Sa, 13.04.2013TV | Bug - tödliche BrutWanzenDie beiden Hauptakteure schenken sich nichts und uns jede Menge Horror.
William Friedkin weiß, wie man die psychischen und auch physischen Schmerzen wie mit einer Daumenschraube anzieht und die Wirkung erhöht wird, wenn ein gewisser Ekelfaktor hinzukommt. Das gelingt ihm mit im Grunde recht einfachen Mitteln. Der Brechreiz ist einkalkuliert. Leider verkommt der Höhepunkt durch endlose Schreierei zu einem fast unverständlichen Info-Austausch. Die konsequent aufgebaute Spannung leidet aber kaum darunter. Die begleitenden Personen erscheinen im Dialog mal auf der Seite der Guten, dann könnten sie aber auch wieder auf der Gegenseite sein. Das ‘Traue-Keinem-Syndrom‘ wird als zusätzlicher Verstärker eingesetzt. Dabei beginnt alles mit der üblichen Story: fieser Ex-Ehemann (Harry Connick jun.) verprügelt seine Frau Agnes und ein Unbekannter (Michael Shannon) hilft ihr aus der Bredouille. Ashley Judd ist prädestiniert für die Rolle der Agnes als gequälte weibliche Kreatur. Das kann sie hier wieder einmal exzellent unter Beweis stellen. Allein durch ihre schauspielerische Leistung gelingt dieser Horror-Schocker, der den Zuschauer zwingt, dabei zu bleiben und mitzuleiden. Denn man sieht meistens nur Agnes und nicht die eingepflanzten Viecher. Da ist das Ende nur eine konsequente Erlösung – für Zuschauer und Darsteller. | |
Fr, 12.04.2013TV | Cold SoulsKalte SeelenWenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, dass die Seele, nachdem sie zur Einlagerung eindampft wurde, wie eine Erdnuss oder Kichererbse aussieht und folglich wie ein materielles Produkt gehandelt werden kann, bietet der Science Fiction Film vergnügliche Unterhaltung. Das lässt Paul Giamatti mit seiner Seele machen. Doch der Schauspieler will sie zurück, sie aber wurde vertauscht und er versucht sie aufzuspüren. Das geht dann in Richtung Russenmafia und in eine Art Organhandel, ein Ost-West Export-Import Geschäft. Die in Russland herrschenden Oligarchen haben alles Geld der Welt, nur kein schauspielerisches Talent. Und mittels Seelenimport aus USA wollen sie das ausgleichen. Paul Giamatti hat Probleme mit Ehefrau Claire (ungewohnt farblos Emily Watson), die mit seinen seelischen und körperlichen Veränderungen nicht klar kommt. Dafür interessiert sich Nina (Dina Korzun) der etwas außerirdisch wirkende Seelenkurrier für ihn. Sie bringt eine Mischung aus devoter, subalterner Gehilfin und zupackende Fachfrau mit eingefrorener Miene. Die 5% Restseele von Paul Giamatti und was davon noch in Nina steckt, bleibt etwas kryptisch und letztlich ebenso unklar wie das ‘offene‘ Ende. Vielleicht wollte sich da Regisseurin Sophia Barthes auch nicht festlegen. Neben den technischen Schnickschnack für die Seelentransplantation überzeugt vor allem die Theaterprobe und ein Essen mit Freunden des vorübergehend ‘seelenlosen‘ Paul Giamatti. Ihm nimmt man die Tragik und die Komik seiner Situation voll ab. Nicht uninteressant dieses Sci-Fi Konstrukt. | |
Fr, 12.04.2013TV | Eat Drink Man WomanMister WokMeister Lee hat eine unterhaltsame Familienkomödie abgeliefert. Hier steht der älterer Koch Chu (Sihung Lung) im Mittelpunkt, umgeben von drei Töchtern. Sowohl deren berufliche Orientierung als auch ihr unterschiedliches Alter sind gut ausgewählt. Die Handlungsführung geht vom Wok aus, beleuchtet den ganz persönlichen Bereich der vier Mitglieder der Familie Chu und kehrt letztendlich zum Wok zurück. Ang Lee wandelt hier fast unbemerkt auf Shakespeares Spuren. Lässt aber das Tragische (König Lear) beiseite und endet in einer Triple-Hochzeit. Ende gut, alles gut.
Die flinke, farbenfrohe Zubereitung der Speisen in der Großküche und auch am heimischen Herd lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, die Geschmacksnerven werden aktiviert. Aber auch menschliche rührende Aspekte kommen vor. Schnelle, unorthodoxe Schnitte wechseln von Liebesszenen im Bett zum Truthahnaufblasen als Kochvorbereitung. Bevor wir diese heile Welt verlassen, überrascht uns Chu mit einem unerwarteten Heiratsangebot. Auch über die Folgen werden wir noch kurz unterrichtet. Das mit dem verlorengegangenen Geschmack ist auch ein netter Gag, der ins Bild passt. Charmant, hübsch und sehr unterhaltsam. | |
Fr, 12.04.2013TV | LebenHundelebenDieser Film von Sigarew belegt, dass das russische Kino wieder voll da ist und in guter Tradition mit dem Neorealismus des Landes nach Gorbatschow steht. Was hier als ‘Leben‘ betitelt wird, ist schon ein Hundeleben. Alle Figuren sind nicht gerade auf der Sonnenseite des Daseins angesiedelt. Wir sehen die Gefahren dieses Lebens, in dem auch die Orthodoxie keinen Halt geben kann. Ein Überfall, Kindsmisshandlung, eine zerrüttete Ehe, Selbstmord etc. Es ist eine lose Verknüpfung von mehreren Handlungssträngen, die menschliche Tragödien beinhalten.
Die ungewöhnliche Erzählweise rückt das Geschehen fast unbemerkt in einen Zwischenbereich zwischen Tag und Traum, zwischen Wunschdenken und Realität. Dadurch wird das Schreckliche aber keineswegs abgemildert. Viele Nahaufnahmen erläutern das Lokalkolorit der Plattenbauten. Manche Details sind schon schön anzuschauen in ihrer morbiden Tristesse. Das geschieht oft ohne Ton in langen Einstellungen. Der Zuschauer setzt für sich das Geschehen im Kopf um. Manches ist nachvollziehbar und verdeutlicht den Zwang des Getriebenseins bis hin zur letzten Konsequenz: dem Selbstmord. Kinder sind hier die Schwächsten, für die Liebe gibt es keinen Raum, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Ein wichtiger, grandios gemachter Film, der eine Realität zeigt, die von der unsrigen gar nicht mal so weit entfernt ist. Nur verschließen wir die Augen vor solchen schmerzhaften Eindrücken. Man muss sich bisweilen zwingen hinzuschauen und was man sieht, vergisst man so schnell nicht. | |
Do, 11.04.2013TV | An einem SamstagApril 1986Es ist der 26. April 1986 und wir sind in Tschernobyl. Doch das Thema wird zur Marginalie. Man sieht zwar den brennenden Reaktor und die unterschiedlichsten Reaktionen der Menschen: Streit, Skepsis, Drohungen und Schuldzuweisungen. Allgemeine Ratlosigkeit macht sich breit. Nichts Genaues weiß man nicht. Valerij, der Einzige (Anton Shagin), der versteht, was da passiert ist, versucht mit seiner Freundin wegzukommen. Das versteht man noch. Doch dann kommt ein Bruch, der den Film in eine völlig andere Richtung treibt. Valerij und Vera bleiben, machen Musik, feiern und saufen. Die langen Tanzeinlagen von herumtollenden, besoffenen Hochzeitsgästen sind irgendwie peinlich. Das Reaktorunglück gerät fast in Vergessenheit, ebenso wie die anfänglich aufgebaute hilflose Unsicherheit. Hinzu kommen noch ein paar logische Knackpunkte, die für Unverständnis sorgen. Letzte Bilder zeigen ein Schiff mit der Band, dann den abgebrannten Reaktor und pausenloses Gelächter dazu. Viele Fragezeichen auf den Gesichtern der Zuschauer.
Sollte etwa nur die Arglosigkeit der nicht informierten Bevölkerung dokumentiert werden? Aber selbst das Verschleiern der Wahrheit gerät zu kurz. Ist es der Tanz auf dem Vulkan, der lachend in den Untergang führt? Die Mutmaßungen sind so vage, dass sich eine Diskussion nicht lohnt. Die Story hätte überall spielen können. Als bloßer Hintergrund ist Tschernobyl zu ernst und deshalb ungeeignet. K.V. | |
Mi, 10.04.2013TV | Jerry Maguire - Spiel des LebensJerry McQuatschnyMan kann diesen Film mit der gedrückten Schnell-Vorlauf-Taste anschauen, sich etwa alle fünf bis zehn Minuten einklinken und verpasst nichts. In unverständlichem, blindem Aktionismus schreien sich verschiedene Personen live oder am Telefon an. Die Geschäftsbeziehungen sind weitgehend unverständlich beziehungsweise so überschaubar wie das Meer bei Windstille. Es geht wohl um den Bereich American Football. Hier zieht der gefeierte Manager Tom Cruise seine Kreise, wird gefeuert und ist wieder erfolgreich, weil er sich mehrmals am Tag gebetsmühlenartig sagt ‘Du kannst es! Du bist der Beste! Du bist der Größte!‘ Der ironische Blick auf diese Gesellschaft geht ins Leere, ertrinkt in unverständlichem Dauergequatsche. Wenn man mal vom schlichten Blondchen Renée Zellweger, die auch ruhigere Momente hat, absieht, haben alle Personen Logorrhö. Die Lovestory ist mehr als tausendmal abgenudelt und folglich vorhersehbar. Da es ja eigentlich keine Probleme gibt, zieht man irgendwelche aus dem Hut, die an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind. Und damit man auch noch den letzten Hillbilly hinterm Ofen vorlockt, kommt Kleinkind und Vater ins Spiel. Fehlt nur der Hund. Aber der war anfangs dann doch mal kurz im Bild. Selbst die Football-Szenen sind so spannungsgeladen wie Synchronschwimmen. Bleibt nur Tom Cruise. Er spielt einen Star. Wen sonst?! K.V. | |
Di, 09.04.2013Kino | Der Junge im gestreiften PyjamaDer Bumerang-EffektDieser kleine Film von Mark Herman ist großartig, auch wenn er nicht ganz die Empfindungen trifft, die man beim Lesen des Romans von John Boyne hat. Die stufenweise Annäherung an das Erkennen eines Nazi-KZs aus der Sicht von Bruno einem Achtjährigen (recht aufgeweckt Asa Butterfield) ist allerdings nicht schlecht gemacht. Bruno glaubt Bauern auf einem Bauernhof zu sehen, er sieht Rauch aus großen Schornsteinen aufsteigen und wenn ein Uniformierter erscheint, wird geflüstert. Es geht ein ideologischer Riss durch die Familie. Brunos Vater (David Thewlis) ist Lagerkommandant. Er und Großvater (Richard Johnson) sind überzeugte Nazis. Bei den Frauen ist Großmutter (Sheila Hancock) skeptisch, Ehefrau Elsa (Vera Farmiga) kommt von der Position einer eher kritischen Opposition zur ehelichen Verweigerung. Ihr bleibt das letzte große Wehklagen, als sie begreift, was mit Bruno geschehen ist. Gut, dass man ahnt aber nicht sieht, was es war. Was für ein Schluss!
Bemerkenswert ist noch Brunos Gewissenskonflikt. Einmal lügt er aus Angst und verleugnet Schmuel (Jack Scanlon) seinen jüdischen Freund von der anderen Seite des Stacheldrahtzauns. Das wird ebenso wenig dramatisiert wie das Verschwinden des Häftlings Pavel (David Hayman), der früher einmal Arzt war. ‘Warst wohl ein schlechter‘, vermutet Bruno. Hayman überragt hier schauspielerisch turmhoch seine sonstigen Serienauftritte. Beeindruckend in gradliniger Schlichtheit. Die Täter werden zu Opfern. | |
Mo, 08.04.2013TV | Die Wasser der Hügel - Jean FloretteDie QuelleMan muss unbedingt die beiden Teile sehen, um das Gesamtwerk zu verstehen. Der ganze erste Teil ist eigentlich die Einleitung des Dramas mit der so folgenschweren Untat, eine Quelle in den Bergen zu verstopfen. Drei französische Superstars agieren unter der brennenden Sonne der ländlichen Provence, wo die einheimischen Bauern Papet und Neffe Ugolin (Yves Montand, Daniel Auteuil) dem zugereisten Anfänger Florette (Depardieu) den bäuerlichen Neuanfang vermiesen. Fast wie in vielen Westerns geht es auch hier um Wasser aus einer Quelle in den Bergen. Die Atmosphäre kommt rüber, die Handlung zieht sich. Vor allem die Vorgehensweise des alten Papet ist nicht immer nachvollziehbar. Montand mimt auf verschlagenen Strategen, Florette gibt den wissenschaftsgläubigen, übereifrigen Nachwuchsfarmer und Ugolin ist am überzeugendsten, wenn er den halbdebilen Blick draufhat als Erfüllungsgehilfe seines Onkels.
Aber immerhin macht der erste Teil neugierig auf die Fortsetzung. Hier ist der erste Auftritt von Emmanuelle Béart als titelgebende Manon erwähnenswert. Eine schöne, wilde Ziegenhirtin mit Mundharmonika im Regen, gefolgt von einem Tanz ohne Kleider im Sonnenschein. Das Familiengeheimnis wird zwar erst am Ende enthüllt, überrascht aber nicht wirklich. Auch das mit dem unbekannten Sohn, der eine unbekannte Tochter zurücklässt, ist Stoff in mancher Alpensaga. Auch Wunder gibt es und Selbstmord aus Liebekummer. Hier flirrt die Provence aber für Freunde von Pagnol, die sich schon am ‘Ruhm des Vaters‘ oder am ‘Schloss der Mutter‘ erfreuen konnten. | |
Do, 28.03.2013TV | The HoldingDie FarmIn total verregneter, eigentlich wunderschöner Landschaft des Peak Districts kommt es auf einer abgelegenen Farm zu einer Gewalt- und Blutorgie. Auf dem Hof von Bäuerin Cassie (Kierston Wareing) taucht Aden, ein Fremder (Vincent Regan) auf. Die vorhersehbare Handlung stützt sich auf gute Darsteller, die Spannung auf vier unbeantwortete Fragen, die sich in der Mitte des Films auftun: Was will Aden? Was weiß er? Was passierte eigentlich genau im dunkel-düsteren Vorspann? Und was bei den Nachbarn? Die Fragen werden zwar im Verlauf beantwortet. Bei der Fülle an Geständnissen kommt man aber ganz schön ins Trudeln. Hat Cassie ihren Mann Dean umgebracht oder hat ihn Aden gemeuchelt, weil er dessen Mutter ermordete? Nach anfänglichem Motto: Bäuerin sucht Mann, läuft alles etwas aus dem Ruder. Die rasante Action überdeckt die logischen Fragen. Wo bleibt eigentlich die Polizei? Die kommt auch nicht. Cassie muss mit ihren Kindern gegen den Eindringling kämpfen, bis er sein verdientes Ende in einer Jauchegrube findet. Da diese explodiert, ist es wohl eher ein Tank im Boden. Um die Farm (Titel!) ging es dabei eigentlich nie. Ob um Adens Wunsch nach einer eigenen Familie, wird mal erwähnt, aber es bleibt unbeantwortet. Heftig war’s auf alle Fälle. | |
Di, 26.03.2013TV | Sodom und GomorrhaDer UntergangJeder kennt die Namen der beiden biblischen Städte und ihre berühmt berüchtigte Bedeutung. Doch davon ist hier nichts zu sehen. Einzig die Verwandlung von Lots Frau (Pier Angeli) in eine Salzsäule erinnert an das Alte Testament. Der Untergang der beiden Städte in einem Erdbeben ist am Ende Höhepunkt des Films – wahrscheinlich auch Sinn und Zweck. Das ist für 1962 recht spektakulär. Das Drumherum mit Off-Kommentar ist teilweise schlicht und etwas pathetisch. Spätere Weltstars tummeln sich hier noch in farbenprächtigen Kostümen vor imposanter Kulisse. Allen voran die böse, lesbische Königin Bera (Anouk Aimée) oder ihr etwas verworren angelegter Bruder Astaroth (Stanley Baker). Doch der Held ist Lot (Stewart Granger), handfest zupackend und verständnisvoll.
Die Handlung ist eigentlich obsolet und passt in jeden Sandalenschinken: es geht um Liebe, Macht und um Intrigen. Da brechen Dämme und überfluten Täler, Öl! wird als Brandteppich eingesetzt und es wird fast so viel gekämpft wie diskutiert. Und damit man den Titel nicht so ganz aus den Augen verliert, fliegen sündhafte Anschuldigen durch den Raum. Die Rettung der Hebräer vollzieht sich dann mysterymäßig durch ein Wunder und die Stadt des Lasters versinkt unter einer atompilzähnlichen Rauchwolke. Wow! Dabei waren die 60er Jahre doch gar nicht mehr so prüde. | |
Sa, 12.07.2025 von antoniawarda
richtig schlechte Sendung, man kann nicht wirklich mitraten, weil die Aufgaben für den Zuschauer ...
Sa, 14.06.2025 von Rozenbaum
Gute Themen, aber warum müssen alle Gästinnen grell überschminkt sein . Zu viel BotOx, zu viel ...
Fr, 30.05.2025 von Coa60
Die Sterne sind für die satirische Kritik am Hebammengesetz. Ansonsten fand ich die Sendung nur ...
Sa, 17.05.2025 von Kunstart.net
1. Klone haben (Kindheits-)Erinnerungen implantiert, damit sie nichts hinterfragen, nicht davon ...
Sa, 19.04.2025 von frge
Gut gemacht. Gute Schauspieler.Es ist ein schöner Zeitvertreib. Gern auch über Mediathek.