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Di, 26.03.2013
TV | The Getaway - Ihre Chance ist gleich null
Doc kommt durch4 Sterne
Der Film ist nicht ganz zu Unrecht ein Dauerbrenner auf deutschen TV Bildschirmen. Doch das allein macht ihn nicht zum Kult-Klassiker. Die Handlung gliedert sich in drei Teile: Entlassung aus dem Knast, Banküberfall mittels Stromausfall und Flucht mit Beute. Letzteres macht Zweidrittel des Films aus. Also nichts Ungewöhnliches. Allerdings wecken die schnellen Schnitte am Anfang mit unverständlichen Bildern dazwischen bereits das Interesse der Zuschauer. Aufklärung gibt es später. Drei Parteien versuchen die Beute zu bekommen bzw. die anderen auszuschalten. Der Einzige der ‘davonkommt‘ (Titel!) ist der supercoole Steve McQueen mit seiner Gangsterbraut Ali MacGraw, obwohl sie von einer ausweglosen Situation in die andere geraten. Unterwegs gibt es zwei faustdicke Überraschungen, die Spannung erzeugen. Hinzu kommt dabei wichtige Hintergrundinfo. Die Flucht im Müll bleibt einzigartig. Bis dahin reiste das Duo außer mit diversen Autos mit Bus und Bahn. Zwischen ihnen flirrt die Spannung einer möglichen Trennung und ein Spagat zwischen Zuneigung und Misstrauen. Die zweite Gruppe um den angeschossenen Gangster Rudi (eindrucksvoll Al Lettieri) sorgt für Komik und Tragik, unterstützt vom blonden Dummchen Fran (großartig Sally Struthers). Es ist knallharte, bleihaltige Action mit ironischen Anklängen, menschlichen Regungen und zeitloser Modernität von der Machart her.
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Mo, 25.03.2013
TV | Thumbsucker - Bleib wie du bist!
Daumenlutscher auf Erfolgskurs2 Sterne
Glattgebügelter Problemfilm trotz Starbesetzung. Der Motor des Ganzen ist grenzenlose Zuversicht in die eigene Stärke, Hindernisse zu überwinden. Die Titelfigur Justin erscheint etwas zurückgeblieben, Mädchen gegenüber schüchtern und hat Probleme in der Schule. Er durchläuft alle Stufen der fachmännischen Beratung, inklusive Hypnose durch den Kiefernorthopäden (Keanu Reeves, hier etwas mehrdeutig). Man diagnostiziert ADHS, Justin bekommt Ritalin und wird bald darauf zum brillanten Captain im Debattierklub. Nachdem er die Pillen wieder absetzt und stattdessen kifft, schafft er es mit ungeahntem Ehrgeiz auf die Uni. Und auch bei den Mädels klappt es jetzt. Fast eine Bilderbuchkarriere! Zeitweise wechselt der Fokus auf die Eltern (Fachfrau Tilda Swinton und Vincent D’Onofrio). Sie sind bemüht, aber hilflos, etwas engstirnig und eigentlich keine große Hilfe. Am Ende nuckelt Justin wieder, was der deutsche Untertitel bereits betont. Also war alles nur eine ganz normale Entwicklungsphase, die man ohne Pharmaka, fachmännische Hilfe und wie auch immer geartetem Elternhaus bewältigen kann. So nach dem Motto: Wenn’s in einem drinsteckt, schafft man es schon. Blauäugiger Optimismus, der durch unerschütterlichen Glauben den Weg zum Erfolg garantiert. Haarsträubend und zum Ausrutschen glatt.
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So, 24.03.2013
TV | Asche und Blut
Ein Trauerspiel2 Sterne
Fanny Ardant hat dieses Trauerspiel im Stil einer griechischen Tragödie inszeniert. Die Blutrache steht im Mittelpunkt und schwebt über den beiden verfeindeten Familien. Man muss die Hintergründe des ersten Mordes auch nicht verstehen, man kann sie nur erahnen. In dieser archaischen Männergesellschaft regiert das Gesetz der Rache. Es gibt keine Vergebung. Die Handlungsweise ist durch ein starres Zeremoniell vorgegeben. Familienmitglieder formieren sich wie auf einer Bühne in Gruppen, treten im Gleichschritt auf. Da schwingt viel Pathos mit und viel Bodenständigkeit. Obwohl die Atmosphäre stimmt, die die schönen Bilder kreieren, wirkt das Gezeigte oft hölzern und distanziert. Tränen und Schweigen beherrschen die Szene. Die normative Kraft des Faktischen überwiegt. Da ist keine Platz für Toleranz. Nachgeben bedeutet Ehrverlust, Kränkungen werden überzeugend geschildert. Eine angedeutete Liebesgeschichte und nicht stattgefundener Missbrauch sorgen darüber hinaus noch für Verwirrung. Als Erkenntnis bleibt einzig und allein am Ende eine Demutshaltung als Schuldeingeständnis. Im Tierreich vergleichbar mit der Darbietung der wehrlosen Weichteile durch den Unterlegenen. Das kann es aber doch wirklich nicht sein. Und wo bleibt die ‘Asche‘? Vielleicht da, wo die Akteure sich hin verziehen, nachdem sie verbrannte Erde zurückgelassen haben.
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Di, 19.03.2013
TV | 8 Frauen
Mördersuche4 Sterne
Wir sehen ein Ensemble, das sich aus mehreren Filmlegenden zusammensetzt. Jede von ihnen kreiert ihr eigenes Universum mit der Aura einer Diva. Da wird die Handlung fast zur Nebensache. Im Vorspann werden alle Namen mit einer Blume etikettiert und renommierte deutsche Darstellerinnen leihen ihnen ihre Stimme. Nachdem bei der Aufklärung eines Tötungsdeliktes fast alle Mädels verdächtig waren (inklusive Omas Geständnis, Danielle Darieux), läuft der Plot noch über einen möglicherweise inszenierten Mord (Ludivine Sagnier) bis hin zu einer dritten endgültigen Lösung. Die Mördersuche ist gewürzt mit persönlichen Gehässigkeiten und gegenseitigen Beschuldigungen. Es geht turbulent zu bis hin zu Handgreiflichkeiten im griechisch-römischen Stil. Das hässliche Entlein Augustine (Isabelle Huppert) wandelt sich zur Diva, zwei der Mädels (Deneuve, Ardant) haben den gleichen Liebhaber, wobei es vorher hetero- und homoerotisch zugegangen sein muss. Das ist alles so gut gemacht, dass nicht einmal die Gesangseinlagen der Damen stören. Im Gegenteil einige davon sind gute französische Chanson Tradition. Die Schlussszene hebt die Damenriege wie am Ende einer Theateraufführung in den Olymp. Drei ragen aus dem Ensemble nochmals etwas heraus: Mutter Gaby (Catherine Deneuve) gibt die Souveräne, die Überlegene, aber auch Tragische. Sie ist schön und reich. Ihr Gegenpart Augustine (Isabelle Huppert) hier mal anders: zickig und bissig ist arm und hässlich. Dienstmädchen Louise (Emmanuelle Béart) ist diabolisch, mysteriös, frech und sexy. Großartig, ein Hochgenuss! P.S. Wer hat Romy Schneider entdeckt?
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Di, 19.03.2013
TV | Undercover in Paris
Ordnungshüter2 Sterne
Auch aus Frankreich mit seiner langen Reihe von Spitzenkrimis kommt schon mal Massenwahre vom Band. An diesem Krimi ist überhaupt nicht Bemerkenswertes. Man sollte den Mantel des Schweigens über ihn ausbreiten. Der Titel besagt, worum es geht. Außerdem natürlich um Drogendealer. Polizeiliche Ermittlungen wie gehabt, Bild und Technik altbekannt, Darsteller nichts Ungewöhnliches, außer Cecile de France. Die Augenweide hier mit ungewohnter Frisur. Ihr Kollege Fred Testot ist von Hause aus gelernter Komiker. Der Hauch von Spannung kommt aus der Situation: als Undercover Agent geht es immer um ‘Bluffen oder Auffliegen‘. Aber die Gangster erscheinen wenig furchterregend. Da interessiert den Zuschauer doch schon eher, ob und wann die beiden Ermittler endlich schnackseln. Und um ein Zitat aus dem Film abzuwandeln (‘Lieber eine kleine Ungerechtigkeit als ein großes Durcheinander‘.) Lieber ein kleiner Haufen Mist als ein großer Mülleimer. K.V.
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Mo, 18.03.2013
TV | Howl - Das Geheul
Lyrik zum Heulen schön2 Sterne
In diesem Feature haben Epstein und Friedman versucht das Lebensgefühl der Beatniks nachzuempfinden. Am Beispiel des Prozesses gegen Allen Ginsberg (James Franco) demonstrieren sie, wie sich diese Generation artikuliert hat. Interviews wechseln mit Szenen aus dem Gerichtssaal und die werden wiederum durch Animationen unterbrochen. Das ist anspruchsvolle Unterhaltung auf höchstem Niveau, denn neben der fast nicht stattfindenden Handlung hören wir lange Passagen aus ‘Howl – Das Geheul‘. Und das ist schwere Kost. Man hat nicht so sehr mit dem Textverständnis zu kämpfen als mit dem Gewöhnungsprozess an die verbalen Ungewöhnlichkeiten wie z.B. ‘ und Alkohol und Schwanz und endloses Rumficken‘… Es sind die extrem prüden 50er Jahre als McCarthy Amerika mit seiner Kommunistenphobie beherrschte. In dieser Atmosphäre soll juristisch geklärt werden, ob Ginsbergs Lyrik ‘obszön und pornographisch‘ sei. Dabei geht es um die Freiheit der Kunst, um die Frage wodurch entsteht Literatur überhaupt? Es wird deutlich, dass man Ginsberg nicht verstehen muss, sondern eher nur erfühlen kann, wenn man von seinen Texten emotional berührt wird. Vergleiche mit dem amerikanischen Übervater Walt Whitman und seinen ‘Grashalmen‘ werden bemüht. Das Urteil am Ende lautete ‘Nicht obszön‘. Es werden zwar nicht alltägliche Begriffe verwendet, aber ‘ein Schuft der Böses dabei denkt.‘ Damit sprang Amerika damals über den eigenen strengen Moralkodex hinweg. Reines Arthouse, das immer noch recht irritierend unter die Haut geht.
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So, 17.03.2013
TV | eXistenZ
Sci-Fi Horror3 Sterne
Seine Filme sind nicht nach jedermanns Geschmack, aber ein anspruchsvolles Niveau ist unbestreitbar vorhanden. Cronenberg bietet ein intellektuelles Konstrukt, das vom Zuschauer Fantasie und Schwielen im Gemüt erfordert. Es ist nichts für Zartbesaitete. Es gibt bewusst eingesetzte Schocker mit ausreichend Blut, aufkommender Ekel muss unterdrückt und die akustische Schmerzgrenze sollte ziemlich hochgelegt werden. Die sich bekämpfenden Gruppen sind klar fest gelegt, meistens werden die Bösewichte vom großen Ungekannten – einem Konzern z.B. ‘Antenna Research‘ – angeführt. Das Ganze beruht auf einer pseudo-wissenschaftlichen Basis, wird daher mit vielen Fachausdrücken (z.B. ‘verrückte Osmose‘) und technischem Schnickschnack untermauert und in eine Krimi-Handlung verpackt. Unterwegs verlieren viele Menschen ihr Leben und am Ende schafft ein ironischer, verbaler Schlenker (‘Hab ich gewonnen?‘) den Weg zurück in die wie auch immer geartete Zukunft. Hier geht es um Videogames, in denen die Kombattanten eine Rolle übernehmen. Das ist viel aufregender als das richtige Leben. Es gibt Wechsel von der einen Ebene in die andere und wieder zurück. Das ist gut gemacht, freilich an Bedingungen gebunden (s. oben). Ein ‘Bioport‘ in der Wirbelsäule ermöglicht das Rollenspiel. Spieleerfinderin Allegra (J.J. Leigh) jagt zusammen mit einem Praktikanten (Jude Law) durch die Ebenen. Beide erleiden viel und wenn es blutig wird, war’s ja nur im Videogame nicht in der Realität. Das ist schrecklich schöne Unterhaltung, ekelerregend spannend. Man fühlt sich wie beim Tätowieren.
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Fr, 15.03.2013
TV | Zwei ungleiche Schwestern
Ein Schatz und der Eisblock4 Sterne
Die Unterschiedlichkeit der beiden Schwestern macht den Film zum Hochgenuss. Und das liegt vor allem an den grandiosen Hauptdarstellerinnen. Martine (Isabelle Huppert), die Grand Dame aus Paris, ist reich, verhärmt und gegen Körperkontakt allergisch. Louise (Cathérine Frot), das Landei, ‘der Charme der Provinz‘, ist nicht sehr wohlhabend, quietschfidel und lebenslustig. Martine hat nichts gelernt, Louise veröffentlicht ihren ersten Roman. Es beginnt als locker leichte Komödie, die ganz vorsichtig tragische Züge annimmt, ohne darin zu versacken. Erste Andeutungen auf die Mutter sind nur das Vorspiel zu Martines großem Ausraster. Als sie dann im Bett ihrer sexsüchtigen Freundin Sophie (Brigitte Catillon) noch eine überraschende Entdeckung macht, wird sie sogar handgreiflich. Es ist sicherlich hauptsächlich ein Mädelsfilm (Shoppen, Friseur) aber auch für Männer nicht uninteressant. Diese Position wird von Martines Ehemann Pierre (Francois Berléand) eindrucksvoll ausgefüllt. Er erfriert an der Seite seiner Frau, die ihn als ‘widerliches Schwein‘ beschimpft. Es wird einfühlsam geschildert, wie sich die ‘verärgerten‘ Schwestern näher kommen. Hier ist sicherlich ein Highlight ihre Nachahmung der Deneuve-Sisters in einer TV-Show, die sie schauen. Martine muss sich verändern, denn sie hasst ihr Leben und mag sich nicht. Louise ist rührend in ihrer Warmherzigkeit, einfach ein Schatz. Auch das Ende ist nicht nur ein schauspielerischer Genuss, sondern auch inhaltlich konsequent und wohltuend vernünftig.
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Do, 14.03.2013
TV | Belgrad Radio Taxi
Freundlicher Taxifahrer3 Sterne
Gavrilo (Nebojsa Glogovac) fährt in Belgrad Taxi und hört dabei Radio. Aber so einfach, wie es der Titel verkündet, ist das nicht. Der Film verknüpft auf intelligente Weise einige Einzelschicksale miteinander. Aus zufälligen Begegnungen oder Hypotheken aus der Vergangenheit entwickeln sich folgenschwere Ereignisse. Manche Szenen der Episoden sind tragisch, andere leicht komisch. Stellenweise wird es sogar dramatisch, dann aber wieder gleich menschlich rührend. Es ist aber immer lebensnah und damit unterhaltsam. Neben dem sympathischen, freundlichen und hilfsbereiten Gavrilo im Zentrum glänzen vor allem die Frauen. Sie sind die großen Leidtragenden, wenn man mal von der Hure Jadranka (Jasna Zalica) absieht, die nur für Mitmenschlichkeit zuständig ist. Anica Dobra, deren Schicksal man nur ahnen kann. Ohne Worte sieht man Fotos davon. Branka Katic als unglücklich verliebte Apothekerin und Nada Sargin als suizidgefährdete Mutter, die das ganze Karussell in Gang setzt. Es beginnt und endet mit den gleichen Bildern und fast den gleichen Szenen. Nur dass Gavrilo und Nada die Plätze im Krankenhaus tauschen. Im Theater würde man so ein überraschendes Ende als ‘dramatischen Vorhang‘ bezeichnen. Dramatisch aber versöhnlich. Das ist gekonnt gemacht.
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Di, 12.03.2013
TV | Die Kinder der Seidenstraße
Der Marsch der Kinder3 Sterne
Roger Spottiswoode hat einen echten Abenteuerfilm gemacht. Er spielt Ende der 30er Jahre als in China ein Machtvakuum herrschte. Nationalisten und Kommunisten kämpften teilweise gegen einander, teilweise gemeinsam gegen die japanischen Eindringlinge. Hier gerät der britische Reporter George Hogg (Jonathan Rhys-Meyers) zwischen die Fronten, entgeht einer Enthauptung und entscheidet sich mit 60 Kriegswaisen einen 700 km langen Marsch in Richtung Seidenstraße zu machen, um den Drangsalierungen der Japaner zu entgehen. Zwei Frauen unterstützen ihn bei seiner Arbeit. Mit der schönen Mrs. Wang (Michelle Yeoh) treibt er Handel, von der Krankenschwester Lee (Radha Mitchell) will er mehr. Sie ist ‘eine mutige Frau, die mehr als bloß schön ist.‘ Dabei entdeckt George sein Herz für Kinder Es ist eine Kriegsgeschichte voller Emotionen. Ein Antagonismus zwischen Egoismus und Altruismus, zwischen beruflichem Erfolg und echter Menschlichkeit. Die Bombardierungen sind mit viel Pyrotechnik nett anzuschauen. Es gibt kein echtes Happy End, dafür aber jede Menge Abenteuer: Schneesturm, Sandsturm, Lee erkrankt, dann auch George und stirbt. Teilweise geht es schon in Richtung Rührstück mit viel Leid und Heldentum, viel Idealismus, aber auch Angst und Tod. Ein echtes Abenteuer eben. Recht unterhaltsam. Gutes altes Dampfkino von (2008)!

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