was er will. Beide Helden überstehen große Endballereien. Streifschüsse sind da Peanuts. Ihr Motto ist ‘Lieber tot und cool als lebendig und uncool.‘
Der Flugzeugfriedhof aus dem 2. Weltkrieg ist eine großartige Kulisse. Der Film ist etwas für einen Männerabend mit einem Kasten Bier in der Mitte. Da kann man mitjaulen, mit anstoßen, und so richtig die Sau rauslassen. Dann ist ein Heidenspaß. | |
Fr, 03.05.2013TV | Lethal Weapon II - Brennpunkt L.A.Zwei tödliche CopsDiese ‘zweite tödliche Waffe‘ von Richard Donner ist ein Dauerbrenner im deutschen Fernsehen. Und zwar mit Recht, denn sie ist besser als die anderen drei der Folge. Die Witze sind noch frisch und stammen aus der Kiste ‘coole Sprüche‘. Sie sind gut platziert und bilden eine Antipode zur Spannung. Außerdem reichen sie bis in den persönlichen Bereich der beiden Supercops Riggs und Roger (Gibson / Glover), die, wenn einer von ihnen auch mal etwas dämlich aussieht, herzhaft darüber lachen können. Dieser Film ist prominent besetzt mit Joss Ackland als Bösewicht und Patsy Kensit als tragisches Liebesabenteuer von Riggs. Joe Pesci sorgt als überdrehter Schutzbefohlener für zusätzliche Komik, die bis an den Rand von Slapsticks reicht. Die Bösen sind faschistoide Südafrikaner, die sich als Geldfälscher betätigen und ihre sogenannten ‘Heldentaten‘ werden durch einen Mord in der Vorgeschichte nochmals verschlimmert. Spektakuläre Explosionen, sowie der Ausbruch aus dem Container sind einfach gut gemacht. Der flotte Schnitt lässt gegensätzliche Aktionen parallel laufen und den Zuschauer manchmal im Ungewissen. Etwaige Fragezeichen werden aber von der sich überschlagenden Handlung überrollt. Während Roger in Lebensgefahr schwebt, vergnügt sich Riggs mit Patsy und das halbe Polizeipräsidium fliegt in die Luft. Das Alter des Films erkennt man an Gibsons Matte.
Damit das Ganze nicht zu einem pyrotechnischen Klamauk ausartet, wird immer wieder der familiäre Hintergrund der Supercops beleuchtet. Da menschelt es dann echt. | |
Do, 02.05.2013TV | Huacho - Ein Tag im LebenOma, Opa, Mutter und KindKühl, etwas distanziert wird in übersichtlicher Form der Alltag einer armen Familie in Chile beschrieben. Die Kamera verfolgt die vier Protagonisten hautnah mit leicht verwackelten Bildern, Gegenlichtaufnahmen und unscharfen Einstellungen. Das sieht alles ein wenig amateurhaft aus, passt aber zum Genre. Der soziale Untergang hängt wie ein Damoklesschwert über den Akteuren. Sie sind gesellschaftliche außen vor. An der Namensgebung erkennt man die Laiendarsteller. Die Diskriminierung spürt vor allem der Enkel Manuel (Manuel Hernandez), der keinen Computer hat und den seine Klassenkameraden nur ‘Bauer‘ nennen. Das Element des Sich-Durchschlagens dokumentiert die Großmutter Clemira (Clemira Aguayo), die den selbstgemachten Käse am Straßenrand verkauft. Mutter Alejandra (Alejandra Yanez) symbolisiert, dass man momentan nicht liquide ist und gibt ein Kleid zurück, um die Stromrechnung bezahlen zu können. Der Großvater Cornelio (Cornelio Villagran) hat Alzheimer im Anfangsstadium und erzählt nur aus der Vergangenheit.
Eine Spielfilmqualität ist kaum zu erkennen. Es ist eine Sozial-Doku, keine flammende Anklage mit Wachrüttel-Effekt. Eben nur ein ganz gewöhnlicher ‘Tag in ihrem Leben‘. Hier wirkt nur die normative Kraft des Faktischen. Die Alten haben sich mit ihrer Situation abgefunden, nur der Enkel leidet unter der Diffamierung. Er könnte auch der einzige sein, dem der soziale Aufstieg eventuell gelingen könnte. | |
Mi, 01.05.2013Kino | NachtblendeLiebe tut wehDer Film ist inzwischen Kult. Einerseits wird man von einer Fülle von Ideen überschüttet, die sich bis in kleinen Nebenhandlungen verästeln, andererseits ist die Kernaussage von zeitloser Größe (s. Originaltitel!). Dabei spielt die Sexualität mit nackter Haut keine unwichtige Rolle. Immer noch erstaunlich offenherzig. Das absolute Topargument ist aber die schauspielerische Höchstleistung, zu der Regisseur Zulawski die vier Hauptakteure gebracht hat.
Es ist Romy Schneiders (Nadine) ausdrucksstärkster Film. Sie bringt ihre Situation zwischen zwei Männern überzeugend rüber und ist dabei unglücklich glücklich. Jacques (Dutronc), ihr Ehemann, spielt den Komiker und Luftikus mit suizidaler Depression. (Was für ein Spagat!).
Kinski spielt sich wie immer selber. Hier aber grandios von dekadent bis gewalttätig. Fabio Testi ist Romys Counterpart. Sie gehören eigentlich zusammen, treffen sich aber erst am Ende ‘Ich liebe dich‘: der erfolglose Fotograf und die erfolglose Schauspielerin. Da hatte dann auch noch die Mafia ein finanzielles Wörtchen mitgeredet. Wir erleben menschliche Tragödien, die einen aufwühlen. Auch berufliche Tragödien, die niederschmetternd sind und die Tragödie der Kunst ist eine Offenbarung zwischen Gefühl und Kommerz.
Von den schauspielerischen Highlights sind die eingebaute Theaterinszenierung von Richard III. und die vorausgehende Probe für den filmischen Olymp. Dabei gibt es zwischendurch immer wieder unerwartete Reaktionen und Küsse voller Verachtung.
Der Film ist so intensiv, dass man keine Minute verpassen möchte. Wahnsinn! | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.